oechsner


OECHSNER, (JOHANN) ANDREAS (LAURENZ) („André“) * Mainz 14. Jan. 1815 | † Le Havre 19. Dez. 1886; Violinist, Chorleiter, Musiklehrer, Komponist

Wer die „meilleurs maîtres“ und die „savants musiciens“ waren, denen Andreas Oechsner dem Nekrolog zufolge seine Ausbildung als Geiger und Komponist verdankte, wissen wir (noch) nicht in jedem Fall. Die Tatsache aber, dass seine Mutter (Louise geb. Trumpf; 1789–1866) – sie wurde 1810 Ehefrau des Sekretärs der Mainzer Schiffergilde Wilhelm Oechsner (1781–1840) – aus Mannheim stammte, wo Andreas sich nachweislich als 15jähriger aufhielt, mag darauf hindeuten, dass er wenigstens eine Weile als Musikschüler dort zubrachte. Sicherlich aber war Joseph Panny, der 1829 bei seiner Ankunft in Mainz zuerst bei Familie Oechsner unterkam und als dessen Trauzeuge der mittlerweile eng befreundete Wilhelm Oechsner 1836 fungierte, Andreas’ Lehrer. Panny war es auch, der mit dem jungen Mann auf Reisen ging: Im Jan. 1833 ließen beide sich in Hamburg hören – Oechsner wie später auch mit Violinvariationen von Bériot –, und im November des Jahres starteten beide von Mainz aus, wo man dem Geiger nach einem Konzert „viele Kunstfertigkeit“ attestierte (Kölnische Zeitung 24. Nov. 1833), zunächst nach Köln und Krefeld, weiterhin zu einer Tour durch Süddeutschland mit Stationen in Würzburg und Augsburg (Febr. 1834). Wenig später – die konkrete Veranlassung kennen wir nicht – kehrte André Oechsner, wie er sich fortan nannte und genannt wurde, seiner Heimatstadt endgültig den Rücken: Von 1834 bis 1844 lebte er im elsässischen Wesserling, wo er einen Gesang- und einen Instrumentalmusikverein ins Leben rief, als Musiklehrer wie auch Leiter der dortigen Musikschule. Anschließend ließ er sich dauerhaft in Le Havre nieder; hier gründete er u. a. um 1850 eine Société Philharmonique, aus der die Société de Sainte-Cécile hervorging, sowie 1872 eine Städtische Musikschule und avancierte – auch in seiner Funktion als Lehrer und Komponist – zur zweifellos geachtetsten musikalischen Persönlichkeit der Stadt. Bezeichnend ist, dass die bei Schott in Mainz 1852–1869 erschienene Süddeutsche Musikzeitung des Öfteren über den „geschätzten Landsmann“ (so und ähnlich) berichtete, über seine „Verdienste um die Förderung classischer Musik in Havre“ sowie darüber, dass er sich „zu einem längeren Aufenthalte im Kreise seiner Familie“ in seine Heimatstadt begeben hatte (Süddeutsche Musikzeitung 13. Aug. 1866). Auch erfährt man von seiner Beteiligung als Violinist am Mittelrheinischen Musikfest in Düsseldorf (1860) sowie vor allem davon, dass er seit der Mitte der 1850er Jahre mehrfach und mit beträchtlichem Erfolg seine neuesten Kompositionen vor „sehr gewähltem Publikum“ in der Pariser Salle Pleyel präsentierte und damit „glänzende Aufnahme“ fand (18. Apr. 1864); die Pariser Fachpresse – nicht unwichtig, aber auch nicht selbstverständlich – bestätigte das günstige Urteil in aller Regel: Im Klavierquartett op. 21 etwa fand man „la trace d’un véritable talent“ (Revue et Gazette musicale de Paris 4. Apr. 1869). – Verheiratet war Oechsner seit 1849 mit Julie Blanche Sophie L’Hardy (* Paris 4. Apr. 1828); sein Bruder Denis (Dionysius; * Mainz 26. Sept. 1811), gelernter Kaufmann, zeichnete u. a. für die Fahrpläne der Rhein-Main-Dampfschifffahrt verantwortlich und arbeitete seit etwa 1860 als Agent für die Taunus-Dampfeisenbahn – wichtiger für unsere musikalische Perspektive ist natürlich die Tatsache, dass er seit spätestens seit 1853 Mitglied der Mainzer Liedertafel war und 1865 das Amt des Vizepräsidenten übernahm. – Nicht verwandt mit den katholischen Mainzer Oechsners ist die evangelische Frankfurter Familie →Oechsner; Michael Öchsner (1816–1893), der Dichter der „Bayernhymne“, hat mit beiden Familien keine verwandtschaftliche Berührung.

