steinbach


(1) Emil (Julius Hermann) * Lengenrieden bei Bad Mergentheim 14. Nov. 1849 | † Mainz 6. Dez. 1919; Bruder von (2), Kapellmeister und Komponist

(2) Friedrich Adolph (gen. Fritz) * Grünsfeld bei Tauberbischofsheim 17. Juni 1855 | † München 13. Aug. 1916; Bruder von (1), Kapellmeister und Komponist


(1) Emil Steinbach, Sohn eines zunächst in Lengenrieden, dann im nicht weit entfernten Grünsfeld angestellten Hauptlehrers, studierte in den Jahren 1867 bis 1869 am Leipziger Konservatorium (Klavier, Komposition), setzte seine Ausbildung – insbesondere als Dirigent – anschließend bis 1871 in Karlsruhe bei Hermann Levi fort und fand seine ersten Anstellungen als Kapellmeister in Mannheim (1871–1873 als Zweiter Kapellmeister neben Vinzenz Lachner) und Hamburg (Saison 1873/74). Nach einem vorübergehenden Studienaufenthalt in Wien wurde er im Februar 1875 zur Unterstützung des erkrankten Joseph Nesvadba als Zweiter Kapellmeister an den Darmstädter Hof berufen, eine Position, die er noch unter dessen Nachfolger Gustav Schmidt für kurze Zeit innehatte. Schließlich trat Steinbach im Juni 1877 das neu eingerichtete Amt des Städtischen Kapellmeisters in Mainz an – dies, nachdem die Verhandlungen mit Ernst Frank in Mannheim und Carl Reiß in Kassel zu keinem Ergebnis geführt hatten – und blieb bis zu seiner krankheitsbedingten Pensionierung 1910 in dieser Position; 1899–1903 hatte er zudem die Leitung des Theaters inne. Abgesehen von einem Engagement in London (Covent Garden, 1893), das ihm sein Ruf als Wagner-Dirigent eingebracht hatte, blieb Steinbach – auch durch die Heirat mit der Kaufmannstochter Emilie Karoline Mathilde Hess (1888) bedingt – „fest in Mainz […] verankert“ (Volbach, S. 45). 1894 erhielt er die Hessen-Darmstädtische Goldene Verdienstmedaille für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Landwirtschaft, bevor er 1902 mit dem Titel eines Hofrats geehrt wurde.

Werke — Neben den meisten der gedruckten (s. u.) sind auch zahlreiche unveröffentlichte Werke (u. a. eine Messe, Chöre und Lieder, Orchesterstücke, Kammermusik (darunter ein Klavierquartett und eine Cellosonate), Klaviermusik) im Nachlass Emil Steinbach in CH-Bu überliefert; s. Findbuch <> gedruckt: Ein neues Quartett. Komische Vocalscene („Da bring’ ich Euch was Neues mit“; Männerquartett, Kl.), Mainz etc.: Schott [1881]; D-B <> Mein goldenes Mainz (Mch.), ebd. [1894] <> Sechs Lieder aus Jul. Wolff’s „Der Rattenfänger von Hameln“ (Sst., Kl.), ebd. [1878]; CH-Bu, D-B, D-Dl, D-KA, D-SPlb, GB-Lbl – Bearbeitungen: Nr. 1 (Du rothe Ros’ auf grüner Haid’) für Fl. u. Kl. (Wilhelm Popp op. 301 Nr. 18) bzw. Zither (H. Schmidt) bzw. Cornet à pistons u. Kl. (Albert Kuhnert), ebd. | Nr. 3 („Rothaarig ist mein Schätzelein“) für Fl. u. Kl. (Wilhelm Popp op. 301 Nr. 19) bzw. Mch.; ebd. <> Ballade Mein altes Ross (Sst., Kl.), ebd. [1885]; CH-Bu <> Walzer Am Rhein (Orch.), autographierte Stimmen; CH-Bu, D-MZs <> Capriccio (Kl.), Darmstadt: Bölling [1881]; CH-Bu, D-KNh, GB-Lbl

