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WENDT, ERNST ADOLPH * Schwiebus (heute Świebodzin, Polen) 6. Jan. 1806 | † Neuwied 5. Febr. 1850; Organist, Pädagoge, Dirigent und Komponist

Seit seinem zehnten Lebensjahr musikalisch ausgebildet, sammelte Wendt bereits in früher Jugend Erfahrung als Organist in Schwiebus, wo sein Vater Christian Friedrich W. den Beruf eines Schneidermeisters ausübte. Im Anschluss an den Besuch des Lehrerseminars in Neuzelle (1822–1824) bildete er sich (vermutlich als Schüler des Königlichen Musikinstituts) in Berlin bei Carl Friedrich Zelter, August Wilhelm Bach und Bernhard Klein weiter, bevor er 1826 an das 1819 gegründete Lehrerseminar nach Neuwied berufen wurde. Während der Seminardirektor Friedrich Braun für die Gesangsausbildung zuständig war, erteilte Wendt Harmonie- und Orgelunterricht. Im Rahmen dieser Tätigkeit entstand sein 1841 publiziertes Choralbuch (s. Werke). Carl Gollmick attestierte ihm später einen sehr „bedeutenden musikalischen Einfluss auf die musikalische Bildung in den Rheinlanden“ (GollmickH). Wendt engagierte sich zudem als Organist der ev. luth. Kirche, als Lehrer an der 1828 eingerichteten Sonntags- und Abendschule in Neuwied sowie als Dirigent des Neuwieder Musik- und Gesangvereins. Er war bei Veranstaltungen wie den Lehrergesangfesten 1838 in Lennep und 1839 in Oberberg und der Einweihung der Heddesdorfer Kirche im Jahr 1844 in leitender bzw. mitwirkender Funktion beteiligt. Dass er, wie man etwa bei Gassner liest (s. Quellen), auch das Orchester des fürstlichen Schlosses in Neuwied dirigiert haben soll, lässt sich bislang nicht belegen. Nach einem Schlaganfall im Winter 1848/49 verschlechterte sich sein gesundheitlicher Zustand zunehmend. Wendt war seit 1831 in erster Ehe mit der Bäckerstochter Ernestine Luise geb. Becker (1809–1840), anschließend seit 1844 in zweiter Ehe mit Charlotte geb. Spieker verheiratet. Sein Nachfolger am Lehrerseminar wurde Gustav →Flügel.

Werkeim Druck erschienen: Vier und zwanzig leichte Orgel-Präludien für Anfänger im Orgelspielen op. 1, Bonn: Simrock [1831] (auf dem Titel sind irrtüml. die Initialen „C. A.“ angegeben – so auch in Pazdírek und im Kat. Simrock); D-B, D-Dl <> Choralbuch für evangelische Kirchen, bearbeitet und mit Vor- und Zwischenspielen und Schlüssen versehen, 2 Teile, Koblenz: Greis [1841]; ehem. D-B – dass., Neuwied: Steiner [nicht vor 1843]; ehem. D-BNms <> Leichte vierhändige Tonstücke (Kl. 4ms) op. 10, Neuwied: Steiner [1842] <> gem. mit Friedrich Aller: [9] Rheinlieder (Sst., Kl./Git.), Neuwied: Lichtfers [1842] – dass., Neuwied: Steiner [ca. 1844] – Fassung mit Git.; Ms. in D-F, s. RISM ID 455003721 <> Wendt-Album. Sammlung der beliebtesten Orgelstücke von Ernst Adolf Wendt hrsg. von Karl Becker, Wolfenbüttel: Zwissler [1893] – dass. Leipzig: Siegel; D-B <> außerdem erschienen einige Orgelstücke und Lieder in Sammlungen <> laut dem Neuen Nekrolog der Deutschen und Mendel/Reissmann erschienen auch Variationen (Kl., Orch.), ein Grosses Trio (Kl., Vl., Vc.) und eine Grosse Sonate (Kl. 4ms) im Druck; möglicherweise sind diese jedoch dem Berliner Komponisten Eduard Wendt (1806–1890) zuzuschreiben <> ungedruckt: Kantate zur Geburtsfeier eines treuen Lehrers (1828); Ms. in D-B, s. RISM ID 452519406 <> Religiöser Gesang („[…] durch H. Seminarlehrer G. M. Henkel in Fulda aus dem Nachlasse des verstorbenen Componisten […] mitgetheilt“); Ms. in D-MT, s. RISM ID 454011270 <> Abschriften weiterer Werke s. RISMonline; Gassner und der Neue Nekrolog der Deutschen nennen weiterhin eine große Sinfonie, einen Sinfoniesatz, drei Ouverturen, ein Concert-Solo (Ob., Fl., Klar.), etliche Kammermusikwerke, Sonaten (Kl. 2 bzw. 4ms bzw. 3 Kl.), Divertissements (2 Kl.), Klavierübungsstücke, die Kantate Preußen’s Ruhm und Glück (m. Orch.) und eine Kantate zum Geburtstagsfest der Prinzessin Louise (m. Orch.), einen Gesang der Geister über den Wassern, Motetten, Choräle, geistliche und weltliche Lieder; auch hier beruht die Zuschreibung einiger Werke u. U. auf einer Verwechselung mit Eduard Wendt; auch mit dem Musiktheoretiker Amadeus Wendt (1783–1836) ist er nicht zu verwechseln.

Quellen und Referenzwerke — KB Neuwied <> Berliner allgemeine musikalische Zeitung 3. Jan. 1829; AmZ 23. März 1831, 23. Dez. 1840, 6. Okt. 1841; Eutonia, eine hauptsächlich pädagogische Musik-Zeitschrift, Bd. 6, Breslau 1831, S. 90f.; NZfM 9. Nov. 1838, 5. Nov. 1839 <> Art. Wendt, Ernst Adolph, in: Ferdinand Simon Gassner (Hrsg.), Universal-Lexikon der Tonkunst, Stuttgart 1847 <> Art. Ernst Adolph Wendt, in: Neuer Nekrolog der Deutschen 28 (1850) <> GollmickH, Ledebur, Bernsdorf, Mendel/Reissmann <> Art. Wendt, Ernst Adolf, in: Salomon Kümmerle (Hrsg.), Encyklopädie der Evangelischen Kirchenmusik 4 (1895)

Literatur — Carl Cassino, Beschreibung und Geschichte der Stadt Neuwied nebst ihrer Umgebung für Einheimische und Fremde, Neuwied 1851, S. 19 <> Philipp Wirtgen, Neuwied und seine Umgebung in beschreibender, geschichtlicher und naturhistorischer Darstellung [1891], S. 138 <> W. Groß, Heimatgeschichtliche Gedenktage, in: Heimat-Blatt und Geschichts-Chronik für Neuwied […] (Beilage der Neuwieder Zeitung) 3. Nov. 1923 <> Hans Bonnet, Aus der Geschichte der Heddesdorfer Kirche, ebd. 25. Jan. 1924 <> W. Groß, Heimatgeschichtliches Allerlei), ebd. 9. Sept. 1924 <> ders., Buntes Allerlei aus der Heimatgeschichte, ebd. 10. Juni 1926 <> Karl Lamprecht, Wilhelm Fix, ein rheinischer Schulmann, ebd. 2. Nov. 1932 <> Bösken/Fischer/Thömmes 2005


Kristina Krämer

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