Joseph Niedhammer
NIEDHAMMER, JOSEPH * Wachenheim (Weinstraße) 7. (nicht 8.) März 1851 | † Speyer 29. Juni 1908; Lehrer, Organist, Komponist
Niedhammer, Sohn eines Wachenheimer Winzers, war in den Jahren 1866–1868 Schüler von Johann Baptist Benz am Schullehrerseminar in Speyer, wo er anschließend als Hilfslehrer arbeitete. 1874 wechselte er als Präparandenlehrer nach Blieskastel (hier war →Ludwig Boslet sein Schüler), und zu Beginn des Jahres 1887 kehrte er in gleicher Funktion an seine ehemalige Ausbildungsstäte in Speyer zurück. 1888 wurde er zum Nachfolger des erkrankten Anton Häfele zum Domorganisten und Domkapellmeister in Speyer ernannt, und 1898 übernahm er anstelle des ebenfalls erkrankten Georg Julius Orth dessen Funktion als Seminarmusiklehrer – dies zunächst vertretungsweise, bevor seine offizielle Beförderung im Oktober 1900 erfolgte. Aus gesundheitlichen Gründen ging er bereits, nachdem Jakob Schultz seit 1902 interimistisch seine Aufgabe übernommen hatte, gegen Ende des Jahres 1904 in den Ruhestand; an seine Stelle als Seminarlehrer trat der bisherige Präparandenlehrer Matthäus Griessinger, auf den von seinem Vorgänger 1908 auch dessen Aufgabe als Sachverständiger für Orgelbau überging.
Werke — geistliche Vokalwerke, darunter 10 Messen (s. MDB, erschienen ca. 1890–1908 bei Jäger in Speyer, Pustet in Regensburg und Schwann in Düsseldorf), ein Requiem zur Einweihung der Kaisergruft in Speyer (1906) sowie 2 Pange lingua (Ms. in D-SPlb) und eine Leo-Hymne (Speyer: Jäger [1903]; D-Mbs, D-Rp). Weitere (nicht überlieferte) Kompositionen, die überwiegend zu besonderen Anlässen entstanden, sind in der Tagespresse erwähnt, darunter eine Festkantate Zum Jubiläum des Königshauses 1899 (Speierer Zeitung 14. Juli 1899).
Quellen — KB Wachenheim <> Adressbücher Speyer <> Speierer Zeitung 9. Apr. 1877, 29. Jan. 1887, 29. Mai 1892, 11. Juni 1894, 11. Juli 1898, 13. Juli 1899, 14. Juli 1899, 13. Juli 1900, 10. Juli 1901, 11. Juli 1902, 14. Dez. 1904, 7. Juli 1905, 31. Mai 1906, 25. Nov. 1907, 29. Juni 1908 (Todesmeldung und kurzer Nachruf), 2. Juli 1908 (Bericht von der Beisetzung), 19. Aug. 1908 u. ö.
Literatur — Eugen Leininger, Domkapellmeister Joseph Niedhammer, in: Der christliche Pilger 92 (1939), S. 29 <> Fritz Steegmüller, 1000 Jahre Musica Sacra an der Bischofskirche in Speyer 883–1983, Speyer 1983 <> Martin Fogt, Gesang in der Lehrerbildung im Bayern des 19. Jahrhunderts, Ph. Diss. Augsburg 2009, bes. S. 547–548 <> Dieter Haberl, Das Verlagsarchiv von Friedrich Pustet in Regensburg. Kommentierter Bestandskatalog, Regensburg 2017, S. 261–262
Abbildung: Anzeige der bei Jäger in Speyer erschienenen Leo-Hymne Niedhammers; Pfälzer Zeitung (Speyer) 10. Jan. 1893
Axel Beer