hoffmann

HOFFMANN (HOFMANN) (Familie)

(1) Eva (Caroline Amalie Lucia) get. Mainz 1. Juli 1767 | † Wiesbaden 2. Juli 1826; Schwester von (2) und (3), Sängerin, Pianistin, Pädagogin

(2) Philipp Carl (Philippus Carolus, Philipp Karl) * Mainz 5. März 1769 | † Wiesbaden (nicht Frankfurt/M.) 14. Nov. 1842; Bruder von (1) und (3), Pianist, Komponist, Entomologe, Lehrer

(3) Johann Heinrich Anton (Joannes Henricus Antonius) Get. Mainz 24. Juni 1770 | † Frankfurt/ M. 19. Jan. 1842; Bruder von (1) und (2), Konzertmeister, Komponist, Lehrer


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Eva Hoffmann, einzige Tochter des Kurmainzer Hof- und Regierungsrates Carl Anton Hoffmann, wurde wie ihre sechs Brüder von Hauslehrern unterrichtet. Über die ersten Jahrzehnte ihres Lebens ist wenig bekannt; so liegen auch Zeitpunkt und Dauer ihres Aufenthalts in Weimar im Dunkeln. Hier hatte sie sich als Sängerin und Pianistin in literarischen Kreisen bewegt. Ende des Jahrhunderts ist sie in Offenbach nachweisbar, wo ihr Bruder Philipp Carl (2) ab April 1797 lebte. Spätestens im Januar 1805 lernte sie den aus Leipzig stammenden Altphilologen und Violinisten Paul Emil Thieriot (auch Thiriot, 1780–1831) kennen, der sich von 1804 bis 1806 in Offenbach und Aschaffenburg aufhielt und währenddessen von Nov. 1804 bis Apr. 1805 das Orchester von Peter Bernard leitete und sich dem Kreis um Johann Anton André anschloss. Ende 1807 tauchte Thieriot in Stuttgart auf und spielte 1808 als 1. Violinist in der Württembergischen Hofkapelle. Mit Unterbrechungen ist er zwischen Januar 1809 und Anfang 1812 in Yverdon (Schweiz) zu finden. Auf seine Initiative hin unterrichtete Eva Hoffmann von 1809 bis 1811 ebenfalls am Erziehungsinstitut von Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827), im Winter 1811/1812 dann am neuen Institut von Wilhelm von Türk zu Vevey am Genfersee. Ab Anfang 1812 wirkte Thieriot in Lausanne und heiratete hier im Juli die 13 Jahre ältere Eva. Im selben Jahr verlegten beide ihren Wohnsitz nach Zürich und hielten sich von 1813 bis 1815 in Neuenburg (Schweiz) auf, wo Thieriot im Winter 1813/1814 das Amt des Musikdirektors bekleidete. Später reisten sie unter anderem nach Heidelberg und Leipzig und zogen im Frühjahr 1818 nach Mainz, in unmittelbare Nähe von Evas Bruder Franz Carl (1774–1855). Hier zeigte sich, dass Thieriots „nicht unbedeutendes elterliches Vermögen“ (Schwarz, S. 119) verbraucht war und er sich nach einem Broterwerb umsehen musste: Er nahm eine Stelle als Latein- und Griechischlehrer am Wiesbadener Erziehungsinstitut des ehemaligen Pestalozzi-Schülers Johannes de Laspée an und übte diese Tätigkeit bis zu seinem Tod am 20. Januar 1831 aus. Eva starb nach längerer Krankheit bereits fünf Jahre zuvor. Sie war eine geist- und humorvolle, in der deutschsprachigen Literatur äußerst belesene Persönlichkeit, die in den Kreisen, in denen sie verkehrte, Anerkennung als hervorragende Pianistin und Sängerin fand.

WerkeErlkönig [Goethe] (Sst., Kl.), „Es blies ein Jäger wohl in sein Horn“ (Sst., Kl.) [nur erste Strophe, letzter Takt nicht vollständig], „Es jagt’ ein Jäger wohlgemuth“ (Sst., Kl.) [nur erste Strophe, letzter Takt nicht vollständig], Wanderungslied („Wohlauf! Es ruft der Sonnenschein“ [L. Tieck]; 2 Sst.) [nur erste Strophe]; D-WRgs (Ms. von der Hand Thieriots; nicht vor 1813), s. RISMonline <> Gesänge aus Goethes Faust: Chor der Engel („Christ ist erstanden“, 1. Strophe), Faust („Welch tiefes Summen“, Rez.), Chor der Weiber („Mit Specereien“), Chor der Engel (2. Strophe), Chor der Jünger, Chor der Engel („Christ ist erstanden. Aus der Verwesung Schoß“), entstanden verm. 1808; D-WRgs (Ms. von der Hand Thieriots), s. RISMonline <> Die auf dem Titelblatt von D-WRgs Sign. 32/2 erwähnte Liedersammlung „zu Göthischen Gedichten“ (darunter zu: „Nur wer die Sehnsucht kennt“; „Frühjahr 1813“ oder früher) ist verm. nicht erhalten.

