diesterweg


(1) (Carl Theodor) Moritz (Wolfgang) * Berlin 1. März 1834 | † Frankfurt/M. 19. Febr. 1906; Verleger

(2) (Carl Adolph) Moritz * Frankfurt/M. 7. Juni 1861 | † Königstein 9. Juli 1919; Sohn von (1), Musikdirektor und Komponist

(3) (Johann Julius) Adolph * Frankfurt/M. 31. Dez. 1869 | † Eutin 1. März 1948; Sohn von (1), Jurist, Musikschriftsteller und Komponist

(4) Sabine Eleonore (gen. Leonore) * Frankfurt/M. 22. Dez. 1862 | † Oberursel 19. Mai 1943; Tochter von (1)


(1) Moritz Diesterweg, Sohn des Pädagogen Adolph D. (1790–1866), der 1813 bis 1818 an der Frankfurter Musterschule lehrte und Verfechter des Turnunterrichts war, absolvierte seit 1853 eine Buchdruckerlehre, die er 1859 in Berlin abschloss. 1860 erlangte er das Frankfurter Bürgerrecht und erwarb die Johann Christian Hermann’sche Buchhandlung, der er alsbald einen unter seinem Namen firmierenden Verlag anschloss. 1863 und seit 1877 erschienen hier auch musikalische Lehrwerke und Sammelpublikationen, u. a. von Julius Bautz, Karl Becker, Heinrich Henkel, Friedrich Reiff, Wigand Oppel, Carl Süss und Wilhelm Weimar sowie (1886) die Melodieen zum Frankfurter evangelischen Gesangbuch. Verheiratet war Diesterweg seit 1860 mit Caroline Naumann, Tochter eines Frankfurter Handelsmanns.


(2) Gesicherte Nachrichten über die musikalische Ausbildung Moritz Diesterwegs fehlen bislang; als jüngster Teilnehmer war er 1880 (neben Georg Goltermann, Heinrich Henkel, Joseph Joachim Raff – diese drei mögen seine Lehrer gewesen sein –, Gotthold Kunkel, Siegfried Ochs, Emil Sulzbach u. a.) beim ersten Frankfurter Komponistenabend mit von der Partie. Vermutlich setzte Diesterweg seine Ausbildung am Berliner Scharwenka-Konservatorium fort und fand dort eine Anstellung als Lehrer. Im Oktober 1886 gründete er das Braunschweiger Konservatorium, dem er bis etwa 1895 vorstand, bevor er sich in Berlin niederließ und eine Akademie für höheres Klavierspiel, Violine und Gesang ins Leben rief, die von etwa 1904 an als Diesterweg-Akademie bekannt war. Seit derselben Zeit begegnet Diesterweg auch als Musikschriftsteller in den Adressbüchern, die ihn 1914 nicht mehr als Leiter der Akademie (nur noch als Tonkünstler) führen. Wenig später verließ er Berlin; ob bereits in Richtung Königstein, weiß man nicht.

Werke (in den Bibl.-Katalogen meist fälschlich dem Vater (1) zugeordnet) — Der 23. Psalm (gem. Chor), Braunschweig: Schwetschke [verm. 1886]; D-Rp, D-W <> Sonate (Kl.) op. 2, Berlin: Luckhardt [1886]; A-Wn, ehem. D-B, D-KNh, D-Mbs <> Zwei Klavierstücke (Polonaise, Ballade) op. 3, ebd. [1886]; D-B <> Heiteres und Ernstes. Fünf leichte Klavierstücke (Ständchen, Versteckens!, Aus der Jugendzeit, Romanze, Moment musical) op. 4, ebd. [1886]; D-B <> Drei instruktive Charakterstücke (Kl.; Scherzo, 1. Capriccio, 2. Capriccio) op. 5, ebd. [1886]; D-B <> Über Moritz Diesterwegs musikschriftstellerische Arbeiten liegen bislang keine präzisen Nachrichten vor.


(3) Adolph Diesterweg war Schüler von Wigand (nicht Reinhard) Oppel und 1889/90 (also für ein Semester) von Ernst Engesser am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt, strebte aber eine musikalische Karriere zunächst nicht an: Nach seinem Jurastudium in Bonn, Leipzig und Berlin ist er seit etwa 1903 in seiner Heimatstadt als Gerichtsassessor und von 1908 an als Amtsrichter nachzuweisen. In den Jahren 1909 bis 1921 verzeichnen ihn die Berliner Adressbücher als Amtsgerichtsrat, anschließend nur mehr als Musikschriftsteller: In dieser Funktion war er spätestens seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis in die frühen 1940er Jahre hinein mit Berichten aus der Hauptstadt, Rezensionen und musikästhetischen Betrachtungen für die Berliner Lokalpresse und für die Allgemeine Musikzeitung (hier vor allem mit kritischen Stellungnahmen zur Neuen Musik) präsent. Wann sich Diesterweg in Eutin niederließ und was ihn dazu veranlasste, ist vorläufig nicht bekannt.

WerkeSieben Fantasiestücke als Cyclus für das Pianoforte [op. 1], Frankfurt: Firnberg [1904]; D-B, D-MZmi, D-SAAu – daraus einzeln: Frage und Antwort; D-B <> Scherzo (Kl.) op. 2, ebd. [1910]; D-B, D-MZmi <> zahlreiche Berichte und andere Beiträge in den oben genannten Blättern

Abbildung: Titelseite des Scherzo op. 2, mit eigenhändiger Zueignung an „M[einen] l[ieben] Freund Nicola Messer! Frankfurt/Main Oktober 1910“; D-MZmi


(4) Leonore Diesterweg war in den Jahren 1880 bis 1881 Klavierschülerin von Carl Fälten am Hoch’schen Konservatorium. Abgesehen davon, dass sie unverheiratet starb, wissen wir vorläufig ansonsten weiter nichts über ihren Lebensweg.


Quellen — KB und Standesamtsregister Frankfurt, Eutin und Königstein <> Adressbücher Berlin, Braunschweig und Frankfurt <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 16. Nov. 1880 (Abendbl.); Musikalisches Wochenblatt 26. Aug. 1886, 14. Juli 1887, 19. Okt. 1887, 20. März 1889; Signale für die musikalische Welt 8. Jan. 1930, 10. Jan. 1940 u. ö. <> MMB

Literatur — Patricia Stahl, Art. Diesterweg, Moritz [1834–1906], in: Frankfurter Personenlexikon (online) <> MüllerDML (nur zu (3))


Axel Beer

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