mueller-berghaus


(1) Karl (Carl Wilhelm) Müller, seit 1872 (nicht 1863) Müller-Berghaus * Braunschweig 14. Apr. 1829 | † Stuttgart 5. Nov. 1907 (nicht 6. bzw. 11. Nov.); Violinist, Kapellmeister, Komponist und Bearbeiter

(2) Elvira (Elvire Charlotte Anna Maria) geb. Berghaus, seit 1863 Müller-Berghaus * Potsdam 23. März 1837 | † Stuttgart 1924; Ehefrau von (1), Sängerin


(1) Karl Müller war seit Ende 1850er Jahre Primarius im aus Mitgliedern der Braunschweiger Hofkapellisten-Familie Müller gebildeten, bis um 1865 in Diensten des Sachsen-Meiningischen Hofs stehenden Streichquartettensemble und bekleidete zusätzlich das Amt des herzoglichen Konzertmeisters. Nachdem er sich vergeblich um die Nachfolge Friedrich Wilhelm Rühls als Leiter der Mainzer Liedertafel beworben hatte („um einen größeren Wirkungskreis […] zu bekommen“; Brief an Franz Schott, Meiningen 6. Jan. 1863) und das Quartett sich wieder auf Reisen begeben hatte (mit Aufenthalt auch in Darmstadt im Okt. 1865), wurde Karl Müller (bei gleichzeitiger Übersiedlung seiner Quartettkollegen) im Herbst 1866 städtischer Musikdirektor in Rostock und wechselte gegen Ende 1870 in gleicher Funktion nach Chemnitz. Am 2. Okt. 1872 schloss er mit der Stadt Wiesbaden den denkwürdigen Vertrag, der ihn ab 1. Jan. 1873 zum ersten Leiter des nunmehr unter städtischer Verwaltung stehenden Kur-Orchesters einsetzte; zuvor hatte er jedoch dafür zu sorgen, aus den noch verfügbaren Musikern der bis dahin von der (nicht städtischen) Kur-Administration verpflichteten Militär-Kapellen und anderen Künstlern aus der näheren und weiteren Umgebung (unter ihnen war beispielsweise Karl Lüstner aus Ems) ein repräsentatives Ensemble zu formen – sein Debut-Konzert fand am 7. Januar 1873 mit einem aus 39 Instrumentalisten gebildeten Orchester statt. Müller, der sich seit Anfang des Jahres 1872 (nicht bereits seit seiner 1863 erfolgten Eheschließung mit Elvira Berghaus; s. a. weiter unten) Müller-Berghaus nannte, kehrte Wiesbaden jedoch bereits um die Mitte des Jahres 1874 den Rücken: Aufgrund seiner „anhaltenden Unpässlichkeit“ (Musikalisches Wochenblatt 10. Juli 1874) wurde die Stelle neu ausgeschrieben, nachdem der Kapellmeister sich bereits mehrfach von Louis Lüstner, seinem späteren offiziellen Nachfolger, hatte vertreten lassen. Gattin Elvira war während der wenigen Wiesbadener Monate ebenfalls einige Male aufgetreten (auch außerhalb, u. a. im Juni 1873 in Ems im Rahmen eines Kurkonzerts); noch Ende November 1874 „concertirte“ sie in Wiesbaden „unterstützt von Fr. Louise Langhans-Japha und dem Violinisten Herrn [Emil] Mahr, vor einem zahlreichen und eleganten Publikum“ (Neue Berliner Musikzeitung 10. Dez. 1874), und Ende Januar 1875 ließ sie sich in Frankfurt hören, während ihr Gatte „seiner geschwächten Gesundheit wegen“ (Didaskalia 7. Febr. 1875) bereits nach Nizza gereist war – beide traten wenig später in die Dienste des u. a. in Lugano und Nizza residierenden Eisenbahnmagnaten und Mäzens Paul von Derwies, dessen Privatorchester noch im Januar 1880 unter Leitung Müller-Berghaus’ stand, als Joseph Joachim sich in einem der Konzerte hören ließ. Gegen Ende des Jahres 1880 gründete das Ehepaar Müller-Berghaus gemeinsam eine Gesangsschule in Stuttgart, wo Elvira sich bereits 1878 niedergelassen hatte und ihre Karriere auch fortsetzte, als Karl in den Jahren 1882 bis 1886 die Stelle des Konzertmeisters am Hamburger Stadttheater innehatte und anschließend bis um die Mitte der 1890er Jahre Kapellmeister in Turku wurde, bevor er sich 1895 in Stuttgart zur Ruhe setzte.

Werke — Seine gedruckten Kompositionen (sehr lückenhafte Opusreihe zwischen 11 und 60: Kammermusik, Klavierstücke, Lieder; vgl. MMB und Pazdírek) erschienen zwischen 1878 und 1899; im Januar 1879 kamen die 3 Morceaux (Vc./Vl., Kl.) o. op. bei Schott in Mainz heraus, dem einzigen mittelrheinischen Verlag, mit dem Müller-Berghaus zusammenarbeitete. Bekannter waren seine Orchester-Bearbeitungen, allen voran der 2. Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt (Leipzig: Senff [1872]) und der Gavotte op. 16 von Rudolph Niemann (Hamburg: Pohle [1877]). Während der Zeit in Wiesbaden erfolgte die UA der (unveröffentlichten) Ouvertüre zu Fiesko (Wiesbadener Tagblatt 25. Apr. 1873)