Quellen — AmZ (s. Reg.); Zeitung für die elegante Welt 13. Nov. 1840 <> Karl Schwarz, Lebensnachrichten über Jean Paul’s Geistesverwandten und Freund Paul Emil Thieriot, in: Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung, Bd. 18, 1. Heft, Wiesbaden 1883, S. 89–141 (dort Quellen und weitere Literaturangaben) <> Xaver Schnyder von Wartensee, Lebenserinnerungen nebst musikalischen Beilagen und einem Gesammtverzeichniss seiner Werke, Zürich 1887, S. 223, 227 <> Johann Heinrich Pestalozzi, Sämtliche Werke, Bd. 26: Schriften von 1818 bis 1820, bearb. von Emanuel Dejung und Käte Silber, Zürich 1975, S. 440 <> Ders., Sämtliche Briefe, Bd. 8: Briefe von Anfang 1812 bis Herbst 1813, bearb. von Emanuel Dejung, Zürich 1966 <> Jean Paul, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 6: Briefe an Jean Paul 1809–1814, hrsg. von Michael Rölcke und Angela Steinsiek, Berlin 2012

Literatur — Hagels 2009 <> Egmont Michels, Philipp Carl Hoffmann (1769–1842), Musicus, Privatgelehrter und Pianoforte-Kenner (= BzmM 45), Mainz 2016


