mannsfeldt


MANNSFELDT, (GUSTAV) HERMANN * Zeitz (nicht Erfurt) 21. Jan. 1833 | † Bad Ems 3. Febr. 1892; Kapellmeister, Violinist, Komponist

Nach seiner musikalischen Ausbildung in Berlin war Hermann Mannsfeldt Konzertmeister in Königsberg (Kaliningrad) und Hamburg, ehe er 1858 die Leitung der Hünerfürst’schen Kapelle in Dresden übernahm. Von 1861 bis 1869 war er städtischer Musikdirektor in Chemnitz, von wo aus er mit einem 50 Mann starken Orchester nach Frankfurt/M. kam und dort, so eine Einschätzung in der Didaskalia (14. Okt. 1869), das Bedürfnis nach einer „großen selbständigen Kapelle für Symphonie- und Orchester-Aufführungen aller Art“ – einem dritten „auf eigenen Füßen stehende[n] Orchester“ neben dem des Theaters und der Militärkapelle Albert Parlows – befriedigte. Die Mannsfeld’sche Kapelle gab im Winter 1869/70 22 Konzerte, die mit einem zweiteiligen Programm das Spektrum von Symphonie bis Polka abdeckten und auch ‚moderne‘ Werke enthielten. Die Finanzierung der Musiker erwies sich aufgrund der verhältnismäßig geringen Konzertzahl als schwierig. Zu ihrem Benefiz spielten sie ein Extrakonzert mit Werken von Frankfurter Komponisten (u. a. Ignaz →Lachner, Georg Goltermann, Kaspar Jakob Bischoff, Ludwig Gellert, Friedrich Wilhelm Dietz, Julius Sachs, Mathilde von Rothschild, Wilhelm Matthias Mayer, Heinrich Meyer). Ein vereinbartes Engagement der Kapelle durch den Frankfurter Palmengarten im Herbst kam nicht zustande (Ludwig Stasny wurde Leiter des ersten ständigen Orchesters) – nachdem sie bei der Eröffnungsfeier im April 1870 gespielt hatte, folgte sie Rufen nach Baden-Baden und zur Industrieausstellung nach Kassel, wo sie im folgenden Winter in der Orangerie der Karlsaue spielte. Mannsfeldt schloss im Frühjahr 1871 einen Vertrag mit dem Dresdener Gewerbeverein und übernahm fortan jeden Winter bis 1884 die Konzerte im dortigen Gewerbehaus. Während der Sommer spielte die Kapelle in Pawlowsk (1871, 1872), Pirna, Kreuznach (1875–77, als Kurkapelle; auch bei Konzerten Gisbert Enzians), Kassel (1878), Warschau (1879), Hamburg-Altona (1880), Stockholm (1881), Amsterdam (1883 zur Internationalen Kolonial- und Exportausstellung) und im Dresdner Belvedere (1884–85, als Nachfolger Bernhard Gottlöbers). 1885 wurde Mannsfeldt Dirigent des Berliner Konzerthauses und erhielt den Titel eines königlichen Musikdirektors. Seit 1887 lebte er in Bad Ems und war dort bis 1891 als Kurkapellmeister tätig (als Nachfolger Julius Langenbachs und Vorgänger Julius Laubes). Mannsfeldt war seit 1860 verheiratet mit der Kaufmannstochter Marie Emilie geb. König (1837–1907). Die Tochter Frieda (Wilhelmine) (* Chemnitz 21. März 1863 | † (Dresden-) Blasewitz 7. Aug. 1882) trat als Harfenistin erstmals 1875 in Kreuznach an der Seite ihres Vaters auf und errang vor ihrem frühen Tod einige Bekanntheit in Dresden und Leipzig. Es besteht keine Verwandtschaft zum Komponisten Edgar Mannsfeldt (eig. Henry Hugo Pierson).

WerkeLebenslust-Galopp (Kl.) op. 1, Dresden: Friedel [1860] <> Zur Erinnerung an das Linke’sche Bad zu Dresden. Freundesgrüsse. Walzer (Kl.) op. 2, ebd. [1860] <> Die Leidenschaftlichen. Walzer (Kl.) op. 3, ebd. [1860] <> Ballet-Polka (Kl.) op. 4, ebd. [1860] <> Festgaben. Walzer (Kl.) op. 5, ebd. [1860] <> Jugendträume. Walzer (Kl.) op. 6, ebd. [1860] <> Louisen-Ländler (Kl.) op. 7, ebd. [1860] <> Hochzeitslieder. Walzer (Kl.) op. 7 [!], ebd. [1861] <> Zuleika-Polka (Kl.) op. 8, ebd. [1861] <> Moosrosen. Walzer (Kl.) op. 9, ebd. [1862] <> Louisen-Ländler (3 Vl., Va., Vc., B. bzw. Vl., Kl.) op. 11, ebd. [1860] <> Frühlingsblüthen. Galopp (Kl.) op. 16, ebd. [1862] <> Techniker-Vereins-Tänze. Walzer (Kl.) op. 18, Chemnitz: Conrad [1863] – dass., Köln: Tonger [1879] <> Fest-Marsch (Kl.) op. 19, Chemnitz: Conrad [1864] <> März-Veilchen-Polka (Kl.) op. 30, Potschappel: Bellmann & Co. [ca. 1870]; D-B <> Erinnerung an Tarasp. Walzer (Orch.) op. 33, Potschappel: Bellmann & Comp. [vor 1879]; D-Mbs <> Eintrachtsklänge. Walzer und Elisa-Polka – veröff. als Nr. 7–8 der Casseler Industrie-Ausstellungs-Tänze und Märsche (Kl.), Kassel: Luckhardt [1870] <> mehrere Arrangements zu Edmund Kretschmers Oper Heinrich der Löwe, Leipzig: Kistner [1878] <> postum veröffentlichte Werke: Kränchen-Polka (Kl.) op. 37, Wiesbaden: Sommer [1896] <> An der Victoria-Quelle. Walzer (Kl.) op. 38, ebd. [1896] <> Grüsse von der Lahn. Walzer op. 39, ebd. [1896] <> weitere bei Zänsler genannte und in Dresden aufgeführte Werke: Amoretten-Polka, Conföderations-Polka [1859], Clara-Polka, Einweihungs-Tänze [1859] (anlässlich des nach einem Brand neu errichteten Linckeschen Bads), Sirenenlieder. Walzer, Lebenslust. Galopp, Mein Lebewohl. Walzer [1871], Gruß an Dresden. Polka [1872], Huldigungs-Tänze. Walzer [1873]