Werke — a) gedruckt: Nocturne (Kl.; „à Mademoiselle Elisabeth Roman“) op. 1, Mainz: Schott [1843]; D-B, D-Mbs (digital) – ND Paris: Richault; D-B <> Drei Lieder (Sst., Kl.; „seinem Freunde Carl Abresch“) op. 2, Mainz: Schott [1844]; D-B, D-Mbs (digital; autogr. Stichvorlage digital) – Rezension: AmZ 3. Juli. 1844 <> Lied In die Ferne (Sst., Kl.; „seinem Freunde Carl Abresch“) op. 3, ebd. [1843]; D-B, D-Mbs (digital) – Rezension: AmZ 17. Jan. 1844 <> Das Fischermädchen. Barcarolle (Sst., Kl., Vc. bzw. Sst., Kl.; „Fräulein Julie Dubuit“ gew.) op. 4, ebd. [1843]; D-B, D-Mbs (digital; autogr. Stichvorlage digital) – Rezension: AmZ 17. Jan. 1844 – frz. Ausgabe: La fille du Pêcheur, Paris: Richault [1856]; F-Pn (digital <> Pastoral-Messe (4 Sst., Orch.) op. 5, Mainz: Schott [1845]; D-B, D-Mbs (digital; autogr. Stichvorlage digital) <> 6 Valses Expressives (Kl.; Widmung an Mons. und Mme. „Ph. Gros in Wesserling“) op. 6, Paris: Richault [1846]; F-Pn (digital) <> 2 Berceuses (Kl.) op. 9, Paris: Richault; D-B <> Zwei Lieder (Sst., Kl.; „Freu Reiter-Bildstein freundschaftlichst“ bzw. „Fräulein Nanni Osius“ gew.) op. 10, Mainz: Schott [1853]; D-B, D-Mbs (Nr. 1 (digital, Nr. 2 digital; auch autogr. Stichvorlage) <> 2 Gedichte von Uhland (Sst., Kl.; „Frau G. Foltz“ bzw. „Frau Luise Hillebrand“ gew.) op. 11, ebd. [1853]; D-B, D-Mbs (Nr. 1 (digital), Nr. 2 digital; auch autogr. Stichvorlage) <> La Captive. Die Gefangene (Sst., Kl., Vc.) op. 12, ebd. [1853]; D-B, D-Mbs (digital) <> Erguss aus Rückerts Liebesfrühling (2 Sst., Kl.) op. 13, ebd. [1856]; D-Mbs (autogr. Stichvorlage; digital) <> 3 Lieder (Sst., Kl.) op. 14, ebd. [1860]; D-B <> Tantum ergo (4st. Chor, Org.) op. 15, Paris: Richault [1854]; F-Pn <> Trois Noëls variés (Org.) op. 16, ebd. [1856]; F-Pn (digital) <> 1er Trio (Kl., Vl., Vc.; „à Madame Fanny Levesque“) op. 17, ebd. [1858]; CH-Gc, F-Pn (digital) <> 1er Sonate (Vl., Kl.; „à Madame Léon Delaage“) op. 18, ebd. [1859]; F-Pn (digital) <> Trois Morceaux de Salon (Vl., Kl.) op. 19, ebd. [1859] <> Preisgesang (4st. Mch.) op. 20, Mainz: Hickethier [1859]; I-VEc – NA Leipzig: Forberg [1878] <> Quatuor (Kl., Vl., Va., Vc.; „à Madame Emilie Martin“) op. 21, Paris: Richault [1861]; F-Pn (digital) <> Hommage à Madame Alboni Comtesse de Pepoli (Vl., Kl.) op. 22, ebd. [1862]; F-Pn (digital) <> Festkantate (3 Solost., Chor, Kl.) op. 23, Mainz: Hickethier [1861] <> Six Romances sans paroles (Vl., Kl.; „à son ami Jules Roederer“) op. 24, Paris: Richault [1863]; F-Pn (digital) <> 2e Trio (Kl., Vl., Vc.; „à Madame Betty Schott, née de Braunrasch“) op. 26, ebd. [1865]; CH-Gc, F-Pn (digital) <> 3 Morceaux caractéristiques (Vc., Kl.) op. 27, Mainz: Schott [1868]; A-Wn, D-B <> Chanson du Printemps (Sst., Kl., Vl./Vc./Va.; „à Madame Jules Heuzey“) op. 28, Paris: Richault [1868]; F-Pn (digital) <> Drei Lieder (Mst.) op. 32, 2 Hefte („Der Baseler Liedertafel gewidmet“), Leipzig: Schuberth [1872] <> 2 Morceaux de Salon (Kl.) op. 34, Mainz: Schott [1877]; D-B <> Stabat mater (4 Soli, Chor, Org.) op. 35, Paris: Richault [1878]; F-Pn, I-Mc <> Le drapeau (4st. Mch.) op. 36, ebd. [1883]; F-Pn <> Berceuse (Vl., Kl.) op. 37 Nr. 1, Paris: Lemoine [1883]; F-Pn <> Petite Valse de Salon (Vl., Kl.) op. 37 Nr. 2, Paris: Lemoine [1884]; F-Pn <> Suite à Instruments à Cordes op. 38, Paris: Richault [1886]; F-Pn (digital) Marche nuptiale (Org./Kl.) op. 39, ebd. [1886]; F-Pn <> b) ungedruckt blieben u. a. ein Lauda Sion (S, Chor, Org.; F-Pn (Ms. digital)), eine „neue lateinische Messe“ (aufgeführt an Ostern 1853 in St. Quintin in Mainz; Süddeutsche Musik-Zeitung 1. Aug. 1853) und die Oper Gräfin Xenia (nach einem Text von Eugène Scribe; unter dem Titel Eine Frau von sechzig Jahren UA Mainz 29. Apr. 1854 „als letzte Novität der Saison“ (Peth, S. 270)). <> Von den c) Bearbeitungen seien erwähnt: Felix Mendelssohn Bartholdys Canzonetta aus dem Streichquartett op. 12 (Kl.; Leipzig: Hofmeister [1854]; D-B, D-LEu), Beethovens Streichtrio op. 3 (Kl., Vl., Vc.; ebd. [1858]; D-B) und ein Rondo Joseph Pannys (Klar., Kl.; Mainz: Schott [1878]; D-B). Umgekehrt integrierte Ferdinand Beyer Oechsners Lied In der Ferne op. 3 als Klavierstück in seine 6 Airs allemans favoris op. 140 (Mainz: Schott [1857]).

