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BRYANT (verh. ATKINSON), HANNAH (WALLER) * Stickney (Lincolnshire) 1875 | † London 1960; Pianistin, Musiklehrerin, Übersetzerin

Hannah Bryant wuchs als eines von elf Kindern aus zwei Ehen in der Methodistenfamilie des 1879 verstorbenen Predigers, Lebensmittel- und Tuchhändlers Thomas Wesley Bryant in Lincolnshire auf. Von 1890 bis 1894 studierte sie Klavierspiel bei Eugenie Schumann und Bernhard Scholz sowie Kontrapunkt bei Iwan Knorr am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt/M, wo sie auch kurzzeitig Unterricht als Seminarlehrerin erteilte. Anschließend wurde sie Schülerin Alexander Silotis, mit dem sie 1897 mehrere Konzerte in Berlin und Leipzig gab, ehe sie nach England zurückkehrte. Im Census von 1901 ist sie als „pianist teacher“ im Londoner Stadtteil Battersea geführt und 1905 inserierte sie für einen „Holiday Course in ensemble-playing for pianists“. Bryant heiratete 1907 den Autor und Historiker Charles Francis Atkinson (1880–1960), taucht aber in der Presse weiterhin mit ihrem Geburtsnamen auf. 1909 gründete sie die London Chamber Concert Association, die in Kammerkonzerten selten gespielte und teils historische Werke aufführte, wobei Bryant am Klavier oder Cembalo mitwirkte. Dazu gehört eine Chaconne von Purcell, die sie nach einem Manuskript im British Museum edierte und später im Druck veröffentlichte, darüber hinaus beispielsweise Werke von Carl Friedrich Abel, Johann Christian Bach, Telemann, Quantz, Scheidt und von Zeitgenossen wie Jan Brandts Buys (dessen Studienzeit in Frankfurt, wenn auch am Raff-Konservatorium, sich mit der ihrigen überschnitten hatte), Harold Darke und Max Reger. Bryant lebte mit ihren Söhnen, getrennt von ihrem Ehemann, in bescheidenen Verhältnissen. Sie übersetzte mehrere Ausgaben von Komponistenbriefwechseln und ein halbes Dutzend Romane (auch einige Radiohörspiele) aus dem Deutschen ins Englische (teils veröffentlicht unter dem Namen Hannah Waller) und Alexander Puschkins Märchen vom goldenen Hahn aus dem Russischen ins Englische (erschienen 1936). Bei der Kanadischen Schriftstellerin Ethel Wilson (1888–1980) handelt es sich um die Tochter ihres Halbbruders Robert, die ihre Tanten Hannah und Margaret Bryant – letztere war als Journalistin tätig – als „intellectual and amusing […] emancipated paternal half-Aunts“ bezeichnete (Wilson, S. 33).

WerkeDrei schottische Lieder (1. Unter Aberfeldy’s Birken, 2. Ade, du falsche Maid, 3. Lord Reoch’s Tochter; Chor, Kl.); aufgef. im Kons. 2. Mai 1894 – Nr. 3 im Druck erschienen als Lord Reoch’s Tochter. Schottisches Volkslied (Sst., Kl.), Frankfurt: Steyl & Thomas [1895]; D-B <> Kleine Suite (Vl., Kl.); aufgef. im Kons. 2. Mai 1894 <> The Water Lily. (Im Wasser wogt die Lilie) (Text übersetzt von C[harles] F[rancis] A[tkinson]; Sst., Kl.), London: Stainer & Bell (1914); GB-Lbl <> Henry Purcell, Chacony. Quartet for Strings in G minor („Transcribed from the original manuscript in the British Museum and edited by Hannah Bryant“), London: J. & W. Chester (1925); D-FRhmb, D-KNh, F-Pn, GB-Lbl u. a. <> Übersetzungen (Auswahl der musikbezogenen): Karl Storck, The Letters of Robert Schumann, London: Johan Murray 1907 <> Max Kalbeck, Johannes Brahms. The Herzogenberg Correspondence, London: ebd. 1909 <> Julius Kapp, The women in Wagner’s life, New York: A. A. Knopf 1931 <> Richard du Moulin-Eckart/Scott Goddard, Letters of Hans von Bülow to Richard Wagner, Cosima Wagner, his daughter Daniela, Luise von Bülow, Karl Klindworth, Carl Bechstein, New York/London: A. A. Knopf 1931

Quellen und Referenzwerke — UK Birth Index; Death Index; Census Records 1881, 1901, 1911 <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums 1889/90–1893/94 <> MMB <> The Stamford Mercury 27. Dez. 1889, 28. Juli 1893, 6. Sept. 1907; Totnes Weekly Times 18. Nov. 1888; Leipziger Tageblatt und Anzeiger 31. Okt. 1897, 10. Nov. 1897, 13. Nov. 1897, 3. Dez. 1897; Signale für die musikalische Welt 16. Nov. 1897, 30. Nov. 1897, 7. Dez. 1897; Berliner Börsen-Zeitung 21. Nov. 1897; The Athenæum 17. Febr. 1900, 26. Okt. 1907, 11. Apr. 1908, 18. Juli 1908, 20. März 1909; The Violin Times 15. März 1900, 15. Juni 1900; Musical News 19. Mai 1900; The Musical Times 1. Juni 1900, 1. Apr. 1903, 1. März 1904, 1. Febr. 1910, 1. Juli 1925, 1. Nov. 1925; The Monthly Musical Record 1. Dez. 1902, 1. Apr. 1903; The Journal of Education 1. März 1905; The Strad Nr. 227 (März) 1909; The Musical Standard 13. März 1909, 20. März 1909, 27. März 1909; The Nation 27. Nov. 1909; The Chesterian Nr. 70 (Apr.–Mai) 1928; zahlreiche Nennungen in der Londoner Tagespresse <> Ethel Wilson, Reflections in a Pool, in: Canadian Literature Nr. 22 (Autumn), 1964, S. 29–33

Referenzwerke und Literatur — Art. Atkinson, Major C. F., in: Sidney A. Moseley, Who’s who in broadcasting, London 1933; Art. Atkinson, C. F., in: Robert Prot, Dictionnaire de la radio, Grenoble 1997 <> David Stouck, Ethel Wilson. A Critical Biography, Toronto 2003


Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2024/01/30 21:33
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