Gleim (Familie)

(1) Johann Adam * Helba (heute zu Meiningen) 28. März 1794 | † Kreuznach 18. Febr. 1862; Lehrer

(2) (Ernestine) Henriette * Kreuznach 7. Sept. 1826 | † ebd. 22. Apr. 1895; Tochter von (1), Musiklehrerin

(3) Karoline (Friedericke) („Lina“) verh. Scharffenberg * Kreuznach 11. März 1829 | † ebd. 23. Okt. 1884; Tochter von (1), Pianistin und Musiklehrerin

(4) (Henriette Adeline Amalie) Hedwig geb. Scharffenberg, verh. Gausche * Kreuznach 12. Mai 1867 | † nicht vor 1918; Tochter von (3), Pianistin und Musiklehrerin


(1) Johann Adam Gleim war nach seinem Militärdienst in der österreichischen Armee zunächst Privatlehrer in Schaumburg (heute Ortsteil von Balduinstein) und wurde 1821 in das Kollegium des 1819 eröffneten Gymnasiums in Kreuznach aufgenommen, an welchem er Gesangsunterricht erteilte. Lutsch (s. Lit.) zufolge lehrte er zunächst nur in der Vorklasse und war seit deren Auflösung 1831 Schreib- und Rechenlehrer (letzteres nur bei den unteren Klassen) am Gymnasium und Lehrer an der Sonntagsschule; die Kirchenbucheinträge zwischen 1823 und 1834 bezeichnen ihn abwechselnd als Gymnasiallehrer und Gesanglehrer am Gymnasium. 1822 heiratete Gleim in Idstein die Hauptmannstochter Franziska Wilhelmine von Hayn (* Diez 1800). Aus gesundheitlichen Gründen wurde er Ende 1856 in den Ruhestand versetzt. Er ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kantor in Wolfhagen.

WerkeSammlung 3 und 4stimmiger Gesänge für die Morgenandacht des Königlichen Gymnasium zu Kreuznach bestimmt, Mainz: Schott [1823]; CH-C, D-B <> Hymne an das Vaterland (4 Sst.), [s. l.]; D-KNu <> Liedersammlung für die Morgen-Andacht der Königl. Preussischen Gymnasien, Bonn: Simrock [ca. 1828]; GB-Lbl

Quellen — KB Helba (ev.), KB Kreuznach (ev.), Zivilstandsregister Idstein <> Briefe an Schott (15, 1822–1840); D-Mbs <> Briefe von André in Offenbach an Gleim (4, 1825–1831); D-OF (Kopierbücher) <> Adreß-Buch für den Regierungsbezirk Coblenz 1826, 1836 <> Intelligenzblatt Nr. 3 zur AmZ 5. März 1828; Intelligenzblatt zur Cäcilia 1828 Nr. 29 <> Allgemeiner Anzeiger der Deutschen 2. März 1829 <> Kritischer Bericht über die seit 1820 herausgekommenen Liedersammlungen für Schulen, in: Eutonia, eine hauptsächlich pädagogische Musik-Zeitschrift, Bd. 3, Breslau 1830, hierzu S. 123f. <> HmL

Literatur — Otto Lutsch, Das Kreuznacher Gymnasium unter Eilers’ Direktion (1819–1833), Kreuznach 1903, S. 12f.


(2) Henriette Gleim ging als viertes von insgesamt sechs Kindern aus der Ehe von Johanna Adam Gleim hervor, wuchs aber als ältestes auf, da ihre Geschwister Hermann, Maria Ida und Friedrich Herrmann das erste Lebensjahr nicht überlebten. Sie war als Klavier- und Musiklehrerin in ihrer Vaterstadt tätig und blieb unverheiratet.

