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VON HATZFELDT (HATZFELDT-WERTHER-SCHÖNSTEIN) (Familie)

[(1) Carl Ferdinand Graf (seit 1761 Reichsgraf) von Hatzfeldt (1712–1766); kurkölnischer Kämmerer; verh. 1741 mit Marie Sophie Charlotte Magdalene von Bettendorf (1714–1753), 1754 mit Maria Anna Elisabeth von Venningen (1719–1794)

(2) (Maria Anna) Hortensia (Josepha Victoria Liberata Antonia) Gräfin von Hatzfeldt geb. Gräfin von Zierotin get. Wien 9. Okt. 1757 | † Regensburg 31. Dez. 1813 (begr. 3. Jan. 1814, Pfarrei St. Rupert); Schwiegertochter von (1), Sängerin und Pianistin

(3) August Clemens Ludwig Maria get. Bonn 10. Nov. 1754 | † Düsseldorf 30. Jan. 1787; Sohn von (1) aus 2. Ehe, Domherr und Violinist

(4) Hugo Franz * Bonn 17. Nov. 1755 | † Berlin 6. Dez. 1830; Sohn von (1) aus 2. Ehe, Domherr, kurmainzischer Gesandter und Komponist

(5) Franz Ludwig * Bonn 23. Nov. 1756 | † Wien 3. Febr. 1827; Sohn von (1) aus 2. Ehe, kurmainzischer Geheimrat und Hofmusikintendant.

(6) Maximilian Friedrich Franz * Bonn (?) 24. Jan. 1764 | † Aschaffenburg 3. März 1824; Sohn von (1) aus 2. Ehe, Chorherr in Mainz und Hofmusikintendant.


(2) Hortensia von Zierotin, „von den besten Meistern im Singen und Clavierspielen zu Wien unterrichtet“ (Cramer, Magazin der Musik 1 (1783), S. 387), war seit 1772 mit Clemens Johann Nepomuk von Hatzfeldt (1743–1794; Sohn aus 1. Ehe von (1)) verheiratet und lebte seit 1783 vorwiegend in Bonn. In Mainz war sie mehrfach zu Gast und sang bei Aufführungen des Adelstheaters sowie bei Hofakademien in Aschaffenburg. Beethoven widmete ihr sein erstes bei →Schott in Mainz erschienenes Werk (WoO 65: Variationen auf ein Thema von →Righini, in dessen Armida sie 1782 bei der Uraufführung in Wien die Titelrolle gesungen hatte und der mit demselben Werk 1788 in Aschaffenburg als Hofkapellmeister debütirte). Nach dem Tod ihres Mannes (1794) flüchtete Hortensia von Hatzfeldt vor den französischen Truppen nach Österreich, und seit spätestens 1806 hielt sie sich mit ihrer Tochter Theresia (seit 1801 geschiedene Salm-Reifferscheidt) in Regensburg auf, wo gegen beide ein sich bis 1812 hinziehendes Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Sie starb an den Folgen eines Schlaganfalls.


(3) August Clemens wurde 1775 Domherr in Eichstätt. Während seines Jura-Studiums in Mainz (seit 1778) und auch bei späteren Aufenthalten hielt er sich bevorzugt in musikalischen Kreisen auf. Gerber (ATL, Bd. 1, Sp. 604) nennt ihn einen „der stärksten Dilettanten auf der Violine.“


(4) Hugo Franz war seit 1780 Kapitular des Wormser Domstifts, dazu Domherr in Paderborn und schließlich Propst des Ritterstifts St. Alban in Mainz. 1788 wurde er zum Gesandten am preußischen und am sächsischen Hof ernannt, 1799 aufgrund der politischen Ereignisse vorübergehend abberufen und 1802 in seinen Funktionen an den Höfen in Berlin und Dresden bestätigt. Seit 1811 privatisierte er in Berlin.

WerkeSix Romances (Sst., Kl.; Friedrich Hugo von Dalberg gewidmet), Berlin: Werckmeister [1807]; s. RISM HH 2349 I,1 – daraus Complaintes de la Reine Marie in: Lieder Mainzer Komponisten der Goethezeit (s. Lit.), S. 42–43 <> Die Rheinfahrt (Sst., Kl.), 2. Aufl., Berlin: Schlesinger [1816]; s. RISM HH 2349 I,2


(5) Franz Ludwig wurde als Nachfolger von Franz Carl Philipp Graf von Ingelheim 1787 Intendant der Hofmusik und ging eine Neuordnung der bisherigen Strukturen an (Schaffung dreier Gehaltsstufen und Einrichtung eines „Musikfonds“); seine Tätigkeit endete bereits 1792. Die Identifizierung des Hofmusikintendanten mit Lothar Franz von Hatzfeldt, dem jüngeren Bruder Franz Ludwigs (1759–1799), ist irrig, wie die Forschungen von Franz Stephan Pelgen zeigen.


(6) Maximilian Friedrich Franz wurde 1790 Domkapitular in Mainz, zudem Kapitular des Ritterstifts St. Alban und Propst des Liebfrauen-Stifts. Nach der Übersiedlung des Hofstaats nach Aschaffenburg erhielt er dort 1803 das Amt des Hofmusik-Intendanten.


Quellen — (neben den erwähnten) Kurfürstlich Erzkanzlerisches Regierungs- und Intelligenzblatt (Regensburg) 12. Febr. 1806; Regensburger Intelligenzblatt 24. Juli 1811; Baierische National-Zeitung (München) 5. Dez. 1812 (betr. Insolvenzverfahren Hortensia von Hatzfeldt); Regensburger Intelligenzblatt 12. Jan. 1814 (Begräbnisanzeige Hortensia von Hatzfeldt); freundliche Auskunft von Herrn Dr. Stephan Acht, Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, aus den Sterbematrikeln der Pfarrei St. Rupert in Regensburg <> Kurmainzer Hof- u. Staatskalender 1740–1797 <> Die Hofmusikpläne des Grafen Lothar Franz von Hatzfeldt, in: Schweickert 1937, S. 119–130 <> Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten, hrsg. von Detlev Schwennicke, Neue Folge, Bd. 8, Marburg 1980, Tafel 114 <> freundliche Mitteilungen von Frau Dr. Jana Bisová (Dačice) und Herrn Dr. Franz Stephan Pelgen (Nierstein) zu (2) und (5)

Literatur — Peth 1879 <> Schweickert 1937 <> Ernst Fritz Schmid, August Clemens Graf Hatzfeld, in: Mozart-Jahrbuch 1954, S. 14–32 <> Gottron 1959 <> Bereths 1964 <> Günter Wagner, Hugo Franz Graf von Hatzfeldt, in: ders. (Hrsg.), Lieder Mainzer Komponisten zur Goethezeit, Mainz 2006 (Musik vom Mittelrhein 1), S. XIX–XX <> LvBWV, Bd. 2, S. 158 <> Franz Stephan Pelgen, Neufund der Handakten zweier Mainzer Hofmusikintendanten (Carl Philipp Graf von Ingelheim und Franz Ludwig Graf von Hatzfeldt), in: Musik und Musikleben am Hof des Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal, hrsg. von Axel Beer, Ursula Kramer und Klaus Pietschmann (BzmM 48), Mainz 2020, S. 37–76 (dort weitere Quellen- und Literaturangaben); im Erscheinen


Axel Beer (unter Verwendung von Vorarbeiten von Dr. Günter Wagner)

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  • Zuletzt geändert: 2020/10/19 13:41
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