woetzel

WÖTZEL (auch WOETZEL, WOTZEL, WETZEL) (Familie)

(1) Gottfried * Niemegk um 1792 | † Mainz 11. Nov. 1842; Musiker, Komponist und Musiklehrer

(2) Michael Ferdinand * Mainz 28. Apr. 1817 | † ebd. 3. Okt. 1895; Sohn von (1), Musiker und Militärkapellmeister

(3) Jacob * Mainz 11. März 1820 | † ebd. 24. Apr. 1882; Sohn von (1), Notenstecher

(4) Anna Elisabeth * Mainz 15. Juli 1821 | † nicht vor 1854; Tochter von (1), Sängerin und Schauspielerin

(5) Caspar Anton * Mainz 9. Juli 1827 | † Limerick 17. Aug. 1873; Sohn von (1), Komponist, Militärkapellmeister, Organist und Musiklehrer

(6) Mathias * Mainz 12. Sept. 1831 | † Esslingen 29. Jan. 1869; Sohn von (1), Schauspieler und Sänger

(7) Joseph Aloysius * Ahmednagar (Bombay bzw. Maharashtra, Indien) 27. Juni 1855 | † Limerick 15 Juni 1911; Sohn von (5), Organist und Musiklehrer

(8) Agnes * Ahmednagar 8. Aug. 1856 | † Lampertheim 4. Aug. 1888; Tochter von (5), Pianistin

Stammbaum-Diagramm


(1)


Gottfried Wötzel kam um 1815 als Hautboist mit dem königl. preuß. Linien-Infanterie-Regiment Nr. 21 (= 4. Pommersches) nach Mainz, das hier bis 1818 garnisoniert war (einem Eintrag im Zivilstandsregister von 1818 zufolge war er Musiker im 34. kgl. preuß. Linien-Inf.-Rgt.). 1816 heiratete er Katharina Kübelwein (1798–1867), eine Tochter des Musikers Franz Ignaz K. (1775–1813), und ließ sich dauerhaft in Mainz nieder; aus der Ehe gingen bis 1842 mindestens fünfzehn Kinder hervor, von denen etwa die Hälfte das Kindesalter nicht überlebte. Wötzel betätigte sich als Musiker und Musiklehrer. Für den Verlag Schott fertigte er mehrere Werke und Bearbeitungen an und war, so der Sterbeeintrag, als Musikkorrektor tätig. Nach seinem Tod lebte die Familie in ärmsten Verhältnissen, was die Bittschreiben seiner Witwe an Schott belegen (s. Quellen).

Werke (z. T. anonym; Zuschreibung über Stichvorlagen und Verlagsverzeichnisse) — 24 Walses, Sauteuses et Autrichiennes (Fl.) Nr. 6, Mainz: Schott [1828]; D-Mbs (digital, Stichvorlage digital) <> Walse tirée de l’opera Oberon de C. M. de Weber (2 Vl., Fl., Klar., 2 Hr., 2 Trp., Timp., B.) Nr. 7, ebd. [1828]; D-Mbs (nur Stichvorlage) <> Carl Maria von Weber’s Auffoderung [sic] zum Tanze als Walzer mit 2 Trios bearbeitet und 2 Galoppaden von J. Küffner (2 Vl., Fl., Klar., B. obl., 2 Hr., 2 Trp., Pk. ad lib.), ebd. [1829]; D-Mbs (digital (s. Abb.), Stichvorlage digital) <> Favorit Walzer über die Polonoise von Koziusko „Auf Sobieskys Söhne auf.“ (Kl.), Nr. 383, ebd. [1832]; D-Mbs (digital: Ex. 1, Ex. 2, Stichvorlage) <> Gallop über das Lied, Pabst und Sultan (Kl.), Nr. 384, ebd. [1832]; D-Mbs (digital: Ex. 1, Ex. 2, Stichvorlage) <> Favorit Walzer über das Lied „Denkst du daran“ aus dem Liederspiel Der alte Feldherr (Kl.), Nr. 385, ebd. [1832]; D-Mbs (digital) <> Hambacher Galoppade (Kl.), Nr. 386, ebd. [1832]; D-Mbs (digital) <> Hambacher Walzer (Kl.), Nr. 387, ebd. [1832]; D-SPlb (digital) <> 2ter Hambacher Favoritwalzer über ein Thema von G. Rossini (Kl.), Nr. 409, ebd. [1833]; D-SPlb (digital) <> Eleonoren-Walzer (Kl.), ebd. [?]

