bausch


BAUSCH, LUDWIG (CHRISTIAN AUGUST) * Naumburg/Saale 15. Jan. 1805 | † Leipzig 26. Mai 1871; Instrumentenmacher

Wäre nicht bekannt, dass die Redewendung „in Bausch und Bogen“ ursprünglich aus dem Bereich des Grundstückshandels stammt und dort die nur grobe („pauschale“), also Aus- bzw. Einbuchtungen von natürlich bedingten Grenzlinien nicht berücksichtigende Verrechnung bezeichnet, so könnte man sie durchaus mit dem Geigenbauer Ludwig Bausch in Verbindung bringen; der machte sich nämlich vor allem mit der Herstellung von Streichbögen einen Namen. Vorübergehend tat er dies auch in Wiesbaden, wo er – die Motivation bleibt unklar – zum 1. Nov. 1861 Wohnsitz und Werkstatt bezog, und zwar im nah an der Stadtmitte gelegenen Haus Kapellenstraße 4 (nicht weit von ihm wohnten mehrere Musiker, also potenzielle Kunden, unter ihnen, in Haus Nr. 5, Kapellmeister Wilhelm Bärwolf); er avancierte damit zum ersten Geigen- und Bogenmacher vor Ort und wurde zum Herzoglich Nassauischen Hofinstrumentenmacher ernannt. Besonders erfolgreich war er hier allerdings nicht, so dass er bereits ein Jahr später seinen Wegzug beschloss – bemerkenswerterweise ohne sein Mobiliar, das er im Januar 1863 zum Verkauf an Meistbietende feilbot, darunter Schränke und Kommoden, mehrere Tische, zwölf (!) mit Leder bezogene Stühle, einen Ofen samt Rohr, diverse Gerätschaften sowie eine Hobelbank (Bekanntmachung im Wiesbadener Tagblatt 31. Dez. 1862, 5. Jan. 1863).

Sein übriges Leben verbrachte der Instrumentenmacher – in Bausch und Bogen betrachtet – in Sachsen. Er war das erstgeborene Kind des Schirrmeistersohns und Fouriers im Infanterie-Regiment Prinz Xaver (Sachsen), Johann Carl Christian Bausch, und der aus Lübbenau stammenden Johanne (Anne) Margarethe Damaschke, Tochter eines Schneiders. Seine Ausbildung absolvierte er 1818–1822 bei Hofinstrumentenmacher Johann Benjamin Fritzsche in Dresden, wo er sich 1825 selbständig machte. 1828 zog er nach Dessau, 1839 nach Leipzig, wo ihn Louis Spohr beratend unterstützte. Bei der Dresdner Ausstellung der Königlich Sächsischen Akademie der Künste 1840 stellte er mehrere reich verzierte Bögen aus und wurde mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Er experimentierte auch – erfolglos – mit Stegen mit drei Füßen.

Ludwig Bausch hatte zwei Söhne, die ebenfalls Geigenbauer waren. Der ältere, (Karl Friedrich) Ludwig jun. (* Dessau 10. Nov. 1829 | † Papstdorf (bei Dresden) 7. Apr. 1871), wirkte nach der Lehre bei seinem Vater zunächst für einige Jahre in New York, ließ sich dann aber 1860 als selbständiger Geigenbauer in Leipzig nieder. Als Vater Ludwig nach Wiesbaden zog, übernahm Sohn Ludwig sein Geschäft, das nun als Ludw. Bausch & Sohn geführt wurde. Nach seinem Tod (während eines Kuraufenthalts) übernahm es der jüngere Bruder Otto (Julius; * Leipzig 6. Aug. 1841 | † ebd. 30. Dez. 1875), der angeblich noch bei Johannes Kornelius Vauchel in die Lehre gegangen sein soll (vgl. Lütgendorff, Haase u. a.; wahrscheinlicher ist, dass er bei dessen Mitarbeiter Johann Reiter (1834–1899) in der bis 1865 betriebenen Wanderschule lernte). Von 1875 an führte Adolf (Wilhelm Eduard) Paulus (1843–1899, Schüler von Ludwig Bausch jun.), seit 1860 im Betrieb tätig, das Geschäft unter dem bestehenden Namen weiter, bis sein Sohn Adolf (1874–1948) es 1908 auflöste.

