cossmann

COSSMANN (Familie)

(1) Bernhard * Dessau 17. Mai 1822 | † Frankfurt/M. 7. Mai 1910; Violoncellist, Pädagoge, Komponist

(2) (Pauline) Anna (Sophie Ottilie) * Weimar ca. 1862 | † Frankfurt/M. 3. Juni 1898; Klavierlehrerin

(3) Luise (bzw. Louise) (Fanny) gen. „Lulu“ * Weimar 23. Nov. 1863 | † München 1957; Lehrerin

(4) Paul (Julius) Nikolaus * Baden-Baden 6. Apr. 1869 | † KZ Theresienstadt 19. Okt. 1942; Schriftsteller


(1) Nachdem Cossmann, der einer jüdischen Familie entstammte, als Cellist in Paris (seit 1840), Leipzig (seit 1847), Weimar (seit 1850) und Moskau (seit 1866) angestellt gewesen war und zahlreiche Konzertreisen unternommen hatte, ließ er sich 1870 in Baden-Baden nieder, wo er bereits mehrere Sommer verbracht hatte. Von dort unternahm er weitere Reisen, ehe er 1878 als Celloprofessor an das Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt am Main berufen. Eine produktive Freundschaft verband ihn mit Robert Emil Bockmühl. Cossmann war mit der aus Karlsruhe gebürtigen Kaufmannstochter Mathilde geb. Hilb (ca. 1833–900) verheiratet.

Werke (Auswahl) — Freischütz-Fantasie (Vc., Kl.) op. 5, Offenbach: André [1871]; D-DS, D-OF <> Tell-Fantasie (Vc., Orch./Kl.) op. 6, ebd. [1871]; D-OF <> Euryanthe-Fantasie (Vc., Orch./Kl.) op. 7, ebd. [1871]; D-OF <> Drei Stücke (Vc., Kl.) op. 8, Leipzig: Kistner [1874]; D-Hu, D-Mbs <> Fünf Konzert-Etüden (Vc.) op. 10, ebd. [1876]; D-F (Titelauflage Siegel) <> Concert-Stück (Vc., Orch./Kl.), Leipzig: B&H [1872]; D-Cl, D-Hu <> Sechs Salon-Stücke (Vc., Kl.), ebd. [1872] <> Traumgesicht (Vc., Strq./Kl.), Mainz: Schott [1879] <> Violoncellstudien für die Gefügigkeit und Ausdauer der Finger und für die Reinheit der Intonation, Mainz: Schott [1876]; D-BSs, D-F, D-Hu, D-WRh <> zahlreiche Transkriptionen und Übungsstücke für Vc.

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Frankfurt <> Briefe von oder an Bernhard Cossmann in A-Wn, D-B, D-Bim, D-F, D-KNth, D-Mbs, D-OF, D-Zs; s. Kalliope <> Personalakte in D-Fsa (Best. S2 Sign. 2.744) <> Adressbücher Frankfurt <> Bernhard Adamy (Hrsg.), Hans Pfitzner Briefe, Tutzing 1991 <> MMB, Pazdírek, Kat. André 1900, Kat. Schott 1900 <> Hugo Schlemüller, Bernhard Cossmann (Nekrolog), in: Dr. Hoch’s Conservatorium für alle Zweige der Tonkunst, Frankfurt/M. 1910 <> Art. Bernhard Coßmann, in: Violoncellisten der Gegenwart in Wort und Bild, Hamburg 1903

Literatur — Kurt Stephenson, Art. Cossmann, in: MGG1 <> Cahn 1979 <> Wolfgang Glaab und Thomas Kohlhase, Čajkovskijs Brief vom 17. März 1889 an eine Dame in Frankfurt am Main, in: Tschaikowsky-Gesellschaft. Mitteilungen 10 (2003), S. 90–94 <> Sebastian Schertel, Robert Emil Bockmühl – Leben und Werk, 2007 (unveröff. Staatsexamensarbeit)


(2) Anna Cossmann studierte von 1879 bis 1885 Klavierspiel am Hoch’schen Konservatorium bei Carl Heymann, Bertrand Roth, Marie und Clara Schumann. Ab 1888 ist sie im Frankfurter Adressbuch als Klavierlehrerin geführt und kehrte in dieser Funktion 1893 an die Vorschule des Konservatoriums zurück, wo sie bis zu ihrem Tod 1898 unterrichtete. Irrtümlicher Weise ist sie noch bis 1902 im Adressbuch aufgeführt.

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Frankfurt <> Adressbücher Frankfurt <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> Annkatrin Babbe, Art. Cossmann, Anna, in: Instrumentalistinnen-Lexikon (Sophie Drinker Institut) online


(3) Lulu Cossmann erhielt zwischen 1878 und 1882 eine pianistische Ausbildung am Hoch’schen Konservatorium bei Valentin Müller und Bertrand Roth. Als „correspondante de la famille“ (Brief vom 5. Okt. 1889, zit. nach de Vet) war sie diejenige, der im Hause Cossmann das unterhalten von Korrespondenzen zukam – so ist etwa ein kleiner Briefwechsel mit Tschaikowsky, der bei seinem Aufenthalt in Frankfurt Anfang 1889 bei der Familie unterkam, überliefert. Seit spätestens 1908 war Lulu als Leiterin einer privaten Lehranstalt (aber wohl ohne musikalischen Schwerpunkt) tätig. Sie gehört zu den 29 Personen, denen die opernliebenden Schwestern Ida und Louise Cook 1939 zur Flucht nach Großbritannien verhelfen konnten. Später lebte sie in London und München.

Quellen und Referenzwerke — Korrespondenz mit Hans Pfitzner u. a., s. Kalliope <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> Adressbücher Frankfurt <> Schulamts- und Personalakte in D-Fsa (Sign. 4.406 und Best. S2 Sign. 2.744); Personalakte in D-WIhha (Best. 518 Nr. 37580)

Literatur — Bernhard Adamy (Hrsg.), Hans Pfitzner Briefe, Tutzing 1991 (dort auch eine Kurzbiographie) <> Ronald de Vet, Unbekannte Briefe Čajkovskijs an Lulu Cossmann und an Nikolaj Christoforov sowie zwei Widmungsblätter, in: Tschaikowsky-Gesellschaft. Mitteilungen 20 (2013), S. 190–197 (dort weitere Literatur)


(4) Paul Nikolaus Cossmann war als Schriftsteller in München tätig und zählte zum engsten Kreis um Hans →Pfitzner, dessen erste Biographie er 1904 vorlegte. Bis 1933 war er Leiter der von Pfitzner mitherausgegebenen Süddeutschen Monatshefte.

Quellen und Referenzwerke — Briefe, s. Kalliope <> Wolfram Selig, Art. Cossmann, Paul Nikolaus, in: Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik, München 1988 <> Bernhard Adamy (Hrsg.), Hans Pfitzner Briefe, Tutzing 1991 <> Art. Cossmann, Paul (Julius) Nikolaus, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie Online 2009 <> Art. Paul Nikolaus Julius Cossmann, in: LexM online


Abbildung 1: Bernhard Cossmann, Fotografie von J. Schäfer (Digitalisat aus D-F, Porträtsammlung Manskopf)

Abbildung 2: Anna Cossmann vor der Ca’ d’Oro in Venedig, gemalt von Karl von Pidoll mit Öl auf Holz (1894); Städel Museum Frankfurt (digital)


Axel Beer | Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2021/04/28 14:22
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