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Philipp Carl Hoffmann, Sohn des Kurmainzer Hof- und Regierungsrates Carl Anton Hoffmann, wurde bis zu seinem 15. Lebensjahr von Hauslehrern erzogen und erhielt von seinem Vater den ersten nicht näher bezeichneten Instrumentalunterricht. Als Klavier- und Generalbasslehrer wurde zunächst Johann Sebastian Hollbusch gewonnen, bevor Johann Franz Xaver →Sterkel die pianistische Ausbildung übernahm. Kompositionsunterricht erteilte ihm Georg Anton →Kreusser. An der Mainzer Universität studierte er Philosophie und Rechtswissenschaften und betrieb gleichzeitig Musik und Entomologie als „Nebenwissenschaften“ (autographer Lebenslauf (1808), s. Quellen). Spätestens nach dem Tode des Vaters (1789) verließ er die Universität und gab in Mainz Klavierunterricht. Im Oktober 1790 lernte er in Frankfurt am Rande der Kaiserkrönung Leopolds II. Mozart kennen, der mit ihm in einem Privatkonzert seine Klaviersonate zu vier Händen KV 497 spielte. Während der französischen Besetzung von Mainz (Okt. 1792–Juli 1793) hielt Hoffmann sich im Rheingau auf, übersiedelte anschließend für etwa zwei Jahre nach Aschaffenburg und kehrte dann nach Mainz zurück. Am 20. Jan. 1797 erhielt er vom Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal ein Dekret, das ihm zwar eine Stelle in der kurfürstlichen Hofkapelle zusicherte, seinen „Dienstesantritt aber bis zu erfolgendem Frieden festsezte“ (autographer Lebenslauf). Professionelle Fähigkeiten besaß Hoffmann auch als Bratschist. Im Apr. 1797 verlegte er seinen Wohnsitz nach Offenbach, wo er im Hause des Musikverlegers Johann Anton André Klavierlehrer und gerne gesehener Gast wurde. Der Fabrikant Peter Bernard bot ihm eine Stelle als Hauslehrer und als Mitglied seines Orchesters an, in dem Hoffmann Viola spielte. Mit Unterbrechungen, in denen die Kapelle vorübergehend beurlaubt wurde, behielt er diese Tätigkeit bis zu Bernards Tod (Juni 1805) und gab gleichzeitig in Offenbach und Frankfurt/M. Klavier- und Kompositionsunterricht. Zu seinen Schülern zählten Aloys →Schmitt, Carl Arnold und – vorübergehend – Ferdinand Hiller. Auch Bettine Brentano (spätere von Arnim), die in Offenbach in unmittelbarer Nachbarschaft von Hoffmann und André wohnte, war seine Schülerin. Sie konnte „abends noch den Klavierhofman [sic] gegenüber oft bis Mitternacht phantasieren“ hören (B. v. Arnim, S. 139). Von Offenbach aus unternahm Hoffmann zwei größere „musicalische Reißen“ (autographer Lebenslauf), deren erste (gemeinsam mit Johann Anton André) im Herbst 1799 nach München, Salzburg, Wien, Prag und Dresden führte, eine zweite nach Utrecht, Amsterdam, Rotterdam und Den Haag. In Wien machte er zahlreiche Bekanntschaften, unter anderen mit Haydn, Beethoven, Constanze Mozart sowie der Klavierbauerfamilie Streicher. Daran anknüpfend führte er mit Andreas Streicher von 1804 bis 1810 eine ausgedehnte Korrespondenz (s. Quellen), innerhalb derer er sich zu einem der Streicher’schen Kommissionäre entwickelte und als solcher, bewusst von Frankfurt aus, einen regen Klavierhandel betrieb. Dennoch fand er weiterhin Raum für Konzertauftritte und galt dabei als „einer der geübtesten, sichersten Klavierspieler“ seiner Zeit (AmZ 9. Mai 1804), der „die größten Schwierigkeiten delikat, bestimmt, rein und in bewundernswerter Fertigkeit“ spielte (AmZ 30. Apr. 1806). Zusätzlich befasste er sich mit entomologischen Problemen und wurde im Aug. 1808 in Hanau Mitbegründer der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde. 1809 ernannte ihn der Vorstand der Frankfurter Museumsgesellschaft zum Ehrenmitglied, eine Auszeichnung, die nur anerkannten Persönlichkeiten zuteil wurde (z. B. Pestalozzi 1810, Goethe 1810, Sterkel 1810, v. Arnim 1811). Im Herbst 1810 erfolgte eine deutliche Zäsur: Er reiste am 1. Oktober nach St. Petersburg und versuchte hier, sich durch Unterrichten und Konzertieren „eine ruhige, sorgenfreie Existenz […] für’s Alter zu sichern“ (Brief 9. Mai 1819 an Johann Anton André; s. Quellen). Erst im Herbst 1821 kehrte er zurück und ließ sich zunächst in Frankfurt nieder. Noch einige Male konzertierte er, zog sich dann aber wegen einer starken körperlichen Behinderung, die schließlich zur Lähmung seiner Hände führte, von öffentlichen Auftritten zurück. Das Komponieren gab er ebenfalls auf, widmete sich aber verstärkt naturkundlichen Studien. In St. Petersburg war er der Russischen Gesellschaft der Naturforscher beigetreten; in dieser Zeit ordnete und vergrößerte „der Privatgelehrte“ Hoffmann (Nekrolog, S. 1116) seine Schmetterlingssammlung, die in Europa eine der umfangreichsten gewesen sein soll. Während seiner letzten Lebensphase wohnte er in Wiesbaden und verbrachte 1842 einige Monate im Hause seines Patensohnes, des nassauischen Baumeisters Philipp Hoffmann. Er starb unverheiratet und wurde am 16. Nov. auf dem Alten Friedhof in Wiesbaden beigesetzt.

