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STEIN, NIKOLAUS * verm. Schlüchtern um 1570 | † Frankfurt/M. 20. Jan. 1629; Verleger

Nach seinem Jurastudium in Wittenberg und Leipzig (seit 1588) ließ sich Stein als Notar und Zinseinnehmer am St. Bartholomäusstift in Frankfurt nieder und ist seit 1598 als Verleger überwiegend theologischer Schriften nachweisbar. 1602 erweiterte er sein Programm – offenbar in enger Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bücherkommissar Valentin Leucht – um ein stattliches musikalisches Segment, das sich, vor allem seit der Wahl Johann Schweikarts von Kronberg (1604), eng an der Mainzer Dommusik orientierte, wobei neben einigen Nachdrucken (Agazzari, Bendinello, Pacelli, Pevernage) Original- und Erstausgaben von geistlichen Werken deutscher Komponisten (Neander, Regnart, Reiner, Schramm u. a.) überwiegen. Die Trennung von Leucht erbrachte seit 1607 eine zunehmende Orientierung auf ein markttaugliches, weltliches Repertoire, wobei mit Wolfgang Getzmann, Johannes Möller, Andreas Myller, David Oberndörffer und Johannes Staricius eine ganze Reihe von Musikern aus Frankfurt und der näheren Umgebung vertreten sind. Gleichzeitig berücksichtigte Stein aktuelle musikalische Tendenzen im Bereich der Kirchenmusik, indem er seit 1609 Kompositionen Ludovico da Viadanas (dies teils wiederum mit Widmung an den Mainzer Erzbischof) als erster Verleger außerhalb Italiens veröffentlichte und 1614 mit dem Neotericum opusculum musices des in Mainz geborenen Andreas Lemes eine der frühesten Adaptionen des neuen italienischen Stils präsentierte. Die innerstädtischen Unruhen, denen 1622 eine Pestepidemie folgte, ließen die Produktion Steins zurückgehen und zwischenzeitlich ganz zum Stillstand kommen; nachdem er 1623 noch einmal, und zwar gemeinsam mit Egenolph →Emmel, ein größeres Projekt (eine Gesamtausgabe der Werke von Hieronymus Praetorius in Hamburg) in Angriff genommen hatte, überließ er dem Kompagnon dessen Fortführung und betätigte sich weiterhin in seinem angestammten Beruf wie auch als Buchhändler.

Literatur — Axel Beer, Die Musikdrucke des Frankfurter Verlegers Nikolaus Stein, in: Kirchenmusikalisches Jahrbuch 101 (2017), S. 7–18 (dort Quellen- und weitere Literaturangaben)


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2020/10/06 19:20
  • von kk