lindlar


LINDLAR, FRANZ (Carl, auch Karl) * Obermenden (heute Gemeinde Menden im Stadtbezirk St. Augustin, Rhein-Sieg-Kreis) 3. Mai 1857 | † Koblenz 17. Febr. 1941; Organist, Chorleiter und Komponist

Bereits als 11jähringer vertrat Lindlar, über dessen Ausbildung sich bislang keine verlässlichen Hinweise finden ließen, den Organisten seines Heimatorts und wurde später dessen Nachfolger. Während seiner Militärdienstzeit in Koblenz seit 1879 gründete er zwei Soldatenchöre und übernahm nach seiner Entlassung die Leitung des Ehrenbreitsteiner Männerchors St. Helena. 1885 ließ er sich in Koblenz als Privat-Musiklehrer nieder und wurde Dirigent des Koblenzer Männergesangvereins Rheinland, den er zunächst bis 1889 (als Nachfolger von Franz Litterscheid) und in den Jahren 1906–1914 anführte; 1890 kam der Männerchor St. Castor hinzu. Im Juli 1892 wurde Lindlar Organist und Dirigent des Kirchenchors von St. Kastor in Koblenz. Darüberhinaus hatte er als Vorgänger von Willy Stollewerk seit 1898 kurzzeitig die Leitung des Männergesangvereins Oberlahnstein inne und seit 1902 die des Bendorfer Männer-Gesangvereins; im selben Jahr gründete er das Lindlar’sche Doppelquartett in Koblenz.

Mit seinen Gesangvereinen und seinen Kompositionen wie auch als Preisrichter bei Wettbewerben war Lindlar über etliche Jahre hinweg in der Öffentlichkeit der Region präsent. Zur Verbreitung seiner Chorwerke betrieb er seit etwa 1900 einen Selbstverlag in Koblenz, in dem auch seine zuvor bei Falckenberg erschienenen Kompositionen aufgingen; die Herstellung erfolgte bei Engelmann & Mühlberg in Leipzig. Mit seiner Ehefrau Helene geb. Gerz hatte Lindlar mehrere Söhne, die ebenfalls Musiker wurden: Franz (Carl Peter; * Koblenz 12. Febr. 1888 | † Köln 24. Jan. 1931), zunächst Chorleiter in Koblenz (Männergesangverein Viktoria 1906) und Mayen (Liedertafel 1912–1914), war seit 1914 Bassist am Kölner Opernhaus; Josef (Johannes; * Koblenz 30. Sept. 1890 | † Frankfurt/M. 17. Dez. 1953) wirkte als Sänger an den Opernhäusern Köln (1925), Leipzig (1927–1929), Düsseldorf (1931–1941) und ging nach dem Zweiten Weltkrieg an die Frankfurter Oper. Ob der Musikwissenschaftler Heinrich Lindlar (* Bergisch Gladbach 30. Sept. 1912 | † 23. März 2009) dem engeren Familienkreis angehörte, ist noch ungewiss.

Werke — (Männerchöre, wenn nicht anders angegeben) O, wärst doch mein („Schmuck Geschöpfli“), Schwäbisches Volkslied op. 17, Koblenz, Falckenberg [1889] <> „Mei Lieb isch wie e Rösle roth“, Schwäbisches Volkslied op. 18, ebd. [1889] <> Sängerfahrt („Kühlrauschend unter’m hellen, tiefblauen Himmelsdom) op. 19, ebd. [1889] <> Gut Heil! Turnfestgruss-Marsch (Kl.; Sst. ad lib.) op. 23, ebd. [1890]; D-B <> Das blauäugige Mädchen („Ich wandelte in Abendroth“) op. 27, Koblenz: Metzger [1892] (Köln: Ullrich in Kommission); D-B <> Beim Wein („Nehmt nur zu ernst das Leben nicht“) op. 28, ebd. [1892]; D-B <> Alaaf der köllsche Klaaf („Bereis’ mer och de ganze Welt“; Sst., Kl.) op. 29, Koblenz: Metzger [1892] <> Haasemann’s Abenteuer. Soloscene („Dass alles hier auf dieser Welt“; Sst., Kl.) op. 29[bis], Frankfurt: Firnberg [1899]; D-B <> Der Scheidungsschmaus. Sensations-Couplet („Ein Jüngling aus dem Kaufmannsstand“; Sst., Kl.) op. 29[ter], ebd. [1899]; D-B <> Drei Lieder („Jetzt grünt der Lenz in Busch und Dorn“, Beim Abschied vom Walde („O Thäler weit, o Höhen“), „An des Meeres Wogenschäumen“) opp. 30–32, Köln: Tonger [1893]; D-B <> Sangeskunst („Wir üben eine schöne Pflicht“) op. 33, Koblenz: Falckenberg [1896] – nach 1900 von Lindlar übernommen <> Am sonnigen Rhein („Wie glüht er im Glase“) op. 34, ebd. [1896] – nach 1900 von Lindlar übernommen <> Wandermuth („Und zieh’ ich in die Welt hinaus“) op. 35, Köln: Ullrich [1897/98]; D-B <> Zecherlied („Heute beim vollen Glas“) op. 36, Köln: Tonger [1897]; D-B <> Frühlings Einzug op. 36[bis], Koblenz: Selbstverlag [nach 1900] <> Deutsches Gebet („Laut klinge deutscher Männerchor“) op. 37, Koblenz: Falckenberg [1897] <> Mein Blümlein („Ich weiss ein Blümlein schön und licht“) op. 38, ebd. [1897] – nach 1900 von Lindlar übernommen <> Blauäugelein („Du bist im Strahlenkleide“) op. 39, ebd. [1897] – nach 1900 von Lindlar übernommen <> Maiennacht („Es ist erwacht mit Mondeszauber“) op. 40, ebd. [1897] – nach 1900 von Lindlar übernommen <> Im Mai („Im schönen Mai der Vöglein Lieder schallen“) op. 41, Köln: Ullrich [1897/98]; D-B <> Festgesang zur Einweihung de Provinzial-Denkmals Kaiser Wilhelms I. in Coblenz am deutschen Eck („Erschalle, Lied, in jubelnden Akkorden“) op. 42, Köln: Tonger [1898]; D-B <> Im Frühling („Nun grünt’s und blüht’s an allen Enden“) op. 45, Leipzig: Hug [1899]; D-B <> Am Feensee („O wunderbaren tiefes Schweigen“) op. 47, ebd. [1899]; D-B <> Bergmannstag („Ein schweres Loos ist uns beschieden“) op. 48, Koblenz: Falckenberg – nach 1900 von Lindlar übernommen <> O Frühlingszeit, o Lieb und Leid („Im Brautgewand der Blütenpracht“) op. 49, Leipzig: Siegel [1899] <> Am Brünnele („An dem Brünnele hab’ ich oft gelauscht“) op. 52, ebd. [1899]; D-B <> Geheimnis („Wo ich ein süsses Liebchen hab’“) op. 53, ebd. [1899]; D-B <> Junge Liebe („Du lachende Dirne“) op. 54, ebd. [1899]; D-B <> Mein Vaterland („Germania, mein Vaterland“) op. 55, Koblenz: Kraehmer [1900/01]; D-B <> Dem Vaterland („Das ist ein helles Wort“) op. 56, Koblenz: Selbstverlag [ca. 1900] <> Mein Mütterlein („Fern der Heimat denk’ ich stille“; Mch. bzw. Sst., Kl.) op. 57, ebd. [1900/1901]; D-B <> Abschied („Ich soll Lebwohl dir sagen“) op. 59, Godesberg: Ullrich [1902]; D-B <> Frühlings-Einzug op. 60, Koblenz: Falckenberg [? 1897]; D-B – vielleicht identisch mit op. 36[bis] <> An die Heimat („Wie könntest du vergessen sein“) op. 61, Koblenz: Selbstverlag [ca. 1901/02] <> Am grünen Rhein („Herrlich ist’s am grünen Rhein“) op. 63, ebd. [ca. 1901/02] <> Am Kamin („Am Herde, beim flackernden Flammenschein“) op. 64, ebd. [ca. 1901/02] <> „Hoch das Banner, deutsches Lied“ op. 66, Koblenz: Kraehmer [1901]; D-B <> Auf der grünen Haid’ („Will ich Vöglein singen hören“) op. 67, Koblenz: Selbstverlag [ca. 1901/04] <> Wonneträume („Die Röslein blüh’n in schönster Pracht“) op. 68, ebd. [ca. 1901/04] <> „Freude ist ins Land gezogen“/ op. 69, ebd. [ca. 1901/04] <> Das Blümlein („Blümlein schlummert auf der Wiese“) op. 70, ebd. [ca. 1901/04]; D-Kbeer <> „Es zog der Maienwind zu Thal“ op. 71, ebd. [ca. 1901/04] <> Rheinlied („An dem Rhein ist jeder Zecher“) op. 72, ebd. [ca. 1901/04] <> Der Jungfrau Leid und Freude („Mein Lieb hat mich verlassen“) op. 73, ebd. [ca. 1901/04] <> Die Krone im Rhein („Von ihrer hohen Warte“) op. 74, ebd. [ca. 1901/04] <> Der Töne Wunderblume („Verflog der Kindheit stilles Träumen“) op. 76, ebd. [ca. 1901/04] <> Mutterseelen allein („Es blickt so still der Mond mich an“) op. 77, ebd. [ca. 1901/04] <> Ewig liebe Heimat („Deine Wälder hör’ ich rauschen“) op. 78, ebd. [ca. 1901/04]; D-Kbeer <> Mein Liesel („So herzig wie mein Liesel“) op. 79, ebd. [ca. 1901/04] <> Ein Lied dem Liebchen („Für dich, mein Lieb, mit Rosenduft“) op. 80, Münster: Tormann [1904/05]; D-B <> Liebe im Frühling („Im Kämmerchen vom Herzen“) op. 81, ebd. [1904/05]; D-B <> Wanderfreude („Wandern, das ist uns’re Freud’“) op. 82, Koblenz: Selbstverlag [ca. 1904/05] <> Festgruss („Lasset laut den Ruf erschallen“) op. 83, ebd. [ca. 1904/05] <> Frühling zieht ins Land hinein („Sonnenleuchten geht über grüne Au’“) op. 84, ebd. [ca. 1905/07] <> Ade („Noch einmal wand’re ich den Pfad“) op. 85, ebd. [ca. 1905/07] <> Mein liebes Heimatland („Wo im Sonnenbrand die Berge glüh’n“; komponiert zur Goldenen Hochzeit von Großherzog Friedrich I. von Baden (20. Sept. 1906)) op. 86, ebd. [1906/07]; D-KA (Abschrift) <> O Traum der Liebe („Wenn Rosen blüh’n“) op. 87, ebd. [1906/10] <> Am Rhein und beim Wein („Den schönsten Strom im deutschen Land“) op. 88, ebd. [1906/10] <> An’s Vaterland („Von des Rheines Strand“) op. 89, ebd. [1906/10] <> An den Rhein („Des Deutschen Stolz, o du herrlicher Rhein“) op. 90, ebd. [1906/10] <> Im Banne der Liebe („Ein knapprundes Mieder“) op. 91, ebd. [1906/10] <> Das Vaterhaus („Umrankt von Rosen“) op. 92, ebd. [1906/10] <> Müllerliebchen op. 93, ebd. [nicht vor 1911] <> Maienwald op. 94, ebd. [nicht vor 1911] <> Im Walde op. 96, ebd. [nicht vor 1911] <> Rheinische Mädchen op. 97, ebd. [nicht vor 1911] <> Mein Koblenz op. 106 (gew. der Stadt Koblenz anlässlich seines 50. Künstlerjubiläums), ebd. [wohl 1929]; D-KBsta <> Wenn im Thal die Linde blüht op. 118, ebd. [? um 1930] <> Drei lustige Burschen op. 124, ebd. [? um 1930]

Quellen — Adressbücher Koblenz <> Programmhefte zu Chorkonzerten in Koblenz; D-KBsta (KH 49 und KH 51) <> Festbuch zum Wettstreite Deutscher Männer-Gesangvereine am 29., 30. Juni und 1. Juli 1889 in Coblenz, Koblenz 1889 <> Gut Heil. Fest-Zeitung. XVIII. Mittelrhein. Turnfest in Coblenz 1890 Nr. 1–5 <> Festbuch zur 50jährigen Jubelfeier des […] Männergesangvereins „Concordia“ in Coblenz am 26., 27. und 28. Juni 1897, Koblenz 1897 <> Fest-Buch zum Wettstreit deutscher Männer-Chöre am 6., 7. und 8. Juli 1907 veranstaltet zur Feier des 25jähreigen Bestehens [des Bendorfer Männer-Gesang-Vereins], Bendorf 1907 <> Fest-Buch zu der 40jährigen Jubel-Feier des Männergesang-Vereins „Oberlahnstein“ verbunden mit Wettstreit Deutscher Männer-Gesang-Vereine am 5. und 6. Juli 1903 in Oberlahnstein, Oberlahnstein 1903 <> Franz Lindlar †, in: Kölner Lokal-Anzeiger 26. Jan. 1931 <> Franz Lindlar †, in: Kölnische Zeitung 26. Jan. 1931 <> Wir gratulieren [Franz Lindlar zum 80. Geburtstag], in: Koblenzer Volkszeitung 1./2. Mai 1937 <> Signale für die musikalische Welt 12. Mai 1937 <> [Nekrolog] in: Kölnische Zeitung 24. Febr. 1941 <> MMB; Pazdírek <> Ernst Challier’s grosser Männergesang-Katalog, Gießen 1900 (mit Nachträgen bis 1905) <> Frau Judith Höhn-Engers (Stadtarchiv Koblenz) herzlichen Dank für ihre Mitteilungen!

Abbildung 1: Franz Lindlar nach einer Fotographie, Koblenzer Volkszeitung 1./2. Mai 1937

Abbildung 2: Sammeltitel der im Selbstverlag erschienenen Männerchöre, erstmals verm. 1900 verwendet und in den Folgejahren (bis etwa 1904/05) ergänzt; D-Kbeer


Axel Beer (unter Benutzung von Vorarbeiten von Uwe Baur †)

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  • Zuletzt geändert: 2023/12/20 20:04
  • von kk