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FLÜGEL, (CARL) GUSTAV * Nienburg an der Saale 2. Juli 1812 | † Stettin 15. Aug. 1900; Musiklehrer, Dirigent, Organist und Komponist

Ersten Musikunterricht erhielt Gustav Flügel bei seinem Vater, dem herzoglichen Fähreinnehmer Johann Carl Flügel (1770–1828), später bei regionalen Kirchenmusikern. 1827–1830 lernte er bei Friedrich Schneider in Dessau. Anschließend arbeitete er in Nienburg, Bernburg, Köthen und Magdeburg als Musiklehrer, bis er 1838–1840 als Dirigent des Gesangvereins in Schönebeck an der Elbe erstmals eine feste Stelle erhielt. 1840–1850 ließ er sich in Stettin nieder, wo er wieder als Musiklehrer wirkte. 1850 erhielt er als Nachfolger des verstorbenen Ernst Adolph Wendt einen Ruf als Musiklehrer an das Lehrerseminar in Neuwied mit einem Jahresgehalt von 400 Reichstalern. Dabei war von Anfang an geplant, dass Flügel dieses Gehalt mit Privatunterricht aufbesserte. Zu seinen Privatschülern gehörten auch Prinzessin Elisabeth zu Wied, die spätere Königin von Rumänien, die unter dem Pseudonym Carmen Sylva als Schriftstellerin populär wurde, und Prinzessin Thekla, die Schwester des regierenden Fürsten. Nach seinem ersten öffentlichen Dirigat der zuvor von Christian Löcher geleiteten Liedertafel boten ihm auch der vorher von Wendt geleitete Musik- und der Gesangverein die Leitung an. Das neue Wirkungsfeld veranlasste Flügel nicht nur zu seinem Einjährigen Gesangs-Cursus für Elementarschulen, sondern die Leitung von Liedertafel und Seminar-Chor auch zu Kompositionen für Männerchor. Allerdings gab es schon 1853 Auseinandersetzungen mit dem Vorstand des Musikvereins über musikalische Ausrichtung und musikalisches Niveau, worauf ihn dieser entließ und Flügel auch die Leitung von Liedertafel und Gesangverein aufgab (die Leitung dieser drei Vereine übernahm Eduard Weil), dafür aber 1856 den Flügel’schen Gesang-Verein gründete. 1856 ernannte ihn der preußische König zum Musikdirektor. 1858 leitete Flügel das 1. mittelrheinisch-evangelische Lehrer-Gesangfest in St. Goar, bei der seine Festkantate op. 55 zu den Höhepunkten gehörte und bei dem er zum Direktor des neugegründeten Mittelrheinischen Lehrer-Gesangvereins ernannt wurde. Da er 1859 einen Ruf als Schlossorganist nach Stettin erhielt, musste er die Leitung des 2. Lehrer-Gesangfests in Trarbach dem Musiklehrer Fetz aus Dierdorf überlassen. Flügels Nachfolger als Seminarmusiklehrer in Neuwied war Karl Wilhelm Steinhausen. Über die gesamte Neuwieder Zeit stand er mit dem Klavierbauer Carl Blettner in Kontakt, dessen Instrumente er bewarb. Seine Stelle in Stettin bekleidete er bis 1898 und war daneben bis etwa 1890 auch noch als Dirigent und Privatmusiklehrer tätig.

Werke — Das Verzeichnis umfasst Flügels in der Neuwieder Zeit entstandenen bzw. gedruckten Werke; für weitere Kompositionen vgl. für die Zeit vor Neuwied auch das Verzeichnis in Galerie berühmter Pädagogen, S. 137–140