Werke — Instrumente: Ludwig Bausch baute Streichinstrumente und Gitarren. Bekannt sind: Violine mit Zettel „Ludewig Bausch in Neustadt Dresden Ao 1820 [!] No. 6“ (nach der Umschrift bei Lütgendorff); Verbleib unbekannt <> Violine mit Zettel „Ludwig Bausch Instrumentenmacher in Dresden Ao 1825 No. 3“, Zettel abgebildet bei Jalovec <> Terzgitarre, 1825, beschrieben bei Lütgendorff, Umschrift des Zettels bei Haase; D-Bk (Sammlung Fritz Wildhagen) <> Bögen (meistens auf der Unterseite des Froschs mit Blindstempel „Bausch, Leipzig“ versehen): Streichbogen für Viola, o. J.; D-Bk <> Beschreibung von 6 Geigen- und 1 Cellobogen in: Rare Bows for Violin, Viola, Violoncello by Makers of the Eighteenth and Nineteenth Centuries, Wurlitzer Company, New York u. a. 1931, S. 37 <> Nachweis von 6 Geigen- und 3 Cellobögen aus Versteigerungen zwischen 2002 und 2024 bei Tarisio (Stand: 30. Sept. 2026) <> Instrumente und Bögen von Ludwig Bausch jun.: Violine, „Ludovicus Bausch filius fecit Lipsiæ anno 1860 [Monogramm]“ (Umschrift Lütgendorff); Verbleib unbekannt <> Viola, undatiert, versteigert 1988 bei Tarisio <> ca. 65 Bögen (Vl., Va., Vc.), versteigert 1984–2023 bei Tarisio (Stand: 30. Sept. 2026) <> Instrumente und Bögen von Otto Bausch: Violine, „Otto Bausch, filius Luovici sen: et frater Ludovici jun: fecit Lipsiae Ao. 1873 [Monogramm: Kreuz mit Initialien]“ (Umschrift Lütgendorff bzw. Jalovec); Verbleib unbekannt <> Violine, mit gleichem Zettel, aber datiert 1878 (Abbildung Zettel bei Jalovec); Verbleib unbekannt <> 4 Violinen (davon 3 verkauft), 1 Tenor-Viola, 1 Geigenbogen, zur Versteigerung angeboten bei Tarisio

Quellen — KB St. Wenzel Naumburg <> Adressbuch Wiesbaden 1862/63 <> Bürger- und Gewerbeakte, D-Dsta <> Verzeichniss der zu der dießjährigen Ausstellung eingesendeten Gewerbserzeugnisse, Dresden 1840, S. 49f. <> Henri Panofka, Die neuen Violinen von Ludwig Bausch in Leipzig, in: Signale für die musikalische Welt Mai 1849 <> Wiesbadener Tagblatt 27. Juli, 5. u. 9. Nov. 1861, 31. Dez. 1862, 5. Jan. 1863 <> Brief von Ludwig Bausch jun. an Joseph Joachim, 8. Okt. 1858 (siehe Kalliope) <> (kurze) Nachrufe auf Ludwig Bausch sen.: Signale für die musikalische Welt 30. Mai 1871, Musikalisches Wochenblatt 2. Juni 1871, NZfM 2. Juni 1871, Deutsche Warte 1871; auf Ludwig Bausch jun.: Musikalisches Wochenblatt 14. Apr. 1871 u. a.; auf Otto Bausch ebd. 22. Jan. 1875 u. a. <> N. N., Der Geigenbogen, seine Entwicklung und seine Meister (Fortsetzung eines mehrteiligen Beitrags), in: Zeitschrift für Instrumentenbau 21. Apr. 1902 <> Anzeigen, Meldungen, Erwähnungen etc. in: AmZ, NZfM, Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler, Signale für die musikalische Welt, Zeitschrift für Instrumentenbau u. a.

Literatur (Lexikonartikel nur in Auswahl) — Mendel/Reissmann <> C[ecie] Stainer A Dictionary of Violin Makers, London 1890, S. 8 <> Paul Otto Apian-Bennewitz, Die Geige, der Geigenbau und die Bogenverfertigung, Weimar 1892, Bd. 1, S. 359 <> BakerB 11900, 21905, 31919 <> Herm[ann] Aug[ust] Drögemeyer, Die Geige, Berlin <sup> 3</sup>1903, S. 261 <> Lütgendorff 31904, S. 38, 31922, Bd. 1, S. 212 u. ö., Bd. 2, S. 35 <> Henri Poidras, Critical & Documentary Dictionary of Violin Makers Old and Modern, Rouen 1928, S. 158 <> Joseph Roda, Bows for Musical Instruments of the Violin Family, Chicago (Illinois) 1959, S. 125–127 <> William Henley, Universal Dictionary of Violin and Bow Makers, Bd. 1, Brighton (Sussex) 1960, S. 92 <> Karel Jalovec, Encyclopedia of Violin-makers, Bd. 1, London 1968, S. 132f. <> Tobias Haase, Art. Ludwig Bausch, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (online, mit weiteren Hinweisen; Stand: 18. Mai 2009, Aufruf: 2. Okt. 2026)

Abbildung 1: Ludwig Bausch sen., nach einem Pastellbild von 1858, in: Zeitschrift für Instrumentenbau 21. Apr. 1902

Abbildung 2: Geschäftsanzeige im Wiesbadener Tagblatt vom 5. Nov. 1861 (textgleich: ebd. 9. Nov. 1861 sowie in der Süddeutschen Musik-Zeitung 11., 18. u. 25. Nov. 1861)


Bernd Krause

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