coentgen

COENTGEN (CÖNTGEN, CONTGEN) (Familie)

(1) (Bartholomäus) Anton (Antonius) begr. Mainz 15. Aug. 1738; Maler und Kupferstecher

(2) Heinrich Hugo get. Mainz 30. Dez. 1727 | begr. ebd. 11. Nov. 1792; Sohn von (1), Kupferstecher

(3) Heinrich (Joseph Samuel) * Frankfurt/M. 1. Okt. 1778 | † Mainz 4. Juni 1827; Enkel von (2), Kupferstecher

(4) Johann Joseph * Mainz 30. Okt. 1804 | † Antwerpen 23. Aug. 1850; Sohn von (3), Maler, Kupferstecher und Lithograph

(5) Johann Balthasar * Mainz 22. Juli (nicht 21. Juni) 1813 | † ebd. 10. Jan. 1839; Sohn von (3), Maler und Kupferstecher

(6) Johann Gustav * Mainz 6. Jan. 1817 | † ebd. 20. Jan. 1859; Sohn von (3), Lithograph


(1) Anton Coentgen, über dessen Herkunft (vielleicht aus der Kurpfalz) und Ausbildung vorläufig nichts bekannt ist, lässt sich seit 1723 in Mainz nachweisen. Neben Veduten und allegorischen Darstellungen stach er das Titelkupfer zu Johann Michael Breunichs VI Missae op. 1 („Anthon Coentgen del. et Sculps Mog“; s. Abb. bei Gottron 1959, Tafel 8), die wohl 1727 in Mainz erschienen; Riedels Ansicht (S. 65), dass auch der Notenteil auf Coentgen zurückgeht, bedarf noch eines Belegs.

(2) Heinrich Hugo Coentgen, der sicherlich bei seinem Vater Anton (1) das Kupferstecherhandwerk erlernt hatte, wurde 1762 Mainzer Bürger und ist seit 1770 als Lehrer in der Armenschule nachgewiesen. Neben Wappenbildern, Veduten und kalligraphischen Arbeiten stach er 1760/61 den Notenteil zum CHORAL-Schlag-Buch von Gerhard Lentz. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Bernhard →Schott bei Coentgen um 1770 die Grundlagen der Kupferstichtechnik erlernte. Coentgens Tochter Maria Agnes (1766–1817; 1785 verh. Schalck, 1804 verh. Brand) trat 1782 und 1798 als Stecherin zweier in Mainz erschienener Schreibmeisterbücher hervor (beide digital in D-Gs: Nr.1, Nr. 2) und steuerte Abbildungen zu typographischer Fachliteratur (darunter auch ein Notenbeispiel, s. hier) bei.

(3) Heinrich Coentgen war als Kupferstecher Schüler seines Vaters Georg Joseph (1752–1799, seinerseits Sohn von (2)), der sich 1776 in Frankfurt niedergelassen hatte und dort eine Mal- und Zeichenschule leitete. 1800 nahm Heinrich Coentgen nach seiner Eheschließung mit einer Weisenauer Uhrmacherstochter seinen Wohnsitz in Mainz und stach nach Ausweis seiner Signatur („H. Contgen ju. Sculp. Mog.“ bzw. „Cöntgen Sc.“ u. ä.) in einem bisher nicht ermittelten Umfang kalligraphische Titel zu bei Carl →Zulehner in Mainz bzw. Georg Zulehner in Eltville erschienenen Ausgaben; bekannt wurden Peter von Winters Marie von Montalban [1802] (RISM W 1366), Beethovens Sonate op. 17 [ca. 1806] (US-SLug digital) (vielleicht auch weitere Titel der Collection complette), die Collection complette der Haydn-Quartette [ca. 1807–1811] (RISM H 3429, H 3430, H 3431, H 3432, HH 3432a), Alexander Ubers Six Caprices (Vc.) [ca. 1813] (D-Mbs digital) und dessen VI vierstimmige Gesaenge, 2 Hefte [ca. 1813/14] (D-Mbs digital Heft 1 Heft 2). Nach dem Verkauf der Zulehnerschen Handlung stach Coentgen für Schott in Mainz Titelillustrationen, so zu Rossinis Tancredi (KlA.) [1817], L’Italiana in Algeri (KlA.) [1819] (D-Mbs digital, s. Abb.) und Otello (KlA.) [1820] (CH-Bm digital) sowie Franz Bühlers Missa in B [1821] (RISM BB 2640a65) und →Voglers Missa pro defunctis [1822] (RISM V 2385).

(4)(6) Die für die Zeit nach dem Tod von Heinrich Coentgen (3) bisher nachweisbaren Titel zu Schott-Ausgaben mit der Signatur „Coentgen“ lassen sich zweifellos einem von dessen Söhnen zuordnen; die Signatur „J. B. C.“ (beispielsweise auf der Titelillustration der Nr. 380 der Favorit-Walzer [1832]) gehört mit ziemlicher Sicherheit Johann Balthasar (5) an (D-KWbeer, D-Mbs digital). Johann Joseph (4) lebte spätestens seit seiner Eheschließung (1843) in Antwerpen als „Steendrukker“ und mag mit der dortigen Filiale der Firma Schott in Verbindung gestanden haben.

Quellen — KB Frankfurt, KB und Zivilstandsregister Mainz; Zivilstandsregister Antwerpen

Literatur — Friedrich W. Riedel, Die Mainzer Domkapellmeister der Barockzeit, in: Friedhelm Jürgensmeier, Die Bischofskirche St. Martin zu Mainz, Frankfurt/M. 1986, S. 58–67 <> Art. Coentgen in: Allgemeines Künstler-Lexikon, Bd.ؘ 20, München/Leipzig 1998, S. 134 <> Kai-Michael Sprenger, Zug um Zug. Die Schreibmeister und ihre Kunst vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, Mainz 1998, S. 25f.

Abbildung 1: Signatur Heinrich Hugo Coentgens auf S. III des CHORAL-Schlag-Buchs von Gerhard Lentz


Axel Beer

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Durch die Nutzung dieser Seiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Weitere Information
  • coentgen.txt
  • Zuletzt geändert: 2020/05/14 02:28
  • von sr