Richard Liese
LIESE, (FRIEDRICH WILHELM) RICHARD * Gottow (bei Luckenwalde, Brandenburg) 18. Jan. 1859 | † Kirn 13. Juli 1930; Lehrer
Liese schlug, dem Berufsweg seines Vaters (August Franz) Adolph Liese (* ca. 1830 | † Kreuznach 10. Okt. 1905) folgend, eine Lehrerlaufbahn ein. Die entsprechende Ausbildung erhielt er wahrscheinlich an der Präparandenanstalt in Simmern, wo sein Vater Seminarlehrer und seit 1876 Kreis-Schulinspektor für den Bezirk Koblenz war. 1879 wurde Richard Liese als „Schulamts-Candidat“ aus Simmern zum zweiten Lehrer der Volksschule in Niederbieber (bei Neuwied) ernannt und 1884 in dieser Position bestätigt, bevor er 1886 Lehrer an der Simultanschule in Kirn wurde. 1897 wechselte er als Vorschullehrer (seit 1912 regulärer Lehrer) zur Oberrealschule in Hanau, an der er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1924 verblieb (in den Hanauer Adressbüchern ist er noch bis 1930 geführt). Zu den von Liese gelehrten Fächern gehören Singen und Chorgesang. Bereits während seiner Kirner Zeit gab er eine Liedersammlung zur Nutzung an Schulen heraus (s. Werke); seine wenigen Kompositionen entstanden anlassbezogen – zur Hundertjahrfeier der Hanauer Oberrealschule (op. 5) und zum Amtsjubiläum seines Vaters (op. 4). Die Korrespondenz mit André in Offenbach, der den Psalm 121 op. 4 publizieren sollte, zeigt den in diesem Fall ausgesprochen zähen Prozess, bis Liese den Druck in Händen halten konnte. So war nicht nur eine Überreichung zum besagten Jubiläum des Vaters am 1. Mai 1901 nicht möglich (Liese hatte das Werk allerdings auch erst im April vorgelegt), sondern auch nicht zum folgenden Weihnachtsfest oder zum Gebrauch beim Lehrergesangsfest an Pfingsten 1902 (zu dem sich u. a. der befreundete Karl Becker angekündigt hatte), sodass Liese am 16. Nov. 1902 an den Verlag schrieb: „Sie haben meine Composition wohl ganz vergessen. Von Tag zu Tag warte ich, doch vergeblich.“ Erst im Februar 1905[!] meldete er schließlich den Erhalt des Drucks und veranlasste zudem die Anfertigung zweier Vorzugs-Exemplare für Großherzog Ernst Ludwig, da der Psalm 121 Gegenstand einer Ansprache bei dessen Trauungsfeierlichkeiten gewesen war (vgl. Brief Lieses vom 3. Febr. 1905; D-OF). Richard Liese war seit 1888 verheiratet mit Christine geb. Franzmann. Sein Bruder (Friedrich Wilhelm Carl) Ernst Liese (* Iserlohn 23. Dez. 1870 | † Wiesbaden 21. Mai 1951) war ebenfalls im Schulwesen tätig und zuletzt Oberregierungs- und Schulrat (a. D).
Werke — „Lobet den Herrn, ihr Lande“ (Hymnus zum Ernstedankfest) (gem. Chor), in: Geistliches Chor-Album. Eine Sammlung religiöser Gesänge für Kirchenchöre und höhere Schulen hrsg. von August Stern, Neuwied/Leipzig: Heuser 1886; ehem. D-B – 3. Aufl., ebd. [1900]; ehem. D-B – 4. Aufl. ebd. [1904]; D-B – 5. Aufl., Neuwied/Leipzig: L. Heuser Witwe [1914]; D-B <> (als Hrsg.:) Für Kaiser und Reich. 24 Lieder zur Feier vaterländischer Gedenktage für Volks-, höhere Töchter- und Knabenschulen, Neuwied: Heuser 1890; ehem. D-B – 2. Aufl. erweitert zu: Für Kaiser und Reich. 30 Lieder zur Feier vaterländischer Gedenktage op. 2, ebd. 1904; ehem. D-B <> Psalm 121 „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ (Sst., Kl./Org.; „Meinem Lieben Vater zum fünfzigjährigen Amtsjubiläum gewidmet“) op. 4, Offenbach: André [1905]; D-B, D-OF (Herstellungsakte) <> Lobe den Herrn, meine Seele! Motette (gem. Chor) op. 5, Hameln: H. Oppenheimer [1914]; D-B
Quellen — KB Schöneweide; KB Kirn (ev.) <> Lehrer-Personalbogen; D-Bbf (Archiv) (Nr. 145359 digital) <> Personalakten Hanau; D-MGs (152 Acc. 1938/10, 1027), D-HANsta (C 3, 95) <> Jahresberichte der Hanauer Oberrealschule <> Briefe an André in Offenbach; D-OF <> Briefe an Vandenhoeck & Ruprecht; D-B <> Adressbücher Hanau <> Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Coblenz 30. Okt. 1879, 21. Febr. 1884, 21. Mai 1886; Tägliche Rundschau (Berlin) 14. Okt. 1905; Deutscher Reichsanzeiger und Königlich Preußischer Staatsanzeiger 12. Apr. 1913 <> MMB
Abbildung: Titelseite des Psalms 121 op. 4 (Probedruck); D-OF
Kristina Krämer