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PFEILSCHIFTER, JULIE (SOPHIE MARIE AGATHE) VON * Mannheim 15. Apr. 1840 | † Wiesbaden 19. Mai 1918; Komponistin, Pianistin und Klavier- und Gesangslehrerin

Julie von Pfeilschifter, Tochter des Schriftstellers und Redakteurs Johann Baptist von Pfeilschifter (1793–1874, geadelt 1829), bekam seit dem achten Lebensjahr Klavierunterricht und trat das erste Mal als Pianistin am 17. Mai 1854 beim Mozart-Verein in Darmstadt auf. Weitere Konzerte in Darmstadt, Frankfurt, Heidelberg, Mainz, Gießen und Würzburg folgten. Seit ihrem 16. Lebensjahr gab sie zusätzlich Klavierunterricht und bezahlte damit ihre privaten Unterrichtsstunden bei August Buhl in Frankfurt. Danach lebte sie für zwei Jahre in Pforzheim bei Verwandten. Am 20. März 1868 spielte sie ein Konzert in Mainz (Süddeutsche Musik-Zeitung 30. März 1868, S. 50). Zwischen 1868 und 1869 zog Peilschifter nach Lyon zu ihrem Onkel, dem Musikprofessor Albert von Eckenberg. Durch den Deutsch-Französischen Krieg war Pfeilschifter 1870 gezwungen, Lyon zu verlassen, und zog nach Genf. Über Vermittlung erhielt sie schließlich eine Anstellung als Musiklehrerin bei der Fürstin Julie von Waldburg-Wurzach. In ihr und deren Halbschwester Marie von Ebner-Eschenbach fand Pfeilschifter großzügige Gönnerinnen. Mit der fürstlichen Familie übersiedelte Pfeilschifter 1874 nach Salzburg, wo sie ebenfalls als Konzertpianistin tätig war. Nach ihrer Entlassung aus den Diensten der Fürstin zog Pfeilschifter nach Karlsruhe, vermutlich wieder zu ihrem Onkel. Dieser hatte dort eine neue Anstellung am fürstlichen Hof in Sigmaringen erhalten. Obwohl die Nichte des Großherzogs von Baden zu ihren Schülerinnen gehörte, blieb Pfeilschifter nicht lange in Karlsruhe und zog 1897 weiter nach Wiesbaden. Dort arbeitete sie nicht nur als Lehrerin und Konzertpianistin, sondern führte das erste Mal auch eigene Liedkompositionen auf. Neben Liedern komponierte sie drei Tanz-Divertissements, die im königlichen Hoftheater Wiesbaden aufgeführt wurden. Trotz ihres Erfolgs als Komponistin und Lehrerin benötigte Pfeilschifter ab 1893 Unterstützung aus dem Armen- und Wohltätigkeitsfonds des preußischen Staats. Zu ihrem 50-jährigen Bühnenjubiläum im Jahr 1905 gab es neben einer großen Feier ebenfalls einen Spendenaufruf für die Künstlerin. 1908 folgte der nächste Spendenaufruf in der Wiesbadener Zeitung. Diesen unterschrieben u. a. die Fürstin Julie von Waldburg-Wurzach, Marie von Ebner-Eschenbach, Künstler aus Wiesbaden, der Intendant des königlichen Theaters und der Komponist Max Schillings. Pfeilschifter musste bis ins hohe Alter Unterricht geben und begleitete bei einem Konzert zu Ehren ihres 74. Geburtstags ihre Lieder am Flügel noch selbst. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs im Jahr 1914 hatte auch Auswirkungen auf die Preise für ihren Unterricht. In einer Zeitungsanzeige bot sie „Kriegspreise“ an.

