stiastny

STIASTNY (ŠT’ASTNÝ, STASTNÝ, STIASI, STIASNY u. a.), JOHANN NEPOMUK (FRANTIŠEK, FRANZ, JAN, JEAN, JOSEPH) * Prag zwischen Apr. 1771 und März 1772 | † Frankfurt/M. 31. März 1825; Cellist, Komponist

Johann Nepomuk Stiastny entstammte einer in Wittingau (heute: Třeboň, Tschechien) beheimateten, später in Prag ansässigen Musikerfamilie. Sein Vater Johann (Jan) Stiastny (vgl. GerberATL) erteilte ihm und seinem älteren Bruder Bernhard Wenzel (Prag um 1760–1835) den ersten Musikunterricht. Während Bernhard Wenzel später im Prager Theaterorchester Cello spielte und als Professor am dortigen Konservatorium wirkte, trat Johann Nepomuk 1789 als Cellist der Kurmainzer Hofkapelle bei und erhielt am 20. März seine Aufnahmeurkunde. Am 11. Mai 1792 heiratete er in Mainz-Marienborn Maria Ursula Jacobi (1768–1816), Tochter des verstorbenen Kurmainzer Vizekonzertmeisters Gottfried Dominik Jacobi und Schwester des Hofviolinisten Konrad Jacobi. Zwischen Mai 1792 und Dez. 1805 wurden in der Mainzer Pfarrei St. Emmeran sieben Kinder getauft (genaue Angaben, s. MMM1, Bd. 2). Als Taufpaten gewann Stiastny unter anderen die Hofmusiker Udalrikus Baldenecker, Heinrich Anton Hoffmann und den Geigenbauer Johann Diehl. Obwohl Stiastny am Kurmainzer Hof, der 1797 nach Aschaffenburg verlegt wurde, bis 1801 nachweisbar ist, kam er der kurfürstlichen Aufforderung, dorthin überzusiedeln, offensichtlich nicht nach. Zur Vermeidung einer Gehaltskürzung gab er zwar am 13. Apr. 1799 im Mainzischen Dekadenblatt an, er sei „gesonnen, samt Familie von [Mainz-]Kastel abzureisen“, löste jedoch seine Mainzer Wohnung (Langgasse) frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 1806 auf. Von Mai bis August 1806 ist er in Elberfeld nachweisbar, von wo aus er den Druck seiner Sonaten op. 2 betreute. Wie der Taufeintrag seiner jüngsten Tochter Maria Magdalena beweist (16. Dez. 1807, Dompfarrei Frankfurt/M.), wohnte er spätestens ab dieser Zeit als Theatermusiker in Frankfurt. Als Carl Theodor von Dalberg 1810 zum Fürstprimas und Großherzog von Frankfurt ernannt wurde, wurde Stiastny Violoncelle de S. A. R. le grand Duc de Frankfort. Diesen Titel behielt er bis zur Auflösung der großherzoglichen Kapelle im Jahre 1813. Parallel zu dieser Tätigkeit blieb er bis zu seinem Tod Cellist im Frankfurter Theaterorchester (vgl. AmZ 4. Juli 1810). Von Mainz und Frankfurt aus unternahm er Konzertreisen nach London und Paris, wo er vorübergehend am Konservatorium unterrichtet haben dürfte. Die Widmungsträger seiner Werke op. 3, 7, 8, 9 und 10 geben Hinweise auf die Datierung dieser Reisen: Der Aufenthalt in Paris fiel demnach in die Zeit der zweiten Beurlaubung der Kurmainzer Hofkapelle, die Englandreise muss nach der Auflösung des großherzoglichen Orchesters erfolgt sein. Dass Stiastny im Jahre 1800 Mitglied des Theaterorchesters in Prag, anschließend Musikdirektor in Nürnberg gewesen sei und 1826 seinen Wohnsitz nach Mannheim verlegt hätte (so u. a. MGG2P), ist nicht zu belegen: Der Cellist im Prager Theaterorchester war vielmehr Stiastnys Bruder Bernhard Wenzel, und Hofmusikus Maximilian Stiastny, der sechste Sohn von Johann Nepomuk, hatte in Nürnberg ein Cellokonzert gegeben und war 1826 nach Mannheim übergesiedelt, wo er 1876 starb.

