schwachhofer

SCHWACHHOFER (Schwachhoffer, Schwachhöffer, Schwachofen, Schwaghoffer) (Familie)

(1) Johann Ignaz * Ort (vielleicht irgendwo im bayerischen Voralpenland) und Datum (um 1680) unbekannt | begr. Mainz 17. Febr. 1774; Bruder von (2) und (3), Violinist

(2) Johann Andreas (I) * Ort und Datum unbekannt | begr. Mainz 8. Okt. 1748; Bruder von (1) und (3), Violinist

(3) Johann Anton * Ort und Datum unbekannt | begr. Mainz 10. Okt. 1760; Bruder von (1) und (2), Violinist

(4) Johann Joseph * Ort und Datum (um 1705) unbekannt | begr. Mainz 30. Juli 1783; Sohn von (1), Gambist und Violoncellist

(5) Johann Franz * Ort und Datum unbekannt | begr. Mainz 4. Aug. 1758; Sohn von (1), Violinist

(6) Anna Elisabeth (Theresia) get. Mainz 30. Okt. 1732 | † Ort und Datum unbekannt; Tochter von (4), Sängerin

(7) Johann Andreas (II) get. Mainz 27. Dez. 1739 | † Aschaffenburg 26. Jan. 1820; Sohn von (4), Violoncellist

(8) Theresia Katharina Aloysia get. Mainz 24. Nov. 1774 | † Berlin 16. März 1849; Tochter von (7), Sängerin und Schauspielerin

(9) Franz Hubert get. Mainz 23. Sept. 1778 | † Berlin 3. März 1846; Sohn von (7), Violinist


(1) Johann Ignaz war von 1716 bis 1728 Violinist in der kurtrierischen Hofkapelle in Koblenz-Ehrenbreitstein, nachdem er zuvor wie seine Brüder (2, 3) vermutlich der 1716 aufgelösten Düsseldorfer Hofkapelle angehört hatte. Seit 1729 war er Mitglied der Mainzer Hofmusik und wurde 1736 auf die nach dem Tod von Matthias Nikolaus →Stulik (1732) vakante Stelle des Konzertmeisters berufen; sein Nachfolger wurde →Georg Anton Kreusser. Gemeinsam mit anderen Musikern unterzeichnete Schwachhofer 1760 die Approbatio für das Choral-Schlag-Buch von Gerhard Lentz; der hier begegnende Vorname Achatius beruht auf einem Irrtum.

WerkeAria Pro Passione („Weil du willst nach Ehren streben“) (2 A, 2 Vl., Org.); Ms., dat. 1724, in PL-Wu (s. RISM ID 300511808) <> Welchem Familienmitglied die im 1776 angelegten Notenverzeichnis der Mainzer Hofkapelle (s. Schweickert, S. 117f.) unter „Schwachhöffer“ (ohne Vornamen) angeführten, sämtlich nicht überlieferten Instrumentalwerke zuzuordnen sind, muss offen bleiben; vgl. zu weiteren nicht gesicherten Zuweisungen die Anmerkungen bei (5) und (7).


(2) Johann Andreas wurde 1721 als Violinist in die kurtrierische Hofkapelle aufgenommen. Nachdem er 1729 zunächst als Leiblakai an den Mainzer Hof verpflichtet worden war, erhielt er 1730 die Stelle des verstorbenen Kammermusikus Joachim Hoffmann (begr. Mainz 6. Apr. 1730).

(3) Johann Anton gehörte der Mainzer Hofkapelle von 1737 bis 1760 als Violinist an. Er war seit 1741 verheiratet mit der Hofsängerin Maria Theresia (* Würzburg 26. Juni 1723 | begr. Mainz 8. März 1747), einer Tochter von Jan →Ondraček. Aus der 1749 geschlossenen zweiten Ehe mit Johanna Maria Hofmann ging die Tochter Maria Anna Katharina Rosa (get. Mainz 19. Sept. 1758 | † ebd. 14. März 1845) hervor, die 1786 den Hofviolinisten Johann →Kreusser heiratete.

(4) Johann Joseph war seit 1721 als Violoncellist und Gambist Mitglied der kurtrierischen Hofkapelle und wechselte 1729 in gleicher Funktion nach Mainz.


(5) Johann Franz wurde 1748 als Violinist der Mainzer Hofkapelle Nachfolger seines verstorbenen Onkels Johann Andreas (2). 1750/51 unternahm er gemeinsam mit dem Hofcellisten Jakob Fritzmann (get. Mainz 8. Apr. 1718) eine von seinem Dienstherrn bewilligte Studienreise nach Italien.