WerkeWerke mit Opuszahlen: 3 Sonaten (Kl., Vl.) op. 1, Mainz: Schott [1793]; s. RISM HH 5770a <> Variationen (Kl.) sur la Marche de l’Opera: Die Zauberflöthe, op. 2, Offenbach: André [1794]; s. RISM H 5771 <> Variationen (Kl. 4ms) op. 3, ebd. [1794]; s. RISM H 5772, Privatbesitz (s. Abb.) <> 3 Sonaten (Kl., Vl.) op. 4, ebd. [1795]; s. RISM H 5773 <> Variationen über Ah ça ira et Marche des Marseillois, op. 5, ebd. [1795]; s. RISM HH 5773a <> 4 Variationenwerke (Kl.), ebd. [1795]) bilden op. 6 der Werkreihe (s. Werke ohne Opuszahlen) <> Variationen (Kl. 4ms) über Nel cor più non mi sento aus La Molinara (Paisiello) op. 7, ebd. [1795]; dass. Paris: Duhan <> Variationen (Kl.) über Copia si tenera aus Palmira (Salieri) op. 8, ebd. [1798]; s. RISM H 5774 <> 2 Rondos (Kl.) op. 9, ebd. [1800]; s. RISM H 5775 <> Fantasie & Rondeau (Kl.) op. 10, ebd. [1800]; s. RISM H 5776 <> Air avec variations (Kl.; Widmung an J. A. André), op. 11, ebd. [1807]; s. RISM H 5777 <> Sonate (Kl., Fl. oder Vl.) op. 12, Mainz: Zulehner [ca. 1807]; s. RISM H 5778 <> Thème avec Variations (Kl.) op. 13, ebd. [1808]; s. RISM H 5779 <> Fantasie en Caprice (Kl.) op. 14, Eltville: Zulehner [1811]; s. RISM H 5780 <> Variationen (Kl.) über Fin ch’han dal vino aus Don Giovanni (Mozart) op. 15, Offenbach: André [1809]; s. RISM HH 5780a <> Werke ohne Opuszahlen: Vokalwerke: Oper (vor 1796, ungedruckt, nicht überliefert) <> Choral Auferstehen, ja auferstehen wirst du (1805, ungedruckt, nicht überliefert) <> Instrumentalwerke: Klavierkonzert (ca. 1806, ungedruckt, nicht überliefert) <> Air: Drey Knäbchen, jung, aus Die Zauberflöthe (Kl.) mit Variationen [op. 6,1], Offenbach: André [1795]; s. RISM H 5781; dass. Paris: Duhan <> Air: Bewahret euch für Weibertücke, aus Die Zauberflöthe (Kl.) mit Variationen [op. 6,2], ebd. [1795]; s. RISM H 5782; dass. Paris: Duhan <> Air: Könnte jeder brave Mann, aus Die Zauberflöthe (Kl.) mit Variationen [op. 6,3], ebd. [1795]; s. RISM H 5783; dass. Paris: Duhan <> Air: Es siegte die Stärke, aus Die Zauberflöthe (Kl.) mit Variationen [op. 6,4], ebd. [1795]; s. RISM H 5784; dass. Paris: Duhan <> Variationen (Kl.) über Kind, willst du ruhig schlafen, aus Das unterbrochene Opferfest (v. Winter) par L. van Beethoven & P. C. Hoffmann, ebd. [1800; s. LvBWV WoO 75]; D-BNba, D-Dl, D-OF, GB-Lbl <> Variationen (Kl. 4ms) über ein norwegisches Lied (v. Weber; ca. 1815, ungedruckt, nicht überliefert) <> Bearbeitungen und Kadenzen: Haydns Sinfonie Nr. 99 (Kl. 4ms), Offenbach: André [1799]; s. RISM H 4615 <> Cadences se rapportant aux six grands concertos […] de Mozart […] (Kl.; Widmung an Clementi) op. 82, ebd. [1800]; s. RISM H 5785; Neuausgabe von A. Hyatt King, New York u. a.: Hinrichsen 1959; dass. hrsg. von Thomas A. Johnson und Kurt Soldan, ebd. 1962 <> Andante, Adagio et Larghetto, tiré des six grands concertos de Mozart (Kl.) op. 82, Offenbach: André [1803]; s. RISM H 5786; Neuausgabe von A. Hyatt King, New York u. a.: Hinrichsen 1959; dass. hrsg. von Thomas A. Johnson und Kurt Soldan, ebd. 1962; dass. hrsg. von A. Hygatt King, Frankfurt/M.: Peters 1981 <> Kadenzen zum Konzert (2 Kl.) KV 365 von Mozart (ca. 1804, ungedruckt, nicht überliefert) <> Kadenz zum Konzert (Kl.) E-Dur, op. 26, von Joseph Wölfl (ca. 1804, ungedruckt, nicht überliefert) <> Zweifelhafte und untergeschobene Werke: Himmel, laß mich doch erlangen, Kantate für Sopran und Bc. (ungedruckt, nicht überliefert) <> Six Variazions (Kl., Kopistenhandschrift [ca. 1790], D-KA; das Titelblatt nennt einen Komponisten Hoffmann ohne Vornamen) <> Das Gehör und Notensingen in den Elementarschulen (Halle: Mühlmann; untergeschoben) <> Naturwissenschaftliche Schrift: Berichtigung und Ergänzung der Naturgeschichte Wetterauischer Schmetterlinge, in: Annalen der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde zu Hanau, Bd.1 (1809), H. 19, S. 202–214; dass., Bd. 2 (1810), H. 20, S. 256–270

