deurer


DEURER, ERNST (HERMANN FRIEDRICH WILHELM) * Heidelberg (nicht Gießen) 12. Mai 1846 | † Heppenheim 6. Apr. 1912; Pianist, Komponist

Ernst Deurers Vater war der in Gießen und Heidelberg dozierende Jurist Prof. Viktor Friedrich Wilhelm Deurer (* Kandern (Baden) 26. Juli 1812 | † Darmstadt 31. Juli 1873); die musikalische Ader erbte er von seiner Mutter, Sophia Elisabeth Barbara Wilhelmine geb. Kayser (Schwester des Philologen und AmZ-Autoren Karl Ludwig →Kayser), die ihm das Klavierspielen vermittelte, indem sie ihm daheim Sonaten vortrug, die der Knabe im Alter von fünf Jahren nachzuspielen begann. Schon bald begann er, eigene Stücke zu komponieren (angeblich teilweise sogar ohne dabei das Klavier zu verwenden), und 1856 bekam er dann auch regulären Unterricht (Klavier, Geige). Im Mai 1857 trat er mit einigen seiner eigenen Kompositionen in Marburg öffentlich auf und machte sich damit, als Wunderkind gepriesen, schlagartig einen Namen: Bis nach Wien drang die Kunde von seinem Talent.

1860 erkor ihn die Mannheimer Mozart-Stiftung zu ihrem (bis dahin fünften) Stipendiaten; er wurde bis 1864 von Vincenz Lachner betreut und trat am 25. Juni 1863 beim Festkonzert zum 25-jährigen Bestehen der Stiftung auf, wo er die Aufführung seiner Lieder op. 11 am Klavier begleitete. Parallel dazu besuchte er 1863–1864 als Gast das Großherzogliche Lyceum in Mannheim. Im Herbst 1864 zog er nach Frankfurt/M. „zur ferneren Ausbildung“ (Gollmick) in Form von (vermutlich privatem) Klavierunterricht bei Johannes Schoch, der besonderen Wert auf die Verbesserung seiner Spieltechnik legte. Weitere Auftritte als Pianist sind zu verzeichnen in Gießen (März 1866) mit eigenen Liedern und dem Vortrag eines Klavierkonzerts von Ignaz Moscheles sowie in Tübingen am 10. Jan. 1870 mit seiner Sonate Des-Dur op. 8,2. Um 1868 ließ er sich in Heidelberg als Lehrer nieder und bot privat Klavier- und Harmonielehreunterricht an. Wenig später stellte er seine Aktivitäten vollständig ein. Dafür dürften zunehmende gesundheitliche Probleme verantwortlich gewesen sein: 1870–1874, 1877 und schließlich von 1879 bis zu seinem Tod befand er sich in der Heil- und Pflegeanstalt zu Heppenheim in stationärer Behandlung. Die Medikation mit Opium lässt auf eine mit starken Schmerzen verbundene Erkrankung schließen. Sein offizieller Wohnsitz war zuletzt Darmstadt; er starb ledig.

Werke — Von den Kompositionen aus der Kinderzeit fehlen jegliche Nachweise; möglicherweise sind Teile davon in den gedruckten Werken aufgegangen. Bis auf wenige Ausnahmen, im Folgenden explizit angegeben, erschienen sämtliche Kompositionen Deurers in Leipzig bei Robert Seitz, dessen Verlag 1879 an Franz Ries in Dresden überging. – Im Einzelnen: 6 Lieder (Sst., Kl.; 1. Erwartung, 2. Abendreihn, 3. Frühling und Liebe, 4. „Verschließ dich nur, du seltsam Kind“, 5. Am Abend, 6. Morgenlied) op. 1, Vinzenz Lachner gewidmet, Mainz: Schott [1865]; D-B, D-Cl (digital) <> Zehn Phantasiestücke (Kl.) op. 2, 2 Hefte, [1868, 1876] – Übernahme Dresden: Ries; D-B, D-KNh <> Trois Pièces (Vc., Kl.; Scherzando, Elegie, Rondo) op. 3, [1868]; D-B <> Klaviertrio op. 4, [1868], UA Mannheim 1869; D-B, D-Dl, D-F, D-Mbs (digital) <> 3 Märsche (Kl. 4ms) op. 5, [1870]; D-B <> Sonate (Vl., Kl.) op. 6, [1870]; D-Hs <> Moments lyriques (Kl.) op. 7, [1870] – Übernahme Dresden: Ries; D-B <> 2 Sonaten (Kl.) op. 8, [1870]; D-B, D-Sl <> Deutscher Triumphmarsch (Kl.) op. 9, [1871]; D-B, D-CO <> Sonate (Kl. 4ms) op. 10, [1871] <> 3 Lieder auf Texte von Goethe (S, Kl.) op. 11, „Frau Rentmeister Hilger hochachtungsvoll zugeeignet“ (Mignon, Der König in Thule, Nähe des Geliebten), [1871]; D-B <> Sonate (Vl., Kl.) op. 12, [1871]; D-B <> All-Deutschland für immer, Hymne („Gerettet, gerettet das Vaterland“) o. op., Fassung für Mch., [1871] – Fassung für Sst., Kl., [1871]; D-B <> Schnaken-Lied (Sst., Kl.; Text vom Vater) o. op., Leipzig: J. H. Zimmermann [nach 1886]; D-B