Quellen und Referenzwerke — Familienregister und Zivilstandsregister Mainz; Zivilstandsregister Le Havre <> Briefe: an Schott (Mannheim 1830) sowie an Joseph Joachim Raff (Le Havre 1872); D-Mbs; an Schott (Le Havre 1845 sowie Paris 1846); D-B <> Francis Thomé, [Nekrolog André Oechsner], in: Le Pays. Journal des Volontés de la France (Paris) 10. Jan. 1887 <> NN., M. Œchsner (Nekrolog), in: Almanach Illustré du Courrier du Havre 1888, S. 27–28 <> Neue Zeitung (Hamburg) 29. Jan. 1833; Kölnische Zeitung 24. Nov. 1833, 30. Nov. 1833; Intelligenzblatt für Crefeld 29. Nov. 1833, Würzburger Journal 30. Jan. 1834; Augsburger Tagblatt 24. Febr. 1834; AmZ 17. Jan. 1844, 3. Juli 1844; NZfM 29. Apr. 1844; Wiener allgemeine Musik-Zeitung 26. Apr. 1845; Süddeutsche Musik-Zeitung 1. Aug. 1853, 12. Juni 1854, 12. Apr. 1858, 21. Juni 1858, 30. Juli 1860, 1. Sept. 1862, 28. Dez. 1863, 18. Apr. 1864, 13. Febr. 1865, 6. März 1865, 3. Juli 1865, 19. März 1866, 13. Aug. 1866, 12. Apr. 1869; Mainzer Anzeiger 29. Apr. 1854; Revue et Gazette musicale de Paris 30. Okt. 1859, 13. Dez. 1863, 5. Febr. 1865, 25. März 1866, 4. Apr. 1869; Signale für die musikalische Welt 21. Apr. 1864 <> Peth 1879 <> StiegerO <> HmL

Abbildung 1: Oechsner nach einer Portraitphotographie; Almanach Illustré du Courrier du Havre 1888, S. 27

Abbildung 2: Titel des Betty Schott gewidmeten Klaviertrios op. 26; F-Pn


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2026/10/22 18:04
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