Werke — Die im 1776 angelegten Notenverzeichnis der Mainzer Hofkapelle (Schweickert, S. 117f.) genannten sieben Sinfonien von „Frantz Schwachhöffer“ sind verschollen. Die in D-Dl überlieferten Manuskripte eines Concerto a Violino conc. (s. RISM ID 212003204), eines Trio (2 Vl., B.) (s. RISM ID 212003074) und eines Solo a Violino e Basso (s. RISM ID 212003205) von „Sig. Schachhofer“ [sic] bzw. „Sig. Schwachhofer“ mögen von Johann Franz stammen; vgl. auch die Anmerkung bei (1).


(6) Anna Elisabeth ist in den Jahren 1746–1753 als Sängerin im Mainzer Hofdienst nachweisbar. Ob die „Jungfer Schwachhofer aus Mayntz“, die 1763 in Frankfurt auftrat (Israel, S. 44), mit ihr identisch ist, muss vorläufig offenbleiben.


(7) Johann Andreas (II) trat 1755 in die Mainzer Hofkapelle ein und erhielt, nachdem er sich mehrfach als Solist (und sicher auch Komponist) präsentiert hatte, 1784 als Nachfolger seines Vaters (4) die Stelle des ersten Violoncellisten. 1767 trat er in Paris auf, wo man ihn zum Bleiben veranlassen wollte; auch Angebote deutscher Fürstenhöfe soll er zugunsten seiner Mainzer Stellung abgelehnt haben (vgl. hierzu Schweickert, S. 47). Nach der Zerstörung des Mainzer Comödienhauses (Juli 1793) stellte Schwachhofer im Auftrag des Intendanten Friedrich Karl von Dalberg Inventare bzw. Verkaufslisten der noch vorhandenen Musikalien zusammen (vgl. Gottron 1959, S. 195–196, und Schlichte, S. 15*–16*).

Werke15 Duo à violoncelles pour les Commençans (Titel zit. nach GerberATL, Bd. 2, S. 479) op. 1, Paris: Bureau d’Abonnement musical [1770]; verschollen <> Ein Solo (Vc.) und sechs Trios (Vc., Vl., B.) von „Schwachhofer“, die 1781 bzw. 1782–1784 als Manuskripte von Breitkopf angeboten wurden, sind vermutlich Johann Andreas zuzuschreiben. Die im 1776 angelegten Notenverzeichnis der Hofkapelle (Schweickert, S. 117f.) angeführten acht Konzerte von „Andre Schwachhöffer“ sind nicht überliefert; vgl. auch die Anmerkung bei (1).


(8) Theresia (Therese) Katharina Aloysia erhielt Schauspielunterricht durch Joseph Anton Christ (1789–1792 Mitglied des Mainzer Nationaltheaters) und war Gesangsschülerin Friedrich Eunickes, der zur gleichen Zeit dem Mainzer Ensemble angehörte. 1793 trat sie in Amsterdam auf, anschließend an den Theatern in Mainz und Frankfurt. Gemeinsam mit Eunicke erhielt sie 1796 (in diesem Jahr schlossen beide die Ehe) ein Engagement am Berliner Hoftheater. Ihre Töchter Johanna (get. Berlin 24. März 1798 | † ebd. 29. (oder 28.?) Aug. 1856) und Katharina (* Berlin 19. Dez. 1804 | † Schwerin 1842) machten sich als Sängerinnen eine Namen.

(9) Franz Hubert wurde 1804 als Violinist bei der Hofkapelle in Berlin angestellt und 1845 als Königlicher Kammermusiker in den Ruhestand versetzt.


Quellen und Referenzwerke — KB Mainz, KB Berlin <> Supplemento XIV [bzw. XV] dei catalogi [bzw. cataloghi] delle sinfonie, partite, overture, soli, duetti, trii, quattri e concerti […], Leipzig: Breitkopf 1781 bzw. 1782–1784 <> GerberATL <> Israel 1876 <> Anik Devriès-Lesure, L’édition musicale dans la presse parisienne au XVIIIe siècle. Catalogue des annonces, Paris 2005 <> Die Sortimentskataloge der Musikalienhandlung Artaria & Comp. in Wien, hrsg. von Otto Biba, Tutzing 2006

Literatur — Schweickert 1937 (hier weitere Quellenangaben) <> Gottron 1959 <> Adam Gottron, Die Mainzer Hofkapelle unter den Kurfürsten Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1729–1732), in: Mainzer Almanach, Mainz 1963, S. 120–127 <> Bereths 1964 <> Joachim Schlichte, Thematischer Katalog der Opernsammlung in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Frankfurt 1990 <> Günter Wagner, Art. Schwachhofer in MGG2P (Supplement)


Axel Beer (unter Benutzung von Vorarbeiten von Dr. Günter Wagner)

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
  • schwachhofer.txt
  • Zuletzt geändert: 2020/02/09 11:51
  • von ab