Quellen — 29 Briefe von Philipp Carl Hoffmann an Andreas Streicher (Streicher-Archiv, Wien) <> Verzeichnis der wirklichen, Ehren- und correspondirenden Mitglieder der Wetterauischen Gesellschaft, 1808–1879, S. 1; autographer Lebenslauf von Philipp Carl Hoffmann, 24. Sept. 1808 (Bibliothek der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau) <> Bettine von Arnim, Clemens Brentano’s Frühlingskranz aus Jugendbriefen ihm geflochten, wie er selbst schriftlich verlangte. Erster Band, […] Charlottenburg […] 1844 <> Brief von Philipp Carl Hoffmann an Johann Anton André, Petersburg 9. Mai 1819; D-OF <> Neuer Nekrolog der Deutschen. 20. Jg., 1842. Zweiter Theil, Weimar 1844 <> weitere Quellen bei Egmont Michels (2016; s. Literatur)

Literatur — Egmont Michels, Philipp Carl Hoffmann (1769–1842), Musicus, Privatgelehrter und Pianoforte-Kenner (=BzmM 45), Mainz 2016 (dort ausführliche Literatur- und Quellenangaben)


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Heinrich Anton Hoffmann durchlief einen ähnlichen Bildungsweg wie sein Bruder. Auch er wurde bis zu seinem 15. Lebensjahr von Hauslehrern unterrichtet und nahm bei Kreußer Kompositions- und vermutlich auch Violinunterricht. Spätestens 1790 verließ er die Mainzer Universität, an der er, wie sein Bruder, Philosophie und Rechtswissenschaften studiert hatte. Im Oktober desselben Jahres trat er zunächst als Volontärgeiger, am 1. Juli 1791 als Violinist in die Kurmainzer Hofkapelle ein. Mit ihr reiste er zur Kaiserkrönung Leopolds II. nach Frankfurt und lernte hier, wie auch Philipp Carl, Mozart kennen, der mit ihm in einem Privatkonzert eine seiner Violinsonaten spielte. Wegen der französischen Besetzungen der Stadt Mainz wurden die Hofmusiker 1792 vorübergehend beurlaubt, 1797 sogar auf unbestimmte Zeit. Während der ersten Besetzung (1792/93) hielt Hoffmann sich im Rheingau auf, nach 1797 in Aschaffenburg und Mainz. 1799 wurde er Mitglied des Frankfurter Theaterorchesters (seit 1803 als erster Geiger). Am 1. Jan. 1811 avancierte er zum Konzertmeister und heiratete im folgenden Jahr Friederike Stock (1782–1834), Tochter des verstorbenen Frankfurter Senators Jacob Stock. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. In diesen Jahren trat Hoffmann regelmäßig, meist mit eigenen Werken, an die Frankfurter Öffentlichkeit und wurde 1817 zum Vize-Musikdirektor ernannt. Ab Herbst 1818 veranstaltete er gemeinsam mit Louis Spohr mehrere Streichquartettabende. Als Spohr 1819 seine Stelle als Musikdirektor aufgab, übernahm Hoffmann dessen Amt bis zum Eintreffen von Carl Guhr im März 1821. Während seiner 17 Monate dauernden Tätigkeit als Musikdirektor des Theaters kamen dort sieben Opern von Herold, Meyerbeer, Wenzel Müller, Rossini und Seyfried zur Aufführung. Hoffmann berief den aus Mainz stammenden Nicolaus Baldenecker als Chordirektor an das Frankfurter Theater und leitete bis September 1821 die Frankfurter Museumskonzerte. Anschließend blieb er Vize-Musikdirektor und erwarb 1825 das Frankfurter Bürgerrecht. In den folgenden Jahren zog er sich zunehmend von seiner Konzerttätigkeit zurück und ging 1835 auf eigenen Wunsch in Pension. Nach wie vor interessierte er sich für neue sowie historische Meistergeigen und setzte sich 1838 wiederholt für die Niederlassung des Mainzer Geigenbauers Jacob Voll in Frankfurt/M. ein. In Mainz war er als Geigenkenner bekannt und hatte in der Musikalienhandlung B. Schott’s Söhne hochrangige Streichinstrumente begutachtet.

