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LUCAN, HEINRICH * Hanau 3. Aug. 1815 | † ebd. 16. Aug. 1880; Musiklehrer, Dirigent und Komponist

Lucan erhielt die erste musikalische Ausbildung bei seinem Vater, dem Musiker Christoph Lucan, und trat bereits im Kindesalter als Flötist auf. Wegen unsicherer finanzieller Verhältnisse widmete er sich der Musik zunächst nur in seiner Freizeit, während er eine Ausbildung zum Juwelier begann, jedoch nach Ablauf der Probezeit als Schreiber an das Hanauer Landgericht wechselte. Gegen 1836 siedelte er nach Heidelberg über, um an der neu gegründeten privaten Erziehungsanstalt von Emil Ruth (der zuvor in Hanau am Institut seines 1835 verstorbenen Vaters gelehrt hatte) Musik, Schreiben und Rechnen zu unterrichten. Nach Auflösung der Anstalt (1837) kehrte Lucan zurück nach Hanau und etablierte sich als Klavier- und Gesanglehrer, lehrte später in Nachfolge Heinrich Weikerts auch am Gymnasium (1850–1855). Daneben bildete er sich bei Peter Anton Suppus, Johann Anton André und Bernhard Schädel weiter. Lucan war im Laufe der Jahre als Leiter zahlreicher Ensembles und Vereine an der Mehrzahl der musikalischen Veranstaltungen in Hanau beteilig: er leitete die 1838 eingerichtete Musikkapelle der Bürgergarde (nachdem er dort kurzzeitig Flötist gewesen war), den Liederkranz (seit 1845), das Gesangskränzchen der Dreizehner (1849–1859), den von ihm mitbegründeten Instrumental-Verein (1858–1878, wegen Krankheit 1864–1866 vertreten durch Heinrich Henkel), den Weins’schen Gesangverein (seit 1869 als Nachfolger Wilhelm Weins’) und den Oratorienverein (1873–1876 als Nachfolger Friedrich Wilhelm Rühls; anschließend übernahm Georg Appunn die Leitung). Lucan war verheiratet mit der Kaufmannstochter Sophie geb. Schroeter (ca. 1823–1911). Seine Tochter Philippine Antonie Mathilde (1858–1940) trat 1872 in Hanau als Pianistin auf. „Zum Gedächtniß Heinrich Lucan’s“ wurde in Hanau nach seinem Tod die Lucan-Stiftung für Förderung musikalischer Zwecke gegründet (s. Statut).

Werkegedruckt: Das Soldaten-Kind (Sst. m. Kl.) op. 5, Offenbach: André [1839]; D-OF (s. Abb. 2) <> 3 Gesänge (Wo ist der König, Meine Sinne sind gefangen, Hörst du’s im Walde; Sst. m. Kl.) op. 6, ebd. [1839]; D-OF <> Nocturne (Kl.) op. 16, ebd. [1841] <> 7 Männerchöre (Turner Aufruf, Warum wird geturnt?, Lenz und Turnen, Bei Wiedereröffnung eines Turnplatzes, Wanderers Morgengruss, Deutschlands Ruhm, Jünglichsgefühl), in: Liederkranz für die Turngemeinden des Vaterlandes, Stuttgart: Göpel [1844]; D-Bmi, D-F, D-FRzpkm, D-HEu, D-KAu, D-KNh, D-Sl, D-WRh, D-WÜu, GB-Lbl <> Das rheinische Mädchen (Sst. m. Kl.), Bonn: Simrock [1845]; D-B, D-OLl <> gem. mit G. Appun: 25 Original-Compositionen (Sst. m. Kl.), Hanau: Edler [1847] <> gem. mit G. Appun: Saitenklänge, 3tes Heft, enth. 30 Original-Compositionen (Sst. m. Git.), ebd. [1847] <> Gesang der Lorelei (S, 8 Mst. bzw. S m. Kl.) op. 18, Bonn: Simrock, [1853]; D-B, D-OLl <> Mazurka brillante (Kl.) op. 20, ebd. [1853]; D-B <> Esmeralda. Morceau caractéristique (Kl.) op. 21, ebd. [1853]; D-B <> O wär’ ich im Süd! (Sst. m. Kl.) op. 22, Offenbach: André [1855]; D-OF <> Valse gracieuse (Kl.) op. 24, Mainz: Schott [1856]; D-B, F-Pn <> Zapolya. Mazurka brillante (Kl.) op. 25, München: Falter [1856]; D-Mbs (digital) <> Polka brillante (Kl.) op. 26, Mainz: Schott [1856]; D-B <> ungedruckt und vermutl. verschollen: Haydns Die Teilung der Erde, arr. für Sst. m. Orch. (aufgef. Frankfurt/M. 1862) <> gemäß der Hanauer Geschichtsblätter soll er noch komponiert haben: ein „prächtiges Concert militaire für Klavierspiel mit Orchester“ (aufgef. 1841), eine „Motette für ein Orgelkonzert“ und das Lied An die Freude (T, Mch., Orch.; aufgef. bei Enthüllung der Gedenktafel am Geburtshaus der Brüder Grimm 1872)

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Hanau <> Adressbuch Hanau 1837, 1870 <> 2 Briefe an Simrock in Bonn (1849); D-BNsa; 6 Briefe an Schott in Mainz (1855); D-B, s. Kalliope <> AmZ 25. Sept. 1839 (Rezension u. biograph. Abriss); Frankfurter Oberpostamts-Zeitung 28. Juni 1851; Didaskalia 4. Febr. 1854, 28. Jan. 1872, 22. Febr. 1872, 28. Apr. 1872 (Auftritt der Tochter Lucans), 23. Juni 1874, 9. Dez. 1874, 5. Dez. 1875, 15. Nov. 1878; NZfM 13. Juni 1862; Deutsche Musik-Zeitung 14. Juli 1862; Die neue Sängerhalle 7. Mai 1864; Süddeutsche Musik-Zeitung 13. Mai 1867; Musikalisches Wochenblatt 29. Apr. 1870, 17. Sept. 1880 (Todesdatum als 17. Aug. angegeben) <> Statut der Lucan-Stiftung zu Hanau für Förderung musikalischer Zwecke, Hanau 1883 <> MMB

LiteraturHanauer Geschichtsblätter 3/4 1919, S. 127–129 (dort weitere Quellen und Lit.) <> Dr. Emil Ruth (Nekrolog), in: Deutsches Dante-Jahrbuch 3 (1871), S. 494f. <> Ludwig Sommer, Art. Hanau, in MGG2S

Abbildung 1: Heinrich Lucan (Hanauer Geschichtsblätter 1919, S. 127)


Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2020/10/06 19:20
  • von kk