oechsnerf


(1) Johann Georg * Frankfurt/M. 1. Mai 1764 | † ebd. 8. Apr. 1825; Musiker

(2) Johann Georg * Frankfurt/M. 29. Jan. 1808 | † ebd. 30. Mai 1862; Sohn von (1), Musiker


(1) Die bewährten Kriterien und Erzählmuster erweisen sich als nur bedingt geeignet, wenn es darum geht, sich eine Vorstellung vom Dasein des Frankfurter Bürgers und Musikers Johann Georg Oechsner zu verschaffen und vor dem Hintergrund der lexikalischen Ziele die Ergebnisse der Recherche zu vermitteln. Immerhin wissen wir, dass sein Vater Georg Stephan (* „Hollenbach“ ca. 1720 | † Frankfurt/M. 1787; Eheschließung 1758 mit Anna Catharina Lang, der Tochter eines Musketiers) hessen-darmstädtischer Postknecht war, und vielleicht brachte er es auf dem Posthorn zu mehr als nur zum Signalblasen. Allerdings wurde Musik gewiss nicht als Zeichen eines gehobenen gesellschaftlichen Anspruchs weitergegeben und gepflegt, sondern als handwerkliche Fertigkeit und somit als Ausweis bodenständiger Sozialisierung – entsprechend war es ganz folgerichtig, dass Johann Georg Oechsner seine erste Ehe mit der Witwe des Frankfurter Bürgers und Musikers Johannes Fischer († Frankfurt/M. 18. Dez. 1785) einging, um sich in eine gesellschaftliche Kontinuität einschreiben zu können. Dass wir uns zeitlich ganz in der Nähe eines aus Sicht der Nachwelt für die Reichsstadt zentralen musikalischen Ereignisses befinden, mag der Phantasie Tür und Tor öffnen. Zu gerne würden wir in einem der Briefe Mozarts aus Frankfurt lesen: „der Oxe Öxner ist ein braver Kerl“ – leider aber nichts davon. Die Welten, in denen die beiden unterwegs waren, lagen weit auseinander, und das Repertoire, mit dem ein Oechsner sein bescheidenes Brot bei welchen Gelegenheiten auch immer verdiente, war ein anderes als das, mit dem Mozart bei seinem Konzert im Okt. 1790 einem verwöhnten Publikum gegenübertrat und gleichwohl feststellen musste, dass es „in Betreff des Geldes mager ausgefallen ist.“ (Brief an seine Frau, Frankfurt/M. 15. Okt. 1790). Es bleibt die ebenso magere Erkenntnis, dass besondere Ereignisse, derer man sich erinnern würde, im Leben Johann Georg Oechsners wohl nicht vorkamen. Vor diesem Hintergrund mutet es fast makaber an, dass erst der Tod des biederen Musikus die Zeitgenossen zu einer Bestandsaufnahme veranlasste – da die beiden Kinder (aus zweiter Ehe mit der Tagelöhnerstochter Anna Elisabeth geb. Ott; 1772–1820) noch unmündig waren und die dritte Gattin (Maria Elisabeth geb. Roebele, eine Schlosserstochter aus Kirn; 1781–1851) inkl. ihrer Familie Ansprüche erhob, musste der Nachlass penibel inventarisiert werden; auch hier würden wir gerne lesen: „Canon von der Hand Mozarts für seinen lieben Freund Öxner“ – stattdessen aber (abgesehen von einer bescheidenen Barschaft) ein „Strohsack“, ein „Unterbett“ und ein „Dekbett“, „1 Paar Hosen“, „2 Paar Strümpfe“, „1 Chemischen“ [i. e. Hemdchen], „2 Hüth“, „2 Paar Stiefel“, dann – immerhin – eine Violine, und schließlich, neben einem „Bögeleisen“ und einem „alten Regenschirm“ auch eine „Flaute“ und ein „Hakbrett“.

Quellen — KB Frankfurt <> Gesuch um Erteilung des Bürgerrechts (1788); D-Fsa <> Inventarium über den Nachlaß des verstorbenen hiesigen Bürgers und Musikus Johann Georg Oechsner und dessen vorher verstorbenen Ehefrau Anna Elisabethe geb. Ott vom 14ten Mai 1825; D-Fsa <> Brief Mozarts an seine Frau, Frankfurt 15. Okt. 1790, zit. nach Bauer/Deutsch, Bd. 4, S. 118


(2) Johann Georg Oechsner jun. wuchs selbstverständlich mit dem musikalischen Weltbild seines Vaters und den damit verbundenen Konventionen auf. Hier und da aber zeichnet sich eine ambitioniertere öffentliche Wirksamkeit ab – etwa als am Frankfurter Wäldchestag des Jahres 1845, dem schon damals beliebten Volksfest, ein „aus 400 Theilnehmern bestehende[r] Zug“ sich Richtung Wäldchen in Bewegung setzte, „voran zwölf Knaben mit Trommeln und die türkische Musik des Herrn Oechsner“ (Frankfurter Konversationsblatt 6. Mai 1845). Wenig später begegnet Johann Georg Oechsner als Leiter des etwa 1842 gegründeten Instrumental-Musik-Vereins in Sachsenhausen (nicht zu verwechseln mit demjenigen in Frankfurt, den Aloys Schmitt anführte); Oechsner hatte die Aufgabe 1847 von Friedrich August Hübner (1809–1851) übernommen, doch war dem „eifrig wirkende[n]“ Verein trotz der „thätigen Leitung“ seines Dirigenten (Didaskalia 17. Febr. 1848, 4. Sept. 1847) offenbar keine längere Lebensdauer beschieden. Verheiratet war Oechsner in erster Ehe (1834) mit Anna Maria geb. Rempel (1813–1850; Tochter eines Frankfurter Bürgers und Packers), dann ein zweites Mal als Witwer seit 1851 mit der Kaufmannstochter Maria Caroline Magdalene geb. Haub (1831–1854). Bleibt zu erwähnen, dass die Frankfurter Oechsners nicht mit dem Mainzer Musiker Andreas Oechsner verwandt waren.

Werke — Ob neben der genannten „türkischen Musik“, über deren Eigenschaften (und Verbleib) nichts bekannt ist, weitere Werke mit Oechsner in Verbindung gebracht werden können, muss derzeit offenbleiben.

Quellen — KB Frankfurt <> Nachlass-Akte; D-Fsa <> Frankfurter Konversationsblatt 6. Mai 1845; Didaskalia 9. Dez. 1846, 25. Aug. 1847, 4. Sept. 1847, 17. Febr. 1848

Abbildung: Ausschnitt aus dem Frankfurter Adressbuch 1835 (S. 134); die obere Zeile weist die W[itwe] des Musikers (also auf lateinisch: „Musici“) Johann Georg Oechsner sen. aus, während darunter der gleichnamige Filius aufscheint. Letzterer ist im Jahrgang 1834 nicht erwähnt, da er damals wohl noch in der elterlichen Wohnung (also bei seiner Stiefmutter) lebte.


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2026/10/25 12:30
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