siedentopfe


SIEDENTOPF, EDGAR * Echte (heute Ortsteil von Kalefeld, Landkreis Northeim) 19. Jan. 1891 | † Windesheim 20. März 1953; Militärmusiker

Der Sohn eines Mühlenbesitzers studierte nach seiner Mittleren Reife in Quedlinburg 1905–1908 am Konservatorium in Braunschweig Dirigieren und Komposition. Nach einem kurzen Engagement am Hoftheater in Stuttgart unter Max von Schillings trat er 1909 als Freiwilliger in das Musikkorps des Infanterieregiments 121 in Ludwigsburg ein. Nach seiner Entlassung war er bis zum Ersten Weltkrieg Chorrepetitor und zweiter Kapellmeister am Stadttheater Heilbronn und arbeitete in den Sommerpausen als Konzertmeister mit Dirigierverpflichtung im Kurorchester Bad Eilsen. Nach seinem Kriegsdienst fand er keine Stelle und zog 1919 zunächst zu seinen Eltern nach Windesheim bei Bad Kreuznach, wo er als Komponist privatisierte und 1921 die Gutsbesitzer-Tochter Elisabeth Schmidt (* Windesheim 31. Mai 1897) heiratete. Er nahm seine Karriere wieder auf, als er am 1. Mai 1933 in die NSDAP eintrat und unmittelbar danach Musikzugführer der SA-Standarte 433 in Bad Kreuznach wurde, der er auch einen Marsch widmete. 1935 wechselte er in gleicher Funktion kurze Zeit zur SA-Gruppe Westmark in Koblenz, bevor er ebenfalls noch 1935 Jahr als Dirigent des Musikkorps der SS-Standarte Germania II erst nach Arolsen und dann 1937 der SS-Standarte Germania I nach Hamburg-Veddel ging. 1941–1945 leitete er die neugegründete Musikschule der Waffen-SS in Braunschweig, die nach ihrer Evakuierung nach Bad Sarow 1944 im Januar 1945 ihren Betrieb einstellte. Nach dem Krieg zog Siedentopf wieder nach Windesheim. Eine weitere musikalische Tätigkeit ist wahrscheinlich, läßt sich derzeit aber nicht belegen.

Werke — (falls nicht anders angegeben, ungedruckt): für Sinfonieorchester: Marsch Vision in Flandern <> Bühnenmusik Schneewittchen und die sieben Zwerge [1943] <> Märsche für Blasorchester: Marsch der Standarte 433, in: SA-Lieder-Marsch-Album II für Blasmusik, Karlsruhe: Halter 1935 <> Marsch der Waffen-SS, Hannover: Oertel 1942 <> Deutsche Wacht <> Marsch der Standarte Germania <> Ehrengruß <> Triumphzug <> Monte Olivia <> Gruß an Lüneburg <> weitere Kompositionen für Blasorchester: Walzerlied Vision <> Walzerkönigin <> Radifahri-Galopp. Ein musikalischer Scherz

Quellen — Handschriftlicher Lebenslauf; Bundesarchiv Berlin (Best. 6055009157, Standort 51, Karton F 5394) <> Akte Musikschule der Waffen-SS; Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel (Best. 12 Neu Nr. 19378) <> Deutsche Militär-Musiker-Zeitung 5. Sept. 1942, 5. Apr. 1943; Hamburger Fremdenblatt 10. Mai 1937, 27. Mai 1937, 5. Sept. 1937, 29. Mai 1938, 6. März 1939, 7. März 1939; Hamburger Tageblatt 3. Dez. 1936, 26. Aug. 1937, 28. Aug. 1937, 30. Mai 1938, 31. Okt. 1938, 6. Jan. 1939, 14. Jan. 1939, 28. Jan., 4. Febr. 1939; Bergedorfer Zeitung 7. Juni 1937; Billstedter Zeitung 26. Aug. 1937; Die Glocke 22. Nov. 1940; Braunschweiger Tageszeitung 11. Juli 1942, 27. Febr. 1943, 26. März 1943, 30. Aug. 1943, 12. Okt. 1943, 22. Nov. 1943

Literatur — Fritz Bunge, Musik in der Waffen-SS. Ein Blick zurück auf die Entwicklung deutscher Militärmusik, Osnabrück 1975 <> Ernst Klee, Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/M. 2007, S. 569 <> Manfred Heidler, Militärmusikschulen: Marineorchesterschule Homburg vor der Höhe, in: Mensch – Musik – Wissenschaft. Festschrift für Volker Kalisch, hrsg. von Corinna Herr und Wolfgang Rüdiger, Paderborn 2024, S. 169–192, hier S. 173 <> PriebergH


Karl Traugott Goldbach

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