angerer


ANGERER, GOTTFRIED (JOHANN CARL) * München (nicht (Bad) Waldsee) 3. Febr. 1851 | † Zürich 19. Aug. 1909; Sänger, Chorleiter, Komponist

Gottfried Angerer, als Sohn einer ledigen Mutter und eines unbekannten Vaters in München geboren, wuchs im oberschwäbischen (Bad) Waldsee auf, wo er die Lateinschule besuchte und sich für den Lehrerberuf entschied. Nachdem er einige Jahre an der Volksschule in Göppingen tätig gewesen war, nahm er um die Mitte der 1870er Jahre ein Musikstudium am Konservatorium in Stuttgart auf, das er 1878 abschloss; wenig später ließ er sich in Frankfurt/M. nieder: Am Hoch’schen Konservatorium wurde er 1879 Student Joachim Raffs (Komposition), Carl Fältens (Klavier) und Julius →Stockhausens (Gesang), zog es aber 1881 vor, sich als Musik- und Gesangslehrer zu etablieren sowie als Liedinterpret einen Namen zu machen – seit Ende des Jahres trat er zu unterschiedlichen Gelegenheiten mehrfach in Frankfurt, in Bingen (hier gemeinsam mit Heinrich Spangenberg und Hugo Willemsen) und Hildesheim auf, von wo ein Bericht eines begeisterten Korrespondenten über den Stockhausen-Schüler und dessen „vollendete Stimmbildung“ (Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 21. Dez. 1881) in die Mainmetropole gelangte und sicherlich Aufsehen erregte. Jedenfalls wurde Angerer im März 1882 zum Nachfolger Casimir Freunds als Dirigent des Neeb’schen Männerchors gewählt; dass es bereits im Sommer 1884 galt, „Abschied zu nehmen von dem geliebten und verehrten Dirigenten, welcher […] die gesanglichen Bestrebungen unermüdlich, mit vollem Ernste und mit unerwartetem Erfolg leitete“ (Frankfurter Zeitung 30. Aug. 1884), war für die Frankfurter Musikfreunde eine bittere Nachricht. Angerer hatte sich auf die Dirigentenstelle der Mannheimer Liedertafel beworben, die er im Herbst 1884 antrat, aber schon 1887 wieder aufgab, um nach Zürich zu gehen: Hier übernahm er im April des Jahres die Leitung der Sängervereinigung Harmonie, 1893 die des Männerchors Enge; außerdem unterrichtete er Gesang an der Zürcher Musikschule und wurde 1901 Direktor der Musik-Akademie. – Im Januar 1883 schloss Angerer die Ehe mit Auguste Strasser (* Saargemünd (Sarreguemines) 24. Apr. 1856 | † Mannheim 13. Aug. 1885), die als Sopranistin bisweilen an den Konzerten des Neeb’schen Chors teilnahm. Nachfolger Angerers als musikalischer Leiter des Vereins wurde Nikolaus Soltans.

Werke — Angerer veröffentlichte seine Kompositionen (überwiegend für Mch.; opp. 70–155 sowie ohne Opuszahlen) erst seit 1889 vor allem bei Fries bzw. Hug in Zürich. Darunter sind auch solche, die der Zeit in Frankfurt angehören und dort erstaufgeführt wurden (etwa Lacrimae Christi und Orakel, beide erschienen 1898).

Quellen — KB München (Hl. Geist), KB Waldsee; Standesamtsregister Frankfurt und Mannheim <> Adressbücher Frankfurt <> StudentInnen Konservatorium Stuttgart (Liste des Sophie Drinker Instituts) <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> NN., [Nekrolog], in: Neue Zücher Nachrichten 20. Aug. 1909 <> G. L., Gottfried Angerer †, in: Neue Zürcher Zeitung 22. Aug. 1909 <> NZfM 8. Nov. 1878; Musikalisches Wochenblatt 3. Nov. 1881, 10. Nov. 1881, 4. Mai 1882; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 21. Dez. 1881 (Morgenblatt), 20. März 1882 (Abendbl.), 26. Apr. 1882 (Morgenbl.), 21. Jan. 1884 (Abendbl.), 30. Aug. 1884 (Abendbl.), 12. Sept. 1884; Karlsruher Zeitung 25. Nov. 1884; Signale für die musikalische Welt 14. Febr. 1887; Neue Zürcher Zeitung 28. Febr. 1888, 16. Apr. 1888, 18. März 1901, 3. Juni 1909, 20. Juni 1909 (Todesmeldung) und passim <> MMB; Pazdírek

Literatur — Arnold Niggli, Gottfried Angerer. Eine biographisch-kritische Skizze, Zürich 1898 <> Art. Angerer, Gottfried, in: RiemannL 101922 <> Art. Angerer, Gottfried, in: Schweizer Musiker-Lexikon. Dictionnaire des Musiciens Suisses, hrsg. von Willi Schuh u. a., Zürich 1964


Axel Beer

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