SAUER, (JOHANN) HEINRICH * Frankfurt/M. 22. Febr. 1870 | † Bonn 12. Febr. 1955; Kapellmeister, Komponist

Nach seiner Ausbildung zum Tuchhändler entschied sich der Kaufmannssohn Sauer für eine musikalische Laufbahn. Er studierte 1891/92 am Hoch’schen Konservatorium (Kl. und Kontrabass), war von 1892 bis 1895 Theaterkapellmeister in Elberfeld-Barmen und ging anschließend im Herbst 1895 nach Koblenz, wo er sich als Kapellmeister und Chorleiter betätigte. Nachdem er im Oktober 1897 zum Kreuznacher Kurkapellmeister gewählt worden war, stellte sich Sauer in Koblenz ein eigenes Orchester zusammen, das ihn nach Bad Kreuznach begleitete. Zusätzlich zu den üblichen Musikdarbietungen im Kurbetrieb bot Sauer u. a. Komponistenabende, Wunschkonzerte und musikgeschichtliche Vorträge an. Anfangs kehrte er in der Wintersaison zurück nach Koblenz, doch in den Wintern 1899/1900 und 1900/1901 wurde das Kurorchester für den neu eingerichteten Winterkurbetrieb verpflichtet. Mit der Fertigstellung der städtischen Festhalle wuchs in Koblenz der Wunsch nach einem städtischen Orchester. Als solches engagierte der Philharmonische Verein, der sich zur Finanzierung desselben gebildet hatte, Sauer mit seinem Orchester. Von 1901 bis 1907 verbrachten er und seine Musiker die Sommer als Kurorchester in Kreuznach, die Winter wiederum in Koblenz, wo sie im Theater, bei Konzerten des Philharmonischen Vereins und gelegentlich bei jenen des Musik-Instituts auftraten (z. T. unter Leitung Konrad Heubners). Im April 1907 unterzeichnete Sauer einen Vertrag, der ihn in den Wintermonaten als städtischen Kapellmeister nach Bonn verpflichtete, was das Ende seiner Koblenzer Stellung bedeutete (als Nachfolge wurde das Orchester Emil Irrgangs aus Bad Neuenahr, das im Sommer als Emser Kurorchester wirkte, engagiert). 1912 erhielten er und das städtische Orchester (heute Bonner Beethoven Orchester), das höchstwahrscheinlich aus jenen Musikern bestand, die er aus Kreuznach nach Saisonende mitbrachte (vgl. Koch, S. 396), Ganzjahresverträge in Bonn. Die Kurmusik in Kreuznach besorgte nun Hermann Inderau mit dem Barmer Volkschororchester. 1916 wurde das Bonner Orchester infolge des Kriegs aufgelöst, 1920 wieder gebildet; Sauer blieb bis 1931 im Amt. Während seines Ruhestands gehörte er seit 1949 dem Kuratorium des Max-Reger-Instituts an.

WerkeZwei Männerchöre (Der Deutschen Kriegslied 1914, Posten vor Tag) (Mch.) op. 15, Köln: Tischer & Jagenberg [1915]; D-B <> Der Traum (Sst. m. Kl.) op. 15 Nr. 2, Berlin: Weinholtz [1895]; CH-Zz <> Serenade (Sst. m. Kl.) op. 16 Nr. 1, ebd. [1895]; CH-Zz <> Zwei Schelmenlieder (Triftiger Grund, Moralpredigt (Sst. m. Kl.) op. 17, Elberfeld: Küpper [1894] <> ungedruckt (vgl. Deutscher Musiker-Kalender): Lieder, Männerchöre, Orchestersuite

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Frankfurt/M. <> Nachlass in D-BNsa und D-KAmri <> Korrespondenz in D-BMs, D-BNsa, D-BNu, D-DM, D-DT, D-DÜhh, D-F, D-LEsta <> Jahresbericht des Hoch’schen Konservatoriums 1891/92 <> MMB

Literatur — Jansa 1911; Frank/Altmann 1936 <> Kürschners Deutscher Musiker-Kalender, 1954 <> Baur 2008 <> Andreas Vollberg, Weltläufiger Protagonist im rheinischen Musikleben: das Beethoven Orchester Bonn. Ein Rückblick zum 100-jährigen Bestehen, in: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte e. V. 90 (2008), S. 5–52 <> ders., „Man kann sich das Werk nicht vollendeter denken…“ Zum Bonner Wirken des Dirigenten Hermann Abendroth, in: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte e. V. 91 (2009), S. 5–58 <> Koch 2009

Abbildung 1: Heinrich Sauer (Jansa 1911)

Abbildung 2: Brief Sauers an Ferdinand Meister zu dessen 50. Geburtstag (Bonn, im März 1921); D-BABHkrämer


Kristina Krämer

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