Werke — 6 Duos (2 Vc.; Widmung an seinen Bruder Bernhard Stiastny) op. 1 (Liv. 1 und 2), Mainz: Zulehner [1805/06 und 1811]; s. RISM S 6374 – Nachdruck (Liv. 1) Paris: Imbault [1807/11]; s. RISM S 6375; Titelauflage hiervon Paris: Janet & Cotelle [nach 1812]; s. RISM S 6376 <> 2 Sonates (2 Vc.) op. 2, Bonn: Simrock [1806]; s. RISM S 6377 <> Divertimento (Vc. Principale, Va., Kb.; „dedié aux Elèves du Conservatoire de Musique de Paris“) op. 3, Eltville: Zulehner [ca. 1813]; s. RISM S 6379, D-Mbs (s. Abb.) – Übernahme Mainz: Schott [ab 1814]; s. RISM S 6378 – Nachdruck Paris: Frey; s. RISM SS 6379a <> 12 Pieces faciles et progressives (Vc., Kb.) op. 4, Bonn: Simrock [1814]; s. RISM S 6380 – Nachdruck Paris: Janet & Cotelle; s. RISM S 6381 <> 6 Pièces faciles (Vc., Kb.) op. 5, Bonn: Simrock [1815]; s. RISM S 6382 und S 6383 – Nachdrucke Paris: Janet & Cotelle [ca. 1820]; s. RISM S 6384; London: The Regent’s Harmonic Institution [nicht vor 1824]; GB-Lbl <> 3 Duos (2 Vc. Concertans) op. 6, Bonn-Köln: Simrock [ca. 1816]; s. RISM S 6385 und S 6386 – Nachdruck Paris: Janet & Cotelle [ca. 1820]; s. RISM S 6387 <> Concertino (Vc. principal, Fl., 2 Va., Vc., Kb.) op. 7, Bonn-Köln: Simrock [1817]; s. RISM S 6389 <> 3 Duos concertans (2 Vc.) op. 8, Bonn-Köln: Simrock [1819]; s. RISM S 6390 – Nachdruck Paris: Janet & Cotelle [ca. 1820]; s. RISM S 6391 <> 6 Pieces faciles (Vc., Kb.) op. 9, Leipzig: Peters [1821]; s. RISM S 6393 – Nachdruck Paris: Janet & Cotelle [ca. 1823]; s. RISM S 6392; Paris: Richault [ca. 1829] <> Andante et Variations (Vc. solo, Fl., 2 Vl., Va., Vc.) op. 10, Bonn-Köln: Simrock [1821]; s. RISM S 6393a <> 6 Solos (Vc., Kb.) op.11, Mainz: Schott [1821]; s. RISM SS 6393aa – Neuausgabe ebd. [ca. 1874]; D-B <> Variations et Rondo (Vc. solo, 2 Vl., Va., Vc.) op. 12, Leipzig: Peters [1822]; s. RISM SS 6393c – Nachdruck London: Royal Harmonic Institution; s. RISM S 6393b <> Grand Trio (Vc., Va., Kb.) op. 13, London: Welsh & Hawes; handschr. Partitur in: D-Dl. – Zur handschriftlichen Überlieferung insgesamt (zumeist Abschriften von Druckausgaben) s. RISMonline

Quellen und Referenzwerke — KB Frankfurt/M., Mainz, Mainz-Marienborn <> Kur-Mainzischer Staats- Hof- und Staatskalender […], 1790–1797 <> Mainzisches Dekadenblatt 13. Apr. 1799 <> Briefe an Simrock, Mainz 1806, Elberfeld 1806, Frankfurt 1815; D-BNsa, Signatur: SN 157, Schott 1825 (für Simrock und Schott s. Kalliope); Nachlass Musikverlag Simrock Nr. 179 und 180 <> Senats-Supplikationen 229/32, Nachlassakten, Sign. 1825, 2173; D-Fsa <> AmZ (s. Reg.) <> Wegweiser der Stadt und Gemeinde Mainz […], Mainz 1801<> Staatskalender des Großherzogtums Frankfurt 1812 <> Familienchronik (1882) von Charles Joseph de Greck (1863–1886, Urenkel von J. N. St.) (Willem B. Stern, Basel) <> HmL

Literatur — GerberATL u. NTL <> FétisB <> Mendel/Reissmann <> Dlabacž <> SchillingE <> EitnerQ <> GollmickB, Teil 1 <> Oscar Teuber, Geschichte des Prager Theaters. Erster Theil, Prag 1883 <> Johann Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag, Prag 1911 <> Pazdírek <> Schweickert 1938 <> Gottron 1959 <> Peter Kertz, Das Nürnberger Nationaltheater 1799–1833, Nürnberg 1960 <> Milan Poštolka, Art. Stiastny in: MGG1 <> Hubert Unverricht, Geschichte des Streichtrios, Tutzing 1969 <> Egmont Michels, Heinrich Anton Hoffmann. Leben und Werk, Mainz 1972 (= BzmM 13) <> Ders., Die Streichduos von J. N. S., in: MittAGm 31 (1975), S. 115–124 <> Ders., Art. Stiastny in: MMM1, Bd. 2 <> Michels 1995 <> Milan Poštolka, in: NGroveD <> Undine Wagner, Art. Stiastny, in: MGG2P <> Erich Staab, Mainzer Musiker in Verzeichnissen der Munizipalverwaltung Mainz, in: MittAGm Nr. 87 (2013), S. 26–43


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