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RICE, NATHAN HENRY (meist N. H. Rice; Pseudonym: E. Nitrac) * New York 27. Apr. 1851 | † Frankfurt/M. 28. Okt. 1926; Kaufmann, Komponist

Über die Jugend von Rice, Sohn des bis in die 1860er Jahre in New York lebenden jüdischen Ehepaars Henry Rice (ca. 1819–1883) und Auguste geb. Dinkelspiel (ca. 1824–1902), beide aus Deutschland gebürtig, ist nichts näheres bekannt. Sein Vater ist seit 1868 im Frankfurter Adressbuch als Privatier bzw. Rentier geführt und er selbst scheint zwischen 1873 und 1877 als Prokurist des Bank- und Wechselgeschäfts Oppenheim & Weill, nicht jedoch als Einwohner auf, was sich möglicherweise mit seinem ledigen Familienstand erklären ließe, aber dennoch die Vermutung nahelegt, dass er seiner Tätigkeit für diese Firma noch in New York nachgegangen sein könnte, zumal sein Antrag für einen Reisepass, den er im März 1878 in New York stellte, ebenfalls darauf hindeutet. Bei dem Besitzer des Frankfurter Bankhauses handelte es sich um seinen Schwager Daniel Guido Oppenheim (1843–1882), der 1870 die Schwester Julia Rice (* New York 26. Sept. 1849 | † Frankfurt/M. 20. Juli 1913) geheiratet hatte. Nathan Henry Rice lebte seit 1878/79 in Frankfurt/M., war bis 1891 (Mit-)Inhaber des Juwelen- und Bijouterie bzw. Goldwaren-Fabrikgeschäfts D. Lenné & Co. und ist anschließend als Privatier nachweisbar. Seine Beschäftigung mit Musik ist – abgesehen von seinem Beitritt in den Allgemeinen Deutschen Musikverein im Jahr 1879 – in die Zeit nach 1891 einzuordnen. Rice war Privatschüler Iwan Knorrs (er scheint nicht in den Schülerlisten der Jahresberichte des Konservatoriums auf) und wurde, sicherlich auf dessen Anraten, 1908 Mitglied (später Vorstandsmitglied) des von Knorr neu eingerichteten Patronatvereins des Hoch’schen Konservatoriums. Mutmaßlich erfolgte über Knorr zudem der Kontakt zum Verleger Gustav Eduard Oehler, bei dem 1897 bereits eines von dessen Werken (unter Verwendung eines Pseudonyms) im Druck erschienen war. Oehler verlegte 1898 die ersten Werke von Rice, wobei es auffällig ist, dass auch von ihm ein Werk – ein weiteres Opus Eins neben den Neun Liedern – mit Pseudonym („E. Nitrac“, Anagramm von „Nat. Rice“) veröffentlicht wurde. Noch 1898 kam in Köln sein Bläserquintett zur Aufführung, wobei ihn die dortige Presse als „sehr begabten Frankfurter Musikliebhaber“ bezeichnete (Kölnische Zeitung 14. Jan. 1898). Weitere seiner Kompositionen standen in der Folgezeit auch bei Konzerten in Frankfurt auf dem Programm, etwa bei den Volkskunstabenden des Ausschusses für Volksvorlesungen und einem von Tenor Antoni Kohlmann veranstalteten Frankfurter Komponistenabend. Rice war seit 1882 verheiratet mit der jüdischen Kaufmannstochter Jenny Sophie geb. Scheyer (1862–1921). Die gemeinsame Tochter Lily (* Frankfurt/M. 9  Juni 1883) ehelichte 1902 den Gerichtsassessor Dr. Felix Rothschild.

