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WEISS, AUGUST * Deidesheim 8. Juni 1861 | † Heiligenstadt (Eichsfeld) 26. März 1941; Komponist, Pädagoge

Als Sohn des aus Hadamar stammenden Lehrers und Institutsvorstehers Wilhelm W. wuchs Weiss an wechselnden Orten auf, darunter Biebrich (hier soll er Musikunterricht von Paul Schumacher erhalten haben), Ludwigshafen, Mannheim und Wiesbaden, wo seine Mutter Susanne geb. Coerver im Dezember 1873 verstarb. Infolge der zweiten Eheschließung des Vaters im April 1874 in Frankfurt/M. ließ sich die Familie dort für längere Zeit nieder. Bereits im Alter von zehn Jahren war Weiss öffentlich, teils mit eigenen Werken, aufgetreten – so etwa im August 1871 in Bad Schwalbach, wobei er als „Schüler des Conservatoriums der Musik in Mannheim“ bezeichnet wurde (Programm im Nachlass; D-B (Mus.ep. Weiss, A. Varia 7)). Von 1880 bis 1883 studierte Weiss am Hoch’schen Konservatorium Klavierspiel und Komposition bei Joachim Raff und Max Schwarz. 1893 trat er die Nachfolge Silvio Rigutinis als Klavierlehrer am Raff-Konservatorium an, eine Stelle, die er bis 1902 behielt. Zudem leitete er die 1883 gegründeten Gesangvereine Einigkeit (Sachsenhausen; 1883) und Gutenberg (1888/89). Von 1885 bis zur Scheidung im Jahr 1904 war Weiss mit Emma Louise geb. Zeh (* Seckbach 25. Juli 1863), Tochter eines Maurermeisters, verheiratet. Dass er (so das Deutsche Geschlechterbuch) 1898 in New York die sechzehnjährige Kaufmannstochter Lina Louise geb. Heil (* Frankfurt/M. 20. Juni 1882 | † München? 12. Juni 1960) geheiratet haben soll, steht zwar in einigem Widerspruch mit den Frankfurter Daten, allerdings gibt es in New York Geburtseinträge für zwei Töchter, Auguste Marie Katharina (* 11. Juni 1903) und Susanna (* 15. Juni 1904), als deren Eltern ein Deidesheimer August Weiss und eine Frankfurterin Lina Louise Heil mit passenden Altersangaben genannt sind. Außerdem bewarb er 1909 einige Werke mit der Anmerkung, sie seien „[i]n Amerika und Deutschland […] vielfach in ersten Musikinstituten eingeführt“ (s. Abb.) – dazu gehört beispielsweise die Piano School von Carl Fälten in Boston, mit dem er seit 1905 in Kontakt stand. Sicher ist, dass Weiss seit 1906 in Berlin lebte, wo er sich bis 1911 als Komponist und Musiklehrer (Kl., Theorie, Komposition) nachweisen lässt. Anschließend übersiedelte er aus gesundheitlichen Gründen nach Bleicherode und 1921 nach Heiligenstadt. Der Sterbeeintrag bezeichnet ihn als geschiedenen Klaviervirtuosen und Komponist. Sein Halbbruder Wilhelm (Jacob) Weiss (* Frankfurt/M. 6. März 1875 | † ebd. 11. Dez. 1954) studierte, aus der Schweiz kommend, von 1894 bis 1896 Klavierspiel am Hoch’schen Konservatorium bei Ernst Engesser und anschließend bis 1900 bei Max Schwarz am Raff-Konservatorium, schlug aber eine kaufmännische Laufbahn ein (der Sterbeeintrag bezeichnet ihn als Bankangestellten). Dessen Schwester Sophie Weiss (* Frankfurt/M. 14. Mai 1886 | † ebd. 16. Jan. 1962) schloss 1909 als Pianistin die Ehe mit Peter Roth und leitete anschließend gemeinsam mit diesem das Frankfurter Westend-Konservatorium.

