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WORRET (Familie)

(1) Philipp * Rodheim vor der Höhe (Wetteraukreis) 6. Febr. 1817 | † Worms 7. Okt. 1886; Bruder von (2), Militärmusiker

(2) Jacob * Rodheim vor der Höhe (Wetteraukreis) 14. Nov. 1823 | † Worms 27. Juni 1906; Bruder von (1), Kaffeewirt und Musiker

(3) (Christian) Wilhelm * Worms 16. März 1851 | † ebd. 14. Aug. 1904; Sohn von (2), Kaufmann („Restaurateur“) und Musiker

(4) Friedrich (Jacob Conrad) * Worms 17. Mai 1856 | † Karlsruhe 29. Dez. 1927; Sohn von (2), Pianist, Musiklehrer und Musikschriftsteller


Philipp Worret (1) entstammte einer in Rodheim ansässigen Kleinbauernfamilie, die auch Weberei betrieb. Als Hautboist gehörte er dem bis 1860 in Worms, anschließend bis zum Deutsch-Französischen Krieg in Darmstadt stationierten Großherzoglich Hessischen 3. Infanterie-Regiment an, dessen Kapelle während der Wormser Zeit von August Emil →Schäfer geleitet wurde. In D-WOsa (Abt. 205 Nr. 32-01/12) sind mit seinem Namen gezeichnete Musikalien überliefert.

Als Inhaber des Wormser Café J. Worret trat Jacob Worret (2) seit 1851 in Erscheinung; sein „Etablissement“ wurde über viele Jahre hinweg für zahlreiche unterschiedliche Veranstaltungen, darunter Konzerte, genutzt, wobei – ganz selbstverständlich für die Region – fürs leibliche Wohl bestens gesorgt war. Worret war als Hornist Mitglied des Musikvereins sowie des 1850 gegründeten Orchester-Vereins; gelegentlich trat er als Solist auf. Die Aufführungen von Joseph Dokowicz’ Oper Die Zerstörung von Worms (1897) erlebte er als Bassist unter den Chorsängern. Aus dem Besitz Jacob Worrets ist eine Sammelhandschrift mit Bearbeitungen und Originalkompositionen für Horn und Klavier u. a. von Carl Haine und August Emil Schäfer überliefert (D-KA; digital).

Mit seinem Vater Jacob (2) führte Wilhelm (3) seit der Mitte der 1870er Jahre gemeinsam Worret’s Etablissement; auch war er als Musiker Mitglied der Kasinogesellschaft (bis 1872) und anderer Vereine. 1877 veranstaltete er für seinen Lehrer Carl Haine, mit dem ihn (wie schon seinen Vater) eine enge Freundschaft verband, eine „Festfeier“ aus Anlass von dessen 25jähriger Tätigkeit in Worms (s. Abb. 1 im Art. Haine).


Friedrich Worret (4), wie sein Bruder Wilhelm sicherlich Schüler Carl Haines, arbeitete seit etwa 1887 als Klavierlehrer sowie als Bibliothekar am Karlsruher Konservatorium und war somit Kollege von Eduard Steinwarz. Anlässlich des 25jährigen Bestehens des Instituts im Jahre 1909 erhielt Worret, der bereits den Titel eines Professors trug, das Ritterkreuz 2. Klasse mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen.

WerkeLeitfaden der allgemeinen Musiklehre, Karlsruhe: Braun 1888 (und weitere Aufl.); D-KA <> Katalog der Bibliothek des Grossherzoglichen Konservatoriums der Musik in Karlsruhe, Karlsruhe: Thiergarten 1899; D-KA

Literatur — Jansa 1911


Ob jener Carl Worret, der 1849 und 1850 als Theaterdirektor in Bockenheim tätig war, wenig später wegen Betrugs verhaftet wurde, sich aber „der Haft durch Flucht entzog“ (Allgemeiner Polizei-Anzeiger) und in den späteren 1850er und 1860er Jahren in Nordamerika als Schauspieler und Sänger lebte, mit der Wormser Familie näher verwandt ist, bedarf noch der Aufklärung.


Quellen — Zivilstandsregister Worms, Standesamtsregister Karlsruhe <> Adressbücher Worms <> Akten und Dokumente in D-WOsa <> Didaskalia 1. Okt. 1849, 10. Apr. 1850 und passim; Wormser Zeitung 5. Febr. 1850, 7. März 1850, 18. Febr. 1851, 22. März 1851, 15. Jan. 1853, 25. März 1855, 14. Aug. 1856, 7. Jan. 1876, 11. Jan. 1876 und passim; Allgemeiner Polizei-Anzeiger (Dresden) 22. Juli 1851 <> NZfM 22. Nov. 1878 <> Musikalisches Wochenblatt 1. Aug. 1888, 5. Aug. 1909

Abbildung 1: Konzertankündiung (Wormser Zeitung 15. Jan. 1853)

Abbildung 2: Friedrich Worret (Jansa 1911)


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2021/05/13 13:15
  • von kk