anton


(1) (Johann) Ludwig (auch „Louis“) (I) * Darmstadt 6. Jan. 1778 | † ebd. 31. Okt. 1842; Bruder von (2) und (3), Militär- und Hofmusiker

(2) Daniel (I) * Darmstadt 27. März 1783 | † ebd. 13. Aug. 1830; Bruder von (1) und (3), Militär- und Hofmusiker

(3) (Georg) Friedrich * Darmstadt 31. Dez. 1786 | † ebd. 17. Jan. 1850; Bruder von (1) und (2), Musikmeister, Hofmusiker, Komponist

(4) Johann Daniel (II) * Darmstadt 24. Apr. 1801 | † ebd. 28. Juni 1853; Sohn von (1), Hofmusiker, Komponist, Dichter, Schriftsteller

(5) (Johann) Gottlieb * Darmstadt 22. Okt. 1814 | † ebd. 4. Juni 1873; Sohn von (1), Hofmusiker

(6) (Georg) Adam * Darmstadt 16. Jan. 1816 | † ebd. 12. Mai 1891; Sohn von (2), Musikmeister, Hofmusiker, Schriftsteller

(7) Conrad (Lorenz) * Darmstadt 23. Jan. 1819 | † ebd. 17. Aug. 1886; Sohn von (2), Musikmeister, Hofmusiker

(8) Ludwig (Wilhelm) (II) * Darmstadt 21. Mai 1831 | † ebd. 22. Jan. 1890; Sohn von (3), Klavierstimmer, Musiklehrer, Organist

(9) (Johann Christoph) Carl (Justus Joseph) * Darmstadt 4. Okt. 1836 | † ebd. 29. Juli 1906; Sohn von (3), Glockenist, Musikmeister, Schriftsteller

(10) Friederike (Caroline) (auch „Frida“) verh. Weyl * Darmstadt 14. Juli 1851 | † Mannheim 14. Apr. 1938; Tochter von (7), Sängerin

(11) Georg Ludwig * Darmstadt 27. März 1871 | † Ober-Ramstadt 31. Mai 1934; Sohn von (9), Glockenist


(1)


Ludwig Anton war zunächst Hautboist einer Militärkapelle, bevor er 1804 in die Darmstädter Hofkapelle aufgenommen wurde. Neben Oboe spielte er Klarinette, Violine und Cello. 1817 wurde er zum Hofmusikus I. Klasse ernannt. Aufgrund von Krankheit und widrigen Umständen verschuldet, suchte er 1819 um einen Gehaltsvorschuss an, der jedoch nach einem Urteil von Kapellmeister Karl Jakob Wagner, wonach die Angaben zwar wahrheitsgemäß seien, der Hof-Kapelle-Musik-Fonds die Auszahlung aber nicht zulasse, abgelehnt wurde. Ludwig Anton war verheiratet mit Catharine Elisabethe Georg (bzw. Georgi) (1778–1858). Neben den unten genannten Söhnen ((3)–(5)) ging außerdem der Mechaniker Johann Ludwig Anton (1809–1866) aus der Ehe hervor.

Quellen — KB Darmstadt <> Akten in D-DSsa (D 8 Nr. 31/3; D 8 Nr. 34/6; D 12 Nr. 25/1; G 18 Nr. 8/10; G 28 Darmstadt Nr. F 1479/9) <> Adressbücher Darmstadt <> Thomas 1859


(2)


Daniel Anton wurde, nachdem er als Trompeter der (mutmaßl. Hessischen) Garde du Corps angehört hatte, 1816 Accessist und 1817 Mitglied der Darmstädter Hofkapelle und betätigte sich dort als Hornist und Kontrabassist. Er war verheiratet mit der aus (Brensbach-) Wersau stammenden Gertraud (bzw. Gertrude) geb. Haag (bzw. Haack).