Quellen und Referenzwerke — Zivilstands- und Familienregister Mainz <> Adressbücher Mainz <> Briefe von Katharina Wötzel an Schott (8, 1844–1847), s. Kalliope <> MMB <> Deuxième Supplément des Nouveautés en Musique publiés par les Fils de B. Schott à Mayence Juin 1828, Beilage zur Caecilia 1828; Neue Verlags-Musikalien welche bei B. Schott’s Söhnen in Mainz, Paris und Antwerpen, von November 1830 bis Ostermesse 1832 erschienen sind, Beilage zur Caecilia 1832; Kat. Schott 1865


(2)


Michael Ferdinand Wötzel war um 1840 Mitglied des Mainzer Orchesters; das Adressbuch von 1853 führt ihn als Kapellmeister. Wohl um 1860 ging Wötzel als Musikmeister des 23. Regiments der Neuen Linien Infanterie (so der Heiratseintrag) nach Indien, wo er 1863 in Karatschi die Ehe mit der Mainzer Hutmacherstochter Anna Clara Francisca geb. Cullmann (1824–1895) schloss. Über den weiteren Lebensweg ist nichts Näheres bekannt; der Sterbeeintrag bezeichnet ihn als Kapellmeister außer Dienst.

Werke — möglicherweise ist ihm die mit „M. T. Wötzel“ angezeigte Mainzer Narren-Quadrille ((Kl.), Mainz: Appiano [1845]) zuzuschreiben

Quellen und Referenzwerke — Zivilstandsregister Mainz <> MMB


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Jacob Wötzel war als Notenstecher für den Verlag Schott tätig. Bei seiner Hochzeit mit Catharina Carolina geb. Bois (1822–1896) fungierten u. a. der Musikstecher Conrad Scheurer sowie die Instrumentenmacher Joseph Seidel und Anton →Alexander als Trauzeugen. Auch die Geburt seines Sohns Ferdinand Michael Franz (* Mainz 29. Dez. 1864) bezeugte ein Kollege – der Musikstecher Franz Joseph Goebel. Im Schott-Archiv (D-Mbs) befinden sich Pariser Notendrucke mit ganzseitigem Vermerk „H[err] Wötzel“ auf dem Rücken – die bei Schott erschienenen Nachdrucke dieser Ausgaben gehören sicherlich zu den Werken, die Wötzel für den Verlag produziert hat.

Quellen und Referenzwerke — Zivilstandsregister Mainz <> Adressbücher Mainz


(4)


Anna Elisabeth Wötzel war mutmaßlich seit spätestens 1843 als Sängerin (später zudem als Schauspielerin) tätig – sie ist jedenfalls die einzige Tochter Gottfried Wötzels (1), die bei den verschiedenen Erwähnungen aufgrund ihres Alters infrage kommt. Engagements führten sie von 1843 bis 1854 nach Freiburg i. Br., Heilbronn, Basel, Zürich, Bern, Aargau und Landau. Möglicherweise ist sie zudem jenes „Frl. Wötzel“, das im November 1864 vom Stadttheater Mainz kommend in Rotterdam debütierte.

