suetterlin


SÜTTERLIN, FRIEDRICH * Egisholz (Gem. Wollbach, Baden) 7. Mai 1846 | † Wiesbaden 14. Mai 1886; Geigenbauer

Die Vorfahren des Friedrich Sütterlin, dessen Vater gleichen Vornamens Landwirt war (die Mutter hieß Chryschona und war eine geborene Gempp), lassen sich in seinem Geburtsort bis um 1700 nachweisen. Unmittelbare Verwandtschaft zu dem aus Lahr im Schwarzwald stammenden Grafiker Karl Ludwig Sütterlin (1865–1917), dem Entwickler der nach ihm benannten Schulausgangsschriften, besteht nicht.

Bereits als Kind begann Sütterlin, aus dem Holz von Zigarrenkisten geigenähnliche Instrumente zu bauen. Nach verschiedenen Experimenten entstand schließlich eine Violine aus Tannenholz, auf der er selbst musizierte. Sein Vater wollte, dass er einen kaufmännischen Beruf ergreift, aber Sütterlin begann in Freiburg i. Br. eine Lehre als Holzblasinstrumentenbauer. Wenig später (Mitte/Ende der 1860er Jahre; wann genau ist nicht zu ermitteln) wandte er sich aber wieder der Geige zu und setzte seine Lehre bei Geigenbauer Philipp Joseph →Hartmann in Frankfurt/M. fort. Im Anschluss war er Geselle in der Werkstatt von Ludwig Otto (1821–1887) in Köln. Als dieser 1871 seinen Betrieb nach St. Petersburg verlegte, zog Sütterlin nach Wien und arbeitete in der Geigenbauwerkstatt von Gabriel Lemböck (1814–1892). Als man ganz nebenbei sein Talent als Maler entdeckte – Sütterlin, bereits als Jugendlicher in diesem Metier aktiv, hatte mit einem Gemälde der spanischen Opernsängerin Adelina Patti (1843–1919) Aufmerksamkeit erregt –, bot ihm die Wiener Akademie einen kostenlosen Studienplatz an. Er entschied sich jedoch gegen eine Karriere als Maler und zog 1874 nach Straßburg, wo er eine Geigenbauwerkstatt eröffnete. Auf Initiative von August Wilhelmj – und „klimatischer Ursache wegen“ (siehe Abb.) – kam er 1883 mit seinem Atelier nach Wiesbaden. Hier bildete er den Geigenbauer Richard Weidemann aus, war zuletzt aus gesundheitlichen Gründen aber selbst nicht mehr aktiv. Seine Werkstatt befand sich anfangs im Haus Stiftstraße 1, dann bis zu seinem Tod in der Kirchgasse 17. Er war verheiratet mit der Lehrerstochter Salome Motz und hatte einen Sohn namens Robert Eugen Friedrich (* Wiesbaden 5. Okt. 1883).

Quellen und Referenzwerke — KB Wollbach <> Personenstandsregister Wiesbaden (Sterbeurkunde 1886) <> Adressbücher Straßburg 1875–1884/85 <> Adressbücher Wiesbaden 1883/84–1885/86 <> Otto Apian-Bennewitz, Die Geige, der Geigenbau und die Bogenverfertigung, Weimar 1892, Bd. 1, S. 195 <> Wilhelm Joseph von Wasielewski, Die Violine und ihre Meister, Leipzig 21883, S. 39f. <> Lütgendorff, S. 644

Abbildung: Anzeige zur Eröffnung des Ateliers in Wiesbaden im Wiesbadener Tagblatt 17. Apr. 1883


Bernd Krause

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