poppef


(1) (Ernst Heinrich) Adolf * Roda (Sachsen-Altenburg, heute Stadtroda, Thüringen) 9. Juni 1837 | † Offenbach an der Queich 7. Juli 1907; Orgelbauer

(2) (Ernst) Oskar (Adolf) * Roda 21. Mai 1873 | † Landau 28. März 1942; Sohn von (1), Orgelbauer

(3) Josef (Adolf) * Roda 11. Okt. 1879 | † Kirschweiler 4. Apr. 1967; Sohn von (1), Orgelbauer


Die erste Orgelbauwerkstatt der Familie Poppe – zum weiteren verwandtschaftlichen Umfeld gehörte vermutlich auch der Instrumentenmacher Reinhold Poppe – wurde 1757 in Roda von Johann Christian Poppe (1726–1781) gegründet. Über seinen Sohn Christian Friedrich I. (1751–1812) kam das Unternehmen in die Hände von dessen Sohn (Daniel) Adolph (1807–1885), dessen Söhne wiederum 1891 eine Neugründung vornahmen. Unter dem jüngeren der beiden, (Johann) Ernst (Karl) (1840–1931), und seinem Sohn, (Friedrich) Otto (1889–1945), existierte die Hauptfirma in Roda bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs; der ältere, Adolf (1), gründete 1891 einen Zweigbetrieb in Rheinsheim bei Germersheim, der unter dem Namen A. Poppe & Söhne ebenfalls bis um 1945 Bestand hatte. Als gleichwertige Gesellschafter fungierten seine beiden Söhne Oskar (2) und Josef (3). Der Betrieb wurde 1903 nach Knittelsheim und 1906 nach Offenbach an der Queich verlegt; die letzte Standortverlegung erfolgte im Dez. 1929 nach Landau. Dort fiel die Werkstatt am 16. März 1945 schweren Bombardierungen zum Opfer. – Zumindest vorübergehend war die Familie auch außermusikalisch produktiv: Am 2. Juli 1907 ließ man sich eine „Traubenschere mit angeschraubtem, verstellbarem Messer, welches zum Abschneiden der durch plattzangenartige Scherenglieder gehaltenen Trauben dient,“ patentieren (Deutscher Reichsanzeiger 25. Nov. 1907).

(1)


Adolf Poppe, der Gründer des pfälzischen Unternehmens, trug den Titel eines Sächsischen Hoforgelbaumeisters, mit dem er auch im KB Offenbach im Sterbeeintrag geführt wird. Er war verheiratet mit Toska (Amanda) Müller, mit der er neben den beiden Söhnen noch eine Tochter Helene Hedwig hatte, die 1895 in Echterdingen den aus Solingen stammenden Lehrer Hans Friedrich Rudolf Sesselmann heiratete. 1890, also nur kurze Zeit vor seinem Umzug in die Pfalz, meldete er eine pneumatische Windlade zum Patent an. 1904 trat er als Gesellschafter aus und fungierte nur noch als Prokurist; seine Prokura wurde bemerkenswerterweise erst 1929 gelöscht.

(2)


Zum Lebensweg Oskar Poppes ist kaum etwas bekannt. 1894 war er wohnhaft in Echterdingen und ließ sich ein Zeichenpapier mit Linien patentieren. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, allerdings wohl nur zwischen Januar (Vereidigung am 15.) und April 1917 in Lothringen (Bayer. Armierungs-Bataillon Nr. 15); zu diesem Zeitpunkt war er ledig. Dann wurde er freigestellt für die Arbeit im Unternehmen. Im Adressbuch Landau ist er (gemeinsam mit Bruder Josef) zuletzt 1935 als Orgelbaumeister verzeichnet.

(3)


Auch über Josef Poppe lässt sich nur wenig berichten. Er diente im Ersten Weltkrieg an der Ostfront bei der Feldartillerie (5. Bayer. Feldartillerie-Regiment, Landau); Diensteintritt war der 11. Nov. 1915. Am 27. März 1918 wurde er mit dem Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet und anschließend zu Stellungskämpfen (jetzt beim 6. Bayer. Feldartillerie-Regiment) ins Elsass versetzt, wo er in den letzten Kriegswochen durch wiederholtes Fernbleiben vom Dienst auffällig wurde, aber straffrei blieb. 1921 heiratete er in Lahr Ida Luise Göhring (* Lahr 11. Nov. 1886).

Werke (chronologisch; hier nur die in der Pfalz gebauten Instrumente; zu baulichen Details, Dispositionen etc. siehe u. a. Organ index und Organ Database (enthält auch Bauten der Familie in Thüringen)) — eigene Bauten: Flomersheim, Stephanuskirche (prot.), 1907 (II/P/9; vgl. Zeitschrift für Instrumentenbau 21. Apr. 1907); Umbau und Erweiterung um ein Cymbel-Register 1958 durch Fa. Oberlinger <> Schmalenberg, Prot. Kirche, 1907, im Gehäuse von Johann Georg Geib jun. (1837, I/P/9); Umbau durch Fa. Walcker 1954 (II/P/16) <> Bexbach-Höchen (Saarland), Ev. Kirche, 1910 (II/P/15), Umgestaltung 1922; Restaurierungen 1986 u. 2014 durch Fa. Hugo Mayer <> Kleinfischlingen, Prot. Kirche, 1911 (II/P/12), an Stelle eines alten Instruments von 1775; Restaurierung 1976 durch Werner Owart, Neubau im Gehäuse Poppes 1997 durch Gerhard Kuhn <> Trulben, St. Stephanus, 1911 (II/P/16); 1950 geringfügige Änderungen und neuer Prospekt von Paul Sattel <> Mehlingen, Prot. Kirche, 1912 (II/P/12); Umbau 1963 durch Paul Zimnol, Abbruch 1985 <> Oberlustadt, Apostelkirche, 1912 (II/P/15); 1969 abgebrochen <> Böbingen (Pfalz), Prot. Kirche, 1913, unter Verwendung des 1820 aus Neustadt (Weinstraße) übernommenen Gehäuses von Franz Seuffert (1804) <> Thaleischweiler, Prot. Kirche, 1914 (II/P/12), unter Verwendung des Gehäuses von Philipp (7) und Franz (9) Stumm (1787), 1954 Umbau durch Fa. Walcker <> Maxdorf, Prot. Kirche, 1914 <> Breunigweiler, Prot. Kirche, 1915 (I/P/5), in altem, 1873 nach Breunigweiler übernommenem Gehäuse aus dem 18. Jh. (Erbauer und urspr. Standort unbekannt); Renovierung 1955 durch Fa. Oberlinger <> Herxheim am Berg, St. Jakob, 1921 <> Grünstadt/Sausenheim, St. Peter, 1924 (II/9), 2003 ersetzt durch Neubau von Peter Ohlert <> Ungstein, Ev. Kirche, 1928, unter Verwendung des Gehäuses von Augustin Hartung (1738) <> Frankweiler, Prot. Kirche St. Georg, 1928, Umbau durch Fa. Owart 1972 <> Oberessingen, Prot. Kirche, 1930 (II/P/17), unter Verwendung des alten Gehäuses von Franz Bernhard Ignatius Seuffert (um 1830); Reparaturen durch Werner Owart 1986 und Gerhard Kuhn 2006 <> Bissersheim, Prot. Kirche, 1932 (II/P/10), unter Verwendung des Gehäuses und des Pedalregisters von Johann Peter Kampff (Worms 1770); Restaurierung 2015 durch Andreas J. Schiegnitz (Albsheim) <> Mühlhofen, Prot. Kirche, 1933 (II/P/11), Einweihung 14. Jan. 1934; Restaurierungen 1988, 2008 u. 2013/14 <> Minfeld, Ev. Kirche, 1934 (II/P/12), im alten Gehäuse von Johann Michael Hartung (um 1760), 1980 abgebaut und durch Rekonstruktion der Hartung-Orgel ersetzt <> Wollmesheim, Prot. Kirche, 1934 (II/P/7); 1960 renoviert und um zwei Register erweitert durch Fa. Oberlinger, 2002 abgebaut <> Ilbesheim bei Landau, Prot. Kirche, Neubau auf Basis des Instruments von Johann Carl Baumann (1782), 1936 (II/P/22); 1961 ersetzt durch ein Instrument der Fa. Oberlinger <> Reparaturen u. Umbauten von Instrumenten anderer Orgelbauer: Mörzheim, Prot. Kiche, Instandsetzung der Orgel von Franz Bernhard Ignatius Seuffert (1831), 1898 (II/P/24) <> Huttenheim, Pfarrkirche St. Peter, Reparatur 1899 <> Ottersheim, Pfarrkirche, Überholung 1901, neues pneumat. Werk 1911 <> Grünstadt, St. Peter, Reparatur und Erweiterung der von den Gebr. Stumm 1790 bzw. 1801 gebauten Orgel (I/P/5), 1902 (II/P/16) <> Mühlheim an der Eis, Prot. Kirche, Reparatur 1902 <> Albsheim, Prot. Kirche, Umbau der Orgel von Johann Valentin Senn (Seebach; 1730, I/P/8), 1903 <> Zeiskam bei Landau, Prot. Kirche, Umbau des 1843 von Louis Voit erbauten und 1877 von Gustav Schlimbach veränderten Instruments, 1912; Umbau durch Fa. Oberlinger, 1954; Abbau und Neubau 1998 unter Verwendung einzelner alter Register durch Fa. Heintz (III/P//33)

Quellen — KB Echterdingen, Offenbach an der Queich <> Kriegsranglisten und -stammrollen des Königreichs Bayern, 1914–1918 <> Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger 13. Okt. 1890, 27. Jan. 1903, 26. Jan. 1904, 20. Nov. 1906, 25. Nov. 1907, 5. Dez. 1929 <> Gewerbeblatt aus Württemberg 14. Juli 1894 <> Badischer Beobachter 14. Okt. 1899 <> Dürkheimer Beobachter 15. u. 17. März 1921 <> Zeitschrift für Instrumentenbau 21. Apr. 1907, 21. Okt. 1910, 21. Mai 1911, 11. Mai 1912, 1. Juni 1914 <> Varianten der abgebildeten Stellenausschreibung finden sich (teilweise mehrfach) u. a. in: Pfälzische Lehrerzeitung 1899, Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg 1910, Badische Presse 1911, 1912, Filder-Bote. Amts- und Anzeigeblatt für das Amts-Oberamt Stuttgart 1912, Zeitschrift für Instrumentenbau 1911, 1920, 1921, 1923, 1925, 1927, 1935, 1939, Riedlinger Zeitung 1925, Anzeiger vom Oberland 1925, Schussen-Bote. Amtsblatt des Gemeindebezirks Schussenried 1925 <> Adressbücher Landau 1933, 1935 <> Auf Anfrage teilte das Stadtarchiv Landau mit, dass dort kein Aktenmaterial zur Familie Poppe vorhanden ist (frdl. Mitteilung von Frau Christine Kohl-Langer, der wir auch die Kenntnis des Sterbedatums von Oskar Poppe (2) verdanken).

Literatur — zur Familiengeschichte und den Bauten in Thüringen: Hartmut Haupt, Orgeln in Nord- und Westthüringen, Bad Homburg 1998 <> Bernhard H. Bonkhoff, Historische Orgeln im Pirmasenser- und Zweibrücker Raum, in: Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land 1981, online (Aufruf: 23. Aug. 2026) <> Fritz Steegmüller, Ottersheim im Landkreis Germersheim. Ein Heimatbuch zur 1200-Jahrfeier des Dorfes im Jahre 1968, Landau 1967, S. 160 <> Bernhard H. Bonkhoff, Die Kirchen im Saar-Pfalz-Kreis, Saarbrücken 1987 <> ders. Die Orgeln des Kreises Kaiserslautern MittAGm 67/68 (1997), S. 315–388 <> ders. Die Orgeln des Landkreises Germersheim, MittAGm Juni 2013 (Sonderheft) <> Gemeindebrief der protest. Kirchengemeinden Ingenheim-Appenhofen und Billigheim-Mühlhofen, Aug./Sept. 2013

Abbildung: Stellenanzeige in: Badische Presse. Generalanzeiger der Residenz Karlsruhe und des Großherzogtums Baden 26. Apr. 1912


Bernd Krause

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  • Zuletzt geändert: 2026/10/07 18:30
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