almenraeder


ALMENRÄDER, CARL (WILHELM) * Ronsdorf (bei Wuppertal) 3. Okt. 1786 | † Eberbach 14. Sept. 1843; Fagottist, Instrumentenbauer, Komponist

Carl Almenräder entstammte einer seit 1808 in Köln ansässigen Schul- und Musiklehrerfamilie; während seine jüngeren Brüder Heinrich (1790–1824) und Johann Jakob (1792–1867) 1813 dort eine Musikalienhandlung errichteten, fand Carl 1812 eine Anstellung als Solofagottist im Frankfurter Theaterorchester, die er bereits 1814 aufgab, um nach Köln zurückzukehren; hier wurde er 1815 Musikdirektor des 3. preußischen Landwehr-Regiments. 1816 übernahm er kurzzeitig die Leitung einer weiteren Militärkapelle in Mainz, bevor er im folgenden Jahr als erster Fagottist ins dortige Theaterorchester eintrat. Die Jahre 1820–1822 verbrachte er – als Lehrer, Orchestermusiker wie auch Mitarbeiter in der Firma seiner Brüder – erneut in Köln, bevor er im Oktober 1822 in die von Christian Rummel geleitete Herzoglich Nassauische Hofharmonie (seit 1829 Hofkapelle) in Biebrich aufgenommen wurde; die Anstellung hatte er bis zu seiner Pensionierung (1843) inne. Durch die 1817 in Mainz geknüpfte Bekanntschaft mit Gottfried Weber lernte Almenräder dessen Überlegungen zur Akustik der Blasinstrumente kennen und kam in Kontakt mit dem Haus Schott, in dessen Werkstatt er erste Versuche zur Verbesserung des Fagotts – die Ergebnisse ließ er 1822 publizieren – durchführen konnte. Gemeinsam mit Johann Adam →Heckel gründete er 1831 in Biebrich eine Fagott-Fabrik (sie besteht – mit erweitertem Angebot – als Wilhelm Heckel GmbH in Wiesbaden noch heute), aus der er aber bereits um die Mitte der 1830er Jahre ausschied. Außerdem war Almenräder als Berater, Korrektor und Arrangeur für Schott tätig.
Seine letzten Tage verbrachte Almenräder, der seit 1842 mehrere Schlaganfälle erlitten hatte, in der im ehemaligen Kloster Eberbach eingerichteten Irren- und Krankenanstalt. Anna Wilhelmina Almenräder (1799–1867), Carls jüngere Schwester und als Sopranistin im Kölner Musikleben oft präsent, war die Mutter von Max Bruch. Sein Sohn Ludwig (* Mainz 22. Jan. 1820) trat 1842 als Fagottist ins Wiesbadener Theaterorchester ein; er nahm 1843 die letzten Korrekturen der Fagottschule seines Vaters vor.

Werkemit Opuszahl: Pot-Pourri (Fag., Orch./Kl.) op. 3, Mainz: Schott [1824]; D-B, D-KA, D-Mbs (digital, s. Abb.) <> Introduction et Variations („Es eilen die Stunden des Lebens so schnell dahin“; Fag. mit Vl., Va., Vc.) op. 4; ebd. [1827]; D-B <> Introduction et Variations (Fag., Orch./Strq./Kl.) op. 6; Darmstadt: Alisky [1832]; Privatbesitz (Fassung Fag., Kl.) <> Deux Duettinos (2 Fag.) op. 8, Mainz: Schott [1832]; D-Mbs (Stichvorlage, verm. autogr.; digital) <> II Duos (2 Fag.) op. 10; ebd. [1820]; D-F, D-Mbs (Autograph) <> ohne Opuszahl: Lied „Kennst du es wohl“ (Sst., Kl./Git.), Mainz: Schott [1831]; D-B, D-Mbs (digital), GB-Lam <> Spinnerlied (Sst., Kl./Git.), ebd. [1831]; D-Mbs (digital) <> Lied Des Hauses letzte Stunde (Sst., Kl.), ebd. [1832]; A-Wn, A-Wst, CH-Bu, D-ALTbethmannhollweg, D-B, D-F, D-Hu, D-MZs, D-SPlb, D-TROshm, D-WIl – dass. „für die Guitare eingerichtet“ von Anton Foreit (Auswahl von Arien Nr. 307), ebd. [1832]; D-B, D-Mbs (digital) <> Lied Reiters Abschied (Sst., Kl.), in: Der Minnesänger. Musikalische Unterhaltungsblätter (Mainz: Schott) 3, 15. Febr. 1836, bzw. als Nr. 7 in Romanzen und Lieder für Clavier oder Guitare Begleitung aus der ersten Hälfte des dritten Jahrgangs des Minnesaengers, ebd.; A-Wn, D-Mbs (digital; Autograph ebd.: digital), GB-Lam – dass. mit Git.-Begl. von Anton Foreit <> Gesangsszene Gutenbergs Bild (Sst., Kl.), ebd. [1837]; D-Mbs (digital), D-MZs <> Lied Von der Lorelei (Sst., Kl.), in: Rhein-Sagen und Lieder. Eine Sammlung Romanzen, Balladen, Lieder und Volks-Melodien […], Bd. 1, Bonn: Dunst [1838]; D-B, D-SPlb (digital) <> L’illusion (2 Fag. bzw. 2 Vc.), ungedrucktes Manuskript (dat. 1830); D-Mbs <> Bearbeitungen: Cent Leçons (Fag., mit 2. Fag.) nach Justus Johann Friedrich Dotzauers Vc.-Übungen op. 123, 4 Teile, Mainz etc.: Schott [1834/35]; D-B, D-Mbs <> Moritz →Ganz’ 6 Pièces faciles en forme de Romances (Vc., Kl.) für Fag. u. Kl., ebd. [1838]; D-Mbs (Neuausgabe) <> Lehrwerke: Traité sur le perfectionnement du Basson avec deux tableaux par Charles Almenräder / Abhandlung über die Verbesserung des Fagotts nebst zwey Tabellen von Carl Almenraeder, Mainz: Schott [1822]; D-Bim, D-Mbs (Tabellen digital; handschr. Stichvorlage), US-AAu, US-IO, US-PHci (digital) <> Die Kunst des Fagottblasens oder vollständige theoretisch praktische Fagottschule von Carl Almenraeder / Méthode complète de Basson. Graduée progressivement depuis les premiers élémens jusqu’au plus haut degré de perfection par Charles Almenraeder, Mainz etc.: Schott [1843]; D-HVh, D-LEm, D-Mbs <> Ueber die Erhaltung der Fagottrohre, für Fagottisten sowohl, als auch für Oboisten und Clarinettisten, in: Cäcilia, eine Zeitschrift für die musikalische Welt 11 (1829), S. 58–62 <> Bemerkungen über Blasinstrumente mit Tonlöchern; insbesondere die Doppellöcher am Fagott betreffend, in: Cäcilia, eine Zeitschrift für die musikalische Welt 19 (1837), S. 77–87 <> verschollen: Die vor allem bei Schilling und im Nekrolog genannten ungedruckten Werke (insbes. Konzerte für Fag. bzw. andere Instrumente und Orchester) sind verschollen. Von der Fest-Cantate bei der Einweihung des neuen Tempels der g[erechten] u[nd] v[ollkommenen] St.-Joh.-[Loge] der vereinigten Freunde im O[rient] von Mainz den 28. September 5834 […] die Musik gesetzt von B[ruder] Almenräder, Mainz: Wirth [1834], ist nur das Textheft überliefert; D-MZs.

Quellen — Zivilstandsregister Mainz, Kirchenbücher Wiesbaden <> Akten in D-WIhha (Best. 130II, Nr. 6594, Best. 430/Nr. 261) <> Briefe Almenräders, seiner Frau und seines Sohns Ludwig an Schott in Mainz; s. Kalliope <> Ch[ristian] R[ummel], Nekrolog, in: Cäcilia 23 (1844), S. 136–138 <> weitere Quellen s. Rosemeyer 2002 und 2003

Literatur — SchillingE; Mendel/Reissmann <> Wulf Arlt, Art. Almenräder, in: RhM, Bd. 1 <> Ursula Kramer, Art. Almenräder, in: MGG2P <> Julia Rosemeyer, Carl Almenräder (1786–1843). Untersuchungen zu Leben und Schaffen, Magisterarbeit Mainz 2002, mschr. <> Dies., Carl Almenräder (1786–1843). Biografie und Vokalwerke eines mittelrheinischen Musikers, in: MittAGm 76/77 (2003), S. 317–358 <> James B. Kopp, The Bassoon, New Haven/London 2012 <> Axel Beer, Überlegungen zum Musikalienhandel und zum Musikverlagswesen in der preußischen Rheinprovinz bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Musik im preußischen Rheinland (1815–1918), hrsg. von Fabian Kolb und Yvonne Wasserloos, Berlin 2019, S. 251–272


Axel Beer

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