Werkeaus der Jugend- und Frankfurter-Zeit: Divertissement (Kl.), aufgef. Bad Schwalbach 13. Aug. 1871 <> Konzertsatz in G-Dur (Kl., Klavierquintett), aufgef. im Kons. 8. Juli 1882; ungedruckt <> Wandergrüsse. Sechs Lieder (Sst., Kl.), Leipzig: Breitkopf & Härtel [1889]; D-B <> Glöckchenspiel. Polka (Kl.) op. 4, Frankfurt: Steyl & Thomas [1890]; D-B <> Da Rauber „Mei’ Schatz is a’ Räuber“ (4st. Mch.) op. 32, Frankfurt: Firnberg (in Kommission) [1900]; D-B <> Der alte Führer „Was schaust du in die Schlucht hinab“ (Sst., Kl.) op. 33, Frankfurt: Firnberg – dass., Berlin: Selbstverlag [1909]; D-B <> Im Hunnental. Melodram (m. Kl.), Frankfurt: Firnberg – dass. Berlin: Selbstverlag; D-B <> aus späterer Zeit (veröffentlicht im Selbstverlag in Berlin, allem Anschein nach produziert durch Schuberth jr. in Leipzig und Breitkopf & Härtel (Leipzig/London/New York) (vgl. MMB, den Image-Katalog in D-B sowie Pazdírek); die Rechte der meisten Werke verkaufte Weiss 1927 an den Senta-Verlag in Stuttgart): 1) mit Opuszahl: Kinder-Walzer (7 Kinder-Instr., 2 Vl., Vc./B., Kl.) op. 16, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth [1906]; D-B <> Gutenberg-Hymne (4st. Mch., Orch.) op. 18 (aufgef. bei der Frankfurter Gutenbergfeier am 17. Juni 1900), Berlin: Selbstverlag <> (Frühlings-)Walzer bzw. Maienduft-Walzer (Kl. 2ms bzw. 4ms) op. 21, Berlin: Selbstverlag [1905]; D-B – dass. (Kl. 4ms), ebd. [1909]; D-B <> Wiegenlied „Schlummre sanft! Noch an dem Mutterherzen“ (Mch., Streichorch.) op. 25, London: Breitkopf & Härtel [1907]; D-B – Berlin: Selbstverlag [1909] <> Zwei Lieder (Waldesruhe, Abenddämmerung; Sst., Kl.) op. 26, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth bzw. New York: Breitkopf & Härtel; D-B, US-SLpl <> [2] Zigeunertänze (Kl.) op. 27, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth; D-B <> Presto. Im Fluge durch die Welt (Kl.) op. 28, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Breitkopf & Härtel [1909]; D-B <> Humoreske (Kl.) op. 29, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth; D-B <> Menuetto I (Kl.) op. 30, ebd. [1907]; D-B <> Konzert-Etüde (Kl.) op. 31, ebd. [1906]; D-B, D-LEu <> Capriccio (Kl.) op. 34, ebd.; D-B <> Melodie (Kl.) op. 35, ebd. [1906]; D-B <> Elegie (Kl.) op. 36, ebd.; D-B <> Deingedenken „Deine lieben klaren Augen“ (Sst., Kl.) op. 37, Berlin: Selbstverlag [1909]; D-B <> Liebe „Die Liebe willst du finden?“ (Sst., Kl.) op. 38, ebd. [1909]; D-B <> [2] Lieder (Gestillte Sehnsucht, Bächlein du; Sst., Kl.) op. 39, ebd. <> Zigeuner-Rhapsodie bzw. Gipsy-Rhapsodie (Kl.) op. 40, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth [1905]; D-B, D-Dl <> Romanze No. 1 (Kl.) op. 41, ebd. [1905]; D-B <> Träumerei bzw. Dreaming on the Riviera (Kl.) op. 42, ebd. [1905]; D-B <> Auf den Bergen bzw. On the Mountains (Kl.) op. 43, ebd. [1905]; D-B <> Zigeunertanz bzw. Gipsy Dance No. 3 (Kl.) op. 44, ebd. [1906]; D-B <> Zigeunertanz bzw. Gipsy Dance No. 4 (Kl.) op. 45, ebd. [1905]; D-B <> Romance No. 2 (Kl.) op. 46, ebd. [1905]; CH-Bu, D-B <> Tanz der Zwerge bzw. Dwarf Dance (Kl.) op. 47, Berlin: Selbstverlag bzw. New York: Breitkopf & Härtel bzw. Leipzig: Schuberth [1904/1905]; D-B <> Vier leichte Stücke (Der kleine Virtuos. Rondino, Gavotte-Rococo, Volks-Walzer, Menuetto grazioso; Kl.) op. 50, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth [1905]; D-B <> Das Bächlein „Bächlein du, im Blumenbette“ (Mch., Kl. obl.) op. 57, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth bzw. New York: Breitkopf & Härtel [1905]; D-B <> Heimweh „Weit hinter jener Berge Reih’n“ (Mch.) op. 58, ebd. [1905]; D-B <> Sechs leichte Stücke (Heimweh, Großmütterchen, Gavottino, Schmeichelkätzchen, Abendstille, Alla Scherzino; Kl.) op. 65, 3 Hefte, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Schuberth [1906]; D-B <> Drei Tonbilder (Kl.) op. 70, ebd. [1906]; D-B <> [4] Klavierstücke (Wellenspiel, Hünengrab, Nachtmahr, Waldschrat) op. 71, Berlin: Selbstverlag bzw. London: Breitkopf & Härtel [1907]; D-B <> Ballata misteriosa (Kl.) op. 72, Berlin: Selbstverlag <> Vier Klavierstücke (Puppenspiel, Zwiegespräche, Der kleine Soldat, Haschen) op. 74, Berlin: Selbstverlag <> Romanzo patetico (Kl., Vl./Vc.) op. 75, Berlin: Selbstverlag bzw. Leipzig: Breitkopf & Härtel [1907]; CH-Bu, D-B, D-Mbs, I-POn <> Concert-Etude No. 2 (Kl.) op. 76, London: Breitkopf & Härtel [1907]; D-B <> Kleine Sonate (Kl.) op. 77, Berlin: Selbstverlag <> Vier moderne Klavierstücke (Sie tanzt, Im Salon, Letzter Gang, Walzer-Capriccio) op. 79, ebd. <> Sonatine (Kl.) op. 80, ebd. <> Drei Charakterstücke (Erinnerung, Einsiedler, Indianerleben; Kl.) op. 83, ebd. <> Sonata-Fantasia-Dramatica (Kl.) op. 84, ebd. <> Ernste Stunden (Kl.) op. 95 bzw. op. 99 Nr. 6 [verschiedenen Konzertzetteln zufolge]; aufgef. Berlin 11. Mai 1916, Wittenberg 8. Nov. 1917 <> 2) ohne Opuszahl: Hymne an die Kunst (gem. Chor, gr. Orch.), Leipzig: Breitkopf & Härtel [ca. 1920]; D-B <> Messe G-Dur (gem. Chor, Org.), ebd. [ca. 1927]; D-B <> Geistersuite (Kl.); aufgef. Berlin 11. Mai 1916 <> ob ihm die 1911 bei Böhm in Augsburg erschienen drei Werke – eine Messe (Es-Dur), ein Auferstehungslied sowie ein Weihnachtslied (sämtlich in D-Mbs) – zuzuschreiben sind, ist zweifelhaft