WerkeBallette: Agnete. Phantastische Szene für Gesang und Tanz (UA 1886); daraus Wiegenlied, Leipzig: Kahnt [1892] <> Der Vögleins Morgengruß. Tanz-Divertissement (UA vor 1888) – Ms. (Kl.) verschollen <> Fortuna, genannt Frühling. Tanz-Divertissement (UA 1892) <> Klavierwerk: Alicen-Walzer (Kl.), Leipzig: Klemm [1900] <> Lieder: Fünf Lieder (Gute Nacht, Der erste Kuß, Es muß was Wunderbares sein, Es blasen die blauen Husaren, Laß mich vor Dir niedersinken), Leipzig: Kahnt Nachf. [1880]; D-WIhha (Sign.: 428/399. Band 2) <> Drei Lieder (Eh du von hinnen ziehst, Es hat die warme Frühlingsnacht, Wer einmal recht empfunden), Leipzig: Kahnt Nachf. [1882] <> Ewig will ich dein gehören. Konzertlied op. 9, Leipzig: Michaelis [1888]; A-Wst <> Stör nicht den Schlummer des Kindes op. 22, Leipzig: C. F. Kahnt [1897]<> Heimathlos, Leipzig: Kahnt Nachf. [1897]; D-Mbs (digital) <> Mein Eiland op. 20, Leipzig: Kahnt [1894] <> Sei mein für immer. Konzertlied, Leipzig: Klemm [1894] <> Nun freue dich o Welt. Weihnachtslied, Leipzig: Kahnt [1894], Ms. in D-KA RISM ID 1001006614 <> Hab ein Röslein Dir gebrochen, Leipzig: Rühle & Wendling [1903] <> Gebrochen; Ms. in D-WIhha (Sign.: 428/1460) <> Lerche und Wegwurm, Ms. verschollen <> Schmetterling. Walzerlied op. 25, Leipzig: Rühle [1901] <> Komm zu mir, Mainz: Ebling [1906]; ehemals D-B, – 2. Aufl.; privat (IMSLP) <> Der verliebte Kutscher. Ein lustig Lied, Mainz: Ebling [1906]; ehemals D-B <> Das ist ein Brausen und Heulen; Ms. verschollen <> Herzvolk Europas. Kriegslied 1914 (Sst., Kl.), Mainz: Ebling [1914]; A-Wn, D-MZmi (s. Abb. 2) <> Aus der Jugendzeit. Jubel-Polka; Ms. in D-KA, RISM ID 1001006638

Quellen (Auswahl) — Bestand Preußisches Regierungspräsidium Wiesbaden. Armen-, Wohlfahrts-und Fürsorgewesen. 1893-1918, Unterstützung der Musiklehrerin Julie von Pfeilschifter zu Wiesbaden, 1893-1918, D-WIhha, Abt. 405, Nr. 2890 <> Brief von A. Eckenberg an Joseph Joachim Raff, Lyon 1896; D-Mbs Handschrift Raffiana I, DE-611-HS-135218 <> Julie von Pfeilschifter. Ein Künstlerleben. Der Künstlerin zum 50jährigen Jubiläum gewidmet von ihren Gönnern und Freunden, Mainz: Ebling [1905]; D-WIl, D-KA <> Nachlass Albert von Eckenberg, in: Staatsarchiv Sigmaringen, Ho 414/4, 4 T 8_49 <> Persönliche Unterlagen Kurt von Mutzenbechers in seiner Eigenschaft als Theaterintendant, Band 2, 1906-1909, D-WIhha, Abt. 428, Nr. 1460 <> Privatkorrespondenz des Intendanten Kurt von Mutzenbecher, Band 2, 1904-1906, D-WIhha, Abt. 428, Nr. 399 <> MMB, Pazdírek <> NZfM 1.10.1886, S. 432 und 27.7.1892, S. 347

Literatur — Frank/Altmann 1916, Jansa, NassB, NDB, StiegerO <> Artikel „Pfeilschifter, Julie v.“, in: Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon, hrsg. v. Alfred Michaelis, Leipzig 1888, S. 32f. <> Artikel „Pfeilschifter, Julie von“, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie, hrsg. v. Walther Killy, Bd. 7, München u. a. 1998 <> Artikel „Pfeilschifter, Julie von“, in: Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Schweiz Musiker in Wort und Bild. Eine illustrierte Biographie der gesamten alldeutschen Musikwelt, hrsg. v. Ernst Mann, Heinz Voss und Hans Gerloff, Leipzig 1909, S. 337f. <> La Mara [Marie Lipsius]: Musikalische Studienköpfe, Bd. 5 Die Frauen im Tonleben der Gegenwart, Leipzig 3. neubearbeitete Auflage, Leipzig [ca. 1902]. <> Silke Wenzel, Art. Pfeilschifter, Julie von, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und Multimediale Präsentationen, hrsg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hamburg 2003ff., (digital) [Stand vom 6.6.2019] <> Sandra Tönnes, Die Musikpädagogin und Komponistin Julie von Pfeilschifter. Aspekte einer professionellen Frauen-„Karriere“ im ausgehenden 19. Jahrhundert, Mainz 2018, unveröffentlichte Masterarbeit (siehe dort weitere Quellen und Literatur)

Abbildung 1: Julie von Pfeilschifter, Fotografie von G. Markwort (Digitalisat aus D-F, Porträtsammlung Manskopf)

Abbildung 3: Grabstein Julie von Pfeilschifters auf dem Wiesbadener Südfriedhof (Gewann A4), aufgenommen von Kristina Krämer im Juli 2019


Sandra Tönnes

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  • Zuletzt geändert: 2020/05/14 15:33
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