WerkeInstrumentalwerke: 6 Anglaises u. 6 Allemandes (Kl.) [op. 1], Mainz: Schott [1794]; s. RISM H 5753a <> Konzert (2 Vl., Orch.) op. 2, Offenbach: André [1795]; s. RISM H 5746 (bei einer Kopistenhandschrift in H-KE [ca. 1800] handelt es sich entgegen der Titelangabe nicht um das Konzert von Hoffmann) <> 3 Streichquartette op. 3, ebd. [1795]; s. RISM H 5747; Adagio aus op. 3/3, Mainz: Privatdruck Gottron [1941] <> 6 Duos (2 Vl.) op. 4, Mainz: Schott [1795]; dass. Paris: Naderman [1798/99]; s. RISM HH 5748a <> 6 Tänze (Kl. 3ms), Frankfurt: Dunst [1828] <> 3 teutsche und 3 englische Tänze (Kl. 3ms), Bonn: Simrock [1801]; s. RISM HH 5753c <> 3 Streichquartette (Widmung an G. A. Kreusser) op. 7, Bonn, Paris: Simrock [1802] s. RISM HH 5752a <> 6 Duos (Vl., Vc.) op. 5 (1., 2. livraison), Offenbach: André [1803]; s. RISM H 5749, Privatbesitz (s. Abb.); weitere Auflagen und Neuausgaben Andrés s. Constapel 1998; dass. Paris: Duhan [1802/04]; F-Pn; dass. Paris: Richault; D-B – Duo op. 5/1, in: Duo-Album (Vl., Vc.), hrsg. von W. Rehm, Lottstetten: Kunzelmann [1987] <> 2 Duos (Vl., Vc.; Widmung an Andreas und Bernhard Romberg) op. 6, Offenbach: André [1806], s. RISM H 5751; dass. Paris: Duhan [ca. 1808]; F-Pn; Neuausgabe von W. Thomas-Mifune, Lottstetten: Kunzelmann [1994] <> Violinkonzert op. 7, Offenbach: André [1810]; s. RISM H 5752 <> Violinkonzert op. 8, Mainz: Schott [1812]; s. RISM H 5753 <> Sonate (Vl. solo), Wien: Maisch [vor 1817] <> Duo (Vl., Vc.) op. 10, Wien: Haslinger [1833]; s. RISM HH 5753b <> Vokalwerke: Arie: Ad te levavi oculos [Ms., ca. 1800]; H-P (Echtheit nicht gesichert) <> 12 Gesänge (Singst., Kl.) op. 4, Offenbach: André [1800]; s. RISM H 5748 <> 6 Teutsche Lieder (Singst., Kl. oder/und Git.) op. 5 (2. Sammlung), Bonn: Simrock [1802] s. RISM HH 5750a <> Arietta In questa tomba oscura (Singst., Kl.), Wien: Mollo [1808]; A-Wn <> Cantate […] für’s Clavier eingerichtet (um 1809, ungedruckt, nicht überliefert; s. Brief an Peters) <> 6 Gesänge op. 9, Mannheim: Heckel <> Kantate Lobgesang auf die Retter Deutschlands (4st. Chor, Orch. bzw. KlA.), Bonn: Simrock [1814]; s. RISM HH 5753f bzw. 5753g <> 6 Gesänge für Freimaurer (1–4 Singst., Kl.), Bonn, Köln: Simrock [1815]; s. RISM HH 5753e <> Auswahl lyrischer Gedichte mit Mel. (mit Kl.), Hamburg: Meyn [um 1800]; s. RISM HH 5753d (Echtheit nicht gesichert) <> Sagt, wo sind die Veilchen hin (Singst., Kl.), Hamburg: Meyn [um 1800]; s. RISM HH 5753h (Echtheit nicht gesichert)

Quellen — Brief an Peters, Frankfurt 9. Febr. 1809; D-LEsta (Bestand Peters, Sign. 2622); zwei Briefe an Schott, s. Kalliope <> weitere Quellen bei Egmont Michels (1972; s. Literatur)

Literatur — Egmont Michels, Heinrich Anton Hoffmann, Leben und Werk (= BzmM 13), Mainz 1972 (dort Quellen- und weitere Literaturangaben) <> Matthäus 1973 <> Antonius Stradiuarius Cremonensis Faciebat Anno 1709. Die König-Maximilian-Stradivari, hrsg. von Hans Wallenberg, Hamburg 1973 <> Egmont Michels, Art. Hoffmann, in: MMM1 <> Müller 1977 <> Michels 1995 <> Constapel 1998 <> Thorsten Hindrichs, Art. Hoffmann, in: MGG2P


Egmont Michels

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  • von kk