mit Opuszahl: Feldblumen. Klavierstücke op. 29, Berlin: Trautwein [1849]; D-B (digital) <> 3 Weihnachtskantaten (Mch.) op. 30, Koblenz: Falckenberg [1853] <> Capriccio (Kl.) op. 31, Leipzig: Breitkopf & Härtel [1852]; D-B (digital), D-KNh <> Kleine Tondichtungen (Kl.) op. 32 (Nr. 4–6), Kassel: Luckhardt [1852]; D-B <> Dreizehn Choral-Vorspiele (Org.) op. 33, Erfurt: Körner [1853]; D-B <> Vier Clavierstücke op. 34, Koblenz: Falckenberg [1853] <> Preußische Königs- und Helden-, Kriegs- und Siegeslieder zum Gebrauch in Schulen, höhern Lehranstalten und in der Armee op. 35, Neuwied: Heuser [1853]; ehem. D-B <> Clavier-Sonate (Nr. 5, C-Dur) op. 36, Leipzig: Breitkopf & Härtel [1853]; D-B (digital) <> Leichte instructive Klavier-Variationen mit Fingersatz op. 37, Leipzig: Merseburger [1854]; D-B <> Drei Clavierstücke op. 38, ebd. [1854]; D-B <> Sechs Orgelstücke op. 39, Rotterdam: de Vletter [1854] <> Volkspoesien. Zwei Fantasien (Kl.) op. 40, 2. Hefte, Leipzig: Siegel [1854]; D-B <> Mélancolie. Nachtstück (Kl.) op. 41, ebd. [1855]; D-B <> Volksklänge. Ein variirtes Thema (Kl.) op. 42, ebd. [1855]; D-B <> Geistliche Lieder aus einem spanischen Liederbuche von Emanuel Geibel und Paul Heyse (Sst., Kl.) op. 43, Leipzig: Merseburger [1855]; D-B <> Humoreske (Kl.) op. 44, Mainz: Schott [1856]; D-B, D-KNh <> Sechs Lieder (Sst., Kl.) op. 45, Kassel: Luckhardt [1855]; D-B <> Bibelsprüche (Mch.) op. 46, in: Liturgische Chöre (hier Nr. 1–13), hrsg. v. Carl Mettner, Erfurt: Körner [1856] <> Bibel-Hymnen mit lateinischem und deutschem Text für den geistlichen Männerchor op. 47, Erfurt und Leipzig: Körner [1857]; ehem. D-B <> Pater noster (3 gl. Sst., Org./Kl.) op. 48, Mainz: Schott [1857]; D-B <> Sanctus, o Salutaris (3 gl. Sst., Org./Kl.) op. 49, ebd. [1857]; D-B <> Cantaten, Responsorien und Vota Apostolica (Kinderch.) op. 50, Leipzig: Merseburger [1857]; D-B <> 10 leichte Orgelstücke op. 51, Offenbach: André [1857]; D-B, D-Mbs, D-NBsb, D-OF <> 8 geistliche Lieder (Sst., Kl.) op. 52, Aachen: ter Meer [1858]; D-B <> Sonate (Kl.) op. 53, Erfurt und Leipzig: Körner [1858]; D-B <> Klein Roland. Sonatine in C mit Bezeichnung des Fingersatzes op. 54, Leipzig: Merseburger [1858]; D-B <> Festkantate zur dreihundertjährigen Reformations-Jubel- und Dankfeier (Mch., Org.) op. 55, Neuwied: Steiner [1858]

ohne Opuszahl: Gute Nacht (Sst., Kl.), Köln: Schloss [1852] <> Oster-Kantate (Mch.), in: Neue Zeitschrift für Musik 18. März 1853 <> Du wundersüßes Kind (Sst., Kl.), Leipzig: Breitkopf & Härtel [1853] <> Einjähriger Gesangs-Cursus für Elementarschulen, Neuwied: Heuser [1853] <> Singet dem Herrn ein neues Lied, in: Geistliche Männerchöre, hrsg. v. Wilhelm Greef, Essen: Baedeker [1855] <> Ehre sei Gott (2 S, A), in: Euterpe 14 (1855), S. 1–3 <> Pfingst-Cantate (Mch.), in: Geistliche Männerchöre, hrsg. v. Wilhelm Greef, Essen: Baedeker [1856] <> Char-Freitags-Cantate (Mch.), ebd. <> Grab-Gesang (Mch., 4 Pos.), ebd. <> Sanctus et Agnus Dei (Mch.), ebd. <> Neujahrs-Cantate (Ch.), in: Euterpe 16 (1857), S. 1–3 <> Kyrie quotidianum (Ch.), in: Euterpe 17 (1858), S. 1–2 <> Exaudivit Dominus deprecationem (Ch.), ebd., S. 41–43 <> Drei Lieder (Sst., Kl.), in: Lieder von W. Kritzinger, G. Jahn, Fr. Oser u. A. mit einfacher Begleitung, Leipzig: Merseburger [1858] <> Am Abend (Sst., Kl.), in: Euterpe 18 (1859), S. 169–170 <> 12 Beiträge zu Carl Seegers Der praktische Organist. Hand- und Musterbuch enthaltend eine reiche Auswahl gediegener Orgelstücke für alle Freunde eines würdigen Orgelspiels, Bd. 1 und 2, Offenbach: André [1855 und 1858]

