KOHLHAAS (Familie)

(1) Johannes (genannt der Ältere) * Kiedrich 25. Juli 1691 | † Mainz 1757; Orgelbauer

(2) Johannes Christoph (genannt Johannes Kohlhaas der Jüngere) * Mainz 7. Febr. 1736 | † ebd. 27. Juni 1775; Sohn von (1), Orgelbauer

(3) Heinrich Konrad (auch: Henrich) * Mainz (?) um 1738 | † Mainz 29. Jan. 1815; Sohn (?) von (1), Orgelbauer


Die Mutter des älteren Johannes Kohlhaas (1), Maria Eva Keller, war eine Enkelin des Kiedricher Orgelbauers Johann Jakob →Keller. Kohlhaas erlernte sein Handwerk bei Johann Wendelin →Kirchner und Johann Jakob Dahm; nach dessen Tod am 10. Juli 1727 übernahm Kohlhaas dessen Amt als domkapitelscher Orgelmacher und damit den größten Teil der im Bistum Mainz anfallenden Orgelneubauten, darunter in der Mainzer Jesuitenkirche (um 1749) sowie im rheinhessischen Gabsheim (1724). Außerdem reparierte er die Orgeln im Mainzer Rochushospital (zwischen 1734 und 1747) und in St. Christoph (1742). Nachweisbar sind insgesamt 17 Orgelneubauten von Johannes Kohlhaas dem Älteren in Rheinhessen und im Rheingau; als einziges Instrument weitgehend erhalten geblieben ist die Orgel in Budenheim, St. Pankratius. Von den Instrumenten in Erbach (St. Markus, 1725), Nackenheim (St. Gereon, 1739; ursprünglich I/P/13) und Hattenheim (St. Vincentus, 1739–1740) existieren noch die Gehäuse. Zu seinen Schülern gehört vermutlich auch Matthäus Heilmann. Über das Leben seiner Söhne (2 und 3) ist kaum etwas bekannt.

Johannes Kohlhaas der Jüngere (2) reparierte die Orgel in den Mainzer Kirchen St. Emmeran (1762), St. Stephan (1764), St. Quintin (1772–1773) und St. Ignaz (1774–1775). Von ihm ist die Orgel in Ober-Saulheim erhalten, die 1765 für Bodenheim entstand, und ein Instrument von 1769 in Großwinternheim, das allerdings nicht fertiggestellt wurde. Außerdem erhalten sind die Gehäuse der Orgel in Undenheim (Mariä Himmelfahrt), die 1907 von Körfer (Gau-Algesheim) ersetzt wurde, und der Orgel, die 1772 für das Mainzer Armklarenkloster gebaut und 1807 in die Pfarrkirche St. Georg Nieder-Olm transloziert wurde (ersetzt 1911 durch ein Instrument von Körfer).

Heinrich Kohlhaas (3) ist nachweisbar bei Reparaturen, so etwa an den Mainzer Orgeln in St. Quintin (1772), St. Anselm und St. Christoph (1777), im St. Rochushospital (1777–1780) sowie im Mainzer Dom (1797–1800).

Quellen — KB Mainz

Werk (in Auswahl) — 1747 Budenheim, St. Pankratius (I/P/11);1834 durch den Mainzer Orgelbauer →Dreymann, 1932 durch den Frankfurter Orgelbauer Dülk umgebaut, 1988 (während der Nutzung der Pfarrkirche als Werkstatt von 1987 bis 2001 und ihrer bis 2009 erfolgten Restaurierung) abgebaut und nach der Restaurierung 1992 durch Vleugels (Hardheim) in Mainz 1992 als Teil der Ausstellung „Die Orgel als sakrales Kunstwerk“, ab 2003 in St. Quintin aufgebaut, 2010 nach Budenheim zurückgeführt <> 1765 Ober-Saulheim (ev.) (I/P/14); ursprünglich für Bodenheim entstanden und 1828 transloziert, 1964–1965 durch die Firma Hardt umgebaut und 2014–2015 von der Orgelbauwerkstatt Müller aus Merxheim restauriert <> 1769 Großwinternheim, St. Johannes Evangelist (II/P/23); 2011/12 von der Orgelbauwerkstatt Müller aus Merxheim restauriert und auf 26 Register erweitert.

Literatur — Bösken 1967 <> Fischer/Wohnhaas 1994 <> Michael Wagner, Der Kiedricher Orgelbauer Johannes Kohlhaas und seine Werke im Rheingau, in: Rheingau Forum Heft 1, Eltville 1997, S. 24–36 <> Achim Seip, Alte und neue Orgeln im Bistum Mainz, Mainz 2003 <> Hans-Joachim Stenger, Die Kohlhaas-Orgel von 1769, in: Die Kohlhaas-Orgel in St. Johannes Evangelist in Großwinternheim, Ingelheim 2012

Abbildung: Kohlhaas-Orgel, St. Pankratius (Budenheim), Fotographie von Carsten Costard mit freundlicher Genehmigung des Fördervereins St. Pankratius Budenheim e. V.


Birger Petersen

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
  • kohlhaas.txt
  • Zuletzt geändert: 2019/05/27 15:46
  • von kk