Quellen — KB Heiliggeistkirche Heidelberg <> Personenstandsregister Heppenheim (Sterbeurkunde 1912) <> Karl Grün, Musik und Kultur. Festrede zur Jubelfeier der Mozartstiftung (25. Juni 1863), Frankfurt: Auffarth 1863, S. 10 <> Programme des Großherzoglichen Lyceums zu Mannheim 1863 u. 1864 <> Patientenakte, 1880–1912 (Aufenthalte und Behandlungen in Heppenheim); Kassel, Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (Best. K 14 Nr. 3612) <> Catalog des Musikalien-Verlages von Robert Seitz in Leipzig, 1870; Haupt-Catalog des Musikalien-Verlages von Robert Seitz, Grossherzoglich-Sächsische Hofmusikalienhandlung in Leipzig und Weimar, Erster Nachtrag, Februar 1872 <> [Michael Kelly], Memoiren eines Opernsängers. IX. Coblenz, in AmZ 3. Aug. 1881 <> Carl Engel, // Zusammenstellung der Faust-Schriften vom 16. Jahrhundert bis Mitte 1884, Oldenburg 1885, S. 412 (Eintrag 161) <> Pazdírek, HmL, MMB <> Nachweise in der Fach- und Tagespresse (Auswahl): zum „Wunderkind-Auftritt“ in Marburg 1857 u. a.: //Innsbrucker Nachrichten 13. Juli 1857, Würzburger Anzeiger 15. Juli 1857, Die Neue Zeit. Olmüzer Zeitung 16. Juli 1857, NZfM 17. Juli 1857, Blätter für Musik, Theater und Kunst (Wien) 17. Juli 1857 <> Berliner Musikzeitung 7. Nov. 1860 <> Feuilleton der Neuen Frankfurter Zeitung 9. Nov. 1861, 21. Juni 1863 <> Süddeutsche Musik-Zeitung 23. Nov. 1863 <> Frankfurter Reform 19. Apr. 1863, 10. Nov. 1865 <> Signale für die musikalische Welt 16. März 1866, Jan. 1869 (Nr. 7) <> Amz 27. Mai 1868, 9. Febr. 1870 <> Fremdenblatt für die Stadt Heidelberg 25. Aug. 1868, 1. Sept. 1868 <> S. B., Neue Compositionen von Ernst Deurer (Rezension der opp. 5–8), in: AmZ 3. Aug. 1870 <> Rezensionen in Musikalisches Wochenblatt 1. Sept. 1871 (op. 12, von A. Maczewski), 29. Sept. 1871 (op. 11, von A. M. = vmtl. erneut A. Maczewski), 16. Aug. 1872 (op. 10, von H. St.) <> Werbeanzeigen des Verlags Seitz, Leipzig, in Signale für die musikalische Welt 1870 u. 1871, Musikalisches Wochenblatt 1876 <> Pazdírek nennt noch: Der Pilgrim von St. Just (Sst, Kl.), Mainz: Schott, o. J.

Literatur – ViottaL <> Mendel/Reissmann <> Max Steuer, Musikalisches Conversations-Lexicon, Bd. 1: //Lebensbeschreibungen, Berlin 1881, S. 32f. <> GollmickB, Bd. 3, S. 26 <> Georg Eggeling, Tonkünstler-Lexikon, Quedlinburg 1899, S. 59 <> Frank/Altmann 121926


Bernd Krause

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