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KÜFFNER, JOSEPH * Würzburg 31. März 1776 | † ebd. 9. Sept. 1856; Violinist, Musikdirektor und Komponist

Abgesehen von vereinzelten Auslandsreisen (Paris 1825, Antwerpen und Brüssel 1829) und Abstechern nach Mainz, Wiesbaden und Darmstadt hielt sich Küffner, der einer ausgebreiteten fränkischen Musikerfamilie entstammte, zunächst als Violinist, dann als Militär- und Theatermusiker bzw. Musikdirektor der jeweiligen Hofkapellen, seit 1825 aber ohne feste Anstellung, zeitlebens in Würzburg auf. Hier erteilte er auch privaten Musikunterricht (Vl., Kl.) und veranstaltete gelegentlich Konzerte. Durch seine jeweils um 1810 angeknüpften Beziehungen zu André in Offenbach und Schott in Mainz, bei denen seine gedruckten Werke fast ausnahmslos, teils in mehreren Auflagen, erschienen, war er eng mit dem mittelrheinischen Raum verbunden. Den Forderungen seiner Verleger hinsichtlich zu wählender Form, Gattung und Besetzung unterwarf er sich hierbei mit auffälliger Bereitwilligkeit; so betonte er Johann Anton André gegenüber, der ihm bereits mehrfach Ratschläge in Sachen Tonsatz und Instrumentierung erteilt hatte, dass er bei seinem „schwachen Talente“ in allen Bereichen „alle Kräften [!] anwenden“ würde, um dessen „Wünschen zu entsprechen“ (Brief an André, Würzburg 13. Dez. 1824; vgl. hierzu Beer, S. 217–218). Nach dem Bruch mit André (1827) – dieser hatte ihn der Unterschlagung einer kleinen Geldsumme bezichtigt – wandte er sich Schott zu, der zuvor bereits etliche seiner Kompositionen herausgebracht hatte und die Reihe nun bis zur Opuszahl 334 fortsetzte, womit der Würzburger Musiker zum eigentlichen Hauskomponisten der Mainzer Firma im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts avancierte. Die persönliche Vertrautheit, die beide Seiten miteinander verband, zeigt sich in der beträchtlichen Zahl an Widmungen, die der Komponist einzelnen Familienmitgliedern gegenüber aussprach: Neben Adam Joseph Schott (1794–1864; s. Art. Schott), einem Bruder der Verleger Johann Andreas und Johann Joseph Schott sowie zeitweilig als Klarinettist Kollege des Komponisten in Würzburg (op. 21, 32 und 45), und Josephine (1810–1891), einer Tochter Johann Josephs (op. 135), war es vor allem deren Schwester Henriette (1815–1862), die sich seit 1830 gar über ein paar Dutzend von Favoritwalzern und Galopps freuen dürfte, die Küffner komponiert bzw. arrangiert und ihr zugedacht hatte – darunter so bemerkenswerte Werke wie Der Spinat-Jäger (Henke WoO 62; s. Abb.), Der Nonnenfopper (WoO 63) und Der Batzelippel (WoO 66).

Werke — Sinfonien, Ouvertüren, Konzerte, Militär- und Harmoniemusik, Kammermusik für unterschiedliche Besetzungen, Lehrwerke, Stücke für Git. bzw. Klavier; unter letzteren eine große Zahl von Favoritwalzern, Potpourris u. ä. über „das Ohr belustigende Stellen aus Opernwerken“ (Artistisch-literarische Blätter von und für Franken (Würzburg) 12. März 1808) u. a.; s. Henke Bd. 2 sowie Art. Küffner in MGG (Auswahl) <> Manuskripte (auch Autographe in D-B, D-Mbs, D-OF) s. RISMonline

Quellen und Referenzwerke — Über 350 Briefe an Schott in Mainz (1812–1852); D-B (teilweise digital, s. Kalliope) <> 32 Briefe an André (1817–1827) sowie Gegenbriefe (1812ff.); D-OF <> Artistisch-literarische Blätter von und für Franken (Würzburg) 12. März 1808 (darin: Art. Küffner) sowie zahlreiche weitere Notizen und Berichte in der Tagespresse der Region <> Kat. Schott 1900 <> Constapel 1998

Literatur — Matthias Henke, Joseph Küffner. Leben und Werk des Würzburger Musikers im Spiegel der Geschichte, 2 Bde. (Biographie und Werkverzeichnis), Tutzing 1985 <> Axel Beer, Musik zwischen Komponist, Verlag und Publikum. Die Rahmenbedingungen des Musikschaffens in Deutschland im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, Tutzing 2000 <> Matthias Henke, Art. Küffner in MGG2P

Abbildungen:

Sechs Taenze op. 3, Offenbach: André [1810/11]; D-KWbeer

Der Spinat-Jäger (Kl.), Nr. 363 der Reihe Favorit-Walzer, Mainz: Schott [1829/30]; D-Mbs (digital)

Nr. 6 der Walses et Galops aus Aubers Oper Le serment (Kl.), Mainz: Schott [1832/33]; D-KWbeer

Hörbeispiel: Joseph Küffner, Der Spinat-Jäger (Aufnahme von Kristina Krämer für das MMM2, August 2020)


Axel Beer

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  • Zuletzt geändert: 2020/09/29 17:16
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