(1) Michael Johann * Mainz 6. März 1848 | † ebd. 10. Mai 1916; Eisenbahnbeamter

(2) Georg * Mainz 14. Nov. 1851 | † ebd. 1. Febr. 1921; Bruder von (1), Eisenbahnbeamter, Komponist, Chorleiter

(3) (Alexander Rudolph) Georg * Mainz 28. Dez. 1885 | † Saarbrücken 4. Mai 1965; Sohn von (1), Fagottist, Musiklehrer

(4) Rudolph (Michael Daniel) (auch „Rudi“) * Mainz 23. Dez. 1890 | † Völklingen 29. Aug. 1973; Sohn von (1), Harfenist

(5) Georg * Mainz 18. März 1917 | † Mainz-Ebersheim 17. Juli 1982; Sohne von (4), Musikpädagoge

Die Familie Toussaint ist gegen Ende des 17. Jahrhunderts – wahrscheinlich aus Südfrankreich – nach Deutschland eingewandert. Zunächst lebte sie in Butterstadt bei Hanau; Daniel Toussaint (1811–1885), der Vater von (1)–(2), zog nach (Bad) Homburg v. d. H. und später nach Mainz, wo er 1848 als Bürger aufgenommen wurde und anschließend als Spezereihändler nachweisbar ist.


(1) Michael Johann Toussaint, von Beruf Eisenbahn-Angestellter und seit 1875 mit Katharina Josepha Maria Theresia geb. Oerl verheiratet, war begeisterter Musikliebhaber.

Quellen — Zivilstands- und Standesamtsregister Mainz <> Adressbücher Mainz


(2) Georg Toussaint war hauptberuflich als Eisenbahnbeamter in Mainz tätig und schloss als solcher 1890 die Ehe mit Maria Antonette geb. Ruppert (1865–1955). 1884 wirkte er unter den Tenören des Liederkranz, geleitet von Heinrich Rupp, beim zehnten Mittelrheinischen Musikfest in Mainz mit. In den 1890er Jahren wiederum ist er als Dirigent des Männergesangvereins Mainzer Sängerkreis sowie als Komponist mehrerer Männerchöre nachweisbar.

WerkeDie Ros’ ist mein (Sst., Kl.), Mainz: Schott [1893]; D-B <> Melancolie (Mch.), Mainz: Ebling [ca. 1896/97]; D-BABHkrämer, D-Hbierwisch, D-MZsch <> Wandrers Heimweh (Mch.; „Dem Mainzer Männerquartett gewidmet“), ebd. [ca. 1900/01]; ehem. D-B, D-BABHkrämer, D-Hbierwisch, D-MZsch <> Die Abgendglocke (Mch.), ebd. [ca. 1900/01]; ehem. D-B, D-BABHkrämer, D-Hbierwisch, D-MZsch <> Das Glockengeläute (Mch.), ebd. [ca. 1901/02]; D-B, D-BABHkrämer, D-MZsch

Quellen — Zivilstands- und Standesamtsregister Mainz <> Adressbücher Mainz <> Zehntes Mittelrheinisches Musik-Fest, Programmheft, Mainz 1884, S. 35 <> Allgemeiner deutscher Musiker-Kalender, Berlin 1897, S. 274 <> MMB

Abbildung 1: Titelseite zu Wandrers Heimweh; D-BABHkrämer


(3) Georg Toussaint studierte von 1908 bis 1912 am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt/M. bei Alfred Hoehn (Kl.) und Heinrich Türk (Fagott). Anschließend wurde er als Fagottist in das (1912 etablierte) städtische Orchester in Saarbrücken aufgenommen. Daneben erteilte er Musik- und Klavierunterricht. Seine Ehefrau Barbara geb. Peter was als Sängerin tätig.

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Mainz <> Adressbücher Saarbrücken <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums 1908/09–1911/12 <> MüllerDML; KürschnerDMK


(4) Rudolf Toussaint war mit →Paul Hindemith befreundet, mit dem er das Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt besuchte (1910 bis 1912, Harfe bei Ludwig Richter). 1914 wirkte er u. a. gemeinsam mit den Brüdern Post bei einem Solisten-Konzert in Mannheim mit und heiratete 1916 als in Mainz wohnhafter Musiker die Schneiderin Katharina Nauth (Scheidung 1939). Unter den Trauzeugen scheint Bruder Georg (3) als Kapellmeister auf. Seit etwa 1925 war Rudolf Toussaint als Harfenist in Mönchengladbach und seit etwa 1930 in Saarbrücken tätig Auch gründete und leitete er ein Vokalensemble, das in öffentlichen Konzerten wie auch im Rundfunk wiederholt zu hören war. 1964 heiratete er in Völklingen seine dritte Ehefrau, Johanna Katharina Pfanner, und ließ anschließend dort nieder.