Quellen und Referenzwerke — Nachlass in D-B <> Briefe s. Kalliope – zusätzlich Brief an André (1, 1902); D-OF <> KB Deidesheim <> Familienbögen Mannheim <> Trauungsbuch Frankfurt <> Standesamtsregister Frankfurt, Frankfurt-Fechenheim und -Seckbach, Sprendlingen (1892 Heirat seiner Schwester Maria (* Biebrich 19. Aug. 1867)), Heiligenstadt; Zivilstandsregister Ludwigshafen (Geburtseintrag seiner Schwester Susanna Maria Louise (* 18. Aug. 1870 | † Frankfurt/M. 25. Okt. 1961) und Sterbeeintrag seines Bruders Ludwig (* Deidesheim 1859 | † 21. Mai 1868)) <> Geburtsregister Manhattan, New York; Census Records New York 1905 <> Adressbücher Frankfurt, Berlin, Heiligenstadt <> Jahresberichte des Hoch’schen und Raff-Konservatoriums <> MMB <> NN, Ein arbeits- und erfolgreiches Leben. Virtuose, Komponist, und Musikprofessor August Weiß (Biographischer Abriss), in: Eichsfelder Heimatbote Nr. 20, 1939 <> Frank/Altmann 121926; RiemannL 111929 <> Deutsches Geschlechterbuch Bd. 201, 1995, S. 300 (betr. Lina Louise geb. Heil) <> Art. August Weiß, in: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten, hrsg. von Viktor Carl, Edenkoben 1998 <> freundliche Mitteilungen von Herrn Stephan Wagner (März 2023)

Abbildung: Anzeige Weiss’ im Musikalischen Wochenblatt 11. Nov. 1909


Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2024/01/09 17:31
  • von bkb