Quellen und Referenzwerke — Zivilstandsregister Mainz <> Almanach für Freunde der Schauspielkunst 1843–1853; Deutscher Bühnen-Almanach 1854–1855 <> Kemptner Zeitung 11. Aug. 1846 (Anzeige: Aufführung „Zum Vortheil der Sängerin Anna Wötzel“); Intelligenzblatt für die Stadt Bern 15. Mai 1849; Nieuwe Rotterdamsche Courant 9. Nov. 1864


(5)


Caspar Anton Wötzel lässt sich um die Mitte der 1850er Jahre als Regimentskapellmeister in Indien nachweisen. Vermutlich lernte er dort den aus Irland gebürtigen Hauptmann Patrick Walsh und dessen Schwester Maria (ca. 1828–1866), die er ehelichte, kennen. Walsh hingegen nahm 1876 in Limerick Wötzels Schwester Klara Franziska (* Mainz 26. Sept. 1834 | † ebd. 11. Febr. 1913) zur Frau. In Ahmednagar kamen Wötzels Kinder Joseph Aloysius (7), Agnes (8) und John Alphonse (* 21. Nov. 1857) zur Welt. Wann genau die Rückreise erfolgte, ist ungewiss. Seit 1858 erschienen Werke von ihm bei Bote & Bock in Berlin, einige Jahre später auch bei Muraille in Lüttich. Anfang 1862 wurde Wötzel zum Organisten und Kantor von St. John in Limerick ernannt. Daneben erteilte er Musik- und Gesangsunterricht in Limerick und Cork.

WerkeAve Maria (2 Sst., Org.), Berlin: Bote & Bock [1857] <> Erste Messe (4 Sst., Org.), ebd. [1857] <> Litaney, ebd. [1857] <> Zweite Litaney, ebd. [1857] <> Journal of Parade-Music (23st. Harmoniemusik), 6 Hefte, ebd. [Jan.–Dez. 1858] <> Sechs leichte kurze Parademärsche (Harmoniemusik), ebd. [1858] <> Magnificat anima mea (Sst., Org.) und Benedicta sit sancta (3 Sst., Org.), ebd. [1858] <> Zweite Messe (3 Sst., Org.), ebd. [1858]; D-B <> Dritte Messe. Für den Militärischen Gottesdienst in Ostindien beabsichtigt (3 Sst., Org.), ebd. [1858]; D-B <> Fünfte Messe (Sst., Org.), ebd. [1858]; D-B <> Dritte Litanei der Allerseligsten Jungfrau Maria (1/3 Sst., Org.), ebd. [1858]; CZ-Pu, D-B <> Vierte Messe (3 Sst., Harm./Org.), ebd. [1859]; D-B <> Ave Maris Stella et Regina Coeli et Tantum Ergo (1/2/3 Sst. ad lib., Harm./Org.), ebd. [1859]; D-B <> Sechste Messe (1/2 Sst., Harm./Org.), ebd. [1859]; A-Wn <> Rêverie (Kl.), Liège: Veuve L. Muraille [1863]; D-BABHkrämer (s. Abb.) <> Souvenirs de la colline des lauriers. Fantasia on some of Moore’s irish melodies (Kl. 4ms), ebd. [1863]; F-Pn <> The harp that once, fantasia capricciosa (Kl.), ebd. [1863] <> The last rose of Summer. Fantaisie sentimentale (Kl.), ebd. [1864]; F-Pn <> Frühlings Gedanken, Walzer, den lustigen Vögelein gewidmet (Kl.), ebd. [1864]; F-Pn <> Sympathie pour la Pologne, morceau caractéristique (Kl.), ebd. [1864]; F-Pn <> Musique pour couvents. Morceaux pour les cérémonies de la prise d’habit et des vœux (1–3 Sst., Org.), 2 Hefte, ebd. [1867]; F-Pn <> Tantum Ergo (Solo, 4st. gem. Chor, Org.), London: [s. n.?] [ca. 1875?]; GB-Ob

Quellen und Referenzwerke — Zivilstandsregister Mainz <> Civil Records Limerick; Limerick City Trades Directories <> MMB; Journal de L’Imprimerie et de la Librairie en Belgique Nr. 8 (Aug.) 1864, Nr. 6 (Juni) 1864, Nr. 7/8 (Juli, Aug.) 1864; Bibliographie de la France 4. Nov. 1865, 4. Juli 1868 <> Neue Berliner Musikzeitung 9. Juni 1858, 25. Aug. 1858, 7. Sept. 1859 (Rezension einiger Werke); Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel 13. Dez. 1867; zahlreiche Nennungen in der Irischen Presse <> Kat. Bote & Bock 1914

