dokowicz

DOKOWICZ, (CASIMIR) JOSEPH * Wollstein (seinerzeit Provinz Posen, heute Wolsztyn/Polen) 4. März 1852 | † nach Aug. 1915; Brautechniker, Musiklehrer und Komponist

Über die musikalische Ausbildung Dokowicz’, der in eine Wollsteiner Brauerfamilie hineingeboren wurde und zweifellos zunächst in diesem Beruf tätig war, ist vorläufig nichts bekannt. Gegen Ende des Jahres 1876 traf er erstmals in Worms ein – man darf annehmen, dass es seine Absicht war, mit den dortigen Brauereibetrieben Kontakt anzuknüpfen –, verließ die Stadt wenig später zum Zweck der Eheschließung in Krotoschin (Krotoszyn; 1878) mit Antonie (von) Konopka (* Lissa/Leszno 3. Mai 1855 | † nach Sept. 1926) und wurde im Dezember 1878 endgültig – und zwar als Musiklehrer (so die Adressbücher) – am Rhein ansässig. Um 1882 gründete er eine private Musikschule (später Wormser Musikschule, seit 1895 Musik- und Orchesterschule), deren Leitung 1912 an Hans Kummer überging. Dass Dokowicz gleichzeitig dem Brauwesen verbunden blieb, belegt ein Privileg des österreichischen Handelsministeriums vom 27. Juni 1883 für einen von ihm entwickelten „Universal-Gährspund mit selbstthätigen Ventilen von eigenthümlicher Dichtung“ (Amtsblatt zur Wiener Zeitung) ebenso wie seine im selben Jahr veröffentlichte Schrift Recepte zur Bierbrauerei; ob er als Dozent der Wormser Brauakademie tätig war, die 1886 ihr Silberjubiläum u. a. mit Konzerten beging (Gambrinus. Brauer- und Hopfenzeitung), oder einer anderen Einrichtung dieser Art, ist noch unklar, aber sehr wahrscheinlich.

Das zweifellos spektakulärste Ereignis im Leben des Musikers Dokowicz war die überregional wahrgenommene Aufführung seiner Oper Die Zerstörung von Worms (auf eigenen Text) am 21. Sept. 1897 (mit Wiederholungen am 24. und 30. Sept.) im Städtischen Spiel- und Festhaus unter Leitung des Komponisten und unter Mitwirkung von „80 Dilettanten aus der Wormser Bürgerschaft“ (Anzeige in Wormser Tageblatt 20. Sept. 1897 u. ö.); nach Auffassung des Rezensenten zeigte sich, „was Dilettanten mit ihren bescheidenen Kräften, wenn sie verständnißvoll geleitet und unterwiesen sind, in hingebungsvollem, ernstem Zusammenwirken zu leisten vermögen“ (Wormser Tageblatt 22. Sept. 1897). Bereits im September 1893 hatte Dokowicz mit Ignaz Brülls Das goldene Kreuz den Versuch einer „im Wesentlichen mit Wormser Musikkräften“ zu realisierenden Opernaufführung unternommen; der öffentliche Wunsch an die Beteiligten, „sich durch nichts abhalten [zu] lassen, den nun einmal betretenen Weg weiter zu gehen“ (Wormser Tageblatt 26. Sept. 1893), war sicherlich der Ausgangspunkt für die vier Jahre später umgesetzte Idee.

Das Ehepaar Dokowicz verließ Worms im Sept. 1912 in Richtung Eppstein, wo es seit dem 1. Okt. des Jahres wohnhaft war; im August 1915 kehrten beide nach Wollstein zurück. Später lebte Antonie Dokowicz wohl eine Zeitlang in Mainz und ließ sich 1926 in Frankfurt-Rödelheim nieder.

WerkeNeues Notenbuch für Anfänger. Progressiv geordnet und mit Fingersatz versehen[,] eignet sich vorzugsweise für Institute mit gemeinschaftlichem Musikunterricht op. 19, 2. Auflage, Mannheim: Heckel [1880] <> Zwei Lieder (Gruss „Hab’ in der Brust ein Vögelein“, Lied „Wir sitzen still am Fenster“; Sst., Kl.) op. 22, Düsseldorf: Weissenborn [1878] – später Leipzig: Lichtenberger [1883/84]; D-B <> Mazurka (Kl.) op. 29, Düsseldorf: Weissenborn [1878] – später Leipzig: Lichtenberger [1883/84]; D-B <> Zwei Lieder („Wo still ein Herz in Liebe glüht“, „Ich wollt’, ich wär’ ein Vogel“; Sst., Kl.) op. 40, Düsseldorf: Weissenborn [1878] – später Leipzig: Lichtenberger [1883/84], D-B <> Walzer Pfälzer Blut (Kl.) o. op., Mannheim: Hasdenteufel [1887/88] – später als op. 122 Leipzig: Luckhardt [1896]; D-B <> Oper Die Zerstörung von Worms (UA 21. Sept. 1897 Worms), daraus: Ständchen aus der Oper: „Die Zerstörung von Worms (Sst., Kl.), Worms: Reiss Nachfolger J. & H. Grambusch [1902]; D-WO – Libretto, Worms: Fischer 1897; D-F (digital), D-WO, D-WOsta <> Hymne Heimat am Rhein („Rheinland, mein Heimatland“; Sst., Kl.), Worms: Kräuter 1930; D-B <> Konvolut handschr. Noten und Texte („Bagatellen“); D-WOsta (Abt. 204 Nr. 32-01/15) <> Recepte für Bierbrauerei, Hefen- und Essigfabrikation, Halle/S.: Knapp 1883; u. a. D-B, D-BSu, D-Mt

Quellen — D-WOsta: Abt. 13 Nr. 2118 (Anmeldebescheinigung mit Meldezettel und Leumundszeugnis der Gemeinde Wollstein), Abt. 11 Nr. 11/1 (Meldekarte mit Foto), Abt. 204 Nr. 34-01/14 (Anschlagzettel) u. a.; Frau Margit Rinker-Olbrisch (Institut für Stadtgeschichte Worms) herzlichen Dank für Recherche und Auskünfte <> Verzeichnis der Kurfremden in Eppstein; Stadtarchiv Eppstein (Frau Monika Rohde-Reith herzlichen Dank für Recherche und Auskünfte) <> Adressbücher Worms 1880–1918 <> Amtsblatt zur Wiener Zeitung 29. Aug. 1883 <> Gambrinus. Brauerei- und Hopfen-Zeitung (Wien) 1. Aug. 1886 <> Österreichische Musik- und Theaterzeitung Okt. 1893 (Beilage) <> Wormser Tageblatt 17. Sept. 1893, 26. Sept. 1893, 3. Okt. 1893, 3. Sept. 1897, 15. Sept. 1897, 18. Sept. 1897, 20. Sept. 1897, 21. Sept. 1897, 22. Sept. 1897 (Bericht von H[einrich] D[iehl]) und passim <> Signale für die musikalische Welt 28. Sept. 1897 <> Wiener Zeitung 30. Aug. 1897 <> Grazer Tagblatt 1. Sept. 1897 <> Taunus-Zeitung (Königstein) 25. Nov. 1914 <> MMB

LiteraturFritz Reuter, Ein Spiel- und Festhaus für die Bürger, in: Der Wormsgau 15 (1987–1991), S. 59–70

Abbildung 1: Joseph Dokowicz, Fotografie (bis 1878); D-WOsta

Abbildung 2: Theaterzettel; D-WOsta


Axel Beer und Gudula Schütz

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  • Zuletzt geändert: 2021/10/07 00:00
  • von kk