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ROTHER, ARTHUR (auch Artur) (MARTIN) * Stettin 12. Okt. 1885 | †  Aschgau im Chiemsee 22. Sept. 1972; Dirigent und Komponist

Geboren als Sohn des Stettiner Organisten Paul R. erfuhr Arthur Rother eine umfangreiche praktische Musikausbildung (Klavier, Orgel, Komposition) beim Vater sowie später bei Hugo Kaun in Berlin. Nach dem Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Tübingen und Berlin war er 1905 als Konzertbegleiter Willy Burmesters unterwegs, bevor er sich in Wiesbaden als Korrepetitor und Kapellmeistervolontär bewarb; diese Stelle trat er schließlich am 1. Sept. 1906 an. Als Volontär unterstand er direkt dem Kapellmeister Leopold Stolz, dessen Amt als 1. Kapellmeister Rother dann 1909 übernahm und somit direkt hinter Franz Mannstaedt und Joseph Schlar stand. Damit einher ging die Zuständigkeit zur Komposition und Einrichtung sämtlicher Schauspiel- und Bühnenmusiken.

Arthur Rother wurde 1910 vom Philharmonischen Verein Wiesbaden als Dirigent unter Vertrag gestellt; wann die Tätigkeit endete, ist nicht bekannt. Im Jahr 1912 erhielt er ein Stellenangebot als Kapellmeister der Charlottenburger Oper, blieb jedoch in Wiesbaden. 1917 wollte er in gleicher Funktion nach Hannover wechseln, jedoch gestattete das Wiesbadener Theater dies nicht, da man in Kriegszeiten eine schwierige Nachfolgersuche befürchtete. 1927 wurde Rother entgegen seinem Wunsch die Leitung der Sinfoniekonzerte zugunsten Joseph Rosenstocks verwehrt, weswegen er seinen bis 1928 laufenden Vertrag vorzeitig kündigte und das Amt des Generalmusikdirektors in Dessau übernahm. Zum Abschied veranstaltete der Wiesbadener Männergesangverein, dessen Chormeister Rother seit dem 17. Sept. 1925 war, einen ihm gewidmeten Ehrenabend. Als Rosenstock bereits 1928 Wiesbaden wieder verließ, versuchte Rother, auch aufgrund von Zahlungsproblemen seitens des Dessauer Theaters, in die Kurstadt zurückzukehren. Sein Gesuch kam aber wohl zu spät, denn Erich Böhlke war bereits als Generalmusikdirektor verpflichtet worden. Rother blieb bis 1934 in Dessau, bevor er Erster Kapellmeister an der Deutschen Oper in Berlin wurde und dort 1938 die Ernennung zum Generalmusikdirektor erhielt. Während der Wiesbadener Zeit (1907–1914) assistierte er am Dirigentenpult in Bayreuth. 1910 schloss Rother in Wiesbaden die Ehe mit der Fuhrunternehmerstochter Martha Helene Margarethe geb. Schwabe.

Rothers Nachfolger am Wiesbadener Staatstheater wurde sein „einstiger Schüler und langjähriger musikalischer Assistent“ (Empfehlungsschreiben 1926) Werner Wemheuer.

Werke — Aufgeführt sind nur die der Wiesbadener Zeit, mit jeweiliger Erstnennung in der Presse bzw. der Fallakte: Bühnenmusik zu Shakespeares Macbeth (Fallakte 1916) <> Bühnenmusik zu Hebbels Die Nibelungen (ebd.) <> Bühnenmusik zu Hebbels Judith (ebd.) <> Bühnenmusik zu Saul (ebd.) <> Bühnenmusik zu Shakespeares Timon von Athen (Fallakte 1919) <> Bühnenmusik zu Hauptmanns Schluck und Jau (ebd.) <> Bühnenmusik zu Tolstois Die Macht der Finsternis (ebd.) <> Musik zur Operette Die Rose von Stambul (ebd.) <> Musik zu Heinrich Leis’ Das schwarzblaue Schloss (UA Wiesbaden 26. Okt. 1920; Wiesbadener neueste Nachrichten 21. Okt. 1920) <> Musik zu Wilhelm Clobes Rheinzauber oder Im Banne der Loreley (UA Wiesbaden 8. Dez. 1912; Wiesbadener General-Anzeiger 4. Dez. 1912) <> Musik zur Aufführung von Morgenland. Orientalische Kunst in Musik, Dichtung, Gesang, Pantomime und Tanz. (UA Wiesbaden 30. März 1920; Wiesbadener Zeitung 23. März 1920) <> Musik zu Ernst von Wolzogens Die Maibraut UA Wiesbaden 29. Mai 1909 (Wiesbadener Tagblatt 23. Mai 1909); Libretto Berlin: Fontane [1909]; D-B <> Musik zu Bernhard Herrmanns Sapàndomad (UA Wiesbaden 30. März 1920; Wiesbadener Tagblatt 26. März 1920) <> Musik zu Paul Apels Hans Sonnenstößers Höllenfahrt (UA Wiesbaden 10. Juni 1911; Wiesbadener General-Anzeiger 12. Juni 1911) <> Musik zu Shakespeares Wie es euch gefällt (UA Wiesbaden 11. Okt. 1916; Rheinische Volkszeitung 13. Okt. 1916) <> Musik zu einem Text Bruno Holtenroths (Wiesbadener General-Anzeiger 12. Jan. 1910) <> Schlussballet zu Nestroys Der böse Geist Lumpacivagabundus (Fallakte 1916) <> Chorinstrumentierung zu Nürnbergisch Ei (ebd.) <> Instrumentale Ergänzungen in Der Barbier von Bagdad (ebd.) <> Bläsermarsch zu Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung (Fallakte 1911) <> Chor im 1. Akt von Meyerbeers Die Hugenotten (Fallakte 1915) <> Sängerspruch zur Lokalbahn (Fallakte 1915) <> Lieder und Duette (Wiesbadener General-Anzeiger 22. Okt. 1920)

Quellen und Referenzwerke — Standesamtsregister Stettin und Wiesbaden <> Fallakte Rother (1906–1931, 1957); D-WIhha (Best. 428 Nr. 3300) <> Empfehlungsschreiben für Werner Wemheuer, Nov. 1926; Nachlass Wemheuer (Privatbesitz) <> Adressbücher Wiesbaden (1907–1927) <> Wiesbadener neueste Nachrichten 21. Okt. 1920, 1. Nov. 1920 und passim; Wiesbadener Zeitung 20. Dez. 1915, 23. März 1920, 22. Okt. 1920 und passim; Wiesbadener General-Anzeiger 4. Mai 1910 und passim; Wiesbadener Bade-Blatt unzählige Erwähnungen seit 1912, letztmals 26. Juni 1927; Wiesbadener Tagblatt 23. Mai 1909, 26. März 1920 und passim; Rheinische Volkszeitung 13. Okt. 1916 und passim; RiemannL 111929; Pazdírek; Frank/Altmann 151936; KürschnerDMK; Danneberg 1949; StiegerO; NassB

Abbildung: Porträt Rothers, in: Wiesbadener Bade-Blatt 26. Juni 1927


Noah Lieven

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  • Zuletzt geändert: 2023/01/23 12:05
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