czarniawski

CZARNIAWSKI, CORNELIUS * Czernowitz 30. März 1888 | † verm. 1975; Pianist, Klavierlehrer, Komponist

Czarniawski wuchs in Wien auf, wo sein Vater Johann als Bahnsekretär arbeitete; seine Mutter Antonie ließ sich bisweilen und durchaus erfolgreich als Sängerin hören und eröffnete 1906 am Prater eine Gesangs- und Klavierschule, die noch 1918 bestand. Dass Cornelius ihr die erste musikalische Unterweisung verdankte, liegt auf der Hand. Bereits als 16jähriger Gymnasiast trat er 1904 öffentlich auf und erhielt seine weitere Ausbildung u. a. bei Robert Fuchs (Komposition) an der Akademie der Tonkunst (bis 1909). Anschließend avancierte er zum „Vorzugsschüler“ von Theodor Leschetitzky (Max Kalbeck in Neues Wiener Tagblatt 2. Nov. 1910), dessen Assistent er wurde. Eine Konzertreise führte ihn u. a. im Januar 1913 nach Wiesbaden; die Berufung als Klavierlehrer an das Spangenbergsche Konservatorium ließ nicht lange auf sich warten, und im Herbst des Jahres trat er seinen Dienst an. Warum Czarniawski bereits 1921 aus dem Kollegium ausschied, ist unklar (s. aber weiter unten) – jedenfalls rief er eine eigene Musikschule für Klavier ins Leben und war, wie zuvor bereits, als Pianist (u. a. mit seinen „Historischen Klavierabenden“ und als der „gegenwärtig bedeutendste Wiesbadener Klaviervirtuos“; Signale 30. Juli 1919) wie auch mit seinen offenbar recht attraktiven Privatkonzerten im Musikleben der Stadt präsent; auch trat er als Organist und Cembalist in Erscheinung. Unmittelbar nachdem 1933 ein Gesuch bei der Preußischen Akademie der Künste in Berlin um Zuweisung einer Lehrtätigkeit im Hochschuldienst gescheitert war, kehrte Czarniawski nach Wien zurück (seine Eltern durften hier 1948 ihre Diamantene Hochzeit begehen; Weltpresse (Wien) 30. Jan. 1948); vermutlich arbeitete er (privat) als Musiklehrer, erhielt aber erst 1940 eine Anstellung an der Musikschule der Stadt. 1942 scheiterte er ein weiteres Mal beim Versuch, eine gehobene Position zugewiesen zu bekommen; nachdem er in den 1960er Jahren kurzzeitig als „Komponist“ (so das Adressbuch 1965) in Salzburg gelebt hatte, verbrachte er seinen Lebensabend in Wien.

Ebenso wie Wilhelm Aletter und Joseph Dokowicz war Czarniawski auch als Erfinder tätig: 1928 erhielt er ein Patent (Nr. 486053) für ein „Flugzeug mit umlaufenden Klappflächen“ – mag sein, dass seine Tüfteleien es waren, die ihn dazu veranlassten, seine Wiesbadener Lehrtätigkeit einzuschränken.

Werke — Die überwiegend ungedruckten Kompositionen (Sinfonien und Orchesterstücke, Klavierkonzerte, Violinkonzert, Kammermusik, Sonaten, eine Messe, Lieder) sind im Nachlass überliefert (inkl. Werkverzeichnis bis 1945). In Wiesbaden uraufgeführt wurden das Klavierkonzert fis-moll op. 14 unter Carl →Schuricht (24. Mai 1918 [nicht 1917]; s. Wiesbadener Zeitung 26. Mai 1918) und die Violasonate op. 18 (1920). Die Vier Klavierstücke op. 18 erschienen 1918 bei Schott in Mainz (D-Cl, US-CLwr digital).

Quellen — Nachlass in A-Wn (F63.Czarniawski) <> Briefe Czarniawskis, u. a. an Schott in Mainz, s. Kalliope <> Gutachten und Schriftwechsel bezüglich der Gesuche Czarniawskis (1933–1943); D-Bga (Best. Preußische Akademie der Künste, Berlin, Musikangelegenheiten, Akte 1168, 1169, 1230, 1232) <> Die Zeit (Wien) 6. Nov. 1904, 2. Nov. 1911, 27. März 1913; Das Vaterland (Wien) 11. Dez. 1904; Neues Wiener Tagblatt 24. Dez. 1904, 17. Jan. 1907, 6. Febr. 1907, 23. Sept. 1909, 28. März 1910, 2. Nov. 1910 und passim; Neues Wiener Journal 12. Mai 1906, 27. Juni 1909; Neue Freie Presse (Wien) 16. Okt. 1910, 2. Apr. 1911, 24. Mai 1917, 12. Mai 1918 und passim; Wiesbadener Tagblatt 10. Jan. 1913 und passim; Deutsches Volksblatt (Wien) 7. Apr. 1913; Wiesbadener General-Anzeiger 15. Jan. 1913, 25. Okt. 1913, 16. Dez. 1913 und passim; Wiesbadener Neueste Nachrichten 31. Okt. 1913, 16. Dez. 1916 und passim; Rheinische Volkszeitung 10. Sept. 1917, 21. Mai 1918, 11. Nov. 1920 und passim; Wiesbadener Bade-Blatt 16. Mai 1918, 18. Aug. 1921, 4./5. Okt. 1925, 26. März 1930, 14. Dez. 1933 und passim; Wiesbadener Zeitung 19. Mai 1918, 26. Mai 1918, 26. Febr. 1919, 25. Okt. 1919, 7. Apr. 1920 und passim; Signale für die musikalische Welt 30. Juli 1919, 24. März 1920 und passim; Weltpresse (Wien) 30. Jan. 1948 <> Adressbücher Wiesbaden, Wien und Salzburg

Literatur — Frank/Altmann 1927; MüllerDML <> W. F. Fosbag und G. D. Boshler, Review an Preliminary Evaluation of Lifting Horizontal-Axis Rotating-Wing Aeronautical Systems (HARWAS), Washington D. C. 1969

Hörbeispiel: Mazurka op. 18 Nr. 4 (Aufnahme von Kristina Krämer für das MMM2, Juli 2021)

Abbildung: Anzeige im Wiesbadener Bade-Blatt 18. Aug. 1921


Axel Beer

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