gerhardt


(1) Christian [I.] * Dillhausen 10. Jan. 1858 | † Boppard 11. Okt. 1937; Orgelbauer

(2) Christian [II.] * Boppard 13. Jan. 1889 | † ebd. 1971; Sohn von (1), Orgelbauer

(3) Adam; Sohn von (1), Orgelbauer

(4) Paul; Sohn von (1), Orgelbauer und Versicherungsmakler

(5) Hans * Boppard 1921; Sohn von (2), Orgelbauer

(6) Heribert * Boppard 15. April 1930 | † ebd. 17. Sept. 1993; Sohn von (2), Orgelbauer

(7) Christian [III.] * Boppard 24. April 1971 | † ebd. 9. Juni 2018; Sohn von (6), Orgelbauer


Christian Gerhardt (1) erlernte sein Handwerk bei Christian Friedrich →Voigt in (Wiesbaden-) Igstadt und Johannes Klais in Bonn und begründete seine Werkstatt in Boppard 1888; er baute vor allem kleinere ein- bis zweimanualige Instrumente, die anfangs noch mechanische Schleif- und Kegelladen, nach 1890 aber immer pneumatische Kegelladen aufwiesen. 1929 (nicht 1919) übergab Gerhardt das Unternehmen, das fortan Chr. Gerhardt & Söhne hieß, seinen Söhnen. 1945 wurde Christian Gerhardt (2) alleiniger Inhaber und reichte 1965 die Unternehmensleitung an die Enkel des Firmengründers Hans (5) und Heribert Gerhardt (6) weiter. Nach dem Tod Heribert Gerhardts wurde dessen Sohn Christian (7) – der das Orgelbauerhandwerk bei August Laukhuff in Weikersheim gelernt und 1995 die Meisterprüfung abgelegt hatte – Firmeninhaber; als geprüfter Restaurator im Orgel- und Harmoniumbau widmete er sich neben wenigen, kleineren Neubauten vor allem der Restaurierung von Orgeln. Der Betrieb erlosch mit seinem Tod 2018. Christian Gerhardt I. ist der Erfinder einer Doppelkegelventillade (1896) und eines pneumatischen Glockenläutewerks. Erst spät verbaute der Betrieb wieder mechanische Schleifladen: Noch bis in die 1960er Jahre hinein weisen die Orgeln von Orgelbau Christian Gerhardt & Söhne elektropneumatische Kegelladen auf, außerdem vielfach Freipfeifenprospekte. Die meisten der über 200 Neubauten wurden an das mittelrheinische Gebiet und in das Saarland geliefert; ein Schwerpunkt auch der Umbau- und Wartungstätigkeiten der Firma lag auf den Bereichen Odenwald, Taunus, Eifel und Hunsrück.