Quellen — Standesamtsregister Dresden <> Adressbücher Dresden, Frankfurt <> Personenfonds Hermann Mannsfeldt; D-CHr <> Verleihung von Hofprädikaten Bd. 9; D-Dla (Best. 10711 Sign. Loc. 24 Nr. 18) <> Briefe an NN (Kreuznach 1876; D-B) und an Ludwig Schnorr von Carolsfeld (Chemnitz 1862; D-Dl); s. Kalliope <> Clara Schumann Briefwechsel mit Hermann Mannsfeldt 1862–1881, hrsg. von Annegret Rosenmüller, in: Schumann Briefedition Serie II, Bd. 16,2, Köln 2020, S. 1397–1402 <> Neuer Theater-Almanach für das Jahr 1893, S. 115 (Nekrolog) <> MMB <> Neue Berliner Musikzeitung 26. Febr. 1851, 5. Juni 1872, 3. Juni 1875, 1. Juli 1875, 1. Juni 1876, 10. Mai 1883, 11. Okt. 1883; Dresdner Nachrichten 30. Okt. 1858, 4. Nov. 1858, 6. Nov. 1858, 14. Nov. 1858 und passim; Süddeutsche Musik-Zeitung 17. Jan. 1859, 11. Nov. 1861; Signale für die musikalische Welt 12. Sept. 1861, 6. Dez. 1869, 1. Dez. 1870, 25. Apr. 1871, 4. Juli 1871, 18. Aug. 1871, 15. Sept. 1871, Nr. 30 (Apr.) 1879, Nr. 49 (Sept.) 1879, Nr. 31 (Apr.) 1887, Nr. 18 (Febr.) 1892; NZfM 4. Okt. 1861, 1. Aug. 1862, 13. Jan. 1865, 1. Jan. 1872, 1. Juni 1877, 9. Nov. 1877, 21. Mai 1880, 18. März 1881, 25. Aug. 1882, 5. Okt. 1883, 29. Mai 1885, 19. Juni 1885, 27. Nov. 1885; Didaskalia 14. Okt. 1869, 16. Okt. 1869, 2. Nov. 1869, 9. Nov. 1869, 19. Dez. 1869, 14. Jan. 1870, 22. Jan. 1870, 23. März 1870, 27. März 1870; Revue et Gazette musicale de Paris 16. Jan. 1870; Musikalisches Wochenblatt 21. Jan. 1870, 17. Juni 1870, 13. Jan. 1871, 11. Aug. 1876, 25. Aug. 1876, 23. Jan. 1880, 22. Dez. 1881, 7. Aug. 1883, 7. Mai 1885, 4. Juni 1886, 23. Aug. 1888, 10. Dez. 1891, 11. Febr. 182; Aschaffenburger Zeitung 10. Apr. 1870; Zweibrücker Tagblatt 10. Mai 1870; Emser Fremden-Liste 8. Aug. 1896

Referenzwerke und Literatur — Art. Mannsfeld, H., in: Moritz Rudolph, Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon, Riga 1890, S. 282 <> August Siebert, Der Palmengarten zu Frankfurt am Main, Frankfurt 1895, S. 9 <> Anneliese Zänsler, Die Dresdner Stadtmusik. Militärmusikkorps und Zivilkapellen im 19. Jahrhundert, Laaber 1996, S. 88–90, 174 <> Koch 2009 (hier stets irrtümlich als Heinrich M. bezeichnet) <> Michael Hofmeister, Alexander Ritter. Leben und Werk eines Komponisten zwischen Wagner und Strauss, Baden-Baden 2018 (= Frankfurter Wagner-Kontexte 1) <> Sabine Börchers, Der Palmengarten. Wo Frankfurts grünes Herz schlägt, Frankfurt 22021, S. 188–193 <> Freia Hoffmann, Art. Mannsfeldt, Frieda (Wilhelmine), in: Instrumentalistinnen-Lexikon (Sophie Drinker Institut) online


Kristina Krämer

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