Werke — [als E. Nitrac:] Liebeslied („Noch ist es Nacht. Ich horche hinaus“; Sst., Kl.) op. 1, Frankfurt: Oehler jr. [1898]; D-B – TA Frankfurt: Firnberg [1908] <> Neun Lieder (1. Dämmernd liegt der Sommerabend, 2. An einen Boten, 3. Spielmannslied, 4. Capriccio, 5. Im Heim, 6. Des jungen Mönches Noth, 7. Landsknechtslied, 8. Liebespost, 9. Campanella; Sst., Kl.) op. 1 (Nrn. 6–7 aufgef. 1916 von Antoni Kohmann), Frankfurt: Oehler jr. [1898]; D-B – TA Frankfurt: Firnberg [1908] <> Quintett „seinem verehrten Lehrer Professor Iwan Knorr“ gewidmet (Kl., Ob., Klar., Hr., Fag.) op. 2 (aufgef. Köln 1898), Berlin: Simrock [1898]; A-Wmk, D-B, D-KNh, US-PHf, US-R (digital) <> Serenade „Herrn Fritz Bassermann gewidmet“ (Streichorch.) op. 3 (Frankfurt Okt./Nov. 1915 unter Willy →Rehberg), ebd. [1899]; D-B – dass. (Kl. 4ms), ebd. [1899]; D-B, US-PHff <> Kinderreime. Fünf dreistimmige Lieder (1. „Es fing ein Knab’ ein Vögelein“, 2. „Spannenlanger Hansel, nudeldicke Dirn“, 3. Tanzlied „Lustig ist der Morgenstrahl“, 4. „Marienwürmchen setze dich auf meine Hand“, 5. Puppenwiegenlied „Schlaf’, Püppchen schlaf“; Fch., Kl.) op. 4 (Nrn. 2, 5 aufgef. im Konservatorium 16. Dez. 1907), Offenbach: André [1901]; D-B, D-BABHkrämer (Nr. 4), D-OF – daraus Nr. 5 arr. (Sst., Kl.), ebd. [1910]; D-B <> Irisches Volkslied „Lang, lang ist’s her“ (3st. Chor); aufgef. im Konservatorium 16. Dez. 1907 <> Romanze (Vl., Kl.) op. 5, Leipzig: Kahnt Nachf. [1903]; D-B <> Kinderreime. Fünf Lieder (1. Kinderreim „Ich und du und du und du“, 2. König Arthur „Der König Arthur von Engelland“, 3. Abendgebet „Wenn der frohe Tag zu Ende“, 4. „Storch, Storch, Steiner“, 5. „Der Schnitzelmann von Nürenberg“; 3st. Fch., Kl.) op. 6, ebd. [1903]; D-B – dass. (Sst., Kl.), ebd. [1905]; D-B <> Scherzo (Kl.) op. 7, Offenbach: André [1905]; D-B, D-OF <> Drei altdeutsche Lieder (1. Treu bis in den Tod „Es gingen drei Gespiele“, 2. Verschneiter Weg „Es ist ein Schnee gefallen“, 3. Unter der Linde „Es steht ein’ Lind“; gem. Chor) op. 8 (Nr. 1 aufgef. vom Frankfurter Chorverein 26. Nov. 1906), ebd. [1905]; D-B, D-OF

Quellen — Standesamtsregister Frankfurt <> United States Census 1860; United States Passport Applications 1878 <> Personalakte in D-F (Best. S2 Nr. 8394) <> Adressbücher Frankfurt <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> MMB; Nachtrag Kat. André <> NZfM 21. März 1879; Kölnische Zeitung 14. Jan. 1898; Rheinischer Merkur 24. Jan. 1898; Signale für die musikalische Welt 1. Febr. 1898; Le Courrier Musical 15. Mai 1905; Frankfurter Leben 25. Nov. 1906; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 17. Febr. 1916 (2. Morgenblatt); Kleine Presse (Frankfurt) 19. Okt. 1915, 9. Nov. 1915, 16. Febr. 1916

Abbildung: Probedruck des Titels der Kinderreime op. 4; D-OF


Kristina Krämer

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  • Zuletzt geändert: 2023/09/23 21:36
  • von kk