Quellen — Standesamtsregister Mainz <> Adressbücher Mönchengladbach, Saarbrücken <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> Badische Neueste Nachrichten 22. Dez. 1914; Westdeutsche Landeszeitung (Mönchengladbach) 5. Sept. 1925, 7. Febr. 1927; Vereinigte Dreistädte-Zeitung 25. Jan. 1927


(5) Georg Toussaint, der Sohn Rudolfs (4), absolvierte das humanistische Gymnasium in Mainz. Obwohl er schon als Gymnasiast eifrig musizierte – er spielte Klavier, Orgel und Geige –, studierte er nach dem Abitur im Jahre 1936 zunächst Philosophie und katholische Theologie in Mainz und Fulda. Der Zweite Weltkrieg, an dem Toussaint als Fliegeroffizier teilnahm, machte dem Theologiestudium ein vorzeitiges Ende. Toussaint nahm es nach dem Krieg nicht wieder auf, sondern studierte von 1946 bis 1949 Musikwissenschaft und Germanistik an der wiedereröffneten Mainzer Universität. Dort promovierte er im Juli 1949 bei Arnold Schmitz. Von 1949 bis 1954 wirkte Toussaint als Assistent am Musikwissenschaftlichen Institut in Mainz. Seine Haupttätigkeit verlagerte sich jedoch mehr und mehr auf das Gebiet der Musikerziehung. Bereits 1947 betonte er die Aufgaben und die Bedeutung des Musikunterrichts in der Schule (s. Publikationsliste). Während seiner Assistentenjahre war er (neben Ernst →Laaff) als stellvertretender Leiter des 1948 ins Leben gerufenen Staatlichen Instituts für Musik in Mainz tätig. Als man 1954 diese Ausbildungsstätte für Schulmusiker als selbständige Einrichtung auch räumlich aus der Mainzer Universität ausgliederte, wurde Toussaint hauptamtlich stellvertretender Leiter (1956 stellvertretender Direktor) dieses Instituts, das am 1. Jan. 1961 in Staatliches Hochschulinstitut für Musik umbenannt wurde. Dort lehrte er auch Generalbass und Partiturspiel (seit 1966 als Professor). Am 1. Apr. 1972 trat Toussaint die Nachfolge Laaffs als Direktor des Hochschulinstituts an und wurde bei der Eingliederung als Fachbereich Musikerziehung in die Mainzer Universität im gleichen Jahr zum ersten Dekan gewählt. Von 1964 bis 1966 wirkte er nebenamtlich als kommissarischer Leiter des Peter-Cornelius-Konservatoriums in Mainz. Bis 1976 war er auch Mitglied der Jury für die Vergabe des „Karl-Sczuka-Preises“, den der Südwestfunk Baden-Baden verlieh. Im gleichen Jahr erhielt er, vor allem für seine Verdienste um den Wettbewerb Jugend musiziert, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Am 18. März 1982 wurde Georg Toussaint pensioniert.

Schriften (Auswahl) — Die Anwendung der musikalisch-rhetorischen Figuren in den Werken von Heinrich Schütz, maschr. Diss. Mainz 1949 <> Neue Musik und Musikerziehung in Deutschland, in: Wort und Tat 7 (1947), S. 7–13 <> Die Kleinorgel. Orgelmusik zu Hause, in: Das Musikleben 4 (1951), S. 11–14 <> Über die Anerkennung der Künstlereigenschaft bei Privatmusiklehrern, in: Musik im Unterricht 50 (1959), S. 185–187 <> Stereophonie – Musik im Raum, ebd. 51 (1960), S. 161–163 <> Stereophonie – Musik im Heim, ebd. 51 (1960), S. 202–204 <> Neue Quellen zur Geschichte des Chorstifts Kiedrich, in: AfMw 19/20 (1962/63), S. 257–264 <> Musikberufe in sozialer Sicht, in: Musik im Unterricht 55 (1964), S. 299–301 <> Musiklehrer und Tarifvertrag, ebd. 56 (1965), S. 150–152 <> Mein Sohn, der Beatle, ebd. 57 (1966), S. 162–164 <> Musikzieren in der Mietwohnung, ebd., S. 193–195 <> Jugendmusikwettbewerbe – ja oder nein, ebd., S. 281–283 <> Unser Weihnachtslied, ebd., S. 393–395 <> Beat–Gesundheit–Jugendschutz, ebd. 58 (1967), S. 9–10 <> Die Altersversorgung des Musiklehrers, ebd., S. 85–86 <> Probleme der musikalischen Ausbildung, ebd., S. 116–119 <> Von der Versteppung unseres Musiklebens, ebd., S. 321–324 <> Der Rechtsschutz des angestellten Musiklehrers, ebd., S. 375–376 <> Relationen. Musikalische Bildung zwischen Soll und Haben, ebd. 59 (1968), S. 229–232 <> Das Staatliche Hochschul-Institut für Musik in Mainz, ebd., S. 381–383

Quellen — Adressbücher Mainz und Saarbrücken <> Mainzer Anzeiger 13. Jan. 1854 u. ö.

LiteraturHubert Unverricht, Das Fach Musikwissenschaft und das musikwissenschaftliche Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, in: MittAGm 39 (1979), S. 486–507 <> Günther Massenkeil, Georg Toussaint zum Gedenken, ebd. 46 (1983), S. 222–227 <> Georg Toussaint 1917–1982, hrsg. von Günther Massenkeil, Mainz 1984 <> Klaus Pietschmann, Musik an der JGU. Integrationsfaktor mit internationaler Strahlkraft, in: 75 Jahre Johannes Gutenberg-Universität, Mainz 2021, S. 268–276

Abbildung 2: Georg Toussaint nach einem Portraitphoto von Reiner Wierick; Universitätsarchiv Mainz (mit freundlicher Genehmigung von und mit bestem Dank an Herrn Dr. Christian George)


Elmar Seidel (†) (Febr. 1984) | Anmerkung der Redaktion: Der vorliegende Abschnitt (5) war (mit Erwähnung weiterer Familienmitglieder) als Artikel für die Veröffentlichung im 3. Band von MMM1 vorgesehen und wurde leicht überarbeitet. | Kristina Krämer (Ergänzungen zu (1)–(4))

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  • Zuletzt geändert: 2025/10/27 12:02
  • von kk
  • angelegt 2025/10/15 18:15