Quellen — KB Kreuznach (ev.) <> Adressbücher Kreuznach


(3) Lina Gleim studierte von 1847 bis 1849 am Leipziger Konservatorium Klavier, Violine, Theorie und Deklamation. Ihre Klavierlehrer urteilten in ihrem Zeugnis sehr unterschiedlich – während Ignaz Moscheles „wenig Fleiß und Ausdauer“ feststellt, berichtet Ernst Ferdinand Wenzel von „großer Gewissenhaftigkeit“ und „aufrichtige[r] Lernbegierde“ (Lehrer-Zeugnis, s. CARLA). Nach Abschluss ihres Studiums war sie in Kreuznach als Klavierlehrerin tätig und trat im Sommer 1850 bei einem Konzert des Musikvereins unter Friedrich Aller als Pianistin auf. 1865 heiratete sie den Pianisten und Hans von Bülow-Schüler Theodor Scharffenberg (* Schmiedehausen 3. Nov. 1839 | † Kreuznach 20. Nov. 1868; in den Kreuznacher Kirchenbüchern stets die Namensvariante „Scharfenberg“). Dieser war seit 1863 als Pianist insbesondere mit „historischen“ Konzertprogrammen (zusammengesetzt aus Stücken verschiedener Perioden von Bach bis Liszt) in deutschen Städten (Jena, Zeitz, Hildburghausen, Chemnitz, Gera, Freiberg in Schlesien, Zwickau) aufgetreten und 1864 nach Kreuznach gekommen. In der Region wirkte er 1864 und 1865 bei Konzerten im Mainzer Kunstverein unter Nikolaus Soltans (u. a. an der Seite von Ferdinand Pöpperl und Adam Cornelius Hom), 1865 beim Musikinstitut in Koblenz und 1865 sowie 1866 in Wiesbaden (u. a. Kurkonzert unter Béla Kéler) mit. In Kreuznach war er Leiter des Gemischten Chores und gab Konzertsoiréen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, an denen u. a. seine Ehefrau, Carl Grimm und Maximilian Wolff beteiligt waren. Bereits wenige Jahre nach der Eheschließung verstarb er an Schwindsucht. Seine Witwe Lina Scharffenberg war – an der Seite ihrer Schwester Henriette (2), die im Adressbuch unter der gleichen Adresse aufscheint – weiterhin als Musiklehrerin tätig. Zu ihren Schülerinnen zählte neben Tochter Hedwig (4) auch Johanna Tessendorf (* Kreuznach 15. Juni 1864), die ebenfalls am Leipziger Konservatorium studierte und später Musiklehrerin in Kreuznach wurde.

Quellen — KB Kreuznach (ev.) <> Caroline Julie Gleim, in: CARLA; Johanna Tessendorf, in: CARLA (abgerufen am 8. März 2026) <> Signale für die Musikalische Welt Nr. 1 (Jan.) 1849; NZfM 11. Jan. 1849, 15. Nov. 1850 <> Zu Theodor Scharffenberg: Neue Berliner Musikzeitung 14. Jan. 1863, 24. Febr. 1864, 11. Mai 1864, 22. Juni 1864, 21. Juni 1865; Signale für die Musikalische Welt 26. März 1863, 14. Mai 1863, 17. Nov. 1863, Nr. 1 (Jan.) 1865, 6. Okt. 1865, 9. Aug. 1866, Nr. 3 (Jan.) 1868, 20. März 1868, 22. Mai 1868; AmZ 8. Apr. 1863, 2. März 1864, 29. Juni 1864, 5. Juli 1865; NZfM 12. Febr. 1864, 25. März 1864, 24. Juni 1864, 5. Aug. 1864, 17. Aug. 1866; Mainzer Anzeiger 15. Apr. 1864, 31. März 1865; Süddeutsche Musik-Zeitung 18. Juli 1864, 8. Aug. 1864, 19. Juni 1865, 25. Sept. 1865; Wiesbadener Tagblatt 9. Juni 1865, 22. März 1866