Quellen — Standesamtsregister Mainz <> Nachlass Emil Steinbach in CH-Bu (s. o.) <> Briefe s. Kalliope <> Stichbücher des Verlags Schott; D-Mbs <> Signale für die musikalische Welt 8. Mai 1868, 15. Mai 1868, 29. Okt. 1868, 12. Nov. 1868, Jan. (Nr. 5) 1869, Jan. (Nr. 6) 1869, 29. Apr. 1869, 24. Juni 1869, Dez. (Nr. 70) 1876, Jan. (Nr. 6) 1877, 30. Apr. 1877, Okt. (Nr. 52) 1878 und passim <> Fritz Volbach, Erlebtes und Erstrebtes, Mainz 1956 <> Kat. Schott 1900 <> MMB <> weitere Quellenangaben bei Wagner und Kramer (s. Literatur)


(2) Bevor Fritz Steinbach, Schüler seines Bruders Emil, des Leipziger Konservatoriums, Vinzenz Lachners in Karlsruhe sowie (seit 1874) Stipendiat der Frankfurter Mozart-Stiftung, 1886 Hofkapellmeister in Meiningen und 1903 städtischer Kapellmeister wie auch Leiter des Konservatoriums in Köln wurde, stand er (nach einem Engagement am Straßburger Theater 1879/80) in den Jahren 1880 bis 1886 (sowie während dessen Erkrankung 1909/10) seinem Bruder in Mainz als Zweiter Kapellmeister zur Seite und leitete die dortigen Sommerkonzerte. 1884–1886 war er außerdem Lehrer für Theorie und Komposition am Raff-Konservatorium in Frankfurt (sein Nachfolger in dieser Position wurde Anton Urspruch). 1882 heiratete Steinbach in Mainz Anna Klara Racké, die Tochter des Kaufmanns und zeitweiligen Mainzer Bürgermeisters Karl Anton Racké, und wurde damit Schwager von Franz Mannstaedt.

Werke — s. Fellinger; während der Mainzer Zeit erschienen bei Schott: Ständchen („Leise rauscht es in den Bäumen“; Sst., Kl.) op. 4 [1881]; CH-Bu, GB-Lbl <> Vier Lieder (Sst., Kl.) op. 5 [1880]; CH-Bu, D-B, GB-Lbl <> Septett (Ob., Klar., Hr., Vl., Va., Vc., Kl.; UA Mainz 16. März 1879) op. 7 [1882]; D-B, D-BMs, D-Dl, D-ESfuk, D-F, D-HEu, D-SWl, D-WIl, D-WRh (digital)

Quellen — Standesamtsregister Mainz <> Jahresberichte des Raff-Konservatoriums in Frankfurt <> Signale für die musikalische Welt Febr. (Nr. 12) 1878, März (Nr. 2) 1879, Jan. (Nr. 3) 1880, Sept. (Nr. 47) 1880, Jan. (Nr. 3) 1887 und passim; Harmonie (Offenbach) 18. Mai 1878; zahlreiche weitere Erwähnungen und Berichte in der Fachpresse


Literatur (zu (1) und (2)) — RiemannL 1922 <> Imogen Fellinger, Art. Steinbach (Emil und Fritz), in: MGG 1 <> Günter Wagner, Das städtische Kapellmeisteramt in Mainz. Entstehung und erste Amtsperiode unter Emil Steinbach, in: MittAGm 63/64 (1995), S. 23–41 <> Peter Jost, Art. Steinbach (Emil und Fritz), in: MGG2P <> Ursula Kramer, Zwischen Orchestererziehung und künstlerischer Vision. Das Städtische Orchester und die Ära Emil Steinbach, in: Kramer/Pietschmann 2014, S. 207–256

Abbildung 1: Emil Steinbach, in: Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Städtischen Orchesters Mainz 1876/1926, Mainz 1926

Abbildung 2: Fritz Steinbach, Fotografie von Julius Cornelius Schaarwächter (Digitalisat aus D-F, Porträtsammlung Manskopf)


Axel Beer

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