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PETSCH, HANS (LUDWIG) * Ludwigshafen 14. Febr. 1891 | † Bad Hersfeld 10. Jan. 1978; Dirigent und Komponist

Hans Petsch, Sohn des Chemikers Ludwig Clemens Emil P. (1855–1909) und durch seine Mutter Marie Sophie Anna Rösel (1861–1940; ihrerseits Cousine des Weimarer Konzertmeisters Rudolph Arthur Rösel (1859–1934)) Enkel des Wiesbadener Musikers Heinrich Richard Rösel, besuchte in den Jahren 1909 bis 1912 die Musikhochschule in Mannheim, das Spangenberg-Konservatorium in Wiesbaden und war 1912 bis 1914 am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt Kompositionsschüler Bernhard Sekles’. Anschließend arbeitete er kurzzeitig als Violinlehrer am Spangenberg-Konservatorium und nahm als Bratschist – er gehörte dem Kurorchester an und wirkte bei den Kirchlichen Volkskonzerten Friedrich Petersens in der Marktkirche mit – am öffentlichen Musikleben Wiesbadens ebenso teil wie gelegentlich als Dirigent der Gesangsabteilung des Telegraphenarbeitervereins. 1916 wurde er städtischer Kapellmeister in Saarbrücken sowie 1918 in Kaiserslautern, von wo er (nach einem kurzen Besuch in Wiesbaden aus Anlass eines Komponistenabends, der ausschließlich seinem Schaffen galt, unter Beteiligung des Frankfurter Brüder Post-Quartetts) 1919 in gleicher Funktion nach Guben wechselte. Seit 1932 war er Chef des Kurorchesters und seit 1936 städtischer Musikdirektor in Bad Hersfeld; er zählte zu den Initiatoren der dortigen Festspielkonzerte – seine 1951 komponierte Fanfare dient bis heute als akustisches Markenzeichen. Mehr als drei Jahrzehnte zuvor hatte sich Petsch bei erwähntem Komponistenabend in Wiesbaden dem Publikum und der Kritik als „ausgesprochener Anhänger der extrem modernen Richtung“ (Wiesbadener Bade-Blatt 20. März 1918) präsentiert; dass derselbe Hans Petsch, an den am Bad Hersfelder Stadtrand (noch immer) ein nach ihm benannter Weg erinnert, irgendwann zum treuen Anhänger und aktiven Verfechter nationalsozialistischer Musikideologie mutierte, darf, zumal die Tatsache lange Zeit erfolgreich verdrängt wurde, nicht unerwähnt bleiben; aus seinem 1940 veröffentlichten Text Der Jazzbazillus an dieser Stelle zu zitieren wäre hingegen zu viel der Ehre für den Autor – wer für ein paar Minuten aus dem Kopfschütteln nicht herauskommen möchte, wird den Weg dorthin leicht finden.

Werke — [6] Pfälzische Volkslieder. Chorvariationen, Mainz: Schott [1932]; D-B, D-KBrlb <> Fünf kurze Geschichten (Peters Erlebnisse) (Orch.), ebd. [1935]; D-B <> Fröhlich Pfalz. [5] Heitere vierstimmige Männerchöre, ebd. [1938]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> [6] Pfälzer Liebeslieder (Mch.), ebd. [1939]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> Pfälzer Singsang (5 Männerchöre), ebd. [1939]; D-B, D-KBrlb, D-SPlb <> ungedruckt und wohl nicht überliefert: „Tondichtungen für die Bratsche“ (Wiesbadener Tagblatt 23. Jan. 1914), 2 Streichquartette (aufgef. Wiesbaden 18. März 1918), Orchester-Suite Pfälzer Leben (1942 aufgef. in Ludwighafen als Beitrag zur von Joseph Goebbels ausgerufenen „Frohsinnsaktion der deutschen Kulturorchester“), Opern und Operetten für die Gubener Bühne (s. MüllerDML und StiegerO), Musik zu Hofmannsthals Jedermann (Bad Hersfeld 1953) <> Aufsatz: Der Jazzbazillus (Auszug aus der gleichnamigen Abhandlung), in: Zeitschrift für Musik, Heft 8 (Aug.) 1940, S. 455–457

Quellen — KB Münchenbernsdorf; Zivilstands- und Standesamtsregister Wiesbaden <> Jahresberichte des Hoch’schen Konservatoriums <> Briefe, u. a. an Schott (s. Kalliope) <> Hans Petsch, Hans Petsch, in: NZfM 1936, Heft 6, S. 683 <> Wiesbadener General-Anzeiger 23. Aug. 1913; Wiesbadener Neueste Nachrichten 3. Okt. 1913, 10. Okt. 1913, 20. März 1918; Wiesbadener Tagblatt 23. Jan. 1914, 6. Juni 1914, 18. Juli 1914, 22. Dez. 1914, 15. März 1918; Wiesbadener Bade-Blatt 13. Mai 1914, 4. Jan. 1916, 20. März 1918; Neueste Zeitung (Frankfurt) 3. Sept. 1932; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 24. Juni 1936 (Abendblatt); Hakenkreuzbanner (Mannheim) 22. Jan. 1942 <> MMB

Literatur — MüllerDML; PriebergH

Abbildung: Hans Petsch nach einer Photographie; Signale für die musikalisch Welt 10. Juni 1936, S. 375


Axel Beer

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