Literatur — Koch 2009


(4) Hedwig Scharffenberg wurde von ihrer Mutter Lina (3) in den musikalischen Grundlagen ausgebildet und nahm im Dezember 1884, zwei Monate nach deren Tod, ein Studium am Leipziger Konservatorium auf, wo ihr Klavierlehrer Oscar Paul „[z]ur modernen Virtuosität […] sehr viel Talent“ (Lehrer-Zeugnis, s. CARLA) bescheinigte. Dort lernte sie den Sänger Hermann Gausche (* Leipzig 17. Mai 1866 | † Mannheim 21. Apr. 1923 [nicht 1932!]) kennen (Studium 1884–1886 sowie später in Frankfurt/M. privat unter Julius Stockhausen), den sie 1892 heiratete und mit dem sie bis 1908 in Kreuznach lebte: Während sie Musikunterricht erteilte und bei zahlreichen Vereinskonzerten als Klavierbegleiterin auftrat, betätigte er sich als Gesanglehrer, gefragter Konzertsänger (dies auch überregional, wobei ihn seine Frau gelegentlich begleitete) und Dirigent der Kreuznacher Liedertafel (1900–1908; als Nachfolger von Christ. Lucas und Vorgänger Josef Knettels). Mit dem Verein veranstaltete er häufiger Gemeinschaftskonzerte mit dem Kurorchester unter Heinrich Sauer. Bei ihrem Abschied aus Kreuznach wurde Hermann Gausche zum Ehrendirigenten und Hedwig Gausche-Scharffenberg zum Ehrenmitglied der Liedertafel ernannt. Nachdem Gausche bereits seit 1904 am Neuen Wiesbadener Konservatorium von Cäsar Hochstätter und seit 1906 am Wiesbadener Spangenberg-Konservatorium Gesangsunterricht erteilt hatte, wurde er 1908 von Hans Pfitzner an das Konservatorium in Straßburg berufen, wohin das Ehepaar übersiedelte. Er leitete dort abermals einen Männergesangverein; sie setzte ihre Auftritte als Klavierbegleiterin fort. Da beide 1914 unter verschiedenen Adressen in Straßburg lebten und möglicherweise getrennt oder geschieden waren, ist es fraglich, ob Hedwig Gausche-Scharffenberg ihn begleitete, als er 1920 an die Mannheimer Hochschule für Musik wechselte. In Hermann Gausches Sterbeeintrag ist als Ehefrau Emilie Levantine geb. Kuhne angegeben, die 1911 als seine Schülerin in Wiesbaden aufgetreten war und sich wiederum 1933 im Kreuznacher Adressbuch als Konzertsängerin (1937 dann als Pensionärin) wiederfindet.

Quellen — KB Kreuznach (ev.); Zivilstandsregister Straßburg; Standesamtsregister Mannheim <> Hedwig Scharffenberg, in: CARLA; Johannes Hermann Gausche, in: CARLA (abgerufen am 8. März 2026) <> Adressbücher Kreuznach, Wiesbaden, Straßburg und Mannheim <> Urtheile der deutschen Presse über Concertsänger H. Gausche. (Bariton); D-B (digital – gedruckte Beilage in einem Brief Fritz Volbachs an Ludwig Strecker, Charlottenburg 9. Mai 1891) <> Leipziger Tageblatt 16. Juli 1890, 25. März 1895, 26. Okt. 1895; Bonner Zeitung 7. Jan. 1896, 8. Jan. 1896; Kölnische Zeitung 18. Juli 1896, 28. Febr. 1902, 4. Nov. 1906; Deutscher Reichs-Anzeiger 29. Jan. 1895; Wiesbadener General-Anzeiger 14. Nov. 1905; Hagenauer Zeitung 6. Aug. 1915 <> Zu Hermann Gausche: Wiesbadener Tagblatt 1. März 1892, 6. Apr. 1892, 25. Nov. 1896, 1. Dez. 1896, 21. Jan. 1897, 19. Jan. 1900, 18. Sept. 1901, 19. Nov. 1904, 13. Nov. 1905, 4. Mai 1907, 12. März 1908, 13. Mai 1908, 2. Juni 1908, 14. Nov. 1908; Wiesbadener General-Anzeiger 29. Jan. 1897, 22. Febr. 1905, 24. Febr. 1905, 10. Nov. 1905, 1. Juni 1908, 5. Jan. 1911; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 22. Nov. 1897 (Abendbl.), 30. Nov. 1897 (Abendbl.), 14. Nov. 1899 (1. Morgenbl.), 2. März 1905 (3. Morgenbl.), 30. März 1905 (2. Morgenbl.), 27. Febr. 1907 (Abendbl.); Frankfurter Musik- und Theater-Zeitung 7. Juni 1907, 5. Juli 1907; Frankfurter Sänger-Zeitung 17. Juni 1908, 1. Juli 1909; Mannheimer General-Anzeiger 12. Mai 1920, 23. Apr. 1923 (Nekrolog); außerdem zahlreiche Nennungen in der musikalischen Presse

LiteraturFestbuch zur Feier des 25jährigen Bestehens des Männer-Gesang-Vereins Kreuznacher Liedertafel 1887–1912, Bad Kreuznach 1912 <> Koch 2009


Kristina Krämer