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SCHMIDT, GUSTAV (FRIEDRICH) * Weimar 1. Sept. 1816 | † Darmstadt 11. Febr. 1882; Dirigent und Komponist

Als Sohn eines herzoglich weimarischen Hofbeamten begann Schmidt 1833 ein Jurastudium in Jena, wo er zugleich den Akademischen Singverein leitete. 1836 fällte er die Entscheidung, sich vollständig der Musik zuzuwenden, und nahm in Weimar Unterricht bei Johann Nepomuk Hummel (Klavier), Johann Christian Lobe (Musiktheorie) und Johann Gottlob Töpfer (Orgel). In Leipzig setzte er ab 1840, möglicherweise bei Felix Mendelssohn Bartholdy, seine Ausbildung fort, engagierte sich im Philharmonischen Verein und erhielt im Oktober 1841 einen Ruf als Theaterkapellmeister in Brünn (Brno), wo er bis Sommer 1844 tätig war. Nach kurzen Aufenthalten in Wien (zu Studienzwecken) und Weimar arbeitete Schmidt von Herbst 1845 bis zur Schließung des Theaters im Mai 1846 in gleicher Funktion in Würzburg. Im August 1846 ließ er sich in Frankfurt/M. nieder, um – unter Berücksichtigung von „lehreichen Andeutungen“ Carl Guhrs (AmZ 13. Okt. 1847, Sp. 701) – seinen Opernerstling Prinz Eugen zu vollenden, der am 25. Juli 1847 mit bemerkenswertem Erfolg dort erstmals über die Bühne ging und Schmidt im Verlauf der folgenden gut zwei Jahre zum Zweck weiterer Aufführungen (zumeist unter seiner Leitung) etliche deutsche Opernhäuser (u. a. in Berlin, Coburg, Darmstadt, Leipzig, Mannheim und Weimar) besuchen ließ. Im Herbst 1849 folgte Schmidt Christian Rummel als Kapellmeister des Wiesbadener Theaterorchesters nach; sein baldiger Wechsel nach Frankfurt, wo er am 14. Nov. 1849 die Sängerin Emilie Meck geheiratet hatte, im März 1851 löste einen deftigen Skandal aus, da sein Schwiegervater, Theaterdirektor Johann Leonhard Meck, dem bisherigen Kapellmeister Louis Schindelmeisser zugunsten Schmidts kurzerhand gekündigt hatte; Schindelmeisser trat alsdann dessen Stelle in Wiesbaden an. Schmidt, der sich nicht nur durch Frankfurter Aufführungen von Wagners Tannhäuser (1852), Holländer und Lohengrin (1854) einen Namen machte, sondern auch durch seine zweite Oper Weibertreue (1858), gab seine Position im September 1861 auf (sein Nachfolger wurde Ignaz →Lachner) und privatisierte einstweilen – abgesehen von einigen Monaten, während derer er zu Beginn des Jahres 1862 als Interimsnachfolger von Friedrich Marpurg in Mainz wirkte – in Frankfurt. Nachdem er zu Beginn des Jahres 1864 einen Ruf an das Landestheater in Prag ausgeschlagen hatte, übernahm er im Juni die Kapellmeisterstelle am Stadttheater in Leipzig, die er bis 1876 innehatte. Anstelle des verstorbenen Joseph Nesvadba erhielt Schmidt im August des Jahres die Ernennung zum Darmstädter Hofkapellmeister (bis Frühjahr 1877 fungierte neben ihm als Zweiter Kapellmeister Emil Steinbach) und setzte sich auch an seinem neuen Wirkungsort, u. a. mit der Aufführung der Oper Alibi (1880), für seine eigenen Bühnenwerke sowie diejenigen Wagners (Meistersinger 1879) ein. Willem de Haan, der bereits 1878 als zweiter Kapellmeister engagiert worden war, trat im Sommer 1880 faktisch die Nachfolge des erkrankten Schmidt an, der im Jahr darauf in den Ruhestand versetzt wurde. Schmidt erhielt 1860 die Medaille für Kunst und Wissenschaft des Herzogtums Sachen-Coburg-Gotha, 1876 das Ritterkreuz I. Klasse des Philipps-Ordens des Großherzogtums Hessen-Darmstadt und 1878 das Ritterkreuz I. Klasse des Sächsisch-Ernestinischen Hausordens; Daniel Georg Becker widmete ihm seine Sonate op. 1 [1857]. Einigermaßen rätselhaft ist Mendel-Reissmanns Urteil: „Seine Leistungen sind allseitig untergeordneter Art.“

