litterscheid


LITTERSCHEID, FRANZ * Brühl bei Bonn 13. Juli 1854 | † Koblenz 17. Dez. 1921; Organist, Dirigent, Musiklehrer, Komponist

Litterscheid, Sohn eines Brunnenmeisters, studierte zunächst am Lehrerseminar in Brühl und 1871–1874 am Kölner Konservatorium u. a. bei Ferdinand Hiller und Friedrich Gernsheim. In den Jahren 1874–1876 war er als Chordirigent und Organist in Brühl, 1876–1879 in gleicher Funktion sowie als Musiklehrer in Friedrichsthal und Sulzbach bei Saarbrücken tätig, bevor er sich 1879 in Koblenz niederließ, wo er bis zu seinem Tod als Organist und Chordirigent der Liebfrauenkirche wirkte. Daneben arbeitete er als Lehrer für Klavier, Orgel, Gesang und Musiktheorie sowie stellvertretender Direktor des Koblenzer Konservatoriums (1888–1890) und der Königlichen Musik- und Gesangschule (1891–1911), leitete den Männergesangverein Rheinland (1881–1885, 1889–1899), die Koblenzer Liedertafel (1899–1907) sowie den Chor- und Musikverein Cäcilia in Ober- und Niederlahnstein (1893–1898). Bei zahlreichen Gesangswettbewerben fungierte Litterscheid, dessen 25jähriges Dienstjubiläum 1904 in Koblenz aufwendig begangen wurde, als Preisrichter. Seine überregionale Anerkennung schlug sich in einer ganzen Reihe von Ehrenmitgliedschaften und Auszeichnungen nieder, darunter die Verleihung der Professorenwürde des Konservatoriums zu Valencia (1892); dagegen wurde sein Gesuch um Verleihung des Titels Musikdirektor bzw. Professor 1892 von der Preußischen Akademie der Künste abgelehnt.

Anton Litterscheid, in den 1930er Jahren als Synagogen-Organist und musikalischer Leiter der Kapelle des Koblenzer Kriegervereins tätig, war vermutlich Franz’ Sohn. Ob der tief im Gedankengut des Nationalsozialismus verwurzelte Musikschriftsteller Richard Litterscheid (1904–1995) zum engeren Familienkreis zählte, bedarf noch der Klärung.

Werke — Die veröffentlichten Kompositionen (überwiegend Lieder und weltliche wie geistliche Chöre sowie Klavierstücke) mit Opuszahlen bis 110 (ca. 1875–1912) erschienen überwiegend in Hameln (Oppenheimer), Köln (Tonger; seit 1888 von Rühle in Leipzig übernommen) und vor allem in Koblenz (Falckenberg, Prem, Schuth, Selbstverlag) sowie vereinzelt in Neuwied (Bertram). Die nicht publizierten Werke (darunter Opern, Ouverturen und andere Orchesterstücke, Klavierkonzerte, Lieder, Chöre und Klavierstücke; s. Jansa) sind meistenteils verschollen; zu den überlieferten s. RISMonline <> Taschenbüchlein der gebräuchlichsten musikalischen Kunstausdrücke, Köln: Tonger [1887]; D-ERu – Stuttgart: Grüninger [1888]; D-B

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Friedrichsthal <> Teilnachlass in D-KBa <> Briefe an und von Litterscheid s. Kalliope <> Acta betr. Verleihung des Titels Musikdirector 1889–1895; D-Bda (Best. Preußische Akademie der Künste Berlin, Akte 405) <> Adressbücher Koblenz <> Die Lyra (Wien) 1. Nov. 1904; Zeitschrift für Heimatkunde der Regierungsbezirke Coblenz und Trier und die angrenzenden Gebiete Jan. 1922, S. 25 (Nekrolog) <> Festbuch zum Wettstreite Deutscher Männer-Gesangvereine am 29., 30. Juni und 1. Juli 1889 in Coblenz […], Koblenz 1889 <> MMB; Pazdírek <> Jansa 1911; Eschweiler 1918; RiemannL 1922; Frank/Altmann 1927; StiegerO

Abbildung: Titel einer 1897 erschienenen Sammelausgabe mehrerer bei Falckenberg veröffentlichter Klavierwerke Litterscheids mit Portrait des Komponisten; D-Kbeer


Axel Beer

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  • angelegt 2020/06/04 17:21