Literatur — Paul Collins, Strange voices in the ‘Land of Song’: Belgian and German organist appointments to Catholic cathedrals and churches in Ireland, 1859–1916, in: Music in nineteenth-century Ireland, hrsg. von Michael Murphy und Jan Smaczny, Dublin 2007 (Irish musical studies 9), S. 114–129, hier: S. 123 <> ders. (Hrsg.), Emissaries to ‘a believing and a singing land’: Belgian and German Organists in Ireland, 1859–1916, in: Renewal and Resistance. Catholic Church Music from the 1850s to Vatican II, Bern 2010, S. 29–52, hier: S. 34f.


(6)


Mathias Wötzel war als Schauspieler und Sänger tätig. Zahlreiche Ortswechsel, die seine Engagements mit sich brachten, führten ihn, mitunter in Begleitung einer Schwester Anna Elisabeth (4), zwischen 1848 und 1857 nach Basel, Luzern, Freiburg i. Br., Zürich, Mainz, Koblenz, Düsseldorf und Speyer sowie 1858 erneut nach Basel. Hier heiratete er im selben Jahr Mathilde Henriette Friederike Wendt (* Hamburg 7. März 1821 | † ebd. 13. Aug. 1881), die Witwe des Musikdirektors Carl August Ferdinand Wendt und Tochter des Musikers Carl Friedrich Kupfer. In den Jahren 1859 bis 1862 erhielten beide gemeinsam Anstellungen an Theatern in Heidelberg, Mainz, St. Gallen und Bern sowie später in Luzern (1864), Freiburg i. Br. (1867) und Zürich (1868). Zwischenzeitlich hatten sich die Wege kurzzeitig getrennt – Mathilde Wötzel war 1865/66 in Mainz, während ihr Ehemann in Oppenheim und Freiburg war. Mathias Wötzel wandte sich 1868 als „Gesangskomiker“ an das Aktienvolkstheater in München und war zuletzt als Regisseur und Schauspieler in Memmingen engagiert.

Quellen und Referenzwerke — Zivilstands- und Familienregister Mainz; Standesamtsregister Hamburg <> Adressbücher Mainz <> Almanach für Freunde der Schauspielkunst 1843–1853; Deutscher Bühnen-Almanach 1854–1870 <> Allgemeine Theater-Chronik 8. Sept. 1860; Intelligenzblatt für die Stadt Bern 22. Apr. 1862; Der Bayerische Landbote 22. Febr. 1868; Deutscher Theater-Correspondent 14. Febr. 1869 (Todesanzeige)


(7)


Joseph Aloysius Wötzel trat in die Fußstapfen seines Vaters (5) und war als Organist der Jesuitenkirche und Musiklehrer in Limerick tätig. Um 1900 und bis zu seinem Tod 1911 teilte er als Junggeselle mit seiner verwitweten Tante Klara Franziska Walsh geb. Wötzel einen Haushalt.

Quellen und Referenzwerke — Civil Records Limerick; Census Records Limerick (1901, 1911); Limerick City Trades Directories <> The Indian News 16. Aug. 1855 (Geburtsanzeige); Nennungen in der Irischen Presse; Death of Mr. A. Wotzel, in: Limerick Chronicle 17. Juni 1911


(8)


Agnes Wötzel soll zunächst als Pianistin in Irland aufgetreten sein, bevor sie etwa seit Ende der 1870er Jahre als Ehefrau des aus Mainz-Hechtsheim gebürtigen Lehrers Martin Keilmann mit diesem in Lampertheim lebte. Der Sohn Ferdinand und die Tochter Helena →Keilmann waren ebenfalls musikalisch tätig.

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Lampertheim <> Art. Keilmann, Ferdinand und Keilmann, Wilhelm, in: KürschnerDMK (jeweils falsche Lebensdaten für Agnes W.)


Stammbaum-Diagramm:


Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2021/05/14 18:00
  • von kk