WerkeOpern und andere Bühnenwerke: Prinz Eugen der edle Ritter (Libr. Gustav Schmidt nach Alexander Rost; UA Frankfurt 26. Juli 1847), KlA. Leipzig: Breitkopf & Härtel [1848]; A-Wn, CH-BEl, GB-Ob, D-Mbs (digital, s. Abb. 2; auch handschr. Aufführungsmaterial vorhanden) – KlA. ohne Worte, Ouvertüre (Kl. 2ms, 4ms), ebd. [1848]; D-F (KlA. Ouvert. 4ms) – Manuskripte s. RISMonline <> Weibertreue oder Kaiser Konrad vor Weinsberg (komp. 1853; Libr. Gustav Schmidt; UA Weimar 16. Febr. 1858); KlA. Leipzig: Breitkopf & Härtel [1859]; D-B, D-Cl, D-KNh, D-WRha, GB-Lbl, GB-Ob – autographierte Partitur Frankfurt: Strauss; D-Mbs, D-WRha, GB-Lbl – Ouvertüre (Kl. 2ms.), Leipzig: Breitkopf & Härtel [1859] – Manuskripte s. RISMonline <> La Réole (Libr. Charlotte Birch-Pfeiffer; UA Breslau 24. Jan. 1863); KlA. Berlin/Posen: Bote & Bock [1862]; D-B, D-Fh, D-Mbs, GB-Lbl – handschr. Aufführungsmaterial in D-B, D-Cl – Ouverture (Kl. 2ms), Berlin: Bote & Bock [1863] <> Komische Operette Alibi oder die Fahrt in’s Philisterium op. 48 (Libr. Gustav Schmidt; UA Weimar 1. Febr. 1880, dann Darmstadt 4. Febr. 1880), KlA. Hamburg: Pohle [1880]; D-Sl, GB-Lbl – handschr. Partitur D-WRha <> Alpenszene ’s letzte Fensterl (Text Johann Gabriel Seidl; UA Würzburg 19. März 1846); ungedr., verschollen <> Schauspielmusik zu Zacharias Werners Luther (Frankfurt Okt. 1847); ungedr., verschollen (s. AmZ 13. Okt. 1847) <> Phantastisches Märchen Fröhliche Weihnachten (Text August Wilhelm Hesse; UA Leipzig 27. Dez. 1864); ungedr., verschollen <> Lieder und Gesänge mit Opuszahl (wenn nicht anders angegeben, für Sst. und Kl.): Sechs Lieder op. 2, Leipzig: Breitkopf & Härtel [1848]; D-B, US-NYp <> Zwei heitere Lieder op. 14, Offenbach: André [1859]; D-B, D-OF <> Sechs Volkslieder (4st. Mch.) op. 16, Leipzig: Breitkopf & Härtel [1862]; D-B, D-Dl <> Zwei Trauungs-Gesänge (S solo, 4st. Mch.) op. 41, Leipzig: Forberg [1878]; D-B (Nr. 1) <> Fünf Lieder (4st. Mch.) op. 42, ebd. [1878] <> Acht Lieder (4st. Mch.) op. 43, ebd. [1879], D-B, GB-Lbl <> Drei Lieder op. 44, Offenbach: André [1880]; D-B, D-OF <> Drei Lieder in heiterer Gesellschaft zu singen op. 45, ebd. [1880]; D-B, D-OF <> Drei Lieder op. 46, ebd. [1880]; D-B, D-OF <> Sechs volksthümliche Lieder (4st. Mch.) op. 47, Leipzig: Forberg [1879]; D-B, GB-Lbl <> Sieben Wiegenlieder op. 49, Kassel/Leipzig: Voigt [1880]; D-B – Übernahme nach 1881 Berlin: Ries&Erler <> Sechs Lieder op. 50, ebd. [1880] – Übernahme nach 1881 Berlin: Ries&Erler <> Drei Gedichte op. 51, Leipzig: Forberg [1880]; D-B, GB-Lbl <> Lieder und Gesänge ohne Opuszahl: Die stille Wasserrose (Sst., Kl.), Offenbach: André [1853]; D-B, D-OF <> Der Troubadour (Sst., Kl.), ebd. [1854]; D-B, D-OF <> Liebeswünsche. Altdeutsches Volkslied (Sst., Kl.), Mainz: Schott [1862]; D-B, GB-Lbl <> 2 Männerchöre, Leipzig: Seitz [1868]; D-B <> Wünsche (Sst., Kl.), ebd. [1869]; D-B <> 4 Trauungs-Gesänge (4st. Mch.), Mainz: Schott [1872] <> Lied Der Postillon (Sst., Posthr., Vc., Kl.; komp. bis 1844), Leipzig: Kistner [1875]; GB-Lbl <> Acht Volkslieder (4st. Mch.), Leipzig: Seitz [1876]; ehem. D-B; GB-Lbl – Übernahme nach 1881 Berlin: Ries&Erler <> 3 Lieder (Sst., Kl.), Berlin: Ries&Erler [1887]; D-B, GB-Lbl <> weitere Vokalwerke: Bravour-Variationen über ein Thema von Mozart (Sst., Fl., Kl.), Berlin: Ries&Erler [1882] <> Psalm 121 (3 Sst.), Frankfurt/O.: Bratfisch [1895]; ehem. D-B <> Instrumentalwerk: Fantasie (Kl.; aufgeführt Brünn 12. Dez. 1841); ungedruckt, verschollen

Quellen — KB Frankfurt <> Adressbücher Frankfurt <> Briefe Schmidts an unterschiedliche Adressaten; u. a. in D-B, D-DS und D-OF (an André in Offenbach); s. Kalliope <> Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Gustav Schmidt 1852 bis 1875, hrsg. von Anselm Eber, in: Schumann Briefedition Serie II, Bd. 16,2, Köln 2020, S. 993–1012 <> NN, Gustav Schmidt. Biographische Skizze, in: Würzburger Conversationsblatt 20. Dez. 1847 (kompiliert nach AmZ 13. Okt. 1847) <> zahlreiche Notizen, Berichte und Besprechungen in der musikalischen und regionalen Presse <> MMB <> freundliche Hinweise von Frau Prof. Dr. Ursula Kramer, Darmstadt

Referenzwerke und Literatur — Weddigen 1894 <> GollmickB <> GollmickH <> Mendel-Reissmann <> Pazdírek <> RiemannL 1922 <> Frank/Altmann 1927 <> Kaiser 1964 <> Schweitzer 1975 <> StiegerO <> Christoph Hust, Art. Schmidt, Gustav, in MGG2P

Abbildung 1: Gustav Schmidt, Stich von August Weger nach F. Weisbrod (Digitalisat aus D-F, Porträtsammlung Manskopf)

Abbildung 2: Titel des Klavierauszugs von Prinz Eugen der edle Ritter, Leipzig: Breitkopf & Härtel [1848]; D-Mbs


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2024/01/09 17:24
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