Ernst Schick
SCHICK, ERNST (JOHANN CHRISTOPH) * angebl. „in Haag 1756 im October“ (Cramer) | † Berlin 10. oder 11. Dez. 1815; Violinist und Komponist
Obwohl die biographischen Angaben in Carl Friedrich Cramers Magazin der Musik mutmaßlich auf Schick selbst zurückgehen, lässt sich manches bislang nicht verifizieren: In s’Gravenhage (Den Haag) wurde er im Oktober 1756 sicherlich nicht geboren, und vermutlich legte er sich den (zusätzlichen) Vornamen „Ernest“ auch erst – aus welchen Gründen auch immer – in den 1770er Jahren zu. Dass Schick Sohn eines (später) in Amsterdam tätigen Tanzmeisters war, mag ebenso zutreffen wie die Angabe, dass er zunächst beruflich dem Vater nachzufolgen plante und hierzu das Violinspiel erlernte. Nachweislich erhielt Schick im Zusammenhang mit der Berufung von Georg Anton →Kreusser, dessen Schüler er in Amsterdam gewesen war, zum Mainzer Konzertmeister im Jahre 1774 eine Anstellung als Kammermusikus an der kurfürstlichen Hofkapelle. Im Febr. und Okt. 1778 ließ er sich als „premier Violon de son Altesse Electorale de Mayence“ (Amsterdamsche courant) wieder in Amsterdam hören, und in den Jahren 1779–1782 und 1785–1791 trat er regelmäßig in den Winterkonzerten im Rothen Haus in Frankfurt auf. Gemeinsam mit dem Cellisten Jean Balthasar Tricklir, der kurzzeitig gleichfalls der Mainzer Hofkapelle angehörte, unternahm er in der Saison 1782/83 eine Konzertreise, die ihn u. a. nach Berlin, Hamburg und Warschau führte; die hierbei zusammen mit weiteren Musikern veranstalteten Quartettsoireen fanden in privatem Rahmen und nicht (wie Gottron, S. 182, sagt, der auch den damals noch nicht einmal 14jährigen Philipp Carl Hoffmann als Reisegefährten hinzudichtet) in Form öffentlicher Konzerte statt. Ebenso wie Kapellmeister Vincenzo Righini verließ Schick nach dem Einmarsch französischer Truppen mit seiner Familie Mainz und wurde 1793 Mitglied der Königlichen Kapelle in Berlin, zu deren Konzertmeister er 1813 aufstieg. Seine Ehefrau (Heirat in Mainz 22. Febr. 1789 [nicht 1791]) Margarethe Louise (eigentl. Aloisia) geb. Ham(m)el (* Mainz 27. Apr. 1768 [nicht 1773] | † Berlin 29. Apr. 1809 [nicht 1810]), Tochter des Mainzer Hoffagottisten Johann Nepomuk Ham(m)el (get. Mainz 22. März 1728 | † ebd. 15. März 1792), war Schülerin von Josepha Helmuth, wurde 1784 in die Mainzer Hofkapelle aufgenommen, hatte ihr (öffentliches) Debut als Sängerin 1791 und setzte ihre Karriere 1793 in Berlin fort; sie war (1805) Widmungsträgerin der 11. Liedersammlung Johann Franz Xaver Sterkels. Ihre beiden Schwestern Katharina Josepha (1777–1840) und Margarethe Josephine (1779–1843), ebenfalls Sängerinnen, folgten ihr 1795 nach Berlin. Zu den Mainzer Schülern Schicks zählten →George Bridgetower und Johann Matthäus Kreusser. Ernst Schicks Sohn Friedrich (Wilhelm) (* Berlin 6. Nov. 1794 | † ebd. 28. Nov. 1860) war Klarinettist und Militärmusiker; die Tochter Juliane (Christina) (* Mainz 17. Dez. 1789 [nicht 1792]) debütierte 1807 als Sängerin, als die sie bis zu ihrer Heirat (Berlin 1810; Ehemann Carl Friedrich Ludwig von Schätzel) auftrat. Julianes Tochter Pauline von Schätzel (1811–1882) war ebenfalls Sängerin, verließ aber die Bühne bereits 1832 nach ihrer Verehelichung mit dem Berliner Hofbuchdrucker Rudolph Ludwig Decker (1804–1877).
Werke — Concert Nr. 1–6 (Violine, Orch.; Widmung an den Mainzer Hofmusikintendanten Carl Philipp Graf von Ingelheim) op. 1, Berlin/Amsterdam: Hummel [1783], s. RISM S 1557–1562 (Abb. aus E-Mn) <> einzelne Lieder in: Josef Karl Ambrosch, Freymäurer-Lieder mit Melodien (Berlin: Starcke 1793), Georg Christoph Grosheim, Melodien mit Klavier (s. hierzu EitnerQ, Art. Schick), und Joseph Michael Böheim, Freymaurer Lieder mit Melodien (2. Aufl., Berlin: Starcke 1795) <> Manuskripte (Abschriften) s. RISMonline
Quellen und Referenzwerke — KB Mainz; KB Berlin (St. Hedwig); KB s’Gravenhage <> NN., Margarethe Luise Schick [Nekrolog], in: AmZ 30. Aug. 1809, Sp. [753]–763; NN., [Nekrolog Ernst Schick], in: AmZ 17. Jan. 1816, Sp. 46–47 <> Amsterdamsche courant 30. März 1773, 13. Nov. 1773, 29. Jan. 1778, 13. Okt. 1778; Franckfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten 1779–1791; Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 20. Juli 1782, 13. Aug. 1782, 7. Sept. 1782, 24. Dez. 1782, 19. Dez. 1815 (Todesanzeige) <> Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten 17. Aug. 1782, 13. Sept. 1782 <> Carl Friedrich Cramer, Magazin der Musik 1783, S. 764–765 <> GerberATL, GerberNTL, SchillingE, Ledebur (ausf., auch zu den Familienmitgliedern), Viotta, EitnerQ <> Israel 1876 <> freundliche Hinweise von Herrn Matthias Kohl (Berlin, Herrn Dr. Klaus Martin Kopitz (Berlin) und Herrn Erich Staab M.A. (Erlangen)
Literatur — Bernhard Stockmann, Art. Schick, in: MGG1 und MGG2P <> Gottron 1959 <> Edith Peters, Georg Anton Kreusser. Ein Mainzer Instrumentalkomponist der Klassik, München/Salzburg 1975 <> Art. Schick, Hamel, in: Kutsch/Riemens 31997 <> Axel Beer, Ernst Schick – Neues zu seinen Konzertreisen, in: MittAGm 88 (2016), S. 56–58 <> Ursula Kramer, Nachruhm in Gips und Marmor. Zur Bedeutung der Mainzer Sängerin Margarete Luise Schick für die Berliner Gluck-Rezeption, in: Gwendolyn Döring (Hrsg.), Christoph Willibald Gluck: Sein Opernschaffen – Bezüge, Reaktionen, Perspektiven, Mainz 2018, S. 47–73 <> Erich Staab, Gehört, geschrieben, gelesen. Musikalisches Leben am Kurfürstenhof Erthals in Ignaz Beeckes Briefkorrespondenz, in: Musik und Musikleben am Hof des Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal, hrsg. von Axel Beer, Ursula Kramer und Klaus Pietschmann, Mainz 2021 (BzmM 48), S. 77–109
Abbildung 1: Titel zu den Violinkonzerten op. 1 [1783]; E-Mn
Abbildung 2: Konzertanzeige zum ersten Auftritt Schicks und Tricklirs in Berlin; Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 20. Juli 1782, S. 670
Axel Beer