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BECKER, (JOHANN) DANIEL GEORG * Offenbach 23. Mai 1831 | † Heppenheim 8. Febr. 1911; Kaufmann, Komponist, Musiklehrer, Cellist

Becker, dessen Vater Johann Wilhelm (1794–1860) und Großvater Johann Philipp Musiklehrer in Offenbach gewesen waren, betätigte sich hauptberuflich zunächst als Garn- und Leinwandhändler in Frankfurt/M. Als solcher heiratete er 1859 die Handelsmannstochter Anna Dorothea Maria Rosa geb. Wagner (1830–1865) und nach deren Tod 1867 die Kaufmannstochter Cornelia Marie Rosalie geb. Braumüller (1837–1899). In den Frankfurter Adressbüchern scheint er seit 1868 als Musiker auf, lässt sich jedoch bereits seit 1850 als Cellist im Theaterorchester (sowie mindestens 1857 im Museumsorchester) und seit 1857 mit veröffentlichten Werken, von denen eine bemerkenswerte Anzahl Frankfurter Musikern gewidmet ist, nachweisen. Gegenüber dem befreundeten Biologen Ernst Haeckel (1834–1919) äußerte er rückschauend in einem Brief: „Ich bin der Sohn eines armen Musikers. Hätte so gern Naturwissenschaft studiert, aber der nervus rerum fehlte. Zudem war ich eine Art Wunderkind, welches mit 7 Jahren alle musikalischen Töne die ihm zuflogen nennen konnte. Mit 13 Jahren bekam ich die ersten 4 Schüler im Klavier, mit 71 Jahren habe ich wieder vier. Habe es aber wenigstens zu einem schönen Besitzthum, 2700 Zoll Garten mit Siebenzimmerhaus gebracht, auf welchem keine Lasten sind.“ (Rödelheim, 4. Okt. 1902). Aus besagtem Schriftstück erfährt man zudem, dass er das Honorar seines opus primum zur Anschaffung eines Immersionsobjektivs für sein Mikroskop aufgewendet hatte. Bis in die 1880er Jahre sind Auftritte des seit etwa 1871 in Rödelheim lebenden Cellisten D. G. Becker (so stets die Namensform) bekannt. Gegen 1904 verzog er mit seiner ältesten Tochter Emilie Rosa (* Frankfurt/M. 30. Sept. 1860 | † Heppenheim 31. März 1926), die ihn bis zu seinem Lebensende pflegte und später als ledige Klavierlehrerin verstarb, nach Heppenheim, wo er sich für seinen „Lebensrest ein Villachen gekauft und baar bezahlt“ hatte (Brief an Haeckel, Heppenheim 14. Juni 1904). Die jüngste Tochter der insgesamt fünf Kinder aus zwei Ehen, Georgine Maria (* Frankfurt/M. 7. Juli 1871 | † ebd. 25. Febr. 1941), war in ihrer Geburtsstadt ebenfalls als Klavier- bzw. Musiklehrerin tätig.

WerkeErste Sonate (Vc., Kl.) op. 1 (Gustav Schmidt gewidmet), Leipzig: Hofmeister [1857]; D-Mbs (digital), F-Pn, US-Bh <> 6 Romances (Vc., Kl.) op. 2, ebd. [1857]; US-Bh (digital, s. IMSLP <> Erstes Quartett (2 Vl., Va., Vc.) op. 4 (Aloys Baldenecker gew.), ebd. [1857]; US-R (digital) <> Zweites Quartett (2 Vl., Va., Vc.) op. 5 (Emil Erlanger gew.), ebd. [1857]; D-Mbs, US-R (digital) <> Drittes Quartett (2 Vl., Va., Vc.) op. 6 (Louis Schindelmeisser gew.), ebd. [1858]; D-Dl, US-R (digital) <> Premier grand Galop (Kl.) op. 9 (Johannes Schoch gew.), Offenbach: André [1857]; D-OF <> Second grand Galop brillant (Kl.) op. 11, ebd. [1858]; D-BABHkrämer (s. Abb.), D-BUDbierwisch, D-OF <> Deux Mazourkas mélancoliques (Kl.) op. 12 (Elise Whitmore gew.), ebd. [1858]; D-OF <> Ballade und Romanze. 2 Tonstücke (Vc., Kl.) op. 13 (Carl Lisst gew.), Leipzig: Hofmeister [1858] <> 2 Sonaten leicht ausführbar (Vc., Kl.) op. 14, ebd. [1858]; NL-DHnmi, US-Bh <> Grande Sonate (Vc., Kl.) op. 15, ebd. [1861]; I-Ria <> 3 Duetten (2 Vc.) op. 16, ebd. [1862]; IL-J, US-GRB <> 2 Sonaten leicht ausführbar (Kl.) op. 17, ebd. [1862] <> Der Engel und das Kind (Sst., Kl.) op. 16 [bis], Frankfurt: Henkel [1870] <> Erste Liebe. Tonstück (Vc., Kl.), ebd. [1870] <> 6 Sonatinen (Kl. 4ms) op. 30, Offenbach: André [1871]; D-OF, GB-Lbl <> Die Erwartung im Försterhaus. Melodram (m. Kl.) op. 30 [bis], Frankfurt: Henkel [1873] <> Concertwalzer (Kl.) op. 32, Rödelheim: Selbstverlag (Leipzig: Hofmeister in Kommission) [1880] <> Sonate (Vc., Kl.) op. 40, Mainz: Schott [1888] <> Invitation e Tarantella (Vl., Kl.), Ms.; D-Bhm, s. RISM ID 1001054694 <> Andante (Vl., Kl.), Ms.; D-Bhm, s. RISM ID 1001054696

Quellen und Referenzwerke — KB Offenbach und Frankfurt; Standesamtsregister Frankfurt und Heppenheim <> Adressbücher Frankfurt <> Akten in D-Fsa (Best. H.15.15 Nr. 1868-14; Best. V125 Nr. 62 (Museums-Ges.: Beschwerde Beckers wegen angeblicher Zurücksetzung durch Musikdirektor Messer)) <> Briefe Beckers (12, 1901–1907) und seiner Tochter Emilie Rosa (2, 1907–1914) an Ernst Haeckel, s. Ernst Haeckel Online Briefedition <> Verlagsverträge mit André in Offenbach (4, 1856–1870); D-OF <> Frankfurter Theater-Almanach <> Karl Schmidt, Zur Geschichte des Musikvereins in Friedberg […], Friedberg: Bindernagel 1894, S. 53 <> MMB <> Patentblatt […], hrsg. vom Kaiserlichen Patentamt, Berlin, Jg. 23 (1899), S. 522 (Gebrauchsmuster Beckers für eine „Unter dem Griffbrett gespannte Saite zur Befestigung des Eigentones von Streichinstrumenten“) <> NZfM 26. Juni 1857, 6. Nov. 1857, 6. Mai 1859

Abbildung: Titelseite des Second grand Galop brillant op. 11; D-BABHkrämer


Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2023/03/15 20:39
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