Quellen — KB und Standesamtsregister Darmstadt <> Akten in D-DSsa (D 8 Nr. 20/2; D 8 Nr. 265/2–3; G 18 Nr. 8/5) <> Adressbücher Darmstadt <> AmZ 17. Sept. 1817; 29. Nov. 1826 <> Thomas 1859

Literatur — Kramer 2008


(3)


Friedrich Anton war, gleich seinen älteren Brüdern ((1)–(2)), im Militärdienst aktiv – als Musikmeister diente er 13 Jahre lang und nahm als solcher an zwei Feldzügen teil. Spätestens seit 1808 war er Accessist der Hofkapelle, in die er 1813 aufgenommen und 1817 zum Hofmusikus II. Klasse erhoben wurde. Hier bildete er sich eigenen Angaben zufolge unter Kapellmeister Karl Wagner zum Instrumentalisten und beherrschte neben Instrumenten wie Trompete, Posaune, Klarinette und Geige auch das „zweckmäßig[e]“ Schreiben „für alle Gattungen des Instrumentalwesens (ausgenommen das Klavier)“ (Brief an Schott, 25. Okt. 1829). Kompositionen und Arrangements von ihm, meist für Militärmusik, wurden in Darmstadt zu Gehör gebracht. 1829 trug Friedrich Anton dem Mainzer Verlagshaus Schott neben eigenen Werken auch seine Dienste als Komponist und Bearbeiter an, was aber – auch nach weiteren Schreiben – ohne Folgen blieb. Stattdessen übernahm er 1829 Aufgaben als Notenkopist in der Schreibstube der Hofkapelle. Am 1. Januar 1850 erhielt er anlässlich 50 Jahren treuen Dienstes die goldene Medaille des Ludwigsordens. Friedrich Anton war verheiratet mit Marianne Sophie geb. Dickel (1806–1867). Nach seinem Tod wurden sie und die beiden ledigen Töchter Johannette Sophie (ca. 1825–1900) und Anna Catharina Margarethe (1840–1916) mit einer Hofgnadenpension versorgt. Letztere lebten bis zuletzt gemeinsam als Privatinnen in Darmstadt.

Werkeim Manuskript (im Schott-Archiv, D-Mbs) überliefert: Var. über ein Thema aus Don Juan (Militärmusik) (vor 1825); s. RISM ID 1001184277 <> Vater unser (4 Mst., Pos.) (1825); s. RISM ID 1001184252 <> ungedruckt und wohl verschollen (den Briefen an Schott entnommen): — Ouvertüre und 6 Entre Actes [1828] <> Symphonie [1829] <> 2 Potpourris (Militärmusik) [1836] <> „über 30 Potpouris [sic] und Ouverturen nach dem neuesten Geschmacke und aus den neuesten und beliebtesten Opern“ (Brief vom 22. Jan. 1837) <> Fridolin, Oper in 3 Akten (Libretto: J. D. Anton (4)) [1837] <> Quintett (Fl., Ob., Klar., Hr., Fag.) [1837] <> weitere Werke und Arrangements von Ouvertüren, Märschen etc. für Militärmusik

Quellen — KB und Standesamtsregister Darmstadt <> Akten in D-DSsa (D 8 Nr. 31/1; D 8 Nr. 34/5; D 8 Nr. 54/5; D 8 Nr. 133/5; D 8 Nr. 265/2–3; D 12 Nr. 25/1; G 18, Nr. 8/7; G 31 P Nr. 2422) <> Adressbücher Darmstadt <> Briefe an Schott (13, 1829–1837); D-B, s. a. Kalliope (die Mehrheit dieser Briefe ist irrtümlich verlinkt und eigentlich seinem Neffen Johann Daniel Anton (4) zuzuschreiben) – insb. vom 25. Okt. 1829, 22. Jan. 1837, 20. Febr. 1837 <> Thomas 1859


(4)