Erhaltene Werke (in Auswahl) — 1892 Idar-Oberstein, St. Walburga (I/P/10), 1961 von Gerhardt für einen Neubau (II/P/18) verwendet; im Rahmen des Kirchenneubaus 1966–68 abgebrochen, 1968 zu II/P/23 erweitert in der neuen Kirche wiedererrichtet <> 1892 Kehrig, St. Kastor und St. Katharina (II/P/21) <> 1894 Obergondershausen (II/P/15) <> 1896 Presberg, St. Laurentius (II/P/14); 1929, 1972 und 1980 restauriert und umgebaut, 2015 Neuintonation durch Orgelbau Fasen <> 1899 Kettig, St. Bartholomäus (II/P/19) <> 1900 Baumholder, St. Simon und Judas Thaddäus (II/P/17) <> 1902 Bassenheim, St. Martin (II/P/20); 2003 restauriert <> 1902 Kaltenengers, St. Silvester (II/P/14) <> 1902 Kastellaun, Heiligkreuz (II/P/19); 1970 Umbau durch Josef Klein (Obersteinebach), 1999 durch Orgelbau Mayer; 2020 Restaurierung durch Orgelbau Späth (Freiburg) und Erweiterung auf II/P/30 <> 1902 Oberwesel (ev.) (I/P/7); 2016 renoviert von Raab & Plenz (Hackenheim) <> 1903 Spay, St. Lambertus (II/P/15) <> 1903 Eisenach (Eifel), St. Martin (I/P/10); 1977 restauriert von Weimbs (Hellenthal) <> 1905 Cochem, Klosterkirche Ebernach (II/P11), 1957/1958 transloziert nach Roßbach (Wied), St. Michael <> 1910 (Völklingen-) Luisenthal, Christkönig (I/P/4); 1922 als Gebrauchtorgel unbekannter Herkunft erworben, als Interimsinstrument in St. Eligius Völklingen, 1928 transloziert nach Luisenthal, 1970 umdisponiert durch Orgelbau Späth (Freiburg) <> 1910 (Morbach-) Hunolstein, St. Johannes der Täufer (I/P/11) <> 1910 Klotten, St. Maximin (II/P/23); 1957 durch Gerhardt, 1981 durch Oberlinger überholt, 1989 Restaurierung durch Weimbs (Hellenthal) <> 1910 Namborn, Mariä Himmelfahrt (II/P/14); 1968 neobarocke Neudisposition durch Orgelbau Mayer und Erweiterung auf II/P/16, 1985 Verlegung des Spieltischs vor die Orgel, 2021 technischer Neubau von Thomas Gaida unter Verwendung von Gehäuse und Pfeifenwerk <> 1910 Laufersweiler, St. Laurentius (I/P/8) <> 1911 Kirchdaun, St. Lambertus (II/P/14); frühe Erweiterungen auf II/P/18, nach einer Dispositionsänderung von Josef Klein (Obersteinebach) jetzt wieder in der Originaldisposiiton <> 1912 Boppard, Klosterkirche St. Martin (II/P/12), 1924 von Gerhardt umgebaut <> 1923 Bruttig-Fankel, St. Magdalena (II/P/16) unter Verwendung der Vorgängerorgel von Stumm <> 1924 Boppard, Kapelle im Heilig-Geist-Krankenhaus (I/P/6); 2016 Rekonstruktion durch Orgelbau Raab & Plenz (Hackenheim) <> 1926 Auw an der Kyll, Mariä Himmelfahrt (I/P/5) <> 1927 Mittelstrimmig, St. Philipps und Jakobus (II/P/13) im historischen Barockgehäuse von Johann Peter Senft (1778); 2005 restauriert durch Orgelbau Fasen und erweitert um eine schon 1927 vorgesehene Trompete <> 1926 Preist, St. Caecilia (I/P/5); 1982 grundlegender Umbau durch Gerhardt und Erweiterung auf I/P/7 <> 1928 Manubach, St. Oswald (II/P/10); 1982 von Gerhardt umgebaut und erweitert zu II/P/15 <> 1929 Ginsheim-Gustavsburg, Herz Jesu (II/P/14); 1983 und 1997 Instandsetzungen durch Walter Schäfer (Frankfurt/M.) <> 1930 Schaafheim-Mosbach, St. Johannes Baptist (II/P/16); 2018/19 rekonstruiert von Orgelbau Andreas Schmidt <> 1934 Koblenz-Metternich, St. Johannes Enthauptung (II/P/21) <> 1939 Weiler bei Bingerbrück, St. Maria Magdalena (II/P/17) in einem Gehäuse von Stumm <> 1950 Kamp-Bornhofen, Klosterkirche St. Marien (II/P/22) als Nachfolgeinstrument der 1894 errichteten Orgel von Gerhard (II/P/17), die 1949 durch einen Kirchenbrand zerstört wurde <>1953 Heinsberg-Horst, St. Josef (I/P/6) <> 1954 Weiler bei Boppard, St. Peter in Ketten (II/P/10) <> 1955 Noviand, St. Lambert (I/P/5), aufgestellt nach der Kirchenerweiterung 1965/66 <> 1958 Veldenz, St. Marien (I/P/4) <> 1959 Schillingen, St. Alban (II/P/19) unter Verwendung der Vorgängerorgel von Ibach <> 1962 Gonnesweiler, Heilig Geist (II/P/12); 2009 Neuintonation von Thomas Gaida <> 1962 Kisselbach, St. Apollonia (II/P/15) <> 1963 Wolfersweiler, St. Laurentius (II/P/14) unter Verwendung des Vorgänger-Instruments von Seifert (1929) <> 1963 Daisbach (Aarbergen), St. Josef (I/P/8) unter Verwendung der Vorgängerorgel von Horn (Limburg) und älterer Bestände <> 1964 Espenschied (Lorch), St. Nikolaus (II/P/11); 2021 Erneuerung der Elektrik durch Hugo Mayer Orgelbau <> 1965 (Eppelborn-) Humes, Mariä Himmelfahrt (II/P/14); 1972 Umbau durch Gerhardt <> 1966 Mudenbach (ev.) (I/P/3), seit 1976 in Mudenbach <> 1967 Oberleuken, St. Gangolf (II/P/10) <> 1969 Peterswald-Löffelscheid, Mariä Heimsuchung (I/P/4); 2010 von Christian Gerhardt III. restauriert <> 1981 Hesperingen, Assomption de la Bienheureuse-Vierge-Marie (II/P/18), technischer Neubau der vorhandenen Gerhardt-Orgel von 1921 <> 1982 Preist, St. Cäcilia (I/P/8), technischer Neubau der vorhandenen Gerhardt-Orgel von 1926 <> 1995 Pfaffenheck, St. Nikolaus (I/P/6), Meisterstück von Christian Gerhardt III.; seit 1997 in Pfaffenheck.

Literatur — Bösken 1967 <> Balz 1969 <> Bösken 1975 <> Matthias Thömmes, Orgeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Trier 1981 <> Bösken/Fischer 1988 <> Bonkhoff 1990 <> Günter Schneider, Der Orgelbau in der Diözese Mainz zwischen 1866 und 1945, in: Beiträge zur Orgelgeschichte im ehemals kurrheinischen Reichskreis und in seinen Nachfolgestaaten, hrsg. von Friedrich W. Riedel, Mainz 1992 (= Die Orgel als sakrales Kunstwerk 1), S. 185–203 <> Fischer/Wohnhaas 1994 <> Achim Seip, Alte und neue Orgeln im Bistum Mainz, Mainz 2003 <> Bösken/Fischer/Thömmes 2005 <> Bernhard H. Bonkhoff, Historische Orgeln im Saarland, Regensburg 2015

Abbildung: Die Gerhardt-Orgel in Kastellaun, Heiligkreuz (1902) mit freundlicher Genehmigung von Tilmann Späth, Freiburger Orgelbau


Birger Petersen

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  • Zuletzt geändert: 2022/05/20 00:31
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