Zeitschriftenartikel: Das Gesangfest des Sieg-Rheinischen Gesangvereins zu Brühl, in: NZfM 9. Sept. 1853 <> Einige Bemerkungen in Bezug auf das Singen in der Volksschule, und schließlich ein Wort zur Verständigung, ebd. 10. März 1854 <> Aus einem Brief an Hrn. Ernst Hentschel, ebd. 1. Aug. 1857 <> Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrer-Vereins zu Brühl am 23sten August 1854, in: NZfM 8. Sept. 1854 <> Aus Düsseldorf, ebd. 8. Juni 1855 <> Neuwied, den 2ten Juli, ebd. 13. Juli 1855 <> Nothwendige Rüge, ebd. 20. Juli 1855 <> Neuwied, ebd. 14. Dez. 1855 <> Düsseldorf (über das 34. Niederrheinische Musikfest), ebd. 23. Mai 1856 <> Der Verein zur Beförderung der Tonkunst in Holland, ebd. 18. Juli 1856 <> Verhandlungen der 27. General-Versammlung der Vereins „zur Beförderung der Tonkunst“ zu Amsterdam, den 19. August 1856, ebd. 21. Nov. 1856 <> Über die deutsche Bezeichnung der musicalischen Vortragsweise in Ueberschriften und zwischen den Notenlinien, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 13. Juni 1857 <> Festtage in Simmern. Brief an E. Hentschel, in: Euterpe 16 (1857), S. 112–114 <> Schreiben an E. Hentschel, das diesjährige Niederrheinische Musikfest betreffend, ebd., 17 (1858), S. 89–91 <> Ein ländliches Familien-Gesangfest, ebd., S. 156–157 <> Schreiben an E. Hentschel, das Coblenzer Jubiläum betreffend, ebd., S. 157–160 <> Die Einführung des gemischten Chores ist auch auf dem Lande möglich, ebd., S. 167–168; dass. in: Evangelisches Schulblatt für Rheinland und Westfalen 2 (1858), S. 238–240 <> Verhandlungen der 28. Generalversammlung des Vereins „zur Beförderung der Tonkunst“ zu Amsterdam, den 13. October 1857, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 12. März 1858 <> Aus Coblenz, ebd. 29. Okt. 1858 <> Der Niederländische Verein zur Beförderung der Tonkunst, in: Euterpe 18 (1859), S. 54–56 <> Vom Rhein, ebd., S. 62–63; dass. in: Niederrheinische Musik-Zeitung 6. Mai 1859

Quellen — Briefwechsel mit Louis Spohr (s. Spohr-Briefe); weitere Briefe, v. a. an den Musikverlag Schott s. Kalliope; Briefe an André in Offenbach (1856/57); D-OF <> NZfM 6. Aug. 1850, 24. Jan. 1851, 4. Febr., 4. März, 28. Okt. 1853, 18. Jan., 27. Okt. 1854, 9., 16. Febr., 2. März, 6. Juli 1855, 11. Jan., 13. Juni 1856, 23. Jan., 21. Aug., 6. Nov. 1857, 28. Mai, 24. Sept., 8. Okt., 19. Nov., 17. Dez. 1858, 15. Apr., 6. Mai 1859; Rheinische Musik-Zeitung 14. Sept. 1850, 15. Mai, 9. Aug. 1851, 23. Sept. 1853, 14. Juni 1856; Niederrheinische Musik-Zeitung 27. Aug. 1853, 28. Jan. 1854, 1. Sept. 1855, 5. Apr., 10. Mai, 7., 14. Juni 1856, 23. Mai, 5. Sept., 5. Dez. 1857, 13. Nov. 1858, 5. März, 9., 23. Apr., 11. Juni, 3. Sept., 1. Okt. 1859; Euterpe 16 (1857), S. 87, 144, 158, 168, 188; 17 (1858), S. 38, 74, 76, 108, 121–122, 143-146, 169–171, 173; 18 (1859), S. 46, 64, 103, 104, 120, 143; Neuwieder Intelligenz- und Kreis-Blatt 9. Sept., 7. Nov. 1850, 7. Apr. 1851, 15. März, 1. Apr., 15. Juli, 15., 20. Dez. 1852, 6., 10., 13., 16. Jan. 1853, 9. Jan. 1854, 1. Aug., 9. Sept. 1855; Neuwiedische Nachrichten 5. Nov., 1850, 4., 29. Apr., 15. Juli, 29. Aug. 1851, 16., 30. März, 13. Juli 1852, 9., 12., 16. Jan., 4. Febr. 1853, 4. Jan. 1854, 29. Juli 1855 <> Gustav Flügel (Autobiographie), in: Urania 39 (1882), S. 34ff., 50–54, 68ff., 102ff., 134ff., 150–153; 40 (1883), S. 2ff., 68–72 <> Carmen Sylva, Mein Penatenwinkel, Frankfurt/M. 1917, S. 278

Literatur — Johann Baptist Heindl, Galerie berühmter Pädagogen, verdienter Schulmänner, Jugend- und Volksschriftsteller und Componisten aus der Gegenwart in Biographien und biographischen Skizzen, Bd. 1, München 1859, S. 136–140 <> GollmickH; Mendel/Reissmann; RiemannL <> Michael Wilfert, Gustav Flügel (1812–1900). Ein zu Unrecht vergessener Stettiner Musiker, in: Baltische Studien 90 (2005), S. 181–204

Abbildung: Gustav Flügel, Fotographie [ca. 1858]; Privatbesitz (Wikimedia Commons)


Karl Traugott Goldbach

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  • Zuletzt geändert: 2024/01/08 21:09
  • von kk