(2) Elvira Berghaus, 9. Kind des Kartographen und Mathematikers Heinrich Berghaus (1797–1884) und seiner Ehefrau Selma Heloise geb. von Maltitz, ist als Lied- und Konzertsängerin seit etwa 1860 im mitteldeutschen Raum nachweisbar. 1861 erhielt sie ein Engagement als herzogliche Hofopernsängerin in Meiningen und lernte hier Karl Müller kennen, mit dem sie am 24. Okt. 1863 in Berlin die Ehe schloss. Anschließend (auch nach der Geburt des ersten Kinds im Okt. 1866) war Müller-Berghaus weiterhin – teils in unmittelbarer Nähe zu ihrem Mann, teils geographisch von ihm getrennt – in der Öffentlichkeit tätig. Sie lebte nach ihrer Ernennung zur königlich-württembergischen Kammersängerin (1881) dauerhaft in Stuttgart und machte sich einen Namen als die als „treffliche Künstlerin wie als ausgezeichnete Lehrerin bekannte Kammersängerin der Königin“ (Karlsruher Zeitung 25. Dez. 1890). Vielsagend sind die Einträge in den Stuttgarter Adressbüchern: Bis 1895 figuriert sie als „Kapellmeisters Frau“ sowie mit ihrem Hoftitel, anschließend, als der „Privatier“ Carl (bzw. Karl) zurückkehrte und man eine neue, gemeinsame Wohnung bezog, nur noch als „Kammersängerin I. M. der Königin“ und nach dem Tod des Gatten als „Privatiers W[itw]e.“ Joachim Raff, der bereits 1862 dem Meininger „Hofquartett“ (inkl. Karl Müller) sein Streichquartett op. 90 zugeeignet hatte, widmete Elvira Müller-Berghaus seine im Sommer 1875 in Wiesbaden komponierten Zwei Scenen für Singstimme und Orchester op. 199 (Leipzig: Siegel [1875]).

WerkeGute Nacht (4 Fst.; „Schon fängt es an zu dämmern“), Stuttgart: Zumsteeg [1883]; D-B <> Triller-Etude (Sst., Kl.), ebd. [1883]; D-B <> Wenn ich ihn nur habe (Sst., Kl.), ebd. [1899]; D-B


Quellen — KB Potsdam (St. Nikolai); KB Meiningen (Hofkirche); KB Berlin (St. Jakobi) <> Adressbücher Stuttgart <> Briefe Karl M.-B. (u. a. an Schott in Mainz) s. Kalliope – Briefe Elvira M.-B. s. Kalliope <> [Nekrologe Karl M.-B.], in: Schwäbischer Merkur 6. Nov. 1907; Musikalisches Wochenblatt 14. Nov. 1907 <> „-z.“, Musikleben in Wiesbaden, in: Neue Berliner Musikzeitung 19. Febr. 1874, S. [57]–58; 26. Febr. 1874, S. [65]–66 <> NZfM 13. Apr. 1860, 1. Febr. 1861, 13. Sept. 1861, 12. Dez. 1862, 22. Apr. 1864, 10. Febr. 1865, 17. Nov. 1865, 1. Dez. 1865, 6. Dez. 1867, 28. Okt. 1870, 27. Okt. 1871, 26. Jan. 1872, 12. Juni 1874, 10. Jan. 1880, 12. März 1880 u. ö.; Fremden-Blatt (Wien) 1. Okt. 1866; Neue Berliner Musikzeitung 13. Nov. 1867, 19. Okt. 1870, 10. Dez. 1874, 28. März 1877; Leipziger Zeitung 28. März 1872; Wiesbadener Tagblatt 3. Okt. 1872, 7. Jan. 1873, 1. Febr. 1873, 10. Febr. 1873, 6. März 1873, 24. Apr. 1873, 14. Febr. 1874 u. ö.; Musikalisches Wochenblatt 1. Nov. 1872, 20. Juni 1873, 10. Juli 1874 (Stellenausschreibung), 28. Juli 1877, 11. Jan. 1878, 29. Okt. 1880; Wiesbadener Bade-Blatt 24. Mai 1873, 6. Juni 1873 u. ö.; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 31. Jan. 1875 (2. Ausgabe), 29. Okt. 1878 (Morgenblatt): Didaskalia 7. Febr. 1875; Die Reform (Hamburg) 1. Juli 1882, 13. März 1887 u. ö.; Hamburgischer Correspondent 4. Sept. 1882, 13. Febr. 1886 u. ö.; Hamburger Fremdenblatt 31. Aug. 1886 u. ö.; Karlsruher Zeitung 25. Dez. 1890 <> Goby Eberhardt, Erinnerungen an bedeutende Männer unserer Epoche, Lübeck 1926, S. 32–33 (betr. Karl M.-B. in Hamburg)

Literatur — Danneberg 1949 <> Philipp Schweitzer, Kammermusik in Darmstadt, in: MittAGm 41 (1980), S. 5–16, hier S. 8 <> Art. Müller, Gebrüder, in: RiemannL 121961; Tully Potter, Art. Müller-Quartett, in: MGG2P (dort weitere Literatur-Angaben); Art. Karl Müller, in: GoltzL (teils fehlerhaft)

Abbildung: Programm des „Eröffnungs-Concerts“ in Wiesbaden unter der Leitung von Karl Müller-Berghaus am 7. Jan. 1873 (Ausschnitt) – natürlich mit seiner damals allbekannten Orchestrierung der 2. Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt; Wiesbadener Tagblatt 7. Jan. 1873


Axel Beer

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