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BERTRAM, FRIEDRICH („Fritz“; Pseudonym Fritz Krasinsky bzw. Fritz Bertram-Krasinsky) * Heddesdorf (seit 1904 Stadtteil von Neuwied) 19. Juli 1869 | † Siegburg 15. Nov. 1942; Komponist und Verleger

Fritz Bertram, Sohn eines Zigarrenmachers, zählt zu den reichlich rätselhaften Persönlichkeiten der mittelrheinischen Musikgeschichte. Über seine Jugend und musikalische Ausbildung ist nichts bekannt; erst 1897 tritt er in Erscheinung, zunächst als Musikverleger in Neuwied, wenig später als Komponist und Musiklehrer sowie seit 1905 (so in der Korrespondenz mit André in Offenbach) als Musikdirektor, wobei man zu schließen hat, dass er als Dirigent eines der vielen Männerchöre der Region fungierte. 1924 verzog er nach Siegburg, wo er noch 1930 als Musikalienverleger in den Adressbüchern aufscheint, anschließend als Musiker; der Todeseintrag nennt ihn Chorleiter. Sein Sohn Otto (* Neuwied 20. März 1901) ließ sich ebenfalls 1924 in Siegburg nieder und scheint (wenigstens nominell) das väterliche Geschäft übernommen zu haben, das im April des Jahres unter Firma „Otto Bertram“ amtlich eingetragen wurde und bis Oktober 1945 bestand. Warum sich Fritz Bertram seit 1898 als Komponist Fritz Krasinsky nannte, ist bislang nicht bekannt. Vielleicht imponierte ihm die Figur des Liebhabers und Klaviervirtuosen Bogumil Krasinsky, eines „melancholischen, süßlich säuselnden Genies“ (Deutsche Kunst- und Musik-Zeitung (Wien) 23. Jan. 1884) in Oscar Blumenthals Lustspiel Der Probepfeil. Ebenso bleibt ein Rätsel, warum er als Verleger in Neuwied mit „H. Bertram“ firmierte; dass es sich um seine Firma handelte, ist unzweifelhaft. Das Verlagsprogramm Bertrams – insgesamt wohl nicht mehr als 100 Titel – umfasst ganz überwiegend Männerchöre sowie einige Lieder; unter den Autoren der Region sind Gustav Erlemann, Wilhelm Geis, Franz Litterscheid und Friedrich Queckenberg.

Werke — „Fr. Krasinsky“ veröffentlichte in den Jahren 1897 bis 1914 zahlreiche Männerchöre (lückenhafte Opusreihe bis 112). Die frühen Werke erschienen im Selbstverlag und gingen 1905 an Tonger in Köln über. Seit dieser Zeit arbeitete er mit mehreren Verlagshäusern zusammen, darunter mit André in Offenbach (opp. 49, 50, 57, 67, 79, 81, 90, 101 und 105 [1907–1914]) und Cezanne in Igstadt (op. 89 [1910])

Quellen — freundliche Mitteilungen von Frau Carina Schmidt, Stadtarchiv Siegburg, sowie von Herrn Bernd Breidenbach, Landesarchiv Koblenz, Außenstelle Rommersdorf im Stadtarchiv Neuwied <> Standesamtsregister sowie Gewerbe- und Meldekartei Siegburg <> Verlagsverträge und Briefe an André in Offenbach (1905–1914, jeweils mit Unterschrift „Fritz Bertram-Krasinsky“); D-OF <> Adressbücher Neuwied (1905, 1922) und Siegburg (1928–1940) <> Neue Musik-Zeitung Nr. 19 (Okt. 1897), S. 242 <> MMB; Kat. André 1900 sowie Supplement (1910) <> Challier 1908

Abbildung 1: „Fritz Krasinsky“, in: Sonderkatalog No. 11. Werke für Männerchor, Offenbach: André [ca. 1905]

Abbildung 2: Titel zu Mondnacht am Rhein op. 50, Offenbach: André [1907]; D-Kbeer


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2023/06/05 17:57
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