Zunächst den Lebensweg seines Vaters (1) einschlagend, wurde Johann Daniel Anton 1823 als Violinist in die Hofkapelle aufgenommen, 1842 zum Kammermusikus und 1849 zum Hofkonzertmeister erhoben. Weiterhin war er in Darmstadt Stadtkantor sowie ggf. Gesanglehrer der Bürgerschulen (vgl. Scriba). 1842 gründete er den Darmstädter Sängerkranz, den er bis 1850 leitete. Anton arbeitete seit 1830 mit dem Schott-Verlag zusammen – als Übersetzer zahlreicher Opernlibretti und Gesänge, als Herausgeber der musikalischen Unterhaltungsblätter Der Minnesänger (1834–38) und Der Gesellschafter (1837–38) und anschließend als Mitarbeiter der Zeitschrift Caecilia. Er verfasste Bühnenwerke, die in Darmstadt zur Aufführung gelangten. Ob die unter dem Namen „Elias Streff“ verfassten Werke und literarischen Beiträge ebenfalls ihm zuzuschreiben sind (vgl. Scriba), ist fraglich. Anton war seit 1828 verheiratet mit Friederike Charlotte Dietz (1804–1852), der Tochter des Hoforgelbauers Philipp Gottlieb Dietz, und in zweiter Ehe seit 1852 mit Marie Dorothea geb. Röth.

Werke1. Kompositionen: Favorit-Walzer aus dem Liederspiel: Der junge Feldherr (Kl.), Mainz: Schott [1834]; D-Mbs (digital) <> Les Cloches. Walse (Kl.), Mainz: Schott [1834]; D-Mbs (digital, s. Abb.) <> Die eilende Zeit (Sst., Kl./Git.), Mainz: Schott [1837] (erschien auch im Minnesänger); D-B, D-Mbs <> Am Anfange des Jahres (Sst., Kl./Git.), Mainz: Schott [1837] (erschien auch im Minnesänger); D-B <> Trost (Sst., Kl./Git.), Mainz: Schott [1837] (erschien auch im Minnesänger); D-B <> gemeinsam mit Julius Benedict: Grand Duo brillant sur de Motifs du Postillon de Lonjumeau (Kl., Vl.), Mainz: Schott [1839] <> Die Choräle des Großh. Hess. Gesangbuchs für 3 Sopranstimmen, Darmstadt: Diehl [1843] <> ungedruckt und verschollen: Variationen über „God save the King“ (Vl.; aufgef. Darmstadt 5. Aug. 1832), Variationen und Bolero über ein Savoyer Alpenlied (Vl.; aufgef. Darmstadt 11. Dez. 1846) <> 2. Libretti: Die Ehrenpforte. Ländliches Singspiel in einem Aufzuge. Ein heiterer Beitrag zur Freude aller Hessen über die Vermählung Seiner Hoheit des Herrn Erbgroßherzogs Ludwig von Hessen und bei Rhein mit Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Mathilde von Baiern, Musik von Carl Thurn, Darmstadt: [s. n.] 1833; D-F (digital) <> Fridolin, Oper in 3 Akten (vertont von seinem Onkel Friedrich Anton (3)) [ca. 1836]; verschollen <> Bertha oder die einsame Burg, Historisch-romantische Oper in 3 Aufzügen nach einer deutschen Volkssage [ca. 1838]; verschollen (Bespr. in AmZ 5. Sept. 1838) <> Die Verbannten oder die Rumney-Höhle, Opera semiseria in 3 Aufzügen [ca. 1838]; verschollen (Bespr. ebd.) <> 3. Schauspiele: Der Sturm von Ufa, Metrisches Trauerspiel in 4 Akten, abgedruckt in: Taschenbuch für die Freunde des hiesigen Hof-Opern-Theaters hrsg. von J. K. Hainzfeld, Darmstadt 1829, S. 49–161 (digital) <> Herz und Verstand, Lustspiel in 3 Akten (EA Darmstadt 3. Mai 1831) <> Das Laternenmännchen, oder der blinde Führer durch Darmstadt, Darmstadt: Pabst [1836]; D-DS, D-MZs <> Beethovens Todenfeier. Eine rhapsodisch-poetische Darstellung des Marcia funèbre in der Sinfonia eroica [1836]; D-DS <> Der Halbeportionen-Streit in Darmstadt, Episches Gedicht in 4 Gesängen, Darmstadt: Pabst [1837]; D-DS <> Die Häßliche Fremde, Posse in 1 Akt (EA Darmstadt 25. Apr. 1838) <> Das Lied vom Ludwigsbade in Darmstadt (2 A.; nach Schillers Lied von der Glocke), Darmstadt 1839 <> 4. Bearbeitungen/Übersetzungen (an dieser Stelle nur Digitalisate der Libretti, keine Ex. nachgewiesen, da der Text in verschiedenen Publikationsformen überliefert ist) a. Opern: Ferdinand Hérold, Das Heilmittel, Mainz: Schott (1833) (Libretto D-Mbs, digital) <> Michele Carafa, Der Kerker zu Edinburg, Mainz: Schott (1833) (Libretto US-Wc, digital) <> Marco Aurelio Marliani, Der Bravo, Mainz: Schott (1834) (Libretto US-Wc, digital) <> José Melchior Gomis, Das Gespenst, Mainz: Schott (1834) (Libretto D-Mbs, digital) <> Die Guerillas (Neuvertextung zu Mozarts Cosí fan tutte), (angez. 1834; EA Frankfurt/M. 11. Dez. 1837), Darmstadt: Göbel 1838 (digital) <> Antoine-Louis Clapisson, Die Figurantin, oder Liebe und Tanz, Mainz: Schott [1838/39] (Libretto D-Mbs, digital) <> Gaetano Donizetti, Die Favoritin (EA Darmstadt 17. Okt. 1841), Karlsruhe: Macklot (1855) (Libretto US-Wc, digital) <> b. Schauspiele: Lockroy, Der Zweikampf unter dem Cardinal Richelieu (EA Darmstadt 22. Dez. 1840) <> c. Lehrwerke: Pierre Baillot, L’Art du Violon, nouvelle methode, Mainz: Schott [1835/36] (D-Tu, digital) <> 5. Herausgaben (darin jeweils auch Kompositionen Antons): Der Minnesänger. Musikalische Unterhaltungsblätter, Mainz: Schott (5 Jge., 1834–38) (D-Mbs, 3. Jg. digital, s. Abb.) <> Der Gesellschafter. Musikalische Unterhaltungsblätter, Mainz: Schott (2 Jge., 1837–38) <> 6. Schriften: Der Violinvirtuose Fr. Prume in Darmstadt, in Caecilia 20 (1839), S. 272ff. <> Übersetzungen der Texte zahlreicher kleiner Musikstücke (zumeist erschienen bei Schott)

Quellen und Referenzwerke — KB Darmstadt <> Akten in D-DSsa (Bestand D 8 Nr. 34/7 und 34/8; Bestand G 18 Nr. 8/9; Nachweisakte S1) <> Adressbücher Darmstadt <> Briefe an Schott (ca. 119, 1830–1839), s. Kalliope (irrtümlich dort sämtlich Friedrich Anton (3) zugeschrieben) <> MMB <> Zahlreiche Nennungen in der regionalen und musikalischen Presse – u. a. Didaskalia (Frankfurt) 28. Juli 1829, 7. Sept. 1832, 14. Jan. 1833, 11. Okt. 1839, 5. Juli 1843, 26. Aug. 1843, 30. Apr. 1844; AmZ 12. Febr. 1834, 22. Apr. 1835, 2. Sept. 1835, 28. Okt. 1835, 12. Apr. 1837, 5. Sept. 1838, 12. Juni 1839; Intelligenzblatt zur AmZ, Nr. 7, Mai 1834; Anzeigen und Rezensionen in Caecilia (Mainz) und ebd. Bd. 20 (1839), Heft 80, S. 268–271 (/Nekrolog für den Minnesänger und den Gesellschafter) <> Art. Anton, in Biographisch-literärisches Lexikon der Schriftsteller des Großherzogthums Hessen im neunzehnten Jahrhundert, hrsg. von Heinrich Eduard Scriba, Bd. 2, Darmstadt 1843 <> GollmickH <> Thomas 1859, S. 83 <> Pasqué 1868 <> Die Musikalien der großherzoglichen Hofbibliothek in Darmstadt, Darmstadt 1874, S. 5 <> Ferdinand Dieffenbach, Das Großherzogthum Hessen in Vergangenheit und Gegenwart, Darmstadt 1877, S. 529 <> Wilhelm Freystätter, Die musikalischen Zeitschriften seit ihrer Entstehung bis zur Gegenwart, München 1884 <> Knispel 1891 <> Quartalblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen, 1909, Bd. 4 Nr. 13, S. 357f.

Literatur — James Deaville, Die Mainzer Musikkritik im Vormärz, in: MittAGm 42 (1981), S. 63–88 <> Kramer 2008


(5)


Gottlieb Anton erlernte sicherlich die musikalischen Grundlagen wie auch das Spiel auf Oboe und Cello bei seinem Vater Ludwig (1). Nach seinem Eintritt in die Hofkapelle als Orchestermusiker bei Schauspiel und Oper 1828/1829 erhielt er weiteren Unterricht bei Solo-Oboist Wilhelm Niebergall. 1837 und 1840 trat er solistisch als Cellist auf; 1841 erhielt er den Titel eines Hofmusikers. 1852 bewarb sich Gottlieb Anton erfolgreich auf die Stelle des „Inspector[s] der Instrumente“ (Thomas 1859, S. 108). Ob seine Anzeige einer Violine Giovanni Grancinos (1726) und eines Cellos von „Christovoro Ehrhardt de Hannover“ (1772) in den Signalen vom 13. Mai 1852 damit zusammenhängen, ist noch nicht geklärt. Nachdem er im Jahr 1868 einen Schlaganfall erlitten hatte und fortan halbseitig gelähmt war, wurde er zum 1. Juli 1870 pensioniert. Er war verheiratet mit der Amtssekretärstochter Friederike Caroline geb. Rabenau (ca. 1815–1897; Patin von (10)).

Quellen — KB und Standesamtsregister Darmstadt <> Akten in D-DSsa (D 8 Nr. 22/3; D 8 Nr. 34/2; D 8 Nr. 51/1; D 8 Nr. 53/10; G 18 Nr. 8/8; Nachweisakte S1) <> Adressbücher Darmstadt <> Signale für die musikalische Welt 13. Mai 1852 <> Thomas 1859 <> Knispel 1891

Literatur — Kramer 2008


(6)


Adam Anton betätigte sich in den 1840er Jahren als Scribent, bevor er im Juni 1853 als königlich groß-britannischer Musikmeister in der Bengalischen Armee nach Indien reiste, wobei ihn seine Ehefrau Elisabetha geb. Kaltenborn (1816–1878) begleitete. Nach der Ankunft im Dezember 1853 verbrachte er anderthalb Jahre nahe Wazirabad (heute in Pakistan) zu, bevor „[d]as ewige Einerlei in der Garnison, der Wunsch mehr zu sehen und die Aussicht […] [seine] Verhältnisse zu verbessern“ (Von Darmstadt nach Ostindien, S. 41) ihn dazu motivierten, als Musikmeister zum 26. Natif-Regiment in Meean Meer (Militärquartier bei Lahore) zu wechseln. Wenig später übernahm er zudem (infolge eines Choleraausbruchs) die Direktion der 81. Regimentsmusik. Ein lebhaftes Beispiel der besonders widrigen Umstände während der Regenzeit gibt eine Anekdote Antons: „Oft sind die Musiker kaum im Stande beim öffentlichen Aufspielen die Noten zu unterscheiden, so dicht sind die Musikblätter mit Käfern aller Art übersäet. Bläßt einer einen falschen Ton, so hat er wenigstens in dieser Periode eine gute Entschuldigung; er braucht nur zu sagen: ein Käfer hat sich auf mein fis gesetzt, ich habe daher f geblasen!“ (ebd., S. 57). In Meean Meer er- und überlebte er 1857 den Sepoyaufstand, wobei die daraus resultierenden Umstände Anton zum Entschluss der Heimreise brachten. Dazu notierte er, er „wäre wohl in Indien für Lebenszeit geblieben, aber die unselige Revolution, die alle Verhältnisse über den Haufen warf, das ewige Kämpfen gegen Krankheit, das Umherziehen von Gegend zu Gegend, das wohl für eine kurze Dauer seinen Reiz hat, sowie der Wunsch meine Freunde und Verwandten wieder im alten Vaterlande zu umarmen, lassen jeden Gedanken an die Mühe und Kosten einer Rückreise schwinden.“ (ebd., S. 81). Besagte Rückreise verzögerte sich bis Oktober 1858 und im März 1859 kam er schließlich gemeinsam mit seiner Frau in der Darmstädter Heimat an. Anschließend publizierte er die Aufzeichnungen seiner Erlebnisse. Seit 1874 befand sich Adam Anton im Ruhestand.

WerkeSchriften: Von Darmstadt nach Ostindien. Erlebnisse und Abenteuer eines Musikers auf der Reise durch Arabien nach Lahore. Die denkwürdigen Ereignisse der letzten Jahre nach seinem Tagebuch wahrheitsgetreu geschildert von A. Anton, Musikmeister in der Bengalischen Armee, Darmstadt: G. W. Küchler 1860 [1859]; B-Ac, CH-Bu, CH-Zz, D-DS, D-Gs, D-MZs, F-Sn, GB-Lbl, NL-DHnmi, NL-LE, US-NYpl

Quellen und Referenzwerke — KB und Standesamtsregister Darmstadt <> Akte in D-DSsa (G 28 Darmstadt Nr. F 1480/42) <> Adressbücher Darmstadt <> Darmstädter Tagblatt 26. Nov. 1859, 13. Mai 1891 (Todesanzeige)

Literatur — Kurt Schleucher (Hrsg.), Die reisefreudigen Tonkünstler (Zwischentext), in: Darmstädter draußen: ihr Leben im Ausland, Darmstadt 1980, S. 243–246

Abbildung 3: Anzeige zur Erscheinung von Adam Antons Erinnerungen Von Darmstadt nach Ostindien, in: Darmstädter Tagblatt 26. Nov. 1859


(7)


Conrad Anton, das jüngste der sieben Kindern Daniel Antons (1), war als Hautboist 1. Klasse im Infanterie-Regiment Nr. 1 tätig. Ende der 1850er Jahre hielt er sich als Musikmeister der 9. Lanciers im nordindischen Ambala auf, wo im Zuge der Aufstände 1857 sein Haus niederbrannte. Etwa zu Beginn der 1860er Jahre kehrte er nach Darmstadt zurück und wurde im Frühjahr 1863 zum Hofmusikus, im Herbst 1880 zum Kammermusiker ernannt. Zudem war er Inhaber der Königlich Großbritannischen India-Medaille. 1885 suchte er erfolgreich um Versetzung in den Ruhestand an. Conrad Anton war mit Katharina geb. Fey (1820–1900), der Tochter des Stabstrompeters Johann Adam Fey, verheiratet. Ihr ältester Sohn Adam (1846–1918) war Inhaber einer Handlung für Haus- und Küchengeräte, Glas- und Porzellanwaren.

Werke — Zuschreibung unsicher: C. Anton, Divertimento Es-Dur (Klar., Kl.) op. 6, Offenbach: André [1879]; D-B, D-OF

Quellen — KB und Standesamtsregister Darmstadt <> Akten in D-DSsa (D 8 Nr. 51/1; G 18 Nr. 8/6) <> Adressbücher Darmstadt <> Knispel 1891 <> Hof- und Staats-Handbuch des Großherzogthums Hessen 1864 <> Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 4. Mai 1863, 8. Dez. 1880 (Beil. 27), 19. Nov. 1885 (Beil. 26), 30. Sept. 1886 (Beil. 25) <> Adam Anton, Von Darmstadt nach Ostindien, Darmstadt 1860, S. 50


(8)


Ludwig Anton, das zehnte Kind Friedrich Antons (3), war zunächst Schüler seines Vaters, der ihn zum Orchestermusiker ausbildete. Zudem erteilte ihm der Darmstädter Hoforganist Emil Glaser (1818–1892) zwischen 1844 und 1846 Klavier- und Orgelunterricht. Finanzielle Unterstützung, um die sein Vater zur Fortsetzung des Unterrichts ansuchte, wurde nicht genehmigt. Allem Anschein nach folgten eine handwerkliche Ausbildung zum Klavierstimmer wie auch eine Betätigung als Musiklehrer. Im Juni 1859 erhielt Ludwig Anton die Stelle des Hofklavierstimmers, Anfang 1866 zudem jene des Organisten der evangelischen Stadtgemeinde. Er war verheiratet mit Anna Elisabeth geb. Volck (1840–1901).

Werke — Arrangement: Hallelujah aus Händels Messias (Bläser, Org., Pk.); vgl. Signale für die musikalische Welt 2. Juni 1870

Quellen — KB und Standesamtsregister Darmstadt <> Akten in D-DSsa (D 12 Nr. 25/1 (digital); G 28 Darmstadt Nr. F 665/39; Nachweisakte S1) <> Adressbücher Darmstadt <> Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 30. Juni 1859, 23. Jan. 1866 <> Signale für die musikalische Welt 2. Juni 1870


(9)


Carl Anton, der siebte Sohn und das zwölfte Kind Friedrich Antons (3), wurde durch den Darmstädter Hofglockenisten Friedrich Strauß (1809–1860) auf dem Carillon ausgebildet und folgte seinem Lehrer nach dessen Tod 1860 zunächst provisorisch, 1861 dann offiziell im Amt nach. Neben seinen musikalischen Aufgaben befasste er sich unter historischen und baulichen Aspekten mit dem Glockenspiel des Darmstädter Schlosses und benachbarten Themen, wobei er seine Erkenntnisse anschließend teils separat im Druck, teils in der Presse veröffentlichte. Carl Anton erhielt 1871 im Rahmen des 200jährigen Stiftungsfestes des Glockenspiels das Ritterkreuz II. Klasse des Philipps-Ordens (1905 zudem die Kronze zum Ritterkreuz Krone) überreicht, wurde 1886 zum Hofmusikmeister ernannt und 1893 mit dem Griechischen Ritterkreuz des Erlöserordens ausgezeichnet. Er gehörte der Freimaurerloge Johann der Evangelist zur Eintracht an und war seit 1865 mit seiner Nichte 2. Grades, Katharine Louise Dorothea geb. Anton (1841–1911, Enkelin von (1)) verheiratet. Nahe Messel befindet sich bis heute die sog. Karl-Anton-Eiche, die 1904 als einer von 57 Namensbäumen nach bekannten Persönlichkeiten benannt wurde.

Werke — Kanon Am Grabe der jungen Freundin <> Polkas, Walzer und Märsche (Militärmusik); Überlieferung derzeit unklar <> Schriften: Geschichtliches Bild über das Glockenspiel im Großherzoglichen Residenzschlosse zu Darmstadt, Darmstadt: Göbel 1871; D-DS (digital) <> Historisches über verschiedene Stiftungen und Vermächtnisse der evangelischen Kirche zu Darmstadt, [Darmstadt] 1891; D-DS <> Die Stadtkapelle als Begräbnisstätte. Aufzeichnungen, [Darmstadt] 1892; D-DS <> Die Stadtkirche als Begräbnisstätte. Aufzeichnungen, [Darmstadt] [1892]; D-DS <> Der Glockenbau und das Glockenspiel im Großherzoglichen Residenzschloss zu Darmstadt, Darmstadt: Kichler 1893; D-DS (digital) <> Die Kirche zu Romrod, [Darmstadt] 1894; D-DS Historisches über die Glocken der hiesigen Stadtkirche [um 1900]; D-DS <> Historisches über die Orgeln der hiesigen Stadtkirche [um 1900]; D-DS <> Der weiße Turm 1704–1904. Eine historische Skizze, Darmstadt: Kichler 1904; D-DS

Quellen und Literatur — KB und Standesamtsregister Darmstadt <> Akten in D-DSsa (Best. G 31 P Nr. 2421; Nachweisakte S1) <> Adressbücher Darmstadt <> Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 28. Sept. 1861, 24. Jan. 1872, 14. Dez. 1886 (Beilage 28) 23. Aug. 1897 (Beil. 22), 5. Dez. 1903 (Beil. 28), 25. Febr. 1905 (Beil. 2), 31. Dez. 1906 (Beil. 29) <> Darmstädter Tagblatt 31. Juli 1906 (Nekrolog); Darmstädter Zeitung 31. Juli 1906 (Nekrolog) <> Peter Engels, Art. Anton, Karl, in: Stadtlexikon Darmstadt online <> Art. Anton, Karl, in: Hessische Biografie online <> Broschüre Bemerkenswerte Bäume in Darmstadts Wäldern hrsg. von HessenForst, Forstamt Darmstadt 2019 (digital) <> Larissa Anton, Karl-Anton-Eiche, Audiobeitrag für Darmstädter Namensbäume (online)


(10)


Friederike Anton studierte zu Beginn der 1870er Jahre Gesang am Leipziger Konservatorium. Im November 1872 wirkte sie bei einem Konzert Hugo →Heermanns und Martin Wallensteins in Hanau mit und übernahm 1873/74 am Darmstädter Hoftheater „zur Aushülfe kleine Partien in der Oper und im Singspiel“ (Knispel, S. 198). In der folgenden Saison wurde sie engagiert und blieb dort bis zu ihrer Hochzeit mit dem aus Moskau gebürtigen Techniker Anatol Weyl im Juli 1876 tätig. Weitere sängerische Aktivitäten ihrerseits sind nicht belegt.

Quellen — Standesamtsregister Darmstadt und Mannheim <> Prüfungsprotokolle des Leipziger Konservatoriums (A, II.1/3 „Privat-Prüfungen betreffend Ostern 1863 – Michaelis 1876“ in D-LEmh) <> Knispel 1891 <> Musikalisches Wochenblatt 23. Sept. 1870, 2. Dez. 1870, 16. Dez. 1870, 2. Juni 1871; Signale für die musikalische Welt 13. Dez. 1870, 9. Mai 1871; NZfM 23. Dez. 1870, 12. Mai 1871, 15. Nov. 1872


(11)


Georg Ludwig Anton war Schüler seines Vaters (9) und folgte ihm 1906 als Glockenist nach. Spätestens 1929 mit Eintritt in den Ruhestand ließ er sich mit seiner Ehefrau Katharina geb. Lang in Ober-Ramstadt nieder.

Quellen — Standesamtsregister Darmstadt <> Akten in D-DSsa (Best. G 31 P in Nr. 2774; G 35 E Nr. 6/8; Nachweisakte S1) <> Adressbücher Darmstadt <> Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 31. Dez. 1906 (Beil. 29), 22. Juli 1929


Kristina Krämer

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