kahl


(1) Johann Gottlob * Uichteritz (heute Ortsteil von Weißenfels, Burgenlandkreis) 8. Mai 1819 | † Frankfurt/M. 30. März 1881; Militär- und Orchestermusiker, Musiklehrer

(2) Ferdinand (Friedrich) * Mainz 27. Sept. 1846 | † Frankfurt/M. 7. Okt. 1917; Sänger, Musiklehrer, Komponist

Es besteht keine nähere Verwandtschaft zu dem zeitweise im Wiesbadener Theaterorchester angestellten Violinisten Heinrich Kahl (1839–1892) aus München.


(1) Johann Gottlob Kahl, Sohn eines Gastwirts, kam als Hautboist im 35. Infanterie-Regiment nach Mainz. Dort heiratete er 1843 – mit seinem Hautboisten-Kollegen Gottlob Herbicht als einem der Trauzeugen – die Jägerstochter (Auguste) Emilie geb. Schröder (* (Mainz-) Bretzenheim (nicht Oberwesel) 19. Jan. 1817 | † Frankfurt/M. 28. Juli 1900). Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen lediglich Ferdinand (2) einen musikalischen Beruf ergriff. 1850 verließ Johann Gottlob Kahl den Militärdienst und wurde als Hornist Mitglied des Frankfurter Theater-Orchesters unter Louis Schindelmeißer. Daneben erteilte er Musikunterricht.

Quellen und Referenzwerke — KB Uichteritz (ev); Zivilstandsregister Mainz; Standesamtsregister Frankfurt <> Adressbücher Frankfurt <> Frankfurter Theater-Almanache


(2) Ferdinand Kahl, der seine beiden Vornamen den Hautboisten Ferdinand Frischmuth und Friedrich Fulsche aus dem 35. Inf.-Rgt. verdankte, wuchs in Frankfurt/M. auf. Über seine musikalische Ausbildung, an der sicherlich sein Vater (1) beteiligt war, sind keine Details bekannt. Von 1871 bis 1873 war Kahl Dirigent der Frankfurter Liedertafel (als Nachfolger Carl D’Esters und Vorgänger von Theodor Kalbhenn), trat daneben als Konzertsänger in Frankfurt und außerhalb (u. a. 1872 in Büdingen, 1879 in Alzey und 1892 in Lübeck) auf und erteilte privat Musik- und Gesangsunterricht. 1884 trat er, nachdem durch den Weggang Julius Knieses der Posten frei geworden war, als Lehrer für Chor- und Sologesang in das Kollegium der Frankfurter Musikschule ein und war dort bis zu seinem Lebensende angestellt. Seine Tätigkeit als Chorleiter setzte er an der Weißfrauenkirche sowie in Bockenheim beim Kirchen-Chor der evangelischen Gemeinde (1891–1893) und dem gemischten Chor Harmonie Bockenheim (1894–1903) fort. Kahl war seit 1887 mit der Professorentochter Susanna Maria geb. Schmidt (* Frankfurt/M. 2. Nov. 1864 | † Gießen 1944) verheiratet (zu den Trauzeugen gehörte Heinrich Henkel), die später gelegentlich als Sängerin – auch an der Seite der gemeinsamen Tochter Elisabeth Louisa Gertrud (* Frankfurt/M. 3. Okt. 1892 | † Bad Homburg 19. Nov. 1983) auftrat. Häufigere Aufführung erfuhr das als Kooperation mit der Schriftstellerin Sophie Soemmerring (1838–1920) entstandene Lied Gebet in Kriegsnöten (s. Werke), dessen Erlös für wohltätige Zwecke gespendet wurde. Auch Kahls Liederalbum war – insbesondere für eine in Kommission veröffentlichte Ausgabe – recht erfolgreich, was ein Brief an André zeigt, mit dem Kahl nach dem zugehörigen Druckfehler-Verzeichnis fragt, das er „an die 140 Käufer des Albums“ senden wollte (Brief vom 5. Juni 1904).

WerkeZwei Klavierstücke (Nocturne, Impromptu; Fräulein Clotilde Koch gew.) op. 14, Offenbach: André ]1876]; D-OF <> Sonate (Kl., Vl.) op. 24; ungedruckt (aufgef. Frankfurt in Konz. des Tonkünstlervereins Leyerkasten von Kahl und Heinrich Wolff im Nov. 1882) <> „Ich sah Dich einmal“ (Sst., Kl.) op. 39, Frankfurt: Henkel [1879] <> 6 Lieder (Sst., Kl.) op. 48, Offenbach: André [1888]; CH-Zz, D-OF (nur Herstellungsakte) <> [30] Ausgewählte Lieder und Gesänge (Sst., Kl.), Frankfurt: Selbstverlag (C. A. André in Komm.) [1902]; D-BNba <> Gebet. (auch als Trauungsgesang.) (Sst., Kl./Org.; Georg Heberer gew.) op. 79, Offenbach: André [1909]; D-B, D-OF (mit Herstellungsakte) <> Gebet in Kriegsnöten (Sst., Kl./Org.; Text von Sophie Soemmerring), [Frankfurt: Selbstverlag] [1914]; D-F (Nachlass Soemmerring) <> als Textdichter: Trauungslied mit Benutzung der Arie „Caro mio ben“ von Tommaso Giordani (Text von Ferd. Kahl) einger. von Gustav Blasser (Sst., Org./Harm., Vl./Va.), Offenbach: André [1908]; D-B, D-OF (mit Herstellungsakte) <> Recitativ & Arie aus der Oper „Xerxes“ (bekannt unter dem Namen Largo) von G. F. Händel. Als Trauungslied bearb. von Carl Heinrich Hartmann (Text von Ferd. Kahl; Sst., Org. bzw. Sst., Harm., Vl. ad lib.), ebd. [1908]; D-B, D-OF

Quellen und Referenzwerke — Zivilstandsregister Mainz; Standesamtsregister Frankfurt <> Adressbücher Frankfurt <> Briefe an André in Offenbach; D-OF <> Akte zu privatem Musikunterricht; D-Fsa (Best. A.40.01, Nr. 5634) <> MMB <> Frankfurter evangelisch-lutherischer Kirchen-Kalender 1896, S. 44 <> Musikalisches Wochenblatt 6. Dez. 1872, 24. Jan. 1879, 14. Dez. 1882; NZfM 13. Dez. 1872; Didaskalia 21. Apr. 1875; Frankfurter Zeitung und Handelsblatt 17. Mai 1878 (Morgenblatt), 4. Febr. 1880 (Morgenbl.), 6. Febr. 1880 (Morgenbl.), 9. Apr. 1884 (Abendbl.), 1. Dez. 1884, 30. März 1885 (Abendbl.), 29. März 1894 (2. Morgenbl.), 15. Nov. 1909 (Abendbl.), 13. Sept. 1910 (3. Morgenbl.), 30. Sept. 1914 (Abendbl.), 22. Okt. 1914 (Abendbl.), 20. Febr. 1915 (2. Morgenbl.), 16. März 1915 (2. Morgenbl.), 5. Febr. 1916 (2. Morgenbl.); Signale für die Musikaliche Welt Nr. 45 (Sept.) 1879 (Anzeige als Konzertsänger), Nr. 70 (Dez.) 1892; Centralblatt für Instrumentalmusik, Solo- und Chorgesang 20. Jan. 1895, 28. Apr. 1895; Der Klavier-Lehrer 15. Mai 1896; Kleine Presse (Frankfurt) 30. Sept. 1914, 6. März 1915, 29. Okt. 1915; Bockenheimer Anzeiger (5. Nov. 1914); Frankfurter Nachrichten und Intelligenz-Blatt 8. Okt. 1917 (Morgen-Ausg.) (private Todesanzeige)

Abbildung: Ferdinand Kahl, Photographie (Digitalisat aus D-F, Portraitsammlung Manskopf)


Kristina Krämer

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