hochstetter


HOCHSTETTER, CAESAR (auch CÉSAR) * Ladenburg bei Mannheim 12. Jan. 1863 | † nicht vor 1933; Pianist, Musiklehrer, Komponist

Hochstetter entstammte einer in Mannheim ansässigen jüdischen Familie; sein Vater Isaac war Kaufmann. Als Pianist und Organist trat er in den Jahren 1878 bis 1882 in Mannheim auf, bevor er Schüler des Leipziger Konservatoriums wurde (bis 1885). Anschließend scheint er zunächst nach Mannheim zurückgekehrt zu sein, und es ist wahrscheinlich, dass er sich alsbald für geraume Zeit in der Schweiz aufhielt; hierfür sprechen ein Auftritt in Vevey am Genfersee (1887), seine erste Eheschließung in Zürich (1888) und seine Verlagsbeziehungen mit Charles Foetisch in Lausanne. 1896 oder kurz zuvor (nicht erst 1901) ließ er sich als „Musikdirektor“ in Wiesbaden nieder, gab zunächst Privatunterricht (Klavier, Theorie, Komposition und Orgel) und bot die „Direktion von Gesangvereinen“ an. Ein Jahr später begann er seine Lehrtätigkeit am Freudenberg-Konservatorium (Klavier, Ensemble-Spiel, Musikgeschichte) und übernahm, nachdem er zwischen 1901 und 1903 Musiktheorie und Musikgeschichte am Spangenberg-Konservatorium unterrichtet hatte, im Sommer 1903 die Leitung des Neuen Wiesbadener Konservatoriums, das aus dem von Freudenberg gegründeten hervorgegangen war; sein Nachfolger wurde Franz Schreiber. In Wiesbaden engagierte sich Hochstetter außerdem als Dirigent (u. a. des Sängerchors der Post- und Telegraphenbeamten), als Festredner und als Mitglied des Volksbildungsvereins, in dem er zahlreiche musikhistorische Vorträge hielt. Seit 1907 lebte er als Pianist, Klavierlehrer und Kritiker sowie als „Begleiter, Solist und Konzertredner“ (Neue Zürcher Nachrichten 18. Sept. 1915) in Zürich, wo er noch 1925 nachweisbar ist. Wenig später, vielleicht im August 1928, verlegte er seinen Wohnsitz nach Darmstadt – die Adressbücher 1929–1934 führen ihn als „Musikdirektor i. R.“. Es ist noch ungeklärt, ob er das Schicksal seines jüngeren Bruders, des Dichters Gustav Hochstetter, teilte, der 1944 in Theresienstadt ermordet wurde.

Hochstetters Name fällt gelegentlich im Zusammenhang mit Max →Reger, für den er sich während dessen Wiesbadener Zeit sehr wohlwollend einsetzte. Letzterer revanchierte sich mit der Widmung seiner Opera 25 und 34. Unter Hochstetters Wiesbadener Schülern war Werner Wemheuer.

Werkemit Opuszahl: Notturno (Kl.) op. 1, Leipzig: Forberg [1885]; A-Wn, D-B, GB-Lbl <> Zwei Clavierstücke op. 2, ebd. [1885]; D-B, GB-Lbl <> Adagio elegiaco (Vl., Kl.) op. 3, Zürich: Gassmann [1886] <> Dornröschen. Märchen in fünf Bildern (Kl.) op. 4, Leipzig: Breitkopf & Härtel [1887]; D-B; GB-Lbl <> Zwölf Kinderstücke (Kl.) op. 5, Vevey: Benda [1887] – später Lausanne: Foetisch; CH-Bu, D-B <> Technische Studien (Kl.) op. 6, Lausanne: Foetisch [1887] <> Drei Lieder (4st. Mch.) op. 7, ebd. [1887] <> L’Harmonie. Nouveau Recueil de Chants. 12 mélodies originales (3st. Ch.) op. 22, ebd. [ca. 1890] (2 Aufl.); CH-Bu, CH-LAcu <> Dix petits morceaux (Kl.) op. 24, Mailand: Ricordi [1889]; I-Mc – später Zürich: Holzmann [1915]; D-B, CH-Zz, I-Rsc <> David marchand contre Goliath (Bar., 4st. Mch., Org.) op. 26, Lausanne: Foetisch [ca. 1890] <> Trois Chœurs d’Hommes (4st. Mch.) op. 29, ebd. [1896]; A-Wn (Nr. 2) <> ohne Opuszahl: Mahnung („Mädel, sei kein eitles Ding“; Sst., Kl.); Leipzig: Kiesler [1901] <> La Fourmi et la Cigale (Mch.), Lausanne: Foetisch [1903]; CH-LAcu <> Frieden („Gib uns Frieden, Herr“; gem. Ch.), Zürich: Holzmann [1916]; A-Wn, D-B <> Die Paula bei Schramm, […] lustiges Lied (Sst., Kl.; Text von Gustav Hochstetter), Berlin: Kunz [um 1920]; D-B <> Choral Es ist ein Licht in uns (Mch.), Leipzig: Hug [1922]; D-B <> „In Böhmen liegt ein Städtchen“ (3st. Fch.), Zürich: Hüni [1923]; D-B <> „Herr, schicke was du willt“ (Sst., Kl. oder Org.), Leipzig: Hug [1926]; D-B <> Bearbeitung: Album für das einhändige Klavierspiel (8 Stücke von Bach, Chopin, Schumann, Reger, Zichy), Leipzig: Breitkopf & Härtel [1917]; D-B, D-Mbs (digital) <> Schriften: Die vier Ouvertüren zu Beethoven’s Oper „Fidelio“, in: Wiesbadener General-Anzeiger 9. Nov. 1897 <> Max Reger. Biographisch-Kritische Skizze sowie Noch einmal Max Reger, in: Die redenden Künste. Zeitschrift für Musik und Litteratur 5 (1898/99)

Quellen — Standesamtsregister Wiesbaden <> Briefe Max Regers an Hochstetter, s. Susanne Popp, Der junge Reger. Briefe und Dokumente vor 1900, Wiesbaden etc. 2000 <> NZfM 30. Aug. 1878, 15. Apr. 1881, 10. Juli 1885; Musikalisches Wochenblatt 2. Mai 1879, 27. Apr. 1882, 19. März 1885, 12. Nov. 1885, 19. Mai 1887, 9. Apr. 1891 und passim; Wiesbadener General-Anzeiger 14. Sept. 1897 und passim; Wiesbadener Tagblatt 30. Jan. 1900, 8. Dez. 1900, 6. Okt. 1901, 9. Okt. 1902, 31. Aug. 1903, 12. Febr. 1904, 19. Febr. 1905, 22. Okt. 1906, 24. Sept. 1907 und passim; Wiesbadener Bade-Blatt 12. Dez. 1903, 2. Febr. 1904; Neue Zürcher Nachrichten 16. Apr. 1908, 23. März 1909, 18. Sept. 1915; Chronik der Stadt Zürich 22. Jan. 1910, 4. Sept. 1915, 16. Okt. 1915, 22. Apr. 1916; Grütlianer (Zürich) 16. März 1921, 19. März 1921 <> Adressbücher Darmstadt, Wiesbaden und Zürich <> MMB; Pazdírek

Abbildung: Caesar Hochstetter mit seinem Schüler Werner Luckow (seit 1917 Werner Wemheuer; ca. 